{"id":14273,"date":"2020-04-14T10:54:00","date_gmt":"2020-04-14T08:54:00","guid":{"rendered":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wie-abgeschnitten\/"},"modified":"2020-04-14T10:54:00","modified_gmt":"2020-04-14T08:54:00","slug":"wie-abgeschnitten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wie-abgeschnitten\/","title":{"rendered":"Wie abgeschnitten"},"content":{"rendered":"<p>Bremerhaven\/Hamburg (epd). Shampoo, Duschgel, Handseife, Zahnb\u00fcrsten und S\u00fc\u00dfigkeiten, alles exakt aufgelistet mit Produktnamen, Gramm, Milliliter und Mengenangabe: Der Kapit\u00e4n eines gro\u00dfen Containerschiffs in Bremerhaven hat Seemannsdiakonin Christine Freytag eine detaillierte Einkaufsliste zugeschickt. Damit arbeitet sie sich nun durch einen Supermarkt und kauft f\u00fcr die Besatzung ein, die in der Corona-Krise einfach nicht mehr vom Schiff kommt.<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Gefangen an Bord: War es in der Vergangenheit aufgrund von Sicherheitsbestimmungen und kurzen Liegezeiten f\u00fcr die Crews von Handelsschiffen schon nicht einfach, l\u00e4nger an Land zu gehen, ist es in Zeiten der Pandemie oft nahezu unm\u00f6glich. Die Angst vor Ansteckung ist gro\u00df. Als Freytag etwas sp\u00e4ter die Gangway zum Schiff erklimmt und ihren Einkauf \u00fcberreicht, ist der zweite Offizier deshalb erleichtert. Sie seien nirgendwo mehr an Land gekommen, und jetzt fehle ihnen alles M\u00f6gliche an Bord, berichtet er. Nicht mal \u00abSunny\u00bb &#8211; der Versandhandel f\u00fcr Seeleute &#8211; arbeite noch.<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Aber wo sollten die M\u00e4nner auch hingehen, wenn sie vom Schiff runterkommen? Die meisten Clubs der Seemannsmission, beliebte Anlaufpunkte, um mal zu entspannen, sind geschlossen &#8211; Infektionsgefahr. Die Situation sei weltweit \u00e4hnlich, Eink\u00e4ufe seien selten m\u00f6glich, schildert Christoph Ernst, Generalsekret\u00e4r der Deutschen Seemannsmission (DSM) mit Sitz in Hamburg.<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Dazu kommt: Abgel\u00f6st wird derzeit niemand. \u00abEs gelten Einreiseverbote, Flugverbindungen sind gestrichen\u00bb, beschreibt Freytag die Lage. Corona sei \u00abwie ein Eisberg\u00bb, bringt es ihre Kollegin Anke Wibel im Hamburger Seemannsclub \u00abDuckdalben\u00bb auf den Punkt. \u00abCrew-Wechsel sind im Moment kaum m\u00f6glich\u00bb, best\u00e4tigt der Pr\u00e4sident des Verbandes Deutscher Reeder (VDR), Alfred Hartmann aus Leer. Nach Monaten an Bord r\u00fccke das Wiedersehen mit Heimat und Familie in weite Ferne. Das sei f\u00fcr die Seeleute nicht einfach zu verkraften, sagt Diakonin und Seelsorgerin Freytag.<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Es trifft eine Berufsgruppe, die DSM-Generalsekret\u00e4r Ernst als \u00ababsolut systemrelevant\u00bb beschreibt, schon immer und gerade jetzt im weltweiten Corona-Shutdown: \u00abMehr als 90 Prozent aller G\u00fcter kommen \u00fcber die Meere.\u00bb Reeder Hartmann verdeutlicht, Seeleute sorgten daf\u00fcr, dass in Deutschland, in Europa und anderswo G\u00fcter aller Art die H\u00e4fen erreichten, \u00abdass die Regale im Supermarkt gef\u00fcllt sind und dass Medikamente und Schutzkleidung zu uns kommen. Ohne Schifffahrt, ohne Seeleute kein Handel, kein Nachschub, keine Versorgung.\u00bb<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Die Seeleute h\u00e4tten jetzt eine besondere Rolle im globalen Kampf gegen das Coronavirus, denn sie seien \u00abdie DNA der Welt-Gesellschaft\u00bb, meint die Hamburgerin Anke Wibel. In dieser Situation sorgen Organisationen wie die Deutsche Seemannsmission mit ihren 16 Inlands- und 14 Auslandsstationen daf\u00fcr, dass der Draht zur Au\u00dfenwelt nicht abrei\u00dft. Sie organisieren in vielen H\u00e4fen einen Telefon- und Lieferservice, bringen Hygiene-Artikel, die immer beliebte Schokolade und vor allem Telefonkarten, mit denen die Seeleute eine Verbindung mit ihren Familien aufrecht erhalten k\u00f6nnen.<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Doch l\u00e4ngere seelsorgerliche Gespr\u00e4che gibt es nicht mehr, ein Besuch in den R\u00e4umen an Bord bleibt der Seemannsmission jetzt in der Regel verwehrt, weil die Kapit\u00e4ne Angst vor Infektionen haben. Es bleibt notgedrungen beim kurzen Small Talk an der Gangway, nat\u00fcrlich mit dem gebotenen Sicherheitsabstand.<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Deshalb hat die DSM gerade eine Chat-Seelsorge gestartet, weltweit unter der Internet-Adresse <a href=\"https:\/\/dsm.care\">https:\/\/dsm.care<\/a> erreichbar. \u00abAlles verschl\u00fcsselt und sicher, von fr\u00fchmorgens bis sp\u00e4tabends besetzt\u00bb, erl\u00e4utert Mitinitiator Matthias Ristau. Der Hamburger Seemannspastor wei\u00df, dass gerade jetzt vielen Menschen auf den Schiffen ein Gespr\u00e4ch auf der Seele brennt, dass sie sich in der Pandemie um ihre Familien zu Hause sorgen.<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> \u00abDie Leute an Bord f\u00fchlen sich wie abgeschnitten\u00bb, hat Diakonin Christine Freytag erfahren. Sie ist jetzt nur noch mit Mund-Nase-Schutz unterwegs, denn ihr ist klar, dass sie selbst ein zus\u00e4tzliches Infektionsrisiko f\u00fcr die Seeleute ist. \u00abDie Angst, diejenige zu sein, die am Ende nachweislich die Besatzungen von mehreren Seeschiffen infiziert hat, begleitet mich in diesen Tagen auf Schritt und Tritt\u00bb, meint sei, sagt aber auch: \u00abGleichzeitig sp\u00fcre ich gerade jetzt besonders deutlich, wie sehr Seeleute uns und unsere Arbeit brauchen.\u00bb<\/p>\n<p><em>Dieter Sell\/epd<\/em><\/p>\n<p>Source: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bremerhaven\/Hamburg (epd). Shampoo, Duschgel, Handseife, Zahnb\u00fcrsten und S\u00fc\u00dfigkeiten, alles exakt aufgelistet mit Produktnamen, Gramm, Milliliter und Mengenangabe: Der Kapit\u00e4n eines gro\u00dfen Containerschiffs in Bremerhaven hat Seemannsdiakonin Christine Freytag eine detaillierte Einkaufsliste zugeschickt. 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