{"id":10774,"date":"2018-10-01T15:12:00","date_gmt":"2018-10-01T13:12:00","guid":{"rendered":"https:\/\/christusnews.de\/site\/die-hoffnung-zuerst\/"},"modified":"2018-10-01T15:12:00","modified_gmt":"2018-10-01T13:12:00","slug":"die-hoffnung-zuerst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/die-hoffnung-zuerst\/","title":{"rendered":"Die Hoffnung zuerst"},"content":{"rendered":"<p>Als der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) mit dem leitenden Bremer Theologen Renke Brahms Anfang Oktober vor zehn Jahren erstmals einen Friedensbeauftragten einsetzte, ging es vor allem um kircheninterne Aufgaben. Brahms sollte die vielf\u00e4ltige Friedensarbeit im Raum der EKD b\u00fcndeln und als Botschafter der 2007 ver\u00f6ffentlichten kirchlichen Friedensdenkschrift auftreten. Doch Kriege wie in Syrien, Afghanistan und dem Nordirak und den damit verkn\u00fcpften Debatten machten aus der Aufgabe schnell einen \u00f6ffentlich viel beachteten Job, eine Beauftragung mit gro\u00dfer medialer Pr\u00e4senz.<br \/>&nbsp;&nbsp;<br \/>\nDabei spielte auch der Satz der ehemaligen EKD-Ratsvorsitzenden Margot K\u00e4\u00dfmann vom Neujahr 2010 \u00abNichts ist gut in Afghanistan\u00bb eine wichtige Rolle. \u00abDas hat die \u00f6ffentliche Diskussion \u00fcber Auslandseins\u00e4tze der Bundeswehr und zivile Konfliktl\u00f6sungen in Gang gebracht\u00bb, bilanziert Brahms und erg\u00e4nzt aus heutiger Sicht mit Blick auf die gegenw\u00e4rtige Sicherheitslage am Hindukusch: \u00abDer Satz hat sich leider bewahrheitet.\u00bb<br \/>&nbsp;&nbsp;<br \/>\nDie im Oktober 2007 vorgelegte EKD-Friedensdenkschrift steht f\u00fcr eine internationale Politik der Konfliktpr\u00e4vention vorrangig durch zivile Mittel. Zur Durchsetzung des Rechts und zur Wahrung des Friedens sei die Androhung und Anwendung von milit\u00e4rischer Gewalt nur als \u00e4u\u00dferstes Mittel ethisch vertretbar, hei\u00dft es darin. Diese Ultima Ratio spielte in den ersten Jahren auch in Vortr\u00e4gen und Diskussionsbeitr\u00e4gen von Brahms eine wichtige Rolle.<br \/>&nbsp;&nbsp;<br \/>\nDoch das hat sich ge\u00e4ndert. \u00abIch rede jetzt zuerst \u00fcber unsere christliche Prima Ratio, \u00fcber die vorrangige gewaltfreie Konfliktbearbeitung\u00bb, betont der 62-J\u00e4hrige. Angesichts der Krisen, Kriege und Konflikte auf der Welt gebe es viele Gr\u00fcnde zur Resignation. \u00abGerade deshalb brauchen wir Beispiele, die uns einen positiven Weg zum Frieden zeigen.\u00bb<br \/>&nbsp;&nbsp;<br \/>\n\u00abWenn du den Frieden willst, bereite den Frieden vor\u00bb: Das ist f\u00fcr Brahms der Kern christlicher Friedensethik, f\u00fcr den es auch Beispiele gibt. \u00abDer Mauerfall, die Friedensd\u00f6rfer in Ruanda, die Arbeit des internationalen christlichen Friedensdienstes Eirene beispielsweise in Mali &#8211; das ist alles real, daraus k\u00f6nnen wir Hoffnung sch\u00f6pfen\u00bb, betont Brahms. Sein Besuch im Februar 2011 bei den Soldaten in Masar-i-Scharif und die Jahre danach h\u00e4tten ihm die zentrale Lektion aus dem Krieg in Afghanistan deutlich vor Augen gef\u00fchrt: \u00abEin rein milit\u00e4rischer Einsatz ist zum Scheitern verurteilt.\u00bb<br \/>&nbsp;&nbsp;<br \/>\nAuf der anderen Seite haben internationale Begegnungen wie die Friedenstagung des Weltkirchenrates 2011 auf Jamaika und das Treffen 2013 im s\u00fcdkoreanischen Busan in anderer Hinsicht tiefe Spuren bei ihm hinterlassen. \u00abMenschen, die viel bedr\u00e4ngter von Krieg und Tod sind, sehen milit\u00e4rische Eins\u00e4tze ganz anders\u00bb, fasst Brahms zusammen. \u00abDa funktioniert Schwarz-Wei\u00df-Denken nicht mehr. Das ist eine eher deutsche Diskussion.\u00bb Die Welt sei komplizierter geworden und f\u00fchre zur Frage: \u00abSind nicht doch manchmal Zwangsma\u00dfnahmen zum Schutz n\u00f6tig?\u00bb<br \/>&nbsp;&nbsp;<br \/>\nUnd doch betont Brahms den Vorrang f\u00fcr gewaltfreie Konfliktl\u00f6sungen. So sorgte er 2014 f\u00fcr Aufsehen, als er forderte, Deutschland sollte ein \u00abstehendes Heer\u00bb an Friedensfachkr\u00e4ften aufbauen. Und zu seinem 60. Geburtstag vor zwei Jahren w\u00fcnschte er sich, \u00abdass der zivile Friedensdienst als Instrument der zivilen Konfliktbearbeitung sp\u00e4testens in zehn Jahren so gut ausgestattet und mindestens so bekannt ist wie die Bundeswehr\u00bb.<br \/>&nbsp;&nbsp;<br \/>\nDie Art und Weise, wie Brahms sein Amt ausf\u00fcllt, trifft auf viel Zustimmung. Er verleihe der evangelischen Friedensarbeit \u00abGesicht und eine markante Stimme\u00bb, lobt beispielsweise der Vorsitzende der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft f\u00fcr Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) sowie des Vereins f\u00fcr Friedensarbeit im Raum der EKD, Christoph M\u00fcnchow.<br \/>&nbsp;&nbsp;<br \/>\nDie Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Dienst f\u00fcr den Frieden (AGDF), Christine Busch, nennt Brahms einen wichtigen und oft unbequemen Mahner. Der Vizepr\u00e4sident im EKD-Kirchenamt, Horst Gorski, hebt Brahms&#8217; Einsatz f\u00fcr Abr\u00fcstung, eine St\u00e4rkung internationaler Organisationen, gewaltfreie Konfliktl\u00f6sungen und einen gerechten Frieden hervor. Er habe \u00abdurch seine langj\u00e4hrige Arbeit einen gro\u00dfen Anteil daran, dass sich viele Landeskirchen und die EKD Gedanken machen, wie der Weg hin zu einer Kirche der Gerechtigkeit und des Friedens aussehen k\u00f6nnte\u00bb.<br \/>&nbsp;&nbsp; <br \/>N\u00e4chstes Jahr im November soll der Frieden Schwerpunkt der EKD-Synode in Dresden sein. Schon von Januar an gilt f\u00fcr die Kirche die biblische Jahreslosung \u00abSuche Frieden und jage ihm nach\u00bb. Eine Steilvorlage f\u00fcr Brahms, der an der Vorbereitung der Friedenssynode mitarbeitet und darin eine B\u00fcndelung seiner bisherigen Arbeit sieht.<br \/>\n&nbsp;&nbsp; <br \/>F\u00fcr ihn ist gerade vor dem Hintergrund neuer Herausforderungen wie den Diskussionen um fragile Staaten, Drohnen und vollautomatische Waffensysteme klar: \u00abAus der Kraft des Evangeliums heraus d\u00fcrfen wir klar Position beziehen &#8211; gerade in Friedensfragen.\u00bb<\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\">epd<\/span><br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) mit dem leitenden Bremer Theologen Renke Brahms Anfang Oktober vor zehn Jahren erstmals einen Friedensbeauftragten einsetzte, ging es vor allem um kircheninterne Aufgaben. 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