{"id":12006,"date":"2019-04-22T12:55:00","date_gmt":"2019-04-22T10:55:00","guid":{"rendered":"https:\/\/christusnews.de\/site\/ich-hab-schon-lange-nicht-mehr-so-viel-gelesen-wie-hier-in-osnabrueck-treffen-sich-literaturfreunde-zu-silent-reading-partys-in-der-bibliothek\/"},"modified":"2019-04-22T12:55:00","modified_gmt":"2019-04-22T10:55:00","slug":"ich-hab-schon-lange-nicht-mehr-so-viel-gelesen-wie-hier-in-osnabrueck-treffen-sich-literaturfreunde-zu-silent-reading-partys-in-der-bibliothek","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/ich-hab-schon-lange-nicht-mehr-so-viel-gelesen-wie-hier-in-osnabrueck-treffen-sich-literaturfreunde-zu-silent-reading-partys-in-der-bibliothek\/","title":{"rendered":"\u00abIch hab schon lange nicht mehr so viel gelesen wie hier\u00bb &#8211; In Osnabr\u00fcck treffen sich Literaturfreunde zu \u00abSilent Reading Partys\u00bb in der Bibliothek"},"content":{"rendered":"<p>Mal in Ruhe ein Buch lesen &#8211; auf einer Party mit 40 weiteren G\u00e4sten. Was paradox klingt, zieht in Osnabr\u00fcck immer mehr vor allem junge Menschen an. Weil sie zu Hause abgelenkt sind, treffen sie sich bewusst mit Gleichgesinnten zum Lesen.<\/p>\n<p>Osnabr\u00fcck (epd). Das junge Paar h\u00e4lt seine B\u00fccher aufgeschlagen im Scho\u00df. Der K\u00fchlschrank brummt gleichm\u00e4\u00dfig. Hinter der Theke bereitet die Bedienung zischend einen Cappuccino. Kaffeetassen klappern auf Tellern, Instrumentalkl\u00e4nge tr\u00f6pfeln aus Lautsprechern. Menschen wispern. Inga T\u00f6nnissens Wangen sind ger\u00f6tet, ein L\u00e4cheln spielt um ihre Lippen. Ohne aufzublicken folgen ihre Augen den Zeilen. Keine Frage &#8211; sie und ihr Mann haben zwei der besten Pl\u00e4tze bei der v\u00f6llig \u00fcberf\u00fcllten \u00abSilent Reading Party\u00bb ergattert. Die Cocktail-Sessel stehen nah beieinander, so dass die beiden Mittdrei\u00dfiger sich gegen\u00fcber sitzen. Die T\u00f6nnissens sind zum ersten Mal bei der stillen Leseparty der Stadtbibliothek Osnabr\u00fcck, zusammen mit rund 40 anderen. \u00abRichtig gem\u00fctlich hier\u00bb, sagt sie, und er stimmt zu.<\/p>\n<p>Das schummrige Licht von Steh- und H\u00e4ngelampen in dem kleinen Caf\u00e9 in der Altstadt reicht gerade zum Lesen. Inga T\u00f6nnissen ist begeistert von der Atmosph\u00e4re. Sie liest \u00abFriesensommer\u00bb von Janne Mommsen, eine Liebesgeschichte. \u00abIm letzten Moment von der Nachbarin ausgeliehen\u00bb, fl\u00fcstert die Lehrerin. Christian T\u00f6nnissen liest Erich K\u00e4stners \u00abFabian\u00bb: \u00abDas hatte ich schon angefangen.\u00bb Zu Hause h\u00fctet Oma die 15 Monate alte Tochter. \u00abWir kommen dort nicht mehr so h\u00e4ufig zum Lesen\u00bb, sagt er. Netflix, das Handy, der Haushalt und nat\u00fcrlich die Tochter. Jetzt wollen sie die konzentrierte Ruhe und die Gemeinschaft mit anderen Lesenden genie\u00dfen &#8211; mit Tee und einer Flasche Bier neben sich auf einem Tisch.<\/p>\n<p>Das Idee stammt aus den USA, sagt Bibliothekar Michael Meyer-Spinner. Dort feiern Buchliebhaber in gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten seit Jahren Lesepartys. In Deutschland ist Osnabr\u00fcck nach Auskunft des Deutschen Bibliothekenverbands derzeit wohl der einzige Standort. In Kiel und D\u00fcsseldorf gab es vor ein paar Jahren \u00e4hnliche Angebote.<\/p>\n<p>2017 hat Meyer-Spinner das Format nach Osnabr\u00fcck geholt &#8211; zun\u00e4chst f\u00fcr zwei Male pro Jahr. 2018 waren es vier Termine. Jetzt bietet der Bibliothekar die Lesepartys alle sechs Wochen an &#8211; immer im Hinterzimmer-Caf\u00e9 des \u00abShock Records &amp; Coffee\u00bb, einem 30 Jahre alten Plattenladen: \u00abJeder bringt ein Buch mit, schaltet das Handy aus, bestellt sich ein Getr\u00e4nk und liest.\u00bb Viele k\u00f6nnten wie die T\u00f6nnissens ihre Leidenschaft f\u00fcr B\u00fccher im Alltag nicht mehr recht ausleben. \u00abZu viel Ablenkung\u00bb, sagt Meyer-Spinner.<\/p>\n<p>In dem Caf\u00e9 in dem normalerweise maximal 20 Leute Platz finden, dr\u00e4ngen sich zu den \u00abSilent Reading Partys\u00bb von 19 bis 22 Uhr regelm\u00e4\u00dfig locker doppelt so viele. Auch an diesem Abend l\u00fcmmeln sie sich auf zwei Sofas und ein paar Sesseln, r\u00e4keln sich auf St\u00fchlen um kleine runde Tische. Die meisten sind Studenten und Auszubildende.<br \/>Die mit Abstand \u00e4lteste ist Gerlinde Jung.<\/p>\n<p>Die 64-j\u00e4hrige Rentnerin hat nur noch einen der Barhocker direkt am Fenster abbekommen. \u00abBei mir zu Hause auf meiner Relax-Liege habe ich es gem\u00fctlicher\u00bb, sagt sie und seufzt lachend: \u00abAber ich bin immer neugierig.\u00bb Sie habe es einfach mal ausprobieren wollen und jetzt zieht sie das durch &#8211; wenn auch wohl nicht die gesamten drei Stunden.<\/p>\n<p>Auf ihrem E-Book-Reader, dem einzigen im ganzen Raum, hat sie einen englischen Thriller aufgeschlagen. \u00abIch lese immer Krimis\u00bb, sagt sie und nippt an ihrem Rotwein. Kuscheliger hat es da eine Handvoll G\u00e4ste, die sich auf gepolsterten Matten und Kissen auf dem Fu\u00dfboden eingerichtet haben &#8211; vor der Theke, vor den Sofas oder im Gang zu den Toiletten.<\/p>\n<p>Inga T\u00f6nnissen ist nach anderthalb Stunden aus ihrem Liebesroman aufgetaucht und bestellt sich an der Theke noch ein Glas Tee. Sie zieht die Schulterbl\u00e4tter hoch, macht ein paar Armbeugen und l\u00e4chelt: \u00abSo viel wie hier habe ich schon lange nicht mehr am St\u00fcck gelesen.\u00bb Dann steuert sie mit dem Teeglas in der Hand wieder auf ihren Sessel zu.<\/p>\n<p>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mal in Ruhe ein Buch lesen &#8211; auf einer Party mit 40 weiteren G\u00e4sten. Was paradox klingt, zieht in Osnabr\u00fcck immer mehr vor allem junge Menschen an. Weil sie zu Hause abgelenkt sind, treffen sie sich bewusst mit Gleichgesinnten zum Lesen. Osnabr\u00fcck (epd). Das junge Paar h\u00e4lt seine B\u00fccher aufgeschlagen im Scho\u00df. Der K\u00fchlschrank brummt gleichm\u00e4\u00dfig. Hinter der Theke bereitet die Bedienung zischend einen Cappuccino. Kaffeetassen klappern auf Tellern, Instrumentalkl\u00e4nge tr\u00f6pfeln aus Lautsprechern. Menschen wispern. Inga T\u00f6nnissens Wangen sind ger\u00f6tet, ein L\u00e4cheln spielt um ihre Lippen. Ohne aufzublicken folgen ihre Augen den Zeilen. 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