{"id":12857,"date":"2019-09-03T09:17:00","date_gmt":"2019-09-03T07:17:00","guid":{"rendered":"https:\/\/christusnews.de\/site\/steinmeier-warnt-vor-klitterung-deutscher-geschichte-holocaust-ueberlebende-lasker-wallfisch-mit-nationalpreis-geehrt\/"},"modified":"2019-09-03T09:17:00","modified_gmt":"2019-09-03T07:17:00","slug":"steinmeier-warnt-vor-klitterung-deutscher-geschichte-holocaust-ueberlebende-lasker-wallfisch-mit-nationalpreis-geehrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/steinmeier-warnt-vor-klitterung-deutscher-geschichte-holocaust-ueberlebende-lasker-wallfisch-mit-nationalpreis-geehrt\/","title":{"rendered":"Steinmeier warnt vor Klitterung deutscher Geschichte &#8211; Holocaust-\u00dcberlebende Lasker-Wallfisch mit Nationalpreis geehrt"},"content":{"rendered":"<p>Berlin (epd). Bundespr\u00e4sident Frank-Walter Steinmeier und Altbundespr\u00e4sident Horst K\u00f6hler haben die Zunahme von Antisemitismus verurteilt und vor einer Klitterung der deutschen Geschichte gewarnt. \u00abMit dem wiederauflebenden Antisemitismus werden wir uns niemals abfinden\u00bb, sagte Steinmeier am Dienstag bei der Verleihung des Nationalpreises an die Holocaust-\u00dcberlebende Anita Lasker-Wallfisch in Berlin. K\u00f6hler betonte, die Gesellschaft d\u00fcrfe dem nicht tatenlos zusehen. Beide forderten, die Erinnerung an die Judenverfolgung wachzuhalten.<\/p>\n<p>\u00abEine historische Schuld kann nicht beglichen oder aufgerechnet werden, sie muss leiten in der Gegenwart\u00bb, sagte Steinmeier. Es gehe nicht darum, die Geschichte zu bew\u00e4ltigen, um zu einem \u00abunverkrampften\u00bb Verh\u00e4ltnis zur eigenen Nation zur\u00fcckkehren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u00abVerkrampft ist ein Verh\u00e4ltnis zur eigenen Nation, das die eigene Geschichte umschreiben muss zu einer makellosen Kette von Leistungen und Errungenschaften\u00bb, mahnte Steinmeier: \u00abWer glaubt, er brauche eine bereinigte Geschichtsschreibung als Ausweis der Gr\u00f6\u00dfe der eigenen Nation, der ist ein Nationalist, aber kein Patriot.\u00bb K\u00f6hler sagte, wenn Extremisten versuchten, die Geschichte des 20. Jahrhunderts in eine Heldengeschichte umzudeuten, legten sie Axt an das Fundament der deutschen Wertedemokratie.<\/p>\n<p>Das aktuelle und fr\u00fchere Staatsoberhaupt nannten dabei nicht die AfD, d\u00fcrften aber auf die Partei angespielt haben. Die AfD hatte in ihrem Wahlprogramm zur Bundestagswahl 2017 von einer \u00abVerengung\u00bb der Erinnerungskultur auf die Zeit des Nationalsozialismus gesprochen und gefordert, sie mit \u00abpositiv identit\u00e4tsstiftenden\u00bb Aspekten \u00abaufzubrechen\u00bb. F\u00fcr Emp\u00f6rung sorgte zudem Parteichef Alexander Gauland mit der Aussage, der Nationalsozialismus sei nur ein \u00abVogelschiss\u00bb der gesamten deutschen Geschichte gewesen.<\/p>\n<p>Antisemitische Straftaten hatten in den vergangenen Jahren in Deutschland konstant zugenommen. Die Preistr\u00e4gerin \u00e4u\u00dferte sich nahezu resigniert. Der heutige, moderne, neue Antisemitismus sei leider noch immer der alte, sagte Lasker-Wallfisch. Nach dem \u00dcberleben des NS-Konzentrationslagers h\u00e4tte sie nie geglaubt, dass Antisemitismus in diesen Jahren wieder in Schlagzeilen stehe. \u00abIm Kampf gegen Antisemitismus f\u00fchlt man sich wie eine Ameise, die den Mount Everest besteigen will &#8211; einfach machtlos\u00bb, sagte die 94-J\u00e4hrige vor mehreren hundert G\u00e4sten der Preisverleihung.<\/p>\n<p>Lasker-Wallfisch erhielt den Preis f\u00fcr ihr Eintreten gegen Antisemitismus und ihren Einsatz f\u00fcr Verst\u00e4ndigung. Sie geh\u00f6rte als Cellistin zum sogenannten M\u00e4dchenorchester des Vernichtungslagers Auschwitz. Die Kapelle musste unter anderem beim Ein- und Ausmarsch der Arbeitstrupps spielen, bei der Ankunft Gefangener oder zur Unterhaltung des Wachpersonals. Die 1925 geborene Anita Lasker-Wallfisch war gemeinsam mit ihrer Schwester Renate in den Vernichtungslagern Auschwitz und Bergen-Belsen inhaftiert. Beide \u00fcberlebten vor allem dank ihres Mitwirkens im Frauen-Orchester. Kurz nach Kriegsende emigrierte Anita Lasker-Wallfisch nach Gro\u00dfbritannien, wo sie bis heute lebt.<\/p>\n<p>Der Nationalpreis wird von der Deutschen Nationalstiftung vergeben und ist mit 30.000 Euro dotiert. Vergeben wurde au\u00dferdem der mit einem Preisgeld von 20.000 Euro verbundene F\u00f6rderpreis. Er ging an die D\u00fcsseldorfer Initiative \u00abJUMU &#8211; Juden und Muslime\u00bb, die sich f\u00fcr ein gutes Zusammenleben von Juden und Muslimen engagiert.<\/p>\n<p>Source: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin (epd). Bundespr\u00e4sident Frank-Walter Steinmeier und Altbundespr\u00e4sident Horst K\u00f6hler haben die Zunahme von Antisemitismus verurteilt und vor einer Klitterung der deutschen Geschichte gewarnt. \u00abMit dem wiederauflebenden Antisemitismus werden wir uns niemals abfinden\u00bb, sagte Steinmeier am Dienstag bei der Verleihung des Nationalpreises an die Holocaust-\u00dcberlebende Anita Lasker-Wallfisch in Berlin. 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