{"id":12944,"date":"2019-09-30T10:06:00","date_gmt":"2019-09-30T08:06:00","guid":{"rendered":"https:\/\/christusnews.de\/site\/deutsch-deutsche-grenze-in-ostfriesland-pastor-erinnert-in-seinem-garten-an-ddr-sperranlagen\/"},"modified":"2019-09-30T10:06:00","modified_gmt":"2019-09-30T08:06:00","slug":"deutsch-deutsche-grenze-in-ostfriesland-pastor-erinnert-in-seinem-garten-an-ddr-sperranlagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/deutsch-deutsche-grenze-in-ostfriesland-pastor-erinnert-in-seinem-garten-an-ddr-sperranlagen\/","title":{"rendered":"Deutsch-deutsche Grenze in Ostfriesland &#8211; Pastor erinnert in seinem Garten an DDR-Sperranlagen"},"content":{"rendered":"<p>Nach dem Ende der DDR wurden 1.934 Kilometer Sperranlagen in Windeseile beseitigt. Kaum etwas erinnert noch an die die t\u00f6dliche Grenze. Ein Pastor in Ostfriesland will das nicht hinnehmen und hat ein Mahnmal in seinem Garten errichtet.<\/p>\n<p>Idafehn\/Kr. Leer (epd). \u00abHalt! Hier Grenze\u00bb warnt pl\u00f6tzlich ein Schild hinter einer Buschhecke. Nur wenige Meter weiter steht bedrohlich eine gro\u00dfe schwarz-rot-goldene Grenzstele mit dem Emblem der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) samt Hammer und Zirkel. Besucher in Ostfriesland reiben sich verbl\u00fcfft die Augen, wenn sie unverhofft auf diese originalgetreue Nachbildung der ehemaligen deutsch-deutschen Grenzanlage sto\u00dfen. Pastor Florian Bortfeldt hat sie in seinem Garten in Idafehn aufgebaut.<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp; Seit 23 Jahren arbeitet der 52-j\u00e4hrige Hobby-Historiker die Geschichte der Grenze auf. Er sammelt Geschichten und Fotos von Erinnerungsst\u00fccken, um sie im Internet unter \u00abwww.grenzerinnerungen.de\u00bb zu ver\u00f6ffentlichen. Und einige St\u00fccke zeigt er drau\u00dfen im Garten. Neu ist dort etwa ein gut drei Meter hoher Maschendrahtzaun aus massivem Stahl, der einst Menschen an der Flucht hinderte. Die einzelnen Maschen sind gro\u00df genug, um mit den Fingern hineinzugleiten. Aber sie sind so scharf, dass sich niemand daran hochziehen kann &#8211; er w\u00fcrde sich blutige H\u00e4nde holen.<\/p>\n<p>Bortfeldt ist kein ostalgisch veranlagter Sammler von Devotionalien. \u00abDiese Grenze hat so viel Leid gebracht &#8211; das darf nicht einfach vergessen werden\u00bb, sagt der evangelische Pastor. Auch in seiner Familie gibt es schmerzhafte Erinnerungen. Bortfeldts Schwiegermutter gelang die Flucht unter abenteuerlichen Umst\u00e4nden: Nach einem Besuch bei ihrem Freund f\u00e4hrt die damals 23-J\u00e4hrige mit einer der letzten S-Bahnen am 12. August 1961 von West-Berlin zur\u00fcck in den Osten nach Potsdam. Wenige Stunden sp\u00e4ter ist die Grenze dicht, und der Bau der Mauer beginnt.<\/p>\n<p>Ein erster Fluchtversuch durch die Berliner Kanalisation wird verraten und scheitert. Gl\u00fccklicherweise kann die junge Frau unerkannt entkommen. Erst im Oktober 1961 gelingt ihr die Flucht mit einem gef\u00e4lschten schwedischen Pass \u00fcber den Checkpoint Charlie. Wochen vorher \u00fcbte sie heimlich Schwedisch, um nicht aufzufallen. \u00abBis heute bekommt sie Schwei\u00dfausbr\u00fcche, wenn sie davon erz\u00e4hlen soll\u00bb, erz\u00e4hlt Florian Bortfeldt.<\/p>\n<p>Von 1952 bis 1989 hinderte ein ausgekl\u00fcgeltes System von 1.394 Kilometern Sperranlagen von der Ostsee bis zum Dreil\u00e4ndereck zwischen Bayern, Sachsen und der damaligen Tschechoslowakei die Menschen daran, ohne staatliche Genehmigung von der DDR in die Bundesrepublik zu gelangen. Weil die DDR Grenzverletzungen verschleierte, schwankt die \u00f6ffentlich genannte Zahl der Todesopfer an der Grenze zwischen 86 und mehr als 250. Viele wurden verbrannt und anonym bestattet. \u00abH\u00e4ufig wurden die Angeh\u00f6rigen nicht einmal informiert\u00bb, sagt Bortfeldt. \u00abDie Opfer verschwanden einfach.\u00bb Bis heute sei das Schicksal zahlreicher Fl\u00fcchtlinge unbekannt. \u00abDie Geschichte der deutsch-deutschen Grenze ist noch lange nicht aufgearbeitet.\u00bb<\/p>\n<p>Nach dem Fall der Mauer im November 1989 seien die Grenzanlagen mit atemberaubender Geschwindigkeit abgerissen und beseitigt worden, beklagt der Pastor. \u00abWer nicht selbst leidvolle Erfahrungen mit der Grenze gemacht hat, braucht materielle Denkm\u00e4ler\u00bb, sagt er. Auch nach der Nazi-Zeit seien alle sichtbaren Hinweise an die Vergangenheit schnell entfernt worden: \u00abDarum f\u00e4llt es Jugendlichen heute so schwer, sich diese Zeit vorzustellen.\u00bb<\/p>\n<p>Fr\u00fcher mussten Bortfeldts Konfirmanden den Grenzlehrpfad im Pfarrgarten besuchen. \u00abDas mache ich heute nicht mehr. Die 12- bis 14-J\u00e4hrigen k\u00f6nnen mit der Bezeichnung DDR \u00fcberhaupt nichts mehr anfangen.\u00bb Interessanter sei sein Garten mittlerweile f\u00fcr Schulen: Wenn es im Unterricht um die j\u00fcngere deutsche Geschichte geht, kommen Lehrer und Sch\u00fclern hierher, sagt Bortfeldt: \u00abWas man gesehen und gesp\u00fcrt hat, das vergisst man nicht so leicht.\u00bb<\/p>\n<p>Source: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Ende der DDR wurden 1.934 Kilometer Sperranlagen in Windeseile beseitigt. Kaum etwas erinnert noch an die die t\u00f6dliche Grenze. Ein Pastor in Ostfriesland will das nicht hinnehmen und hat ein Mahnmal in seinem Garten errichtet. Idafehn\/Kr. Leer (epd). \u00abHalt! Hier Grenze\u00bb warnt pl\u00f6tzlich ein Schild hinter einer Buschhecke. Nur wenige Meter weiter steht bedrohlich eine gro\u00dfe schwarz-rot-goldene Grenzstele mit dem Emblem der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) samt Hammer und Zirkel. 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