{"id":14424,"date":"2020-05-04T10:46:00","date_gmt":"2020-05-04T08:46:00","guid":{"rendered":"https:\/\/christusnews.de\/site\/an-deren-stelle-wuerde-ich-mich-jeden-tag-besaufen-peter-kossen-wird-nicht-muede-sich-fuer-arbeitsmigranten-aus-ost-und-suedosteuropa-einzusetzen\/"},"modified":"2020-05-04T10:46:00","modified_gmt":"2020-05-04T08:46:00","slug":"an-deren-stelle-wuerde-ich-mich-jeden-tag-besaufen-peter-kossen-wird-nicht-muede-sich-fuer-arbeitsmigranten-aus-ost-und-suedosteuropa-einzusetzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/an-deren-stelle-wuerde-ich-mich-jeden-tag-besaufen-peter-kossen-wird-nicht-muede-sich-fuer-arbeitsmigranten-aus-ost-und-suedosteuropa-einzusetzen\/","title":{"rendered":"\u00abAn deren Stelle w\u00fcrde ich mich jeden Tag besaufen\u00bb &#8211; Peter Kossen wird nicht m\u00fcde, sich f\u00fcr Arbeitsmigranten aus Ost- und S\u00fcdosteuropa einzusetzen"},"content":{"rendered":"<p>Er w\u00e4hlt stets drastische Worte und bekommt daf\u00fcr oft Gegenwind. Doch das ficht den streitbaren Kirchenmann nicht an. Peter Kossen k\u00e4mpft weiter f\u00fcr Arbeitsmigranten aus Ost- und S\u00fcdosteuropa, die sonst kaum F\u00fcrsprecher haben.<\/p>\n<p>Vechta\/Lengerich (epd). Peter Kossen nennt die Dinge gern unmissverst\u00e4ndlich beim Namen. Sklaverei, Ausbeutung, Menschenhandel &#8211; das sind Vokabeln, mit denen der katholische Pfarrer seit Jahren die Situation von Arbeitsmigranten aus Ost- und S\u00fcdosteuropa im Nordwesten Deutschlands beschreibt. Der hagere 52-J\u00e4hrige mit grau melierter Raspelfrisur, randloser Brille und wei\u00dfem Stehkragen unter der grauen Strickjacke spricht ruhig, kaum je die Stimme erhebend. Umso mehr treffen seine Aussagen die Zuh\u00f6rer und Gespr\u00e4chspartner bis ins Mark: \u00abWenn ich so leben m\u00fcsste, wie die meisten dieser Menschen, w\u00fcrde ich mich jeden Tag besaufen.\u00bb Oft rufen seine Anklagen Widerspruch und Zorn hervor. \u00abDas muss man aushalten k\u00f6nnen\u00bb, sagt der Priester des Bistums M\u00fcnster und l\u00e4chelt sanft.<\/p>\n<p>Die Menschen, f\u00fcr die Kossen sich so vehement einsetzt, kommen aus Rum\u00e4nien, Bulgarien oder Polen. Sie zerlegen Schweine in Schlachth\u00f6fen, misten riesige Gefl\u00fcgelst\u00e4lle aus, ernten Gem\u00fcse, pflegen alte Menschen rund um die Uhr, liefern Pakete aus oder putzen. Angestellt sind sie bei Leiharbeitsfirmen, oft mit befristeten Vertr\u00e4gen oder zur Probe, sagt der Gemeindepfarrer aus dem westf\u00e4lischen Lengerich nahe Osnabr\u00fcck. Sie leisteten massenhaft unbezahlte \u00dcberstunden, auch nachts und an Feiertagen, wohnten zu horrenden Mieten in \u00abSchrottimmobilien\u00bb und w\u00fcrden bei Krankheit oder Schwangerschaft rausgeworfen. Statt eines Mindestlohns von knapp zehn Euro verdienten sie oftmals nur 4,50 Euro pro Stunde.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher h\u00e4tten Einheimische viele dieser Arbeiten erledigt &#8211; und dabei richtig gutes Geld verdient, sagt Kossen, der im nieders\u00e4chsischen Vechta geboren und aufgewachsen ist und sp\u00e4ter dort als leitender Theologe t\u00e4tig war. \u00abIch habe miterlebt, wie die Region durch intensive Landwirtschaft und Fleischindustrie zu Wohlstand gekommen ist.\u00bb<\/p>\n<p>Heute hingegen w\u00fcrden ausl\u00e4ndische Frauen und M\u00e4nner \u00abwie Maschinen angemietet, verschlissen und aussortiert, ausgebeutet, betrogen und gedem\u00fctigt &#8211; Wegwerfmenschen statt Mitb\u00fcrger\u00bb. Immer wieder sagt und schreibt Kossen \u00f6ffentlich solche S\u00e4tze, spricht von \u00abmafi\u00f6sen Strukturen von Ausbeutung und Menschenhandel\u00bb. Die Menschen w\u00fcrden in Gettos isoliert und diskriminiert. Sprachf\u00f6rderung und Integration &#8211; Fehlanzeige.<\/p>\n<p>Der Pfarrer greift damit nicht nur Chefs gro\u00dfer Unternehmen wie T\u00f6nnies, Wiesenhof, die Papenburger Meyer Werft oder Bauern frontal an, sondern auch B\u00fcrgermeister und Minister. Kossen nennt sie alle beim Namen. F\u00fcr einen Mann der Kirche eher ungew\u00f6hnlich: \u00abGenau diesen \u00dcberraschungseffekt nutze ich, um mir Geh\u00f6r zu verschaffen.\u00bb K\u00fcrzlich hat er den nieders\u00e4chsischen Ministerpr\u00e4sidenten Stephan Weil (SPD) und den nordrhein-westf\u00e4lischen Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) in einem offenen Brief aufgefordert, die Arbeitsmigranten in der Corona-Krise besser zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Daniel Tranc ist Kossen daf\u00fcr dankbar. \u00abPeter ist ein Super-Mann. Er will am liebsten allen helfen, die Hilfe brauchen.\u00bb Der Rum\u00e4ne ist selbst ehemaliger Leiharbeiter und hat in der Verpackungsindustrie gearbeitet. Heute ber\u00e4t er f\u00fcr einen von Kossen gegr\u00fcndeten Verein seine Landsleute. \u00abDie deutschen Firmen, an die die Arbeiter vermittelt werden, reden sich damit raus, dass sie nicht zust\u00e4ndig seien.\u00bb<\/p>\n<p>Einen \u00dcberraschungseffekt wie Kossen haben die Gewerkschaften naturgem\u00e4\u00df nicht zur Seite. Auch sie kritisieren die systematische Ausbeutung und bieten den Betroffenen in ihren Beratungsstellen Hilfen an. Die Landesregierung und die Arbeitgeber seien in der Pflicht, sagt Mehrdad Payandeh, Bezirksvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Niedersachsen. \u00abBilliglohn und Sozialdumping m\u00fcssen endlich konsequent bek\u00e4mpft werden.\u00bb Er ist froh, dass der streitbare Kirchenmann viel Aufmerksamkeit f\u00fcr das Thema erzeugt.<\/p>\n<p>Kossen st\u00f6rt es wenig, dass er daf\u00fcr angefeindet wird. Er findet, den Finger in die Wunde zu legen, sei genau seine Aufgabe &#8211; und erntet damit Kritik auch aus den eigenen Reihen. Auch Kollegen der von ihm seit drei Jahren geleiteten Pfarrei in Lengerich, die sein Engagement positiv sehen, bek\u00e4men das zu sp\u00fcren. Manch einer gebe denen zu verstehen, er komme nicht zur Messe, \u00absolange der Kossen da ist\u00bb. \u00abDa frage ich mich schon manchmal, ob ich ihnen das zumuten kann.\u00bb<\/p>\n<p>Dennoch hat er vor gut einem Jahr den Verein \u00abAktion W\u00fcrde und Gerechtigkeit\u00bb gegr\u00fcndet. Viele der Praktiken von Leiharbeitsfirmen seien eigentlich verboten &#8211; das Problem sei jedoch, dass niemand die Firmen verklage, sagt Kossen. \u00abDie meisten Arbeiterinnen und Arbeiter sprechen kein Deutsch, kennen sich mit dem Arbeitsrecht nicht aus oder haben Angst, den Job zu verlieren.\u00bb Der Verein ber\u00e4t Betroffene. Befreundete Anw\u00e4lte wollen sie bis vor Gericht begleiten &#8211; kostenlos. \u00abDamit die Menschenrechtsverletzungen endlich aufh\u00f6ren.\u00bb<\/p>\n<p>Source: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er w\u00e4hlt stets drastische Worte und bekommt daf\u00fcr oft Gegenwind. Doch das ficht den streitbaren Kirchenmann nicht an. Peter Kossen k\u00e4mpft weiter f\u00fcr Arbeitsmigranten aus Ost- und S\u00fcdosteuropa, die sonst kaum F\u00fcrsprecher haben. Vechta\/Lengerich (epd). Peter Kossen nennt die Dinge gern unmissverst\u00e4ndlich beim Namen. Sklaverei, Ausbeutung, Menschenhandel &#8211; das sind Vokabeln, mit denen der katholische Pfarrer seit Jahren die Situation von Arbeitsmigranten aus Ost- und S\u00fcdosteuropa im Nordwesten Deutschlands beschreibt. Der hagere 52-J\u00e4hrige mit grau melierter Raspelfrisur, randloser Brille und wei\u00dfem Stehkragen unter der grauen Strickjacke spricht ruhig, kaum je die Stimme erhebend. Umso mehr treffen seine Aussagen die Zuh\u00f6rer&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"false","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[43],"tags":[44],"class_list":["post-14424","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kirche-oldenburg","tag-kirche-oldenburg"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14424","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14424"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14424\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14424"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14424"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14424"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}