{"id":12943,"date":"2019-09-27T11:18:00","date_gmt":"2019-09-27T09:18:00","guid":{"rendered":"https:\/\/christusnews.de\/site\/hoegel-wird-in-dem-stueck-gar-nicht-vorkommen-goettinger-theaterkollektiv-bringt-stueck-ueber-den-umgang-mit-dem-massenmord-auf-die-buehne\/"},"modified":"2019-09-27T11:18:00","modified_gmt":"2019-09-27T09:18:00","slug":"hoegel-wird-in-dem-stueck-gar-nicht-vorkommen-goettinger-theaterkollektiv-bringt-stueck-ueber-den-umgang-mit-dem-massenmord-auf-die-buehne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/hoegel-wird-in-dem-stueck-gar-nicht-vorkommen-goettinger-theaterkollektiv-bringt-stueck-ueber-den-umgang-mit-dem-massenmord-auf-die-buehne\/","title":{"rendered":"\u00abH\u00f6gel wird in dem St\u00fcck gar nicht vorkommen\u00bb &#8211; G\u00f6ttinger Theaterkollektiv bringt St\u00fcck \u00fcber den Umgang mit dem Massenmord auf die B\u00fchne"},"content":{"rendered":"<p>Mindestens 90 Menschen hat der Krankenpfleger Niels H\u00f6gel get\u00f6et, viele davon in Oldenburg. Was die Taten f\u00fcr die Bewohner der Stadt bedeuten und wie sie dort nachwirken, versucht ein Dokumentar-Theaterst\u00fcck zu ergr\u00fcnden.<\/p>\n<p>Oldenburg\/G\u00f6ttingen (epd). Eines m\u00f6chte Julia Roesler gleich mal klarstellen. \u00abWir bereiten kein St\u00fcck \u00fcber den Serienm\u00f6rder Niels H\u00f6gel vor\u00bb, sagt die Regisseurin des Theaterkollektivs Werkgruppe2. \u00abSondern ein St\u00fcck dar\u00fcber, wie eine Stadt wie Oldenburg die Tatsache verarbeitet, dass dort die Klinikmorde stattgefunden haben.\u00bb In Oldenburg und Delmenhorst hat H\u00f6gel einen Gro\u00dfteil seiner zahlreichen Morde begangen, Anfang Juni wurde der fr\u00fchere Krankenpfleger zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Dokumentar-Theaterst\u00fcck, an dem die Werkgruppe2 zurzeit arbeitet, hat am 29. Februar am Oldenburgischen Staatstheater Premiere.<\/p>\n<p>Vor etwa zwei Jahren, erz\u00e4hlen Roesler und Dramaturgin Silke Merzh\u00e4user, h\u00e4tten sie begonnen, sich in den Fall H\u00f6gel einzulesen. \u00abWir fanden spannend, wie da verschiedene Aspekte zusammenkamen. Einmal der Mordprozess. Aber auch: Was kann Justiz \u00fcberhaupt leisten? Wie funktioniert ein Krankenhaussystem, in dem so etwas m\u00f6glich ist? Und schlie\u00dflich: Was bedeutet es, wenn man in Oldenburg lebt, also dort, wo diese schrecklichen Taten in einer solchen Dimension stattgefunden haben?\u00bb Aus dem Interesse f\u00fcr den Fall entstand die Idee, aus der Idee die Projektskizze f\u00fcr die Inszenierung.<\/p>\n<p>\u00abZurzeit betreiben wir noch Forschungsarbeit\u00bb, sagt Roesler. \u00abWir interviewen Angeh\u00f6rige der Opfer und \u00dcberlebende &#8211; aber das nur, wenn wir auf pers\u00f6nlichem Weg Kontakte herstellen k\u00f6nnen.\u00bb Eine \u00f6ffentliche Ank\u00fcndigung des Vorhabens durch die Werkgruppe2 kurz vor Prozessbeginn war in Oldenburg auf Kritik gesto\u00dfen. \u00abPiet\u00e4tlos\u00bb, lautete ein Vorwurf. Die Theatermacherinnen sprechen aber auch mit Krankenhausbesch\u00e4ftigten, Theologen, Psychiatern und Juristen. \u00abAlso mit Menschen, die mit ihrer Expertise auf dieses Ereignis blicken und uns erkl\u00e4ren k\u00f6nnen, was das bedeutet f\u00fcr eine Gesellschaft.\u00bb<\/p>\n<p>16 Interviews haben Roesler und Merzh\u00e4user bislang gef\u00fchrt, einige sollen noch dazu kommen. Die Gespr\u00e4che werden Wort f\u00fcr Wort abgeschrieben, \u00abda entstehen dann viele Hundert Seiten Text\u00bb. Aus dem Material destillieren die Frauen den sp\u00e4teren Theaterstoff. Sie suchen nach Geschichten hinter der Geschichte: \u00abNach dem, was im Prozess und auch in der Presse noch nicht so dargestellt wurde.\u00bb Viele Medien h\u00e4tten die Geschichte vereinfacht. Sie h\u00e4tten \u00abt\u00e4terfixiert erz\u00e4hlt, um das B\u00f6se in diesem Mann herauszustellen\u00bb.<\/p>\n<p>Mit ihrem dokumentarischen Theater will und kann die Werkgruppe2 andere Schwerpunkte setzen, sie fokussiert sich auf Hintergr\u00fcnde und Auswirkungen. Merzh\u00e4user sagt, sie interessiere zum Beispiel, \u00abdass es bei den Angeh\u00f6rigen ja zwei Wellen der Trauer gab\u00bb. Die erste kam, als die Patienten zwischen 2000 und 2005 starben. Und die zweite um 2014, als bekannt wurde, \u00abdass es kein nat\u00fcrlicher Tod war oder kein der Erkrankung geschuldeter Tod, sondern dass es den Verdacht auf Mord gab.\u00bb<\/p>\n<p>Die Werkgruppe2 ist in Rosdorf bei G\u00f6ttingen zu Hause. Das Kollektiv, zu dem als dritte noch die Komponistin und Musikerin Insa Rudolph geh\u00f6rt, besteht seit 13 Jahren. Mit professionellen Ensembles versuchen die Frauen, in dokumentarischen Projekten soziale Wirklichkeit aus der Perspektive von Menschen zu beschreiben, die zu gesellschaftlichen Minderheiten, zu den Unsichtbaren und Ausgeklammerten geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>\u00abViele unserer Gespr\u00e4chspartner sind erstaunt, wenn wir erz\u00e4hlen, H\u00f6gel wird in dem St\u00fcck gar nicht vorkommen\u00bb, sagt Roesler dann noch. \u00abDie k\u00f6nnen sich ein Theaterst\u00fcck \u00fcber die Klinikmorde gar nicht vorstellen, wenn dieser Mensch nicht personifiziert auf der B\u00fchne ist.\u00bb Die vier Darsteller aus dem Oldenburger Ensemble seien \u00abeher ein Hybrid\u00bb. Es sei schon so, dass sie auch Menschen verk\u00f6rpern, dann aber auch wieder ihre Rolle verlassen sollten.<\/p>\n<p>Source: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mindestens 90 Menschen hat der Krankenpfleger Niels H\u00f6gel get\u00f6et, viele davon in Oldenburg. Was die Taten f\u00fcr die Bewohner der Stadt bedeuten und wie sie dort nachwirken, versucht ein Dokumentar-Theaterst\u00fcck zu ergr\u00fcnden. Oldenburg\/G\u00f6ttingen (epd). Eines m\u00f6chte Julia Roesler gleich mal klarstellen. \u00abWir bereiten kein St\u00fcck \u00fcber den Serienm\u00f6rder Niels H\u00f6gel vor\u00bb, sagt die Regisseurin des Theaterkollektivs Werkgruppe2. \u00abSondern ein St\u00fcck dar\u00fcber, wie eine Stadt wie Oldenburg die Tatsache verarbeitet, dass dort die Klinikmorde stattgefunden haben.\u00bb In Oldenburg und Delmenhorst hat H\u00f6gel einen Gro\u00dfteil seiner zahlreichen Morde begangen, Anfang Juni wurde der fr\u00fchere Krankenpfleger zu lebenslanger Haft verurteilt. 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