Geschichte

Geschichte der Christus- und Garnisonkirche

Hier finden Sie einen Überblick über die Geschichte der Christus- und Garnisonkirche von ihren Anfängen mit der Stadtgründung Wilhelmshavens 1869 bis Ende des 20. Jahrhunderts. Für detaillierte Informationen bieten wir Ihnen unsere farbig bebilderte Broschüre von 1994 an. Sie ist über unser Gemeindebüro erhältlich und kostet 3 €. Gern können Sie sich hier auch zu einer Kirchenführung anmelden.

"Monate war unsere Kirche geschlossen. Am 11. Dezember 2011 war der Einzug in die frisch sanierte Kirche."
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Unsere Geschichte

„Mit Ludwig Müller tritt eine Person in den Blickpunkt, die mit Wilhelmshaven, mit der Marine, mit der Garnisonkirche dort verbunden ist. Müller war evangelischer Theologe und hat im Dritten Reich als Reichsbischof Karriere gemacht“, so schreibt Pfarrer Reinhold Rittner in seinem Sonderdruck (S. 128).
Der Sonderdruck zu Ludwig Müller beschäftigt sich mit dessen Person, den Hintergründen seiner Gesinnung und seiner Stellung in der Zeit des Nationalsozialismus.

Pfarrer Rittner war so freundlich uns den Sonderdruck als pdf-Datei für unsere Homepage zur Verfügung zu stellen.

Den vollständigen Sonderdruck finden sie hier zum Download. 

  • 1. Von der Gründung bis 1918

    Die Christus- und Garnisonkirche im Zentrum Wilhelmshavens, die Stadt selbst und die Marine sind über ihre gemeinsamen Ursprünge eng miteinander verbunden. So ist die Gründungsurkunde dieser Kirche von 1869 zugleich auch das Dokument, in welchem König Wilhelm I., der spätere Kaiser, der jungen preußischen Stadt ihren Namen gab. Der König selbst legte am 17. Juni 1869 auch den Grundstein dieser ersten Garnisonkirche überhaupt, die er für die evangelischen Soldaten bauen ließ.

    Das Bauwerk wurde von F. Adler entworfen und Pfingsten 1872 als Elisabethkirche eingeweiht. Sie wurde benannt nach der Gemahlin des verstorbenen Königs Friedrich Wilhelm IV. Das erste Geläut galt im März 1871 dem Frieden mit Frankreich. Bemerkenswert am Äußeren des neugotischen Backsteinbaus ist der Turm (55 m) über der Vierung (Kreuzung von Längs- und Querschiffen). Der westliche Teil des Längsschiffes hätte – so die ursprüngliche Option – bei Bedarf ohne großen Aufwand um ein bis zwei Jochfelder nach Westen verlängert werden können.

    Mehr als der ursprüngliche Name Elisabethkirche hatte sich zunächst die Bezeichnung ihrer Funktion durchgesetzt: Marinegarnisonkirche. Als solche stand sie zunächst nicht nur den evangelischen sondern auch den katholischen Soldaten der Marine sowie den zivilen Gemeinden beider Konfessionen zur Verfügung. Die evangelische Zivilgemeinde erhielt erst 1901 an der Adalbertstraße (Ecke Peterstraße) ihre eigene Kirche, die im II. Weltkrieg zerstörte Christuskirche.

    1889 ließ Kaiser Wilhelm II. erste Gedenktafeln an den Wänden des Längsschiffes anbringen. In den Jahren darauf erhöhte sich ihre Zahl auf neun marmorne Tafeln, auf denen Angehörige der preußischen und kaiserlichen Marine verzeichnet sind, die in den Jahren 1856 bis 1911 bei Auseinandersetzungen in den Kolonien, aber auch bei Havarien oder Schiffsuntergängen ums Leben kamen.

  • 2. Zwischen den Weltkriegen

    Nach dem I.Weltkrieg – in den 20er Jahren – wurden Marineflaggen, Rettungsringe und Schiffswappen ins Kircheninnere gebracht. Die heutigen Wappen an den Bänken sind Nachbildungen aus dem Jahr 1959, geschaffen von J. Schulz, Wilhelmshaven. Dazu gehören auch die alten Standarten des Hauses Hohenzollern, die ehemaligen Kommandoflaggen der Marine sowie das Steuerrad der Kaiseryacht Hohenzollern.

    Eine erste Gedenkstätte für Gefallene wurde errichtet: Mithilfe eines Ehrenbuchs wurde der Namen der 34.834 Toten der deutschen Marine des I. Weltkrieges gedacht, auf einer Holztafel waren die Verluste an Schiffen und Marineflugzeugen verzeichnet.

    Am 31. Mai 1926, dem zehnten Jahrestag der Skagerrakschlacht, wurde das von Hamburger Künstler H. Schnars-Alquist geschaffene Altarbild enthüllt. Die See wird als diejenige der Skagerrakschlacht interpretiert – sie wurde den über 8000 deutschen und englischen Seeleute zum Grab. Das Kreuz über dem Wasser als Zeichen des Trostes und der Hilfe bestimmt auch den Titel des Bildes: Durchs Kreuz zum Licht! –

    Das ursprüngliche, 1872 von Kaiser Wilhelm I. zur Einweihung gestiftete Altarbild Die Auferstehung Christi von P. Stankiewicz befindet sich seitdem auf der südlichen Empore.

    Aus den dreißiger Jahren stammt an der Nordwand des Längsschiffes das Segel zur Erinnerung an die Besatzung des Segelschulschiffs Niobe. Es kenterte in einer Fallbö im Juli 1932 vor der Insel Fehmarn. 69 Offiziere, Kadetten und Mannschaften kamen ums Leben. Von diesem Schiff stammt der Rettungsring mit Inschrift Segelschulschiff Niobe, die Galionsfigur und das Steuerrad im linken Seitenschiff mit der Inschrift „Gott mit uns“.

    Im zweiten Weltkrieg – im September 1942 – wurde die Kirche durch Bomben schwer beschädigt. Doch schon zu Weihnachten des gleichen Jahres war das Gotteshaus notdürftig soweit instandgesetzt, daß wieder Gottesdienste gefeiert werden konnten.

  • 3. Nach 1945

    Der behelfsmäßige Zustand dauerte bis zum Herbst 1957, als weitere Schäden offenkundig wurden und die Kirche baupolizeilich geschlossen werden mußte.

    Noch kurz zuvor, im Juni 1957, war im umgebauten Nordschiff das neue Mahnmal für die in beiden Weltkriegen gefallenen deutschen Marineangehörigen eingeweiht worden.

    Im Zentrum des Mahnmals befindet sich die von L. Gieß (Werkschule Köln) gestaltete Grabstätte eines unbekannten Seemanns – stellvertretend für alle diejenigen, die nicht in ihre Heimaterde überführt werden konnten. Im Fenster dahinter von L. P. Kowalski, Berlin, kehrt in moderner Form das Thema des Altarbildes wieder. Die linke Seite des Mahnmals dient dem Gedenken der Toten der Marine des I. Weltkrieges, die rechte Seite der des II. Weltkrieges. In den Nischen zu beiden Seiten sind Schatullen mit Namenslisten aufbewahrt, das Buch vor der rechten Nische enthält 63 686 Namen von verschollenen und gefallenen deutschen Marinesoldaten des II. Weltkrieges.

    Außerdem befinden sich auf den seitlichen Emporen weitere Gedenktafeln für ums Leben gekommene Marinesoldaten und Marinezahlmeister des I. Weltkrieges und eine Tafel mit den Namen der Toten des 1936 in der Lübecker Bucht gesunkenen Unterseebootes U 18.

    1956 war Wilhelmshaven mit Gründung der Bundeswehr erneut Marinegarnison geworden. 1959 übergab der Bund die Kirche nebst Grundstück in den Besitz der ev.-luth. Kirchengemeinde Wilhelmshaven.

    Im selben Jahr erfolgte die Wiederher-stellung des Gotteshauses unter der Maßgabe, sie auch als Traditionsstätte der Marine zu erhalten. Aus dieser Zeit rührt der Doppelname Christus- und Garnisonkirche. Denn die Kirche sollte auch die Tradition der zerstörten Christuskirche mit aufnehmen. Zum Zeichen dafür wurde das in Stein gehauene Christusbild jener Kirche über den Haupteingang gesetzt.

    Am 20. Dezember 1959, dem 4. Ad-ventssonntag, wurde das Gotteshaus wieder eingeweiht. Die Kirche trägt seitdem offiziell den Doppelnamen Christus- und Garnisonkirche. Auf den Namen Christuskirche weisen auch die drei bunten Chorfenster hin, die der Wilhelmshavener Künstler Ivar 0. Lim in den Jahren 1959 und 1960 schuf. Die Fenster stellen die Lebensgeschichte Jesu Christi dar, von der Anbetung der Weisen aus dem Morgenland über Kreuzigung und Auferstehung bis hin zur Ausgießung des Heiligen Geistes über Jesu Jünger.

    Die Orgel wurde ebenfalls 1959/60 von Alfred Führer, Wilhelmshaven, gebaut und von Detlef Kleukert, Bielefeld, 1981/82 erneuert. Sie enthält 32 Register in drei Manualen und einem Pedal, eine mechanische Spiel- und eine elektrische Registertraktur.

    Aus den Neunziger Jahren stammen zwei Gottesdienstelemente: der Kerzenständer in Form einer Weltkugel für Gebet und stilles Gedenken und der Taufbaum, an dem die Bilder der Täuflinge eines Jahres zur Erinnerung gesammelt werden.

  • Zum Schluß

    Für unsere Kirchengemeinde, die sich zu lebendigen Gottesdiensten und anderen Veranstaltungen in dieser Kirche trifft, bedeutet das so geschichtsträchtig gestaltete Kircheninnere eine doppelte Herausforderung.

    Zum einen hat sie mit dem Gedenken an die in den Kriegen Gefallenen ein Erbe übernommen, das sie besonders mit denen teilt, die immer noch diese Kirche aufsuchen, um ihrer gefallenen Kameraden oder Vorfahren zu gedenken. Zum anderen aber bedeutet die Erinnerung an die Weltkriege jüngeren Generationen eine kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und eine Mahnung für die Gegenwart.

    Die christliche Hoffnung und Verkündigung der Liebe läßt Menschen aufeinander zugehen. Ihr Glaube und ihr entsprechend gelebter Alltag schaffen die Gemeinschaft, die über alle Anfeindung hinweg versöhnend wirkt.

Zeittafel

Zeittafel zur Christus- und Garnisonkirche und ihrer Kirchengemeinde
(sowie der ehemaligen Christuskirche, der Stadt Wilhelmshaven und entspr. preußischer Daten)

bis 1858 König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen
20.07.1853 Unterzeichnung des Jade-Vertrages zum Erwerb von ca. 310 ha Land (zwischen Preußen und Oldenburg)
23.11.1854 Übergabe des Jadegebietes an Preußen
1856-1871 unter Wasserbauinspektor Heinr. Wilh. Goeker erste Hafenbauarbeiten
02.02.1861 Thronbesteigung von König Wilhelm I (nach Tod von Friedr. Wilh. IV)
31.08.1865 Auftrag des Königl. Marine-Ministeriums an Friedrich Adler zum Bau einer evangelischen Kirche im preußischen Jadegebiet
01.03.1869 Beginn der Fundierungsarbeiten für die Garnisonkirche
27.05.1869 Ausstellung der Wilhelmshavener Gründungsurkunde durch König Wilhelm I. und v. Roon
17.06.1869 Grundsteinlegung für die Garnisonkirche durch König Wilhelm I.
Nov.1870 Die Schraubenfregatte „Elisabeth“ läuft als erstes Schiff in den neuen Hafen ein
März1871 Erstes Glockengeläut zur Friedensfeier vom Turm der neuen Kirche
18.10.1871 Proklamation des deutschen Kaiserreiches in Versailles
19.05.1872 Pfingsten: Einweihung als evangelische Garnisonkirche mit dem Namen „Elisabethkirche“
1872-1882 Erich Langheld erster (Marine-) Pfarrer an der Kirche
1873 Wilhelmshaven wird um weitere 109 ha erweitert (bis Grenzstraße), wird den Zivilverwaltungen der Landdrostei Aurich und des Amtes Wittmund unterstellt und erhält Stadtrechte. (Wilhelmshaven unterstand vorher dem Admiralitätskommisariat in OL, welches nun aufgelöst wurde)
1879 Die Siedlungen Belfort, Metz und Sedan werden zur selbständigen Gemeinde Bant
1882 Gründung der „zivilen“ evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Wilhelmshaven
1882-1928 Christian Jahns erster Pfarrer der Zivilgemeinde (Amtseinführung am 03.12.1882)
19.07.1883 Erster „ziviler“ Gottesdienst in der Garnisonkirche
14.12.1883 Erste Kirchenvorstandswahl der „zivilen“ Kirchengemeinde Wilhelmshavens
01.01.1886 Anschluß der ziv. Gemeinde an die ev.-luth. Landeskirche Hannovers (gem. Kirchengesetz vom 28.10.1885)
28.05.1886 Erste Heilige Messe für die katholischen Soldaten der Marinegarnison
09.03.1888 Tod Wilhelms I. Thronbesteigung durch Friedrich III (bereits todkrank)
15.06.1888 Tod Friedrichs III. Der älteste Sohn Wilhelm II besteigt den Thron
1889 Erste Gedenktafeln an den Seitenwänden der Garnisonkirche (urspr. aus Holz)
Nov. 1892 Erste Kirchenvisitation der jungen Zivilgemeinde
1892 Wilhelmshaven erhält sein Rathaus an der Ecke Göker-/Rheinstraße)
19.09.1895 Anweisung von 200.000 Mk für den Bau einer Kirche für die Zivilgemeinde durch Kaiser Wilhelm II
07.06.1898 Grundsteinlegung für die „zivile“ Christuskirche (Ecke Peter-/Adalbertstr)
um 1900 das (preußische) Wilhelmshaven hat ca. 17.400 Einwohner (zusätzl. ca. 27.600 von Bant, Neuende und Heppens, insges. 45.000)
24.03.1901 10.00 Uhr: Einweihung der Christuskirche (am Sonntag Judica)
01.05.1911 Bant Heppens und Neuende werden zur Stadt Rüstringen
1914 Die „zivile“ Christuskirche wird vorübergehend zum Massenquartier
ab 14.09.1915 Friedrich A. Ronneberger wird Garnisonpfarrer
18.07.1917 Beginn des Ausbaus der beiden großen Glocken aus der Christuskirche
1918 Einwohnerzahlen in beiden Jadestädten (ohne Militär): 82.000 (Wilhelmshaven 24.000 und Rüstringen 58.000; die Werft allein beschäftigt ca. 20.000 Arbeiter)
12.04.1925 Einweihung der neuen Glocken in der Garnisonkirche
31.05.1926 Enthüllung des Altarbildes von Hugo Schnars-Alquist in der Garnisonkirche
09.05.1927 Besuch des Reichspräsidenten von Hindenburg in Stadt und Garnisonkirche
am ..?1933 Besuch von Hitler in Stadt und Kirche
05.08.1934 Einweihung des „Niobe“-Ehrenmals in der Garnisonkirche
01.04.1937 Wilhelmshaven und Rüstringen werden zur oldenburgischen Stadt Wilhelmshaven zusammengeschlossen.
1938 Wilhelmshaven ist Großstadt
1940 Wilhelmshaven hat mit ca. 133.000 Einwohnern den Höchststand erreicht
ab 1941 die „zivile“ Christuskirche durch mehrere Bombenangriffe zerstört, sie wird ab … (?) nicht mehr genutzt
14/15.09.1942 Schwere Beschädigung der Garnisonkirche durch Bomben; anschließend provisorische Wiederherstellung
ab 23.12.1942 Die Garnisonkirche wird wieder genutzt im 2. Weltkrieg Wilhelmshaven hatte insgesamt 102 Luftangriffe zu erleiden mit ca. 11.000 Sprengbomben und ca. 73.000 Brandbomben; ca. 50% des Stadtgebietes wurden zerstört
1946 Wilhelmshaven wird in das Land Niedersachsen eingegliedert
April 1955 Bundeskanzler Adenauer besucht die Garnisonkirche
02.06.1957 Einweihung des Marineehrenmals in der Garnisonkirche
3. Advent 1957 Schließung der Garnisonkirche wegen Einsturzgefahr
1958/1959 Gründliche Wiederherstellung der Kirche
23.04.1959 Erwerb der Garnisonkirche vom Bund durch die Kirchengemeinde
18.07.1959 2 Hülsen mit Urkunden werden im Altarraum eingemauert
17.11.1959 17.11.1959 20.12.1959 Wiedereinweihung mit dem Doppelnamen „Christus- und Garnisonkirche“ durch Landesbischof Jacobi
01.04.1960 Vertrag über die Mitbenutzung der Kirche für Zwecke der Militärseelsorge
24.12.1960 Einweihung der neuen Orgel (von Fa. Alfred Führer)
8./9(?).08.1965 Bundeskanzler Erhard zu Besuch (u.a. Kranzniederlegung am Ehrenmal)
19.05.1972 20.00 Uhr: Festgottesdienst zum 100. Kirchweihfest
23.10.1973 Diebstahl von Flaggen und des Kruzifixes vom Altar der Garnisonkirche
24.12.1977 Sturmschäden am Dach der Kirche
13.11.1979 Orgelinstandsetzung (in der Kirche), Fa. Kleuker
21.12.1980 Grundsteinlegung für Gemeindehaus Am Kirchplatz
22.04.1981 Richtfest für Gemeindehaus Am Kirchplatz
03.10.1981 Einweihung des neuen Gemeindhauses Am Kirchplatz
1982 Erneuerung der Orgel und Erweiterung von 29 auf 32 Register
durch Fa. Kleuker
1982 Innenrenovierung der Kirche (Wandmalerei und Altarraum)
12.11.1986 Brandstiftung in der Kirche und Zerstörungen am Altarbild
1989 Sanierung des Kirchturmes
1998 Sanierung des Glockenstuhls
1999 Restaurierung der Chorfenster, Erneuerung der Turmuhrzeiger, Neuanstrich des Chorraumes
Mai 2000 Umgestaltung des Südschiffs
5. Juli 2010 Beginn mit den Sanierungsarbeiten
11. Dezember 2011 Einzug in die frisch sanierte Kirche