{"id":10882,"date":"2018-10-24T09:13:00","date_gmt":"2018-10-24T07:13:00","guid":{"rendered":"https:\/\/christusnews.de\/site\/historiker-kaufmann-reformationstag-ist-tag-der-vielfalt\/"},"modified":"2018-10-24T09:13:00","modified_gmt":"2018-10-24T07:13:00","slug":"historiker-kaufmann-reformationstag-ist-tag-der-vielfalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/historiker-kaufmann-reformationstag-ist-tag-der-vielfalt\/","title":{"rendered":"Historiker Kaufmann: Reformationstag ist Tag der Vielfalt"},"content":{"rendered":"<p>G\u00f6ttingen (epd). Der Reformationstag am 31. Oktober bietet aus Sicht des G\u00f6ttinger Kirchenhistorikers Thomas Kaufmann einen Anlass, um \u00fcber die religi\u00f6se und weltanschauliche Vielfalt der modernen Gesellschaft nachzudenken. \u00abAn diesem Tag erinnern wir uns daran, dass mit der Reformation im 16. Jahrhundert ein Differenzierungsprozess begann, in dem wir bis heute stehen\u00bb, sagte Kaufmann dem Evangelischen Pressedienst (epd). Mit der evangelischen Kirche sei damals in Nord-, West- und Mitteleuropa erstmals eine zweite Religionsgemeinschaft neben die katholische Kirche oder an deren Stelle getreten. Seither sei die religi\u00f6se Landschaft insgesamt pluraler geworden.<\/p>\n<p>Der Reformationstag wird in diesem Jahr in Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein erstmals als regul\u00e4rer gesetzlicher Feiertag begangen. Das hatten die Parlamente der vier L\u00e4nder in der ersten Jahresh\u00e4lfte beschlossen. Der Reformationstag erinnert an die Ver\u00f6ffentlichung der 95 Thesen gegen Missst\u00e4nde in der mittelalterlichen Kirche durch Martin Luther (1483-1546). In Ostdeutschland au\u00dfer Berlin ist er bereits seit 1990 ein arbeitsfreier Feiertag.<\/p>\n<p>Als \u00abantikatholischer Kampftag\u00bb wie in fr\u00fcheren Zeiten lasse sich der Reformationstag heute nicht mehr inszenieren, sagte der evangelische Theologieprofessor Kaufmann. Daran habe in der evangelischen Kirche allerdings auch niemand Interesse. \u00abDas ist in erster Linie ein staatlicher Feiertag, der sich auf die Geschichte unseres Landes bezieht und zun\u00e4chst nicht mit einer Bejahung der evangelischen Kirche verbunden ist\u00bb, unterstrich Kaufmann. \u00abEr \u00fcberw\u00e4ltigt niemanden und ist zumutbar auch f\u00fcr Menschen anderer Religionen und Konfessionen und auch f\u00fcr religionslose Menschen.\u00bb<\/p>\n<p>Die Kritik j\u00fcdischer Verb\u00e4nde am Reformationstag wegen der judenfeindlichen \u00c4u\u00dferungen Luthers k\u00f6nne er nicht nachvollziehen, sagte Kaufmann. \u00abDazu sind kl\u00e4rende Worte gesprochen worden. Ich kenne niemanden in der evangelischen Kirche, der die sp\u00e4ten judenfeindlichen \u00c4u\u00dferungen Luthers auch nur von ferne guthei\u00dfen w\u00fcrde.\u00bb Kaufmann hatte selbst ein Werk zum Judenhass Luthers publiziert. \u00abMan muss mir erstmal eine Religionsgemeinschaft zeigen, die eine ihrer Zentralfiguren in einer derartig kritischen Weise dekonstruiert, wie wir es im Blick auf Luthers Haltung zu den Juden getan haben.\u00bb<\/p>\n<p>Der Reformationstag biete heute auch einen Anlass, in \u00abdifferenzierter und respektvoller Weise\u00bb \u00fcber das Trennende zwischen Christen und Juden zu sprechen, sagte der Theologe. Das k\u00f6nne ein \u00abGewinn f\u00fcr beide Seiten\u00bb sein. \u00abDas w\u00fcnsche ich mir auch im Verh\u00e4ltnis zu den Muslimen. Respekt und Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Glaubensauffassungen anderer, die nicht meine sind, bilden die Voraussetzung f\u00fcr wirklich gelebte Toleranz.\u00bb<\/p>\n<p>Source: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G\u00f6ttingen (epd). Der Reformationstag am 31. Oktober bietet aus Sicht des G\u00f6ttinger Kirchenhistorikers Thomas Kaufmann einen Anlass, um \u00fcber die religi\u00f6se und weltanschauliche Vielfalt der modernen Gesellschaft nachzudenken. \u00abAn diesem Tag erinnern wir uns daran, dass mit der Reformation im 16. Jahrhundert ein Differenzierungsprozess begann, in dem wir bis heute stehen\u00bb, sagte Kaufmann dem Evangelischen Pressedienst (epd). Mit der evangelischen Kirche sei damals in Nord-, West- und Mitteleuropa erstmals eine zweite Religionsgemeinschaft neben die katholische Kirche oder an deren Stelle getreten. Seither sei die religi\u00f6se Landschaft insgesamt pluraler geworden. 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