{"id":14530,"date":"2020-05-19T07:33:00","date_gmt":"2020-05-19T05:33:00","guid":{"rendered":"https:\/\/christusnews.de\/site\/ruhepunkt-fuer-die-seele-suchen\/"},"modified":"2020-05-19T07:33:00","modified_gmt":"2020-05-19T05:33:00","slug":"ruhepunkt-fuer-die-seele-suchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/ruhepunkt-fuer-die-seele-suchen\/","title":{"rendered":"Ruhepunkt f\u00fcr die Seele suchen"},"content":{"rendered":"<p>\u201eVier Stunden haben wir in unserer Kirche alles ausgemessen, damit wir endlich wieder unseren ersten Gottesdienst feiern konnten!\u201c, erz\u00e4hlte nicht ohne Stolz in der Stimme ein Kirchen\u00e4ltester. \u201eUnser Gottesdienst war voll besucht\u201c, erg\u00e4nzt ein Zweiter. \u201eWir haben gleich mehrere Gottesdienste \u2013 fast im Stundentakt \u2013 angeboten\u201c, erz\u00e4hlt ein Dritter, euphorisch und mit leuchtenden Augen. Sehns\u00fcchtig war die \u00d6ffnung der Kirchen f\u00fcr Gottesdienst erwartet worden. Gemeinschaftlich \u2013 auch auf Abstand \u2013 Gottesdienst feiern. Ich kann das sehr gut verstehen.<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Genauso verstehe ich aber auch die mahnenden Stimmen, alles \u201ebehutsam, achtsam und besonnen\u201c anzugehen. Nur blieben diese eher im Hintergrund und wurden im Zuge der Euphorie und des Aktionismus kaum wahrgenommen. Dennoch sind die damit verbundenen Fragen eines Kreispfarrers unserer Kirche berechtigt: Entsprechen Gottesdienstfeiern in der Kirche dem Liebesgebot, wenn sie aus Hygienegr\u00fcnden ohne Gesang bleiben und ohne diejenigen stattfinden, die sich wegen ihres erh\u00f6hten Ansteckungsrisikos nicht in die Kirche trauen? Wirkt eine Einladung zum Gottesdienst eventuell lieblos, bei der dann konkret mehr Menschen an der Kirchent\u00fcr abgewiesen werden m\u00fcssen? Sollten wir im Zweifelsfall darum lieber etwas l\u00e4nger warten, als Menschen weh zu tun?<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Einen \u00e4hnlichen Gegensatz habe ich in den Wochen ebenfalls wahrgenommen. Da wurden die vielen digitalen Angebote gelobt und die hohen Klickzahlen gefeiert. Die vielen kleinen Aktionen in den Gemeinden hingegen, wie die \u201eGottesdienste in der T\u00fcte\u201c, die \u201eW\u00e4scheleinen der Hoffnung\u201c, die Wiederentdeckung der Schauk\u00e4sten, Aktionen auf den Kirchh\u00f6fen etc.&nbsp; wurden in der allgemeinen kirchlichen \u00d6ffentlichkeit fast ignoriert.<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Um diese kirchliche Vielfalt wahrnehmen zu k\u00f6nnen, die sich jetzt entwickelt hat, hilft es vielleicht mal einen Schritt zur\u00fcckzutreten. Abstand gewinnen von den eigenen Aufgaben, Funktionen und den eigenen Mechanismen, mit denen wir versuchen, die ungewohnte Situation der Corona-Pandemie zu bew\u00e4ltigen. Dieser Schritt mag helfen, einen Blick f\u00fcr den gesamten Strau\u00df kirchlichen Lebens zu bekommen, der in dieser Zeit aufgebl\u00fcht ist und weiterhin bl\u00fcht.<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Beiseite zu treten, inne zu halten, zur Ruhe kommen, um dabei den Blick weiten zu k\u00f6nnen, dazu l\u00e4dt auch der Sonntag \u201eRogate\u201c ein. \u201eRogate\u201c \u2013 \u201eBetet!\u201c Der Name dieses Sonntags soll zu Gebet und F\u00fcrbitte ermutigen.<br \/> Wichtig ist mir dabei der Rat Jesu aus der Bergpredigt <em>\u201eWenn du betest, geh in dein Zimmer. Bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird dich daf\u00fcr belohnen.\u201c<\/em> (Matth\u00e4us 6) Dabei muss es nicht das Zimmer sein &#8211;&nbsp; ein ruhiger Ort im Garten oder dort, wo man sich wohlf\u00fchlt und wo ich einen Ruhepunkt f\u00fcr meine Seele finde, tut es auch.<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Wer in seinem Namen bittet, so verspricht Jesus, der st\u00f6\u00dft bei Gott nicht auf taube Ohren. Das Gebet steht unter der Verhei\u00dfung des Wochenspruchs: <em>\u201eGelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft!\u201c<\/em> (Psalm 66,20) Es m\u00fcssen nicht viele Worte sein. Vielleicht \u201enur\u201c ein Vaterunser, aber es f\u00fchrt zum H\u00f6ren auf Gott. Wir bedenken und erkennen, dass das Leben nicht in unserer Hand liegt &#8211; so sehr wir uns auch immer sorgen. Unsere Sorgen und Bitten k\u00f6nnen wir an Gott weiterreichen. Sein Reich komme. Sein Wille geschehe und er wei\u00df, bevor wir bitten.<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Das kann der Seele Ruhe und uns Kraft schenken. Ruhepunkte f\u00fcr die Seele, die wir auch weiterhin dringend brauchen werden. Denn die Belastungen f\u00fcr jeden Einzelnen werden auch weiterhin bleiben. Beruflich wie privat, das home-office, das home-schooling, die Abschlusspr\u00fcfungen der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern, die Sorge um die eigene Gesundheit und um die der Anderen, die \u00c4ngste um den Arbeitsplatz und um die Kinder, Eltern etc.<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Darum ist die Besinnung auf das Gebet, eine R\u00fcckzug auf ein Gespr\u00e4ch, eine Bitte mit Gott aktueller denn je. Unsere Seele braucht diese Zeit, wir sollte sie uns ihn g\u00f6nnen. Und im Blick auf unsere Kirche hilft es dabei zu erkennen, dass es nicht reicht, sich nach einer Zeit vor Corona zur\u00fcckzusehnen, sie mit aller Macht wieder herstellen zu wollen, sondern uns hilft, mit der ver\u00e4nderten Vielfalt leben zu lernen.<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Und noch ein letztes:<br \/> Die sogenannten \u201eHygiene-Demos\u201c an den vergangenen beiden Wochenenden verwirren mich und machen mir Angst. Es bereitet mir Sorge, wenn Proteste von Menschen, die keine gro\u00dfe Lobby haben, von Rechten und Verschw\u00f6rungstheoretikern f\u00fcr ihre Absichten unterwandert und instrumentalisiert werden. Die Sozialpsychologin Pia Lamberty hat in einem Interview auf SPIEGEL-Online geraten, den Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlungen im halb\u00f6ffentlichen Raum bei Facebook oder in Chatgruppen \u201eklar und ruhig gegen zu argumentieren\u201c. Sich nicht lustig zu machen oder sie zu beschimpfen, \u201esonst schafft man noch Solidarisierungseffekte.\u201c Wenn ich die Tageslosung f\u00fcr den heutigen Dienstag (19. Mai) lese, schaffe ich das nicht ganz. Denn dort steht:<em> \u201eSo kehrt nun um von euren b\u00f6sen Wegen. Warum wollt ihr sterben?\u201c <\/em>(Hesekiel 33, 11)<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Aber wir sind hier ja auch nicht bei Facebook. Oder &#8211; um es frei mit den Worten des Philosophen Blaise Pascal zu sagen, der zu Zeiten des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges gelebt hat: \u201eDie Weltgeschichte s\u00e4he besser aus, wenn die Menschen erst einmal in ihr K\u00e4mmerchen gingen und beten w\u00fcrden.\u201c<br \/> Amen.<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> <em>Eine Andacht von Pfarrer Hans-Werner K\u00f6gel<\/em><\/p>\n<p>Source: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eVier Stunden haben wir in unserer Kirche alles ausgemessen, damit wir endlich wieder unseren ersten Gottesdienst feiern konnten!\u201c, erz\u00e4hlte nicht ohne Stolz in der Stimme ein Kirchen\u00e4ltester. \u201eUnser Gottesdienst war voll besucht\u201c, erg\u00e4nzt ein Zweiter. \u201eWir haben gleich mehrere Gottesdienste \u2013 fast im Stundentakt \u2013 angeboten\u201c, erz\u00e4hlt ein Dritter, euphorisch und mit leuchtenden Augen. 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