{"id":14785,"date":"2020-06-19T10:09:00","date_gmt":"2020-06-19T08:09:00","guid":{"rendered":"https:\/\/christusnews.de\/site\/bonde-loesung-der-klimakrise-braucht-umbau-der-wirtschaft\/"},"modified":"2020-06-19T10:09:00","modified_gmt":"2020-06-19T08:09:00","slug":"bonde-loesung-der-klimakrise-braucht-umbau-der-wirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/bonde-loesung-der-klimakrise-braucht-umbau-der-wirtschaft\/","title":{"rendered":"Bonde: L\u00f6sung der Klimakrise braucht Umbau der Wirtschaft"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;&nbsp;<br \/> <em>Ein epd-Gespr\u00e4ch: Martina Schwager<\/em><\/p>\n<p>Osnabr\u00fcck (epd). Der Corona-Lockdown hat den Menschen vor Augen gef\u00fchrt, wie schnell und kompromisslos die Politik der Wirtschaft ins Rad zu greifen vermag, wenn die Not nur gro\u00df genug ist. Klima-Aktivisten weltweit fragen sich, warum nicht auch die vermutlich noch viel gr\u00f6\u00dfere Gefahr durch Erderw\u00e4rmung, Anstieg des Meeresspiegels oder das Artensterben ein \u00e4hnlich drastisches Eingreifen rechtfertigen sollte. Ja, die Klimakrise ist eine mit deutlich mehr Risikopotential als die Corona-Krise, sagt der Generalsekret\u00e4r der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Alexander Bonde, in einem Gespr\u00e4ch mit dem Evangelischen Pressedienst. Aber weil die Ver\u00e4nderung des Klimas die Menschheit noch lange besch\u00e4ftigten werde, brauche sie einen langfristig angelegten Umbau der Wirtschaft, meint der Chef der europaweit gr\u00f6\u00dften Umweltstiftung. Sie vergibt j\u00e4hrlich den mit 500.000 Euro dotierten Deutschen Umweltpreis an herausragende Pers\u00f6nlichkeiten aus Wirtschaft und Wissenschaft, deren Einsatz in vorbildhafter Weise zum Erhalt der Umwelt beitragen.<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> <em><strong>epd: <\/strong>Herr Bonde, w\u00fcrden Sie sich in der Klimakrise \u00e4hnlich viel Durchsetzungsverm\u00f6gen und Entschlossenheit von Politik und Gesellschaft w\u00fcnschen wie in der Corona-Krise?<\/em><br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> <strong>Bonde: <\/strong>Die Klimakrise ist im Gegensatz zur Corona-Krise eine langfristige Krise mit deutlich h\u00f6herem Risikopotential. Die Bundesb\u00fcrger sehen das im \u00dcbrigen sehr realistisch. Laut dem DBU-Umweltmonitor sagen 59 Prozent der B\u00fcrger, dass die Klimakrise langfristig noch gr\u00f6\u00dfere Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft haben wird als die Corona-Krise. Die Klima-Krise macht keine Pause und ist die eigentliche gro\u00dfe Herausforderung.<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> <em><strong>epd: <\/strong>Dennoch scheint es deutlich schwerer, zum Schutz des Klimas zu durchgreifenden Ver\u00e4nderungen zu kommen. Trotz jahrzehntelanger Bem\u00fchungen gibt es kaum Erfolge zu vermelden. Warum?<\/em><br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> <strong>Bonde: <\/strong>Es ist kar: H\u00e4tte man gemeinsam fr\u00fcher reagiert, k\u00f6nnte man heute viel weiter sein. Jetzt ist das Klimaabkommen von Paris die geltende Vereinbarung. Aber wir m\u00fcssen uns erheblich anstrengen, wenn wir das internationale Ziel von weltweit nur 1,5 Grad Erderw\u00e4rmung erreichen wollen. Und schon die Erw\u00e4rmung von 1,5 Grad bedeutet globale Ver\u00e4nderungen und Einschnitte. Wir erleben es in Deutschland im dritten Jahin Folgege, was etwa die anhaltende Trockenheit f\u00fcr die Natur, aber auch f\u00fcr Menschen in der Land- und Forstwirtschaft bedeutet.<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> <em><strong>epd: <\/strong>Glauben Sie, dass sich die Einsicht und Bereitschaft der Menschen, mitzuziehen, aus der Corona-Krise in die Klimakrise hin\u00fcberretten l\u00e4sst?<\/em><br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> <strong>Bonde: <\/strong>Es sind beides sehr unterschiedliche Krisen. Die Klimakrise hat sehr viel komplexere Zusammenh\u00e4nge. Die Ursachen sind nicht ann\u00e4hernd so schnell und so einfach in den Griff zu bekommen wie es bei einer Pandemie der Fall ist. Weltweit sind durch die Pandemie die Mobilit\u00e4t und die Wirtschaftst\u00e4tigkeit deutlich reduziert worden. Wissenschaftler gehen davon aus, dass auf dem H\u00f6hepunkt der Krise die Kohlendioxid-, also CO2-Emissionen weltweit im Vergleich zum Vorjahr um etwa 17 Prozent gefallen sind. Und doch sind das Einsparungen, die nicht ann\u00e4hernd in der Gr\u00f6\u00dfenordnung liegen, auf die wir in den n\u00e4chsten Jahrzehnten kommen m\u00fcssen.<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> <em><strong>epd: <\/strong>Was bedeutet das?<\/em><br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> <strong>Bonde: <\/strong>Das macht deutlich, dass einfach nur Runterfahren die Klimakrise nicht l\u00f6sen wird. Wir m\u00fcssen in einen Prozess kommen, anders zu wirtschaften und zu produzieren und in Kernprozessen die CO2-Freiheit herzustellen. Insofern ist die Klimakrise die wirklich gro\u00dfe Herausforderung. Wir werden gr\u00fcnes Wachstum, einen ganz anderen &#8211; effizienteren &#8211; Umgang mit Technologien brauchen. Und wir werden einen viel effizienteren Umgang mit Ressourcen brauchen, indem wir sie in einen Kreislauf f\u00fchren. Wir werden also unheimlich viel Modernisierung in die Wirtschaft bringen m\u00fcssen. Das wird f\u00fcr die B\u00fcrger auch Ver\u00e4nderungen mit sich bringen. Aber Verhaltens\u00e4nderungen des einzelnen alleine w\u00fcrden nicht viel bringen.<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> <em><strong>epd: <\/strong>Sie sprechen von gr\u00fcnem Wachstum und Modernisierung der Wirtschaft. Wird es denn weiterhin wirtschaftliches Wachstum geben und auch geben m\u00fcssen?<\/em><br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> <strong>Bonde: <\/strong>Der entscheidende Punkt wird sein, dass wir anders wachsen. Die entscheidende Frage nach der Corona-Krise wird sein, ob wir es schaffen, das Wiederhochfahren der Wirtschaft damit zu verbinden, Weichen zu stellen. Der entscheidende Punkt wird sein, das Wirtschaftswachstum vom Ressourcenverbrauch und vor allem von CO2-Emissionen zu entkoppeln. Denn die Folge aus dem Paris-Abkommen ist ja, das Ziel einer CO2-neutralen Wirtschaft bis 2050, am besten aber schon sehr viel fr\u00fcher zu erreichen.<br \/> &nbsp;&nbsp; &nbsp;<br \/> <em><strong>epd: <\/strong>Hat die Bundesregierung in ihrem gerade beschlossenen Konjunkturpaket diese Weichen gestellt?<\/em><br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> <strong>Bonde: <\/strong>Die Bundesregierung hat in ihrem Paket durchaus bewusst Komponenten f\u00fcr die \u00f6kologische Modernisierung angelegt. Das freut mich. Aber insgesamt ist da noch mehr notwendig. Wir brauchen darum herum noch weitere Ma\u00dfnahmen. In zentralen Bereichen der deutschen Wirtschaft stehen Modernisierungsfragen an, etwa in der Mobilit\u00e4t. Es geht zum einen darum, den \u00f6ffentlichen Personennahverkehr und modularen Verkehr zu st\u00e4rken, also die Nutzung verschiedener aufeinander abgestimmter Verkehrsmittel. Zum anderen sollen im Individualverkehr die Elektrifizierung und in der Logistik die Wasserstoff-Technik vorangebracht werden. Da hat die Bundesregierung zu Recht erste Punkte im Konjunkturpaket gesetzt. Dar\u00fcber hinaus werden wir aber noch erhebliche Anstrengungen brauchen.<br \/> &nbsp;&nbsp; &nbsp;<br \/> <em><strong>epd: <\/strong>Was konkret ist noch notwendig?<\/em><br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> <strong>Bonde: <\/strong>Nicht nur der Verkehr, auch weitere CO2-intensive Prozesse m\u00fcssen m\u00f6glichst schnell elektrifiziert oder auf Wasserstoff-Technik umgestellt werden, um runterzukommen von den emissionsstarken Energietr\u00e4gern. Das ist ein ganz zentraler Prozess. Dar\u00fcber hinaus m\u00fcssen wir mit Rohstoffen anders umgehen und sie in einen Kreislauf bringen. Bisher werden sie energieintensiv gewonnen und verarbeitet, kurz genutzt und dann ebenso energieintensiv entsorgt. Deutsche Ingenieurskunst sollte von vornherein daran denken, die Rohstoffe nach der Nutzung in die n\u00e4chste Nutzung zu bringen. Da haben wir erhebliches Potenzial zur CO2-Reduktion. Die Europ\u00e4ische Union und das europ\u00e4ische Parlament sind intensiv dran an dieser Frage. Deutschland m\u00fcsste endlich auch in die P\u00f6tte kommen. Diesen Teil habe ich im Konjunkturpaket vermisst.<br \/> &nbsp;&nbsp; &nbsp;<br \/> <em><strong>epd: <\/strong>In welchem Bereich k\u00f6nnten die Ressourcen st\u00e4rker im Kreislauf gef\u00fchrt werden?<\/em><br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> <strong>Bonde: <\/strong>Das zieht sich quer durch alle Produktionsprozesse, etwa bei der Art und Weise, wie wir heute bauen. Mehr als die H\u00e4lfte des Abfalls in Deutschland sind mineralische Stoffe, die aus dem Bau entstehen. Da haben wir eine viel zu geringe Recyclingquote, obwohl wir enorm CO2 einsparen k\u00f6nnten. Das gleiche gilt f\u00fcr alles, was wir t\u00e4glich produzieren und konsumieren bis in den Verpackungsbereich hinein.<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> <em><strong>epd: <\/strong>Wird der Reiseverkehr, der w\u00e4hrend der Corona-Krise zur\u00fcckgegangen ist, auch nach der Krise auf einem niedrigen Niveau bleiben? Haben die Menschen realisiert, dass es zum Wohle der Umwelt und des Klimas durchaus mit Videokonferenzen und ohne die j\u00e4hrliche Urlaubsfernreise geht?<\/em><br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> <strong>Bonde: <\/strong>Ich bin \u00fcberzeugt, dass die vielen guten Erfahrungen, die mit Homeoffice und Videokonferenzen gemacht worden sind, nicht vollst\u00e4ndig verschwinden werden. Corona hat T\u00fcren ge\u00f6ffnet. Allerdings muss auch die Digitalisierung nachhaltig gestaltet werden. Bei der Energieeffizienz von Rechenzentren m\u00fcssen wir in den kommenden Jahren deutlich vorankommen. Insgesamt glaube ich aber, dass wir als Individuen zwar viel Einfluss nehmen k\u00f6nnen auf den Klimaschutz. Aber der entscheidende Punkt wird sein, ob es uns als gesamter Gesellschaft und als Politik gelingt, die Art und Weise des Wirtschaftens zu \u00e4ndern. Bei dem hohen Energie- und Ressourcenverbrauch in der Industrie ist klar: Die Frage des individuellen Verhaltens wird nicht allein das Problem l\u00f6sen. Der entscheidende Ansatz ist zu gucken, wie wir marktwirtschaftlich die Anreize so setzen k\u00f6nnen, dass wir die klimafreundlichen Innovationen vorantreiben, dass wir zentrale Produktionsbereiche CO2-frei stellen. Das ist der Punkt, wo wir die wirklich gro\u00dfen Mengen CO2 reduzieren k\u00f6nnen. Wir m\u00fcssen mit den entscheidenden Weichenstellungen in die Parlamente und in die Fabriken.<\/p>\n<p>Internet: <a href=\"http:\/\/www.dbu.de\">www.dbu.de<\/a><\/p>\n<p>Source: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;&nbsp; Ein epd-Gespr\u00e4ch: Martina Schwager Osnabr\u00fcck (epd). Der Corona-Lockdown hat den Menschen vor Augen gef\u00fchrt, wie schnell und kompromisslos die Politik der Wirtschaft ins Rad zu greifen vermag, wenn die Not nur gro\u00df genug ist. Klima-Aktivisten weltweit fragen sich, warum nicht auch die vermutlich noch viel gr\u00f6\u00dfere Gefahr durch Erderw\u00e4rmung, Anstieg des Meeresspiegels oder das Artensterben ein \u00e4hnlich drastisches Eingreifen rechtfertigen sollte. Ja, die Klimakrise ist eine mit deutlich mehr Risikopotential als die Corona-Krise, sagt der Generalsekret\u00e4r der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Alexander Bonde, in einem Gespr\u00e4ch mit dem Evangelischen Pressedienst. 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