{"id":11827,"date":"2019-03-21T11:25:00","date_gmt":"2019-03-21T10:25:00","guid":{"rendered":"https:\/\/christusnews.de\/site\/ruthje-baba-und-die-rote-zora-in-deutschland-nutzen-immer-mehr-gaertner-und-umweltaktivisten-freies-saatgut\/"},"modified":"2019-03-21T11:25:00","modified_gmt":"2019-03-21T10:25:00","slug":"ruthje-baba-und-die-rote-zora-in-deutschland-nutzen-immer-mehr-gaertner-und-umweltaktivisten-freies-saatgut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/ruthje-baba-und-die-rote-zora-in-deutschland-nutzen-immer-mehr-gaertner-und-umweltaktivisten-freies-saatgut\/","title":{"rendered":"Ruthje, Baba und die Rote Zora &#8211; In Deutschland nutzen immer mehr G\u00e4rtner und Umweltaktivisten freies Saatgut"},"content":{"rendered":"<p>Weltweit beherrschen wenige Konzerne den Markt f\u00fcr Saatgut, die Vielfalt der Pflanzensorten nimmt erschreckend ab. Doch es gibt eine Gegenbewegung. Das zeigen Tauschb\u00f6rsen, deren Zahl in Deutschland von Jahr zu Jahr w\u00e4chst. Experten sehen einen Boom.<\/p>\n<p>Bremen (epd). Was da in T\u00fctchen auf dem gro\u00dfen Tisch der Bremer Saatgut-Tauschb\u00f6rse liegt, braucht noch Fantasie. Kleine K\u00f6rner, mal grau, mal br\u00e4unlich. Aber mit Potenzial. \u00abRuthje\u00bb-Samen beispielsweise versprechen eine leuchtend rote und leicht herzf\u00f6rmige Tomate, mit ausgewogenem S\u00fc\u00dfe-S\u00e4ure-Verh\u00e4ltnis. Daneben liegen Samen der \u00abRoten Zora\u00bb, die mild-aromatische Fr\u00fcchte hervorbringen soll.<br \/>Und wer zur \u00abBaba\u00bb greift, kann sich m\u00f6glicherweise im Sommer \u00fcber Riesentomaten mit massenweise Fruchtfleisch freuen. Die Tomaten-Vielfalt auf der Tauschb\u00f6rse ist enorm.<\/p>\n<p>Und alle Saaten &#8211; egal ob Tomaten, M\u00f6hren, Erbsen oder Zucchini &#8211; haben hier eines gemeinsam: Sie sind samenfest. \u00abDas hei\u00dft, jeder kann sie selbst vermehren\u00bb, erl\u00e4utert Umweltaktivistin und Gartenfachberaterin Rike Fischer von der Initiative \u00abBremen im Wandel\u00bb, die die B\u00f6rse mit organisiert hat. Im herk\u00f6mmlichen Handel sind Saaten dieser Art kaum noch zu finden, sondern fast nur noch sogenannte \u00abHybride\u00bb &#8211; Saaten f\u00fcr Pflanzen, die sich nicht nachz\u00fcchten lassen, sondern jedes Jahr neu gekauft werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Saatgut-Tauschb\u00f6rsen mit regionalen Sorten wie im alten Bremer G\u00fcterbahnhof oder das gro\u00dfe Saatgut-Festival in D\u00fcsseldorf mit Tausenden Besuchern haben gerade m\u00e4chtig Konjunktur. \u00abIhre Zahl verdoppelt sich jedes Jahr\u00bb, sagt Susanne Gura aus Bonn, Vorsitzende des bundesweiten Vereins zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt: \u00abFr\u00fcher hat das kaum jemanden interessiert, heute ist es fast schon eine Volksbewegung.\u00bb F\u00fcr die Agrarexpertin ist es wichtig, die weltweite Ern\u00e4hrungssicherheit durch Sortenvielfalt zu erhalten.<\/p>\n<p>Doch genau die sei gef\u00e4hrdet, warnt Saatgut-G\u00e4rtner Max Rehberg aus dem nieders\u00e4chsischen Westen. \u00abDie zehn gr\u00f6\u00dften Saatgut-Konzerne kontrollieren 70 Prozent des Weltmarktes, in Deutschland sind es f\u00fcnf Unternehmen mit 95 Prozent Marktanteil.\u00bb Produziert werde nur, was sich in gro\u00dfen Mengen verkaufen lasse. Vielfalt rechne sich f\u00fcr die Konzerne nicht.<\/p>\n<p>Mit fatalen Folgen, meint Anja Banzhaf, Garten- und Saatgutaktivistin aus G\u00f6ttingen. B\u00f6den und Klima seien vielf\u00e4ltig, die Pflanzen m\u00fcssten es deshalb auch sein. Nur ein gro\u00dfer Genpool erm\u00f6gliche es, Sorten zu entwickeln, die sich an Umweltver\u00e4nderungen anpassen k\u00f6nnten. F\u00fcr Banzhaf haben diese Zusammenh\u00e4nge auch eine politische Seite. Denn wer das Saatgut kontrolliere, kontrolliere einen Gro\u00dfteil des Nahrungsmittelangebots, sagt sie. Ein Buch von ihr zum Thema tr\u00e4gt deshalb den Titel: \u00abWer die Saat hat, hat das Sagen.\u00bb<\/p>\n<p>Wie es um die Gem\u00fcse-Vielfalt tats\u00e4chlich bestellt ist, dokumentiert eine Studie der Bundesanstalt f\u00fcr Landwirtschaft und Ern\u00e4hrung, die vergangenes Jahr erschienen ist. Demnach sind von 7.000 Sorten und Arten, die es zwischen 1836 bis 1956 in Deutschland noch gab, 75 Prozent verschwunden. Weitere 16 Prozent der urspr\u00fcnglichen Gem\u00fcsevielfalt gelten als gef\u00e4hrdet, weil ihr Saatgut innerhalb Europas nur noch in Genbanken oder bei verschiedenen Saatgutinitiativen existiert. Die \u00fcbrigen neun Prozent werden bis heute angebaut.<\/p>\n<p>Gleichzeitig wachsen die Konzerne, die Saatgut patentieren und verkaufen. Heute sei Saatgut, das von jeder Pflanze im \u00dcberfluss produziert werde, gr\u00f6\u00dftenteils zur Ware geworden, meint Rike Fischer: \u00abTauschb\u00f6rsen setzen dem etwas entgegen.\u00bb<\/p>\n<p>Und auch Biog\u00e4rtner wie Jan Bera, der im Umland von Bremen einen Hof nach dem Prinzip der Solidarischen Landwirtschaft f\u00fchrt. Einen gro\u00dfen Teil der Saaten, die er f\u00fcr die Anzucht in seinen Gew\u00e4chsh\u00e4usern braucht, vermehrt er selbst und passt sie so ideal an die Produktionsbedingungen auf dem Hof an. In seiner Saatgut-Schatzkammer schlummern Hunderte unterschiedlicher Samensorten, beispielsweise von Tomaten, Mais, Kohl, Auberginen und Mangold.<\/p>\n<p>\u00abPflanzen, hacken, ernten &#8211; das ist mir zu wenig\u00bb, sagt der 38-J\u00e4hrige. Jahrtausendelang habe die Vielfalt der Pflanzen die Ern\u00e4hrung der Menschen gesichert. \u00dcber Generationen seien die Saaten weitergegeben worden. Heute dagegen arbeiteten die meisten Bauern mit gekauftem Material, das f\u00fcr die maschinelle Produktion optimiert worden sei. \u00abAber Vielfalt ist ein Kulturgut, das sich die Menschheit erarbeitet hat &#8211; und wir sind dabei, es auf die M\u00fcllkippe zu schmei\u00dfen\u00bb, kritisiert Bera.<\/p>\n<p>G\u00e4rtner wie Max Rehberg z\u00fcchten deshalb auch neue Sorten, die sie mit einer Open-Source-Lizenz versehen, um sie vor einer profitorientierten Patentierung durch Konzerne zu sch\u00fctzen. So vermehrt Rehberg beispielsweise die \u00abSunviva\u00bb, eine robuste Freiland-Tomatensorte mit leuchtend gelben Fr\u00fcchten und fruchtigem Aroma, die der G\u00f6ttinger Saatgut-Hersteller Culinaris vertreibt.<\/p>\n<p>Jeder darf die Sorte kostenlos verwenden, weitergeben und Geld damit verdienen. Wer nicht selbst vermehren will, dem empfiehlt Rehberg den Besuch von B\u00f6rsen wie in Bremen oder D\u00fcsseldorf und appelliert: \u00abTauscht Saatgut, kauft samenfeste Bioware.\u00bb Damit auch k\u00fcnftig regionale und alte Gem\u00fcse-Sorten wie der Pfl\u00fccksalat \u00abOchsenzunge\u00bb, die Stangenbohne \u00abKlosterfrauen\u00bb oder die Pastinake \u00abSchleswiger Schnee\u00bb eine \u00dcberlebenschance haben.<br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weltweit beherrschen wenige Konzerne den Markt f\u00fcr Saatgut, die Vielfalt der Pflanzensorten nimmt erschreckend ab. Doch es gibt eine Gegenbewegung. Das zeigen Tauschb\u00f6rsen, deren Zahl in Deutschland von Jahr zu Jahr w\u00e4chst. Experten sehen einen Boom. Bremen (epd). Was da in T\u00fctchen auf dem gro\u00dfen Tisch der Bremer Saatgut-Tauschb\u00f6rse liegt, braucht noch Fantasie. Kleine K\u00f6rner, mal grau, mal br\u00e4unlich. Aber mit Potenzial. \u00abRuthje\u00bb-Samen beispielsweise versprechen eine leuchtend rote und leicht herzf\u00f6rmige Tomate, mit ausgewogenem S\u00fc\u00dfe-S\u00e4ure-Verh\u00e4ltnis. Daneben liegen Samen der \u00abRoten Zora\u00bb, die mild-aromatische Fr\u00fcchte hervorbringen soll.Und wer zur \u00abBaba\u00bb greift, kann sich m\u00f6glicherweise im Sommer \u00fcber Riesentomaten mit massenweise Fruchtfleisch&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"false","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[43],"tags":[44],"class_list":["post-11827","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kirche-oldenburg","tag-kirche-oldenburg"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11827","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11827"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11827\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11827"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11827"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11827"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}