{"id":13281,"date":"2019-12-10T07:39:00","date_gmt":"2019-12-10T06:39:00","guid":{"rendered":"https:\/\/christusnews.de\/site\/debatte-in-wertschaetzender-atmosphaere\/"},"modified":"2019-12-10T07:39:00","modified_gmt":"2019-12-10T06:39:00","slug":"debatte-in-wertschaetzender-atmosphaere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/debatte-in-wertschaetzender-atmosphaere\/","title":{"rendered":"Debatte in wertsch\u00e4tzender Atmosph\u00e4re"},"content":{"rendered":"<p>\u201eDie Kirchen sind nicht die Gewerkschaften des Himmels&#8221;, sagte vor einiger Zeit der bayerische Ministerpr\u00e4sident Markus S\u00f6der, und f\u00fcgte hinzu: \u201eEs w\u00e4re f\u00fcr die Kirchen besser, sie w\u00fcrden sich st\u00e4rker auf den Glauben konzentrieren und weniger Politik machen.&#8221; Und Wolfgang Sch\u00e4uble sagte noch als Finanzminister mit Blick auf die Kritik der Evangelischen Kirche an der Fl\u00fcchtlingspolitik der Bundesregierung: \u201eDer Staat ist nicht f\u00fcr Barmherzigkeit zust\u00e4ndig, er muss nur die Grundlage daf\u00fcr schaffen, dass der Einzelne barmherzig handeln kann\u201c.<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Die Aufforderung, dass die Kirche sich ums sogenannte Eigentliche k\u00fcmmern, sich aber bitte nicht politisch oder zu gesellschaftlich aktuellen Fragen \u00e4u\u00dfern solle, ist so alt wie die biblischen Texte selbst. Ungeachtet dessen gibt es in der Ev. Familien-Bildungsst\u00e4tte in Wilhelmshaven seit mehr als f\u00fcnf Jahren einen politischen Gespr\u00e4chskreis. Jede Woche treffen sich rund 10 Frauen und M\u00e4nner, um \u00fcber aktuelle, tagespolitische aber auch grundlegende politische Themen zu sprechen und zu streiten. Dabei geht es um Kommunalpolitik ebenso wie um Landes- und Bundespolitik. Auch europ\u00e4ische und weltpolitische Fragen kommen nicht zu kurz. Zentrales Thema ist immer auch die politische Glaubw\u00fcrdigkeit: Dabei klopfen die Teilnehmerinnen kritisch die handelnden Politiker drauf ab, ob die sich auch an das halten, was sie einst versprochen haben. Bei Bedarf werden zu einzelnen Themen auch schon mal Politikerinnen und Politiker aus der Region eingeladen.<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Seit fast f\u00fcnf Jahren moderiert Hans-Rainer Klanke den offenen Gespr\u00e4chskreis. Der Diplom-Verwaltungswirt war viele Jahre Pressesprecher der Arbeitsagentur in Wilhelmshaven und jahrzehntelang Vorstandsmitglied bei der Diakonie Friesland-Wilhelmshaven. Noch heute engagiert er sich als Gemeindekirchenrat in Altengroden.<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Die Themen des Gespr\u00e4chskreises sind dabei so vielf\u00e4ltig wie die Politik selbst Die letzte OB-Wahl in Wilhelmshaven und die Diskussion um einzelne Kandidaten geh\u00f6ren ebenso dazu wie das Dauerthema \u201eKlinikum\u201c. Aber auch globale Themen wie die Politik des US-Pr\u00e4sidenten und seine Konsequenzen f\u00fcr den Welthandel, der Brexit (\u201eOh Gott, ich kann es nicht mehr h\u00f6ren\u201c) oder auch bundespolitische Themen wie die Personalpolitik der Parteien stehen auf dem Zettel.<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Im Fr\u00fchjahr 2019 hatte die Christus- und Garnisonkirche in Wilhelmshaven anl\u00e4sslich der Oberb\u00fcrgermeisterwahl nacheinander alle Kandidatinnen und Kandidaten zur Vorstellung in die Kirche eingeladen. Nach einer kurzen Andacht gab es 60 Minuten Fragen und Antworten. F\u00fcr viele eine gelungene Reihe mit neuen Einblicken, andere sahen darin einen Tabubruch: So etwas geh\u00f6rt nicht in eine Kirche. Angeregt durch diese Aktion diskutierte Gemeindepastor Bernhard Busemann mit dem Gespr\u00e4chskreis \u00fcber das Thema \u201eKirche und Politik\u201c.<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Wie zu erwarten war, gab es kontroverse Positionen. \u201eIn der Kirche sollten politische Dinge nicht stattfinden, das Weltliche geh\u00f6rt ins Gemeindehaus\u201c, diese Haltung war so oder \u00e4hnlich mehrfach zu h\u00f6ren: \u201eDer gl\u00e4ubige Mensch geht in die Kirche, da hat Politik nicht zu suchen.\u201c \u201e\u00dcberall, wo ein Altar steht, sollten solche Veranstaltungen nicht stattfinden.\u201c Dabei ging es dann doch vor allem um die Kirche als Veranstaltungsort. Grunds\u00e4tzlich gab es viel Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, dass sich eine Kirchengemeinde auch politischer und anderer weltlicher Themen annimmt. Dabei zeigte sich, dass die Position \u201eKirche hat Kirche zu bleiben, mehr nicht\u201c in der Regel gerne von denen vertreten wird, die ohnehin nicht zur Kirche geh\u00f6ren.<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> \u201eIch bin immer beides: Christ und B\u00fcrger. Wenn ich in den Gottesdienst gehe, lege ich mein B\u00fcrgersein nicht ab, und wenn ich in die Stadthalle gehe, lege ich mein Christsein nicht ab. Mich hat interessiert, f\u00fcr welche Werte die OB-Kandidaten stehen. Deshalb war ich froh \u00fcber die Reihe\u201c. Die Teilnehmerin meinte, die Kirche habe hier eine wichtige Aufgabe \u00fcbernommen, kein anderes Format hat die OB-Kandidaten so ausf\u00fchrlich pr\u00e4sentiert. Kritik wurde am Wirtschaftsverband ge\u00fcbt, der zu seiner Veranstaltung nur vier Kandidaten eingeladen hatte: \u201eDiese Auswahl war willk\u00fcrlich.\u201c Eine Teilnehmerin dr\u00fcckte es im weiteren Verlauf so aus: \u201eEine Religionsgemeinschaft lebt davon, dass Menschen sich dort treffen und austauschen. Ich m\u00f6chte doch wissen, wo die Kirche steht bei wichtigen Entscheidungen.\u201c Pastor Busemann machte dabei klar, \u201ePolitik und Kirche lassen sich rund um die Garnisonkirche ganz schlecht trennen. Unser Kirchenraum ist immer auch ein politischer Raum.\u201c Ein Teilnehmer hob das Gespr\u00e4ch hervor: \u201eDer Dialog in der Kirche ist so wichtig. Fr\u00fcher haben die Kirchen Waffen gesegnet, heute gehen sie mit uns Schritte auf dem Weg des Friedens.\u201c Mit Blick auf die politischen Reihen in der Christus-und Garnisonkirche betonte eine Frau in der Runde: \u201eDie Kirche ist ein offenes Geb\u00e4ude. Durch solche Veranstaltungen kommen auch Menschen in die Kirche, die sonst nicht k\u00e4men. Sie erleben Kirche hier ganz anders.\u201c Es wurde deutlich, Kirchengemeinden k\u00f6nnen und sollen ein Forum f\u00fcr Diskussion sein, sie m\u00fcssen aber neutral bleiben: \u201eEine Wahlempfehlung wie in anderen Konfession schon geschehen, darf es in der Evangelischen Kirche nicht geben.\u201c Das ist Konsens.<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Trotz oft kontroverser Diskussion und gro\u00dfer Richtungsunterschiede, die gegenseitige Wertsch\u00e4tzung geh\u00f6rt zu den Markenzeichen des politischen Gespr\u00e4chskreises. Die Teilnehmer kommen aus sehr unterschiedlichen politischen Richtungen. \u201eEs ist auch schon mal jemand weggeblieben mit der Begr\u00fcndung, \u201aihr lasst Euch ja doch nicht \u00fcberzeugen\u2018\u201c, berichtet Moderator Rainer Klanke, \u201eaber das war die Ausnahme\u201c. Auch Klanke selbst profitiert regelm\u00e4\u00dfig von den lebhaften Diskussionen: \u201eIch bekomme oft einen ganz anderen Blick auf ein Thema\u201c. Seine Rolle sieht er als Impulsgeber und hat auch gleich ein Bild daf\u00fcr: \u201eIch schmei\u00dfe einen Stein ins Wasser, und dann zieht das Kreise\u201c. So pflanzen sich die Gedanken fort, und manchmal kommt einer der Impulse nach ein paar Wochen wieder zum Vorschein, wenn ihn ein anderes Mitglied aus der Gruppe wieder aufgreift.<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Hier wie in anderen Aktivit\u00e4ten im Themenfeld \u201eKirche und Politik\u201c zeigt sich: Christlicher Glaube ist viel explosiver, als es manchem lieb sein mag. Und letztendlich ist es so, dass auch wer nicht politisch handeln m\u00f6chte, am Ende doch immer politisch handelt, indem er mit seinem Schweigen die herrschende Meinung unterst\u00fctzt. Geschwiegen wird im politischen Gespr\u00e4chskreis der Ev. Familien-Bildungsst\u00e4tte jedenfalls nicht. Ganz im Gegenteil<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> <em>R\u00fcdiger Schaarschmidt<\/em><\/p>\n<p>Source: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDie Kirchen sind nicht die Gewerkschaften des Himmels&#8221;, sagte vor einiger Zeit der bayerische Ministerpr\u00e4sident Markus S\u00f6der, und f\u00fcgte hinzu: \u201eEs w\u00e4re f\u00fcr die Kirchen besser, sie w\u00fcrden sich st\u00e4rker auf den Glauben konzentrieren und weniger Politik machen.&#8221; Und Wolfgang Sch\u00e4uble sagte noch als Finanzminister mit Blick auf die Kritik der Evangelischen Kirche an der Fl\u00fcchtlingspolitik der Bundesregierung: \u201eDer Staat ist nicht f\u00fcr Barmherzigkeit zust\u00e4ndig, er muss nur die Grundlage daf\u00fcr schaffen, dass der Einzelne barmherzig handeln kann\u201c. &nbsp; &nbsp; Die Aufforderung, dass die Kirche sich ums sogenannte Eigentliche k\u00fcmmern, sich aber bitte nicht politisch oder zu gesellschaftlich aktuellen Fragen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"false","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[43],"tags":[44],"class_list":["post-13281","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kirche-oldenburg","tag-kirche-oldenburg"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13281","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13281"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13281\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13281"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13281"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13281"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}