{"id":10448,"date":"2018-08-01T18:50:00","date_gmt":"2018-08-01T16:50:00","guid":{"rendered":"https:\/\/christusnews.de\/site\/erst-retten-dann-fragen\/"},"modified":"2018-08-01T18:50:00","modified_gmt":"2018-08-01T16:50:00","slug":"erst-retten-dann-fragen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/erst-retten-dann-fragen\/","title":{"rendered":"Erst retten, dann fragen"},"content":{"rendered":"<p>Seit einem Jahr darf die \u00abIuventa\u00bb im Mittelmeer keine Fl\u00fcchtlinge mehr retten. Der Vorwurf: Zusammenarbeit mit Schleusern. \u00abAber das ist Quatsch, sagt \u00bbIuventa\u00ab-Kapit\u00e4n Jonas Buja. \u00bbWir sind wie die Feuerwehr. Und da gilt: Erst retten, dann fragen.&quot;<\/p>\n<p>Leer (epd). Das Bild der beiden toten jungen Frauen geht Jonas Buja nicht aus dem Sinn. Gleich am zweiten Tag seiner ersten Rettungsmission an Bord der \u00abIuventa\u00bb vor der libyschen K\u00fcste konnte die Crew die beiden Fl\u00fcchtlinge nur noch tot aus einem v\u00f6llig \u00fcberladenen Schlauchboot bergen. \u00abDa habe ich gedacht, was machst du hier eigentlich? Das ist doch alles Sch&#8230;\u00bb Doch dann habe der 26-J\u00e4hrige sich umgedreht und in das Gesicht eines jungen Mannes geblickt, der noch vor wenigen Minuten in dem selben Schlauchboot um sein Leben bangte und ihn nun freudig anstrahlte. \u00abDa war mit klar, ich tue das Richtige, ich rette hier Menschen vor dem sicheren Ertrinken.\u00bb<\/p>\n<p>Zwischen 2016 und Mitte 2017 war der nautische Offizier aus Leer in Ostfriesland f\u00fcnfmal als Freiwilliger auf der \u00abIuventa\u00bb im Mittelmeer im Einsatz. Dreimal als Erster Offizier, zweimal als Kapit\u00e4n. \u00abDas war eine harte Zeit mit sehr wenig Schlaf\u00bb, sagt Buja. Der evangelische Kirchenvorsteher bezieht seine Motivation f\u00fcr den strapazi\u00f6sen Einsatz aus seinem christlichen Glauben: \u00abAls Gottes Gesch\u00f6pf hat jeder ein Recht darauf, gerettet zu werden &#8211; auch schiffbr\u00fcchige Fl\u00fcchtlinge.\u00bb<\/p>\n<p>Doch das Retten von Fl\u00fcchtlingen aus \u00fcberladenen Booten wird immer schwieriger. Vor genau einem Jahr wurde die \u00abIuventa\u00bb von den italienischen Beh\u00f6rden beschlagnahmt und im sizilianischen Trapani an die Kette gelegt. Der Vorwurf: Zusammenarbeit mit Schleusern. \u00abDas ist Wahnsinn\u00bb, sagt Buja. Beweise k\u00f6nnen die Italiener nicht vorlegen. Nicht einmal eine Anklage wurde seitdem erhoben. Aber ein altes Anti-Mafia-Gesetz erlaubt die pr\u00e4ventive Beschlagnahmung des Schiffes &#8211; auch ohne Beweise.<\/p>\n<p>Auf die Frage, ob die privaten Rettungsschiffe nicht den Schleppern in die H\u00e4nde spielen, winkt Buja ab. \u00abIch sehe das so: Die Menschen sind jetzt in den Booten in Seenot. Da sind wir wie die Feuerwehr. Die fragt auch nicht erst, warum etwas brennt oder ob ein Brandstifter das Feuer gelegt hat, sondern l\u00f6scht den Brand und rettet die Menschen. Wenn alle in Sicherheit sind ist Zeit, Fragen zu stellen.\u00bb<\/p>\n<p>Auch den Vorwurf, ohne die private Rettungsschiffe w\u00fcrden sich die Fl\u00fcchtlinge gar nicht erst aufs Mittelmeer wagen, weist Buja zur\u00fcck: \u00abEs war schon immer klar, dass das nicht stimmt.\u00bb Allein in diesem Jahr seien bereits mehr als 600 Menschen bei dem Versuch nach Europa zu gelangen ertrunken, sagt er: \u00abDie Leute kommen. Und sie kommen nicht, weil das Wetter in Europa sch\u00f6ner ist, sondern weil sie ihre Kinder in Afrika nicht satt kriegen oder weil sie verfolgt werden.\u00bb<\/p>\n<p>Die Boote der Fl\u00fcchtlinge sind etwa zehn Meter lang und mit bis zu 160 Menschen beladen. \u00abWenn du die \u00fcberladenen Schlauchboote siehst, kannst du es kaum glauben\u00bb, berichtet Buja. \u00abDie hocken eng an eng zusammengequetscht wie Sardinen in der Dose.\u00bb Schlepper sind nicht mit an Bord. \u00abIrgendeiner kann immer den Motor des Bootes bedienen.\u00bb Wenn die Gefl\u00fcchteten Gl\u00fcck haben, geben ihnen die Schlepper einen Kompass oder ein Satelliten-Telefon, mit dem sie unter einer eingespeicherten Nummer die Seenotrettungsleitstelle in Rom erreichen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wer sich einmal in die H\u00e4nde der Schlepper begeben hat, hat keine Chance mehr, es sich anders zu \u00fcberlegen, haben Gerettete Buja berichtet. An der libyschen K\u00fcste gebe es Ghettos, in denen die Fl\u00fcchtlinge auf ihre \u00dcberfahrt warten. Das Gesch\u00e4ft lohnt sich f\u00fcr die Schleuser. Der Preis f\u00fcr einen Platz im Schlauchboot liegt zwischen 350 und 1.000 Euro.<\/p>\n<p>Nachts w\u00fcrden die Menschen bei ruhiger See in die Boote gesetzt &#8211; manchmal bedroht durch Schusswaffen &#8211; und losgeschickt. \u00abWir finden sie dann bei Sonnenaufgang\u00bb, sagt Buja. In der Regel seien sie dann ersch\u00f6pft, ver\u00e4ngstigt und seekrank. \u00abOft haben sie \u00fcble Verletzungen, wenn Benzin ausl\u00e4uft und sich mit Salzwasser im Boot vermischt. Das pellt die Haut wie bei einer Verbrennung ab.\u00bb<\/p>\n<p>Jonas Buja hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, bald wieder an Bord der \u00abIuventa\u00bb Menschenleben zu retten. \u00abSie liegt zwar im Hafen und wir d\u00fcrfen sie nicht warten &#8211; aber die Iuventa schwimmt noch.\u00bb<\/p>\n<p>Das Schiff geh\u00f6rt dem Verein \u00abJugend rettet\u00bb, der 2015 von jungen Menschen in Berlin gegr\u00fcndet wurde, nachdem mehr als 800 Fl\u00fcchtlinge bei einem Ungl\u00fcck im Mittelmeer gestorben waren. Im Juni 2016 war der 33 Meter lange fr\u00fchere Fischtrawler von Emden aus zu seiner ersten Mission aufgebrochen. Die wechselnden ehrenamtlichen Crews bestehen aus erfahrenen Seeleuten und jungen Helfern.<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\">Info:<\/span><br \/>In ausgew\u00e4hlten Kinos l\u00e4uft derzeit die Dokumentation \u00abIuventa &#8211; Der Film\u00bb.<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\">Internet: <\/span><br \/>www.iuventa-film.de <br \/>www.jugendrettet.org\/de <br \/>www.facebook.com\/JugendRettet <\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\">Ein Beitrag von J\u00f6rg Nielsen (epd).<br \/><\/span><br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit einem Jahr darf die \u00abIuventa\u00bb im Mittelmeer keine Fl\u00fcchtlinge mehr retten. Der Vorwurf: Zusammenarbeit mit Schleusern. \u00abAber das ist Quatsch, sagt \u00bbIuventa\u00ab-Kapit\u00e4n Jonas Buja. \u00bbWir sind wie die Feuerwehr. Und da gilt: Erst retten, dann fragen.&quot; Leer (epd). Das Bild der beiden toten jungen Frauen geht Jonas Buja nicht aus dem Sinn. 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