{"id":11837,"date":"2019-03-22T11:58:00","date_gmt":"2019-03-22T10:58:00","guid":{"rendered":"https:\/\/christusnews.de\/site\/expertin-fachkraefte-in-jugendaemtern-sind-schlecht-ausgebildet\/"},"modified":"2019-03-22T11:58:00","modified_gmt":"2019-03-22T10:58:00","slug":"expertin-fachkraefte-in-jugendaemtern-sind-schlecht-ausgebildet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/expertin-fachkraefte-in-jugendaemtern-sind-schlecht-ausgebildet\/","title":{"rendered":"Expertin: Fachkr\u00e4fte in Jugend\u00e4mtern sind schlecht ausgebildet"},"content":{"rendered":"<p>L\u00fcgde\/Koblenz (epd). Eklatante Defizite in der Ausbildung sozialp\u00e4dagogischer Fachkr\u00e4fte sind nach Ansicht der Koblenzer Politikwissenschaftlerin Kathinka Beckmann in hohem Ma\u00dfe verantwortlich daf\u00fcr, dass Jugend\u00e4mter in Deutschland Gewalt gegen Kinder immer wieder \u00fcbersehen. In vielen Hochschulen und Universit\u00e4ten werde dieses Thema gar nicht oder zu wenig beleuchtet, sagte Beckmann in einem Gespr\u00e4ch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das Studium sei eine Breitbandausbildung und decke das gesamte Spektrum der Sozialen Arbeit von Kindern \u00fcber Senioren bis zur Suchthilfe ab.<\/p>\n<p>Auch deshalb hielten es die Fachkr\u00e4fte oft nicht f\u00fcr m\u00f6glich, dass Gewalt und organisierte sexuelle Kriminalit\u00e4t gegen Kinder auch in ihrem eigenen Einzugsbereich vorkomme, sagte die Professorin der Hochschule Koblenz. Sie n\u00e4hmen Hinweise, wie es sie auch beim mutma\u00dflich tausendfachen sexuellen Missbrauch von Kindern im westf\u00e4lischen L\u00fcgde und in Gifhorn offenbar gegeben habe, gar nicht ernst. \u00abJeder wei\u00df, dass F\u00e4lle wie in L\u00fcgde und Gifhorn nur die Spitze des Eisbergs sind. Aber die wenigsten ertragen es, sich das vorzustellen.\u00bb Es gelte deshalb, eine Haltung dazu zu entwickeln und zu kultivieren.<\/p>\n<p>Auf einem Campingplatz in L\u00fcgde bei Bad Pyrmont sollen mehr als 30 Kinder jahrelang von drei M\u00e4nnern sexuell missbraucht worden sein.<br \/>Unter den Opfern war auch das Pflegekind des Hauptverd\u00e4chtigen. Das \u00f6rtliche Jugendamt kannte den Mann. In einer Wohngruppe in Gifhorn sollen offenbar ebenfalls \u00fcber Jahre junge M\u00e4dchen missbraucht worden sein. Unter Verdacht steht ein Ehepaar, das die Gruppe \u00fcber 25 Jahre geleitet hat.<\/p>\n<p>Beckmann sagte, die Arbeit der Fachkr\u00e4fte in den Jugend\u00e4mtern sei verantwortungsvoll und eine gro\u00dfe Herausforderung. Sie m\u00fcssten etwa die aktuelle Gesetzlage parat haben, die Alarmsignale bei Kindern erkennen und bei Hausbesuchen die Familiendynamik durchschauen k\u00f6nnen. Auch bei Einarbeitung der jeweils neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hapere es gewaltig. Die Wissenschaftlerin hat im vergangenen Jahr eine repr\u00e4sentative Studie \u00fcber die Arbeit der 563 Jugend\u00e4mter in Deutschland vorgelegt.<\/p>\n<p>Ein Drittel der Beh\u00f6rden haben demzufolge gar kein Einarbeitungsmodell. Die \u00fcbrigen haben zwar eines, bei 56 Prozent von ihnen betrage die Einarbeitungszeit aber weniger als drei Monate: \u00abDanach kann ich gut in einer Cocktailbar arbeiten, aber nicht in einer so verantwortungsvollen Aufgabe\u00bb, kritisierte Beckmann, die auch Sozialp\u00e4dagogin ist. In den 1990er Jahren habe es im Anschluss an das Studium noch ein Anerkennungsjahr f\u00fcr Berufsanf\u00e4nger gegeben. Mit dem Bolognaprozess und der Einf\u00fchrung von Bachelor- und Masterabschl\u00fcssen sei das weggefallen.<\/p>\n<p>Aus all diesen Gr\u00fcnden sei die Fluktuation in den Jugend\u00e4mtern sehr hoch, sagte die Expertin. Das f\u00fchre zu einem weiteren Hindernis bei der Erkennung von Gewalt gegen Kinder: Nur in 23 Prozent der F\u00e4lle wechselt die Zust\u00e4ndigkeit im Laufe des Verfahrens nicht. In 34 Prozent wechselt sie dreimal oder h\u00e4ufiger. Zudem mangele es in den meisten Jugend\u00e4mtern an ausreichend Personal. Die Zahl der F\u00e4lle, f\u00fcr die eine Fachkraft zust\u00e4ndig sei, variiere zwischen den empfohlenen 35 und mehr als 100.<\/p>\n<p>Beckmann bem\u00e4ngelte dar\u00fcber hinaus das Fehlen bundeseinheitlicher fachlicher Standards f\u00fcr die Arbeit der Jugend\u00e4mter. Die gebe es weder f\u00fcr die Risiko-Einsch\u00e4tzung beim Thema Gewalt noch f\u00fcr die Vorbereitung und Begleitung von Pflegefamilien. Auch eine Aufsicht f\u00fcr die Jugend\u00e4mter und Beschwerdestellen existierten nicht.<\/p>\n<p>Source: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>L\u00fcgde\/Koblenz (epd). 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