{"id":13815,"date":"2020-03-02T10:08:00","date_gmt":"2020-03-02T09:08:00","guid":{"rendered":"https:\/\/christusnews.de\/site\/migranten-in-der-mitte-der-gesellschaft-engagierte-einwanderer-mischen-sich-ein-und-werden-von-rechts-bedroht\/"},"modified":"2020-03-02T10:08:00","modified_gmt":"2020-03-02T09:08:00","slug":"migranten-in-der-mitte-der-gesellschaft-engagierte-einwanderer-mischen-sich-ein-und-werden-von-rechts-bedroht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/migranten-in-der-mitte-der-gesellschaft-engagierte-einwanderer-mischen-sich-ein-und-werden-von-rechts-bedroht\/","title":{"rendered":"Migranten in der Mitte der Gesellschaft  &#8211; Engagierte Einwanderer mischen sich ein &#8211; und werden von rechts bedroht"},"content":{"rendered":"<p>Sie haben ihre pers\u00f6nlichen Erfahrungen mit Rassismus gemacht: Bundesweit haben sich Migranten organisiert, um ein Einwanderungsland zu gestalten, das ihnen faire Teilhabechancen bietet. Und auch Schutz vor rechtem Terror.<\/p>\n<p>Osnabr\u00fcck (epd). Stundenlang standen drei M\u00e4nner vor dem Vereinsb\u00fcro von Tutmonde in Stralsund, fotografierten Briefkasten und Fenster. Kurz darauf verletzte ein Mann eine Mitarbeiterin der Migrantenorganisation mit einem Fu\u00dftritt. \u00abIch wurde auf dem Weg zum Auto verfolgt und bedr\u00e4ngt\u00bb, erz\u00e4hlt Tutmonde-Vorst\u00e4ndin Jana Michael von dem Vorfall Ende Januar. Seither macht sie sich auf die Suche nach neuen R\u00e4umen.<\/p>\n<p>Es war nicht die erste Drohung von rechts. Vor einigen Jahren explodierte der Briefkasten des Vereins, in dem sich Migrantinnen insbesondere f\u00fcr gefl\u00fcchtete Frauen engagieren. Und auch Zuhause hatte Michael schon unerw\u00fcnschten Besuch. \u00abWir werden st\u00e4ndig mit Rassismus konfrontiert\u00bb, sagt sie. Frauen mit Kopftuch w\u00fcrden bespuckt, angep\u00f6belt, in L\u00e4den nicht bedient. \u00abWeisen wir \u00f6ffentlich darauf hin, wird das kleingeredet &#8211; und wir als Organisation daf\u00fcr gehasst, dass wir so unbequem sind.\u00bb<\/p>\n<p>Die Stralsunderinnen sind Teil eines bundesweiten Netzwerks: In 33 St\u00e4dten haben sich rund 700 Initiativen und Vereine von Menschen mit Migrationshintergrund im Projekt samo.fa vernetzt. Samo.fa steht f\u00fcr \u00abSt\u00e4rkung der Aktiven aus Migrantenorganisationen in der Fl\u00fcchtlingsarbeit\u00bb. Tr\u00e4ger des von der Bundesregierung finanzierten Projekts ist der Bundesverband Netzwerke von Migrantenorganisationen (BV NeMO). In den Projektst\u00e4dten arbeiten Hauptamtliche zusammen mit Ehrenamtlichen an besseren Teilhabechancen f\u00fcr Gefl\u00fcchtete auf dem Arbeitsmarkt, im Bildungs- und Gesundheitssystem &#8211; und immer wieder am Umgang mit Rassismus.<\/p>\n<p>Denn: Fl\u00fcchtlingshelfer werden regelm\u00e4\u00dfig angefeindet. \u00abF\u00fcr Menschen mit Migrationsgeschichte ist das leider sowieso Alltag\u00bb, sagt BV NeMO-Vorsitzender \u00dcmit Kosan. Der Anschlag von Hanau stelle nicht erst seit dem NSU, Chemnitz und Halle eine Kontinuit\u00e4t rechter Gewalt da, schreibt der Verband. Er kritisiert, dass Rassismus verharmlost und nicht aufgearbeitet werde. \u00abEs ist an der Zeit, den Betroffenen zuzuh\u00f6ren und sie vor dem Terror zu sch\u00fctzen.\u00bb<\/p>\n<p>In diesen Zeiten sei die Vernetzung unterschiedlicher Migrantenorganisationen und das Einstehen f\u00fcr gemeinsame Ziele noch wichtiger. \u00abZusammen k\u00f6nnen wir nicht so leicht \u00fcberh\u00f6rt werden\u00bb, sagt Kosan, der den BV NeMO 2015 als ersten herkunfts\u00fcbergreifenden Verband von Migrantenorganisationen gegr\u00fcndet hat.<\/p>\n<p>Aus samo.fa sind mittlerweile Vereine von Gefl\u00fcchteten entstanden, die sich nun selbst ehrenamtlich in Deutschland als ihrer neuen Heimat engagieren. \u00abDie gleichberechtigte Teilhabe aller Bewohner des Landes ist der Schl\u00fcssel zum friedlichen Zusammenleben\u00bb, sagt Kosan. Wer mitbestimmen k\u00f6nne, f\u00fchle sich zugeh\u00f6rig und bringe sich ein. \u00abWir Engagierten im Netzwerk arbeiten an den vielen Herausforderungen, die eine Einwanderungsgesellschaft mit sich bringt.\u00bb Von der Politik erwarte er die Anerkennung dieses zivilgesellschaftlichen Engagements, aber auch Schutz, erkl\u00e4rt Kosan.<\/p>\n<p>Zusammenschl\u00fcsse von Gruppen verschiedener Communities k\u00f6nnten durchaus gegen den erstarkenden Rechtsextremismus wirken, findet der Osnabr\u00fccker Soziologe Aladin El-Mafaalani. Denn: \u00abSie b\u00fcndeln verschiedene Perspektiven und zeigen aus der Mitte heraus, wie und dass Zusammenhalt funktioniert.\u00bb<\/p>\n<p>Vor allem hilft Vernetzung aber den Betroffenen, sagt \u00dcmit Kosan. \u00abSie sind nicht allein mit ihrem Problem, das best\u00e4rkt.\u00bb Die Netzwerke vor Ort k\u00f6nnten systematische Missst\u00e4nde besser in der lokalen Politik zum Thema machen als Einzelne &#8211; seien es Diskriminierungen auf dem Wohnungsmarkt und bei Beh\u00f6rden oder eine H\u00e4ufung rechtsextremer Gewalt in bestimmten Stadtteilen.<\/p>\n<p>Das will auch Jana Michael in Stralsund weiter tun. 2020 will sich samo.fa Stralsund besonders f\u00fcr die interkulturelle \u00d6ffnung von Pflegeeinrichtungen einsetzen. \u00abWir lassen uns nicht entmutigen.\u00bb<\/p>\n<p>Source: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie haben ihre pers\u00f6nlichen Erfahrungen mit Rassismus gemacht: Bundesweit haben sich Migranten organisiert, um ein Einwanderungsland zu gestalten, das ihnen faire Teilhabechancen bietet. 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