Geschichte und Umgang mit Geschichte

Ein Doppelvortrag beschäftigt sich mit Ausstellung und Christus- und Garnisonkirche

Der nächste Vortrags- und Diskussionsabend zur Ausstellung „Mit Schwert und Talar“ findet am Mittwoch, 16. August 2017, um 19.30 Uhr in der Christus– und Garnisonkirche statt. Dieses Mal wird es um das absonderliche „Entjudungsinstitut“ gehen. Dieses war die geistige Heimat von Ludwig Müller, der einer der Protagonisten der Ausstellung ist. Im zweiten Teil des Abends wird es um den Umgang mit Geschichte in solch einer besonderen Kirche gehen.

Der Eintritt zum Vortrag ist frei.

„Christlicher Antisemitismus am Beispiel des Eisenacher ‚Entjudungsinstituts'“ 1939-45

Am 6. Mai 1939 wurde mit einem Festakt auf der Wartburg in Eisenach das „Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben“ auf der Grundlage einer Entschließung von elf evangelischen Landeskirchen gegründet. Das Institut war eng mit der Ideologie und Organisation der aus

Thüringen stammenden Kirchenbewegung „Deutsche Christen“ verbunden. Ziel dieser kirchenpolitischen Bewegung war es, den christlichen Glauben und die Institution der Kirche den ideologischen Vorgaben der nationalsozialistischen Ideologie anzupassen.

Dr. Oliver Arnhold wird neben Informationen zur Geschichte der Kirchenbewegung „Deutsche Christen“ und ihrer führenden Vertreter in seinem Vortrag die Problematik christlicher Schuld während der NS-Zeit thematisieren und zugleich die Blickrichtung auf die Opfer dieser Geschichte lenken. In diesem Zusammenhang stellt er auch die Arbeit des von 1939 bis 1945 in Eisenach existierenden kirchlichen „Entjudungsinstitutes“ vor.

Dr. Oliver Arnhold ist Studiendirektor am Christian-Dietrich-Grabbe-Gymnasium in Detmold und unterrichtet die Fächer Mathematik und Evangelische Religionslehre. Ferner arbeitet er als Dozent für Religionspädagogik und kirchliche Zeitgeschichte an den Universitäten Bielefeld und Paderborn.

Umgang mit Geschichte in kirchlichen Gedenkstätten

Geistlicher und/ oder geschichtsbelasteter Ort

Nicht nur die Wilhelmshavener Citykirche ist durch die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts geprägt, auch viele andere Kirche des Nordens setzten sich mit ihrer Geschichte immer wieder auseinander. Dr. Stephan Linck ist Studienleiter für Erinnerungskultur und Gedenkstättenarbeit in der Akademie der Nordkirche und als solcher ausgewiesener Spezialist für manch belastete Geschichte der Kirchen im Nationalsozialismus.  Er steht für Anregungen, Beispiele und Standpunkte bereit.

Linck konzipierte die 2001 eröffnete Wanderausstellung „Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933-1945“, die eine intensive Diskussion über kirchlichen Antisemitismus auslöste. 2013 erschien von ihm unter dem Titel „Neue Anfänge?“ der erste Teil seiner Untersuchung über den Umgang der Kirchen Nordelbiens mit ihrer NS-Vergangenheit, der die Zeit bis 1965 bearbeitet. 2016 hat er den zweiten Teil abgeschlossen, der die Zeit von 1965 bis 1985 zum Inhalt hat. Mehr Informationen auf nordkirche-nach45.de

Stephan Linck studierte Geschichte, Politik, Literatur und Archivwissenschaft in Kiel und Potsdam. Seine Dissertation über die Entwicklung der deutschen Polizei von Weimar bis zur Bundesrepublik am Beispiel Flensburgs erschien 2000 unter dem Titel „Der Ordnung verpflichtet“.