{"id":13120,"date":"2019-11-10T14:59:13","date_gmt":"2019-11-10T13:59:13","guid":{"rendered":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wir-sind-viele\/"},"modified":"2019-11-10T14:59:13","modified_gmt":"2019-11-10T13:59:13","slug":"wir-sind-viele","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wir-sind-viele\/","title":{"rendered":"\u201eWir sind viele&quot;"},"content":{"rendered":"<p>\u201eWir laden Sie heute zu Tischreden zu einem gesellschaftlich brisanten Thema ein\u201c, begr\u00fc\u00dften die beiden Organisatorinnen des Abends 80 Frauen im Lambertus-Saal der St.-Lamberti-Kirche zu Oldenburg.&nbsp;<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> \u201eWir sind viele\u201c lautete das Motto Frauenmahls 2019, das die Ev. Frauenarbeit der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg am 08. November 2019 verantwortete. Lange und intensiv hatten Dr. Andrea Schrimm-Heins, Leiterin Evangelische Frauenarbeit und Frauenbildungsreferentin und Gabriele R\u00fcsch-Tillmanns, Gleichstellungsbeauftragte der Kirche Oldenburg dieses Frauenmahl wieder vorbereitet. Sie bedienten den hohen Anspruch, Referentinnen aus Kirche und Gesellschaft f\u00fcr je sieben Minuten Rede zum Thema \u201eWir sind viele\u201c einzuladen. Ausf\u00fchrlich stellten Schrimm-Heins und R\u00fcsch-Tillmann die hochkar\u00e4tigen Referentinnen und ihre beruflichen Werdeg\u00e4nge vor deren &nbsp;jeweiligen Reden vor. &nbsp;<br \/> &nbsp; &nbsp;&nbsp;<br \/> Das Format Frauenmahl zeichnet sich durch die Tischreden, gemischt mit einer Folge festlicher Speisen in einem elegant hergerichteten Ambiente aus. Die Men\u00fcfolgen richtete die Ev. Krankenhaus-Service GmbH an und den guten Service an den Tischen \u00fcbernahmen Sch\u00fclerinnen der Graf-Anton-G\u00fcnther-Schule Oldenburg, der 12. Klasse, Fach Religion.<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Auch das macht das Frauenmahl aus: Frauen lernen sich kennen und kommen miteinander ins Gespr\u00e4ch. An den zehn gedeckten Tischen sa\u00dfen je acht Frauen, die sich intensiv w\u00e4hrend der acht G\u00e4nge, von der Vorspeise \u00fcber Hauptspeisen bis hin zum Nachtisch, \u00fcber die Reden und das \u201ewir\u201c austauschten. &nbsp;<br \/> Den Abend begleiteten musikalisch die Freizeitmusikerin Hildegard Kluttig mit der Geige und der Freizeitmusiker Alexander Langenhagen mit der Gitarre. Das Musiker-Duo spielte Folk aus D\u00e4nemark, England, Irland und Polen. &nbsp;<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Fast vier Stunden lang genossen alle Anwesenden dieses gelungene Frauenmahl und gingen nach dem gemeinsam gesungenen Irischen Segenslied \u201eM\u00f6ge die Stra\u00dfe uns zusammen f\u00fchren\u201c mit vielen positiven \u00c4u\u00dferungen auseinander. &nbsp;<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> <strong>Ausz\u00fcge aus den Reden der Referentinnen&nbsp;<\/strong><br \/> Cornelia Coenen-Marx, Oberkirchenr\u00e4tin a.D., Pastorin und Autorin, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der Agentur \u201eSeele und Sorge\u201c, aus Garbsen-Osterwald, stellte die Frage nach der Normalit\u00e4t des Christseins in den Fokus. \u201eOb ich an Gott glaube, eigentlich bin ich ganz normal\u201c, dieses Zitat aus Ostdeutschland sei im Westen h\u00e4ufig ver\u00f6ffentlicht worden. Wie w\u00e4re es, wenn es nicht mehr normal sei, Christ zu sein, und pl\u00f6tzlich nicht mehr zu dieser Mehrheit zu geh\u00f6ren. Die Referentin ging auf die Verschiedenheit der Menschen ein.&nbsp;<br \/> \u201eNormalit\u00e4t hei\u00dft aber nicht, dass alle gleich sind\u201c, dabei seien wir alle auf andere Menschen angewiesen und das sei wirklich normal. Schluss solle sein mit der Einteilung in verschiedene Gruppen, \u201ewir geh\u00f6ren alle zusammen\u201c. Sie sprach von Inklusion und Exklusion. \u201eTats\u00e4chlich haben wir als Kirche zur Exklusion beigetragen\u201c, Coenen-Marx z\u00e4hlte etliche Betroffene auf und &nbsp;pl\u00e4dierte f\u00fcr Offenheit, was eine echte Herausforderung sei. \u201eDenn wir wollen alle normal sein, daher passen wir uns an. Der Anpassungsdruck war auch in Kirche und Diakonie sehr hoch.&nbsp;<br \/> Gott sei Dank haben wir inzwischen in der Kirche gelernt und lernen noch. Wir lernen das eigene Leben zu lieben, ohne andere klein zu machen.\u201c Wichtig sei es, zu lernen, dass das wir sich immer wieder wandele. \u201eWenn wir uns \u00f6ffnen, entsteht die Chance das wir zu finden, nachdem wir uns sehnen.\u201c Dieser Abend biete die Chance dazu, das einfach auszuprobieren. &nbsp;<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Prof. Dr. Katharina Block, Juniorprofessorin f\u00fcr Sozialtheorie am Institut f\u00fcr Sozialwissenschaften, an der Carl von Ossietzky Universit\u00e4t Oldenburg, betrachtete Vielfalt als reales und praktisches Ph\u00e4nomen. Die Bedeutung von Vielfalt w\u00fcrde in sozialen Kontexten ausgehandelt. Aus soziologischer Sicht erkl\u00e4rte sie, was denn \u00fcberhaupt der Ausspruch \u201eWir sind viele\u201c bedeute.<br \/> Sie stellte die Frage in den Raum, wer mit Vielfalt gemeint sei, um dann das Thema der \u00f6kologischen Vielfalt, f\u00fcr Block, ebenso existenziell relevant, anzusprechen. Daher wolle sie die Zuh\u00f6renden dazu anregen, immer auch \u00fcber \u00f6kologische Vielfalt zu sprechen. \u201eIn der Anerkennung der eignen Position, als nur eine unter vielen, liegt die Herausforderung f\u00fcr uns selbst, mit Vielfalt umzugehen. Ist die Anerkennung gegl\u00fcckt, liegt die Chance darin, neue Geschichten von Vielfalt zu erz\u00e4hlen, als nur menschliche.\u201c&nbsp;<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Dr. Tamara Alchammas, Kunstwissenschaftlerin, Freischaffende K\u00fcnstlerin, aus Oldenburg, stellte ihre Lebensgeschichte vor. Vor 14 Jahren kam sie aus Syrien nach Deutschland, um hier ihre Doktorarbeit im Bereich Kunst und Medien zu schreiben. Inzwischen sieht sie Oldenburg als ihre zweite Heimat. Offen sprach sie \u00fcber ihre Beweggr\u00fcnde, die Anfangsschwierigkeiten und die schnelle positive Aufnahme in Oldenburg.&nbsp;<br \/> Alchammas sprach \u00fcber den Begriff Herausforderung, der f\u00fcr sie mit vielen Merkmalen und Eigenschaften verbunden sei. Wichtig sei die unterst\u00fctzende Gesellschaft f\u00fcr die Zielerreichung. \u201eJeder in der Gesellschaft kann dazu einen Beitrag leisten.\u201c Das habe sie in Oldenburg erlebt, wo sie vielen tollen Menschen begegnet sei, die geben, ohne Gegenleistung zu erwarten. \u201eIn diesen kleinen Gesten, die von Herzen kamen, sehe ich Jesus und die kirchliche Erziehung, die man in dem Wort geben zusammenfassen kann.\u201c&nbsp;<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Petra Bohlen, Leiterin der August-Hinrichs-B\u00fchne, des Staatstheaters Oldenburg, sprach als &nbsp;Kennerin und Verfechterin der Niederdeutschen Sprache. In Platt stellte sie die Entwicklung und Ver\u00e4nderungen der plattdeutschen Mundart vor bis zur heutigen \u201eeigenen Sprache\u201c vor. Sie sprach \u00fcber die niederdeutsche Amateurb\u00fchne, die in der Sparte \u201eNiederdeutsches Schauspiel\u201c des Oldenburgischen Staatstheaters eine feste Institution sei. Die unterschiedlichen Amateure seien Frauen und M\u00e4nner aus vielen Nationalit\u00e4ten. Jugendliche k\u00f6nnten lernen, Theater zu spielen und und auf der B\u00fchne zustehen.&nbsp;<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Das plattdeutsche Theater habe die M\u00f6glichkeit, Grenzen zu \u00fcberwinden und \u00fcber H\u00fcrden zu gehen. \u201eBeim Oldenburgischen Staatstheater und der August-Hinrichs-B\u00fchne k\u00f6nnen alle Menschen ohne Angst verschieden sein. Wir als B\u00fchne sind bunt, indem was wir sind und was wir tun und damit ein lebendiger und einladender Teil einer offen, freien und bunten Gesellschaft.\u201c<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Marion R\u00f6vekamp, Vorst\u00e4ndin Personal und Recht der EWE Aktiengesellschaft Oldenburg, \u00e4u\u00dferte sich positiv \u00fcber die gelungenen Tischgespr\u00e4che des Abends an ihrem Tisch. Das Thema Vielfalt nahm sie zum Anlass, \u00fcber die Vielfalt bei der EWE zu sprechen. \u201eWas ist bei uns Vielfalt. Es gibt ein sch\u00f6nes Sprichwort, das hei\u00dft: Viele verschiedene Blumen ergeben einen Strau\u00df.\u201c Das sei ein sehr sch\u00f6ner Ausdruck, was Vielfalt bedeute und erkl\u00e4rte, was ihr Unternehmen EWE unter Vielfalt verstehe. \u201eWir gucken auf den Menschen.\u201c Verborgene Talente seien wichtig, die inneren Werte der Mitarbeitenden w\u00fcrden ber\u00fccksichtigt um dar\u00fcber die Vielfalt deutlich mehr zum Vorschein zu bringen. Sie betonte, dass zur Vielfalt auch der wissenschaftlichen Faktor geh\u00f6re und stellte das Unternehmen und seine Strategien vor. \u201eWir wollen das Thema Vielfalt, wir sorgen mit allem, was wir an Randbedingungen haben daf\u00fcr, dass das klappt und stehen nach innen und Au\u00dfen f\u00fcr dieses Thema.\u201c&nbsp;<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Freddy Dutz, Leiterin des Pressereferates, Evangelisches Missionswerk in Deutschland (EMW), Hamburg, beleuchtete etliche Facetten der Aussage \u201eWir sind viele\u201c. Noch nie h\u00e4tten zur gleichen Zeit auf dem Planeten so viele Menschen gewohnt, wie heute. \u201eWir sind viele\u201c, der Satz k\u00f6nne mutlos machen, dagegen der Satz \u201eGemeinsam sind wir stark\u201c ein Mutmachsatz sein. Der Satz klinge wirke manchmal auch ziemlich arrogant, wenn es hei\u00dft: \u201eWir stehen auf der richtigen Seite der Mehrheit. Doch was ist, wenn ich pers\u00f6nlich Minderheit bin.\u201c Wie w\u00e4re es, wenn eine Minderheit nicht grunds\u00e4tzlich als etwas Feindliches angesehen werde, sondern ein Teil der Gemeinschaft sei. Dazu m\u00fcssten m\u00f6glicherweise Regeln der Inklusion erfunden werden. F\u00fcr Dutz kann die Gleichbehandlung aller Menschen nicht die L\u00f6sung unserer Probleme sein. \u201eIn kommenden 25 Jahren werden in Deutschland zehn Millionen Menschen mehr sterben als geboren werden\u201c, Dutz sprach die momentane Einwanderungspolitik an, die nicht wirklich hoffen lie\u00dfe, dass Menschen in diesem Zeitraum hier einwandern k\u00f6nnten.&nbsp;<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Die Referentin regte mit ihren Ausf\u00fchrungen zum Nachdenken an. \u201eWas bedeutet es, wenn wir hier im Land \u00e4lter werden aber anderswo mehr Menschen geboren werden?\u201c \u201eWir, die jetzt lebende Menschheit m\u00fcsste sich \u00fcberlegen, wie das Zusammenleben so organisiert werden kann, dass Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit, Teilhabe, Freiheit und Frieden entstehen und bewahrt bleiben k\u00f6nnen.\u201c Dutz erkl\u00e4rte, was sie unter den f\u00fcnf Prinzipien verstehe. Sie glaubt: \u201eDass wir hier, die wir heute da sind, M\u00f6glichkeiten haben, unsere Gesellschaft und auch unsere Kirchen und Kirchengemeinden organisieren k\u00f6nnen, dass alle Menschen in einem guten Leben chancengleich leben k\u00f6nnen.\u201c Die Umsetzung der f\u00fcnf Prinzipien k\u00f6nnte als Handlungsanleitung gelten und durch ein allgemeines Gesetz gefestigt werden. Oder bezogen auf das Zitat aus der Bibel \u201eDu sollst deinen N\u00e4chsten lieben wie dich selbst\u201c, werde der Satz \u201eWir sind viele\u201c nichts mehr sein, vor dem wir uns grauen m\u00fcssten. Dutz schloss mit dem \u201eMutmachgedicht von Peter Rosegger: \u201e\u201cEin bisschen mehr\u201c und einigen Versen aus dem Kirchenlied \u201eEin feste Burg ist unser Gott\u201c. &nbsp;<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> <strong>Peter Rosegger<br \/> Ein bi\u00dfchen mehr\u2026<\/strong><br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Ein bi\u00dfchen mehr Friede<br \/> und weniger Streit,<br \/> ein bi\u00dfchen mehr G\u00fcte<br \/> und weniger Neid,<br \/> ein bi\u00dfchen mehr Liebe<br \/> und weniger Ha\u00df,<br \/> ein bi\u00dfchen mehr Wahrheit,<br \/> das w\u00e4r doch schon was.<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Statt soviel Hast<br \/> ein bi\u00dfchen mehr Ruh\u2019.<br \/> Statt immer nur ich<br \/> ein bi\u00dfchen mehr Du!<br \/> Statt Angst und Hemmungen<br \/> ein bi\u00dfchen mehr Mut<br \/> und Kraft zum Handeln,<br \/> das w\u00e4re gut.<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Kein Tr\u00fcbsinn und Dunkel,<br \/> mehr Freude und Licht.<br \/> Kein qu\u00e4lend Verlangen,<br \/> ein froher Verzicht<br \/> und viel mehr Blumen<br \/> so lange es geht,<br \/> nicht erst auf Gr\u00e4bern,<br \/> da bl\u00fchn sie zu sp\u00e4t!<br \/> &nbsp; &nbsp;&nbsp;<br \/> Die Texte der Referentinnen werden in K\u00fcrze auf der Web-Seite der Ev. Frauenarbeit zu lesen sein: <a href=\"http:\/\/www.frauenarbeit.kirche-oldenburg.de\">www.frauenarbeit.kirche-oldenburg.de<\/a>.&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;<br \/> <em>B\u00e4rbel Romey<\/em><\/p>\n<p>Source: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWir laden Sie heute zu Tischreden zu einem gesellschaftlich brisanten Thema ein\u201c, begr\u00fc\u00dften die beiden Organisatorinnen des Abends 80 Frauen im Lambertus-Saal der St.-Lamberti-Kirche zu Oldenburg.&nbsp; &nbsp; &nbsp; \u201eWir sind viele\u201c lautete das Motto Frauenmahls 2019, das die Ev. Frauenarbeit der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg am 08. November 2019 verantwortete. Lange und intensiv hatten Dr. Andrea Schrimm-Heins, Leiterin Evangelische Frauenarbeit und Frauenbildungsreferentin und Gabriele R\u00fcsch-Tillmanns, Gleichstellungsbeauftragte der Kirche Oldenburg dieses Frauenmahl wieder vorbereitet. Sie bedienten den hohen Anspruch, Referentinnen aus Kirche und Gesellschaft f\u00fcr je sieben Minuten Rede zum Thema \u201eWir sind viele\u201c einzuladen. 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