{"id":14892,"date":"2020-07-14T14:42:00","date_gmt":"2020-07-14T12:42:00","guid":{"rendered":"https:\/\/christusnews.de\/site\/corona-und-die-grossen-themen-des-lebens-und-sterbens\/"},"modified":"2020-07-14T14:42:00","modified_gmt":"2020-07-14T12:42:00","slug":"corona-und-die-grossen-themen-des-lebens-und-sterbens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/corona-und-die-grossen-themen-des-lebens-und-sterbens\/","title":{"rendered":"Corona und die gro\u00dfen Themen des Lebens und Sterbens\u00a0"},"content":{"rendered":"<p>Im Religionsunterricht geht es nicht um \u201eSingen, Beten und Mandalas ausmalen\u201c, betont Pfarrerin Kerstin Hochartz, Leiterin der Arbeitsstelle f\u00fcr Religionsp\u00e4dagogik der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg. Religionsunterricht sei alles andere als irrelevant \u2013 gerade in Zeiten von Corona. Auch wenn der Religionsunterricht in den vergangenen Wochen an manchen Schulen zeitweise gar nicht oder eingeschr\u00e4nkt erteilt wird, ist er aufs engste mit grundlegenden Fragen, Emotionen und Vorstellungen verbunden. Es geht \u2013 im wahrsten Sinne \u2013 um Leben und Tod.<\/p>\n<p>Dies best\u00e4tigt auch Doris Scheidemann-Willenberg. Sie ist evangelische Pfarrerin im Schuldienst an einer Oberschule im Landkreis Cloppenburg, au\u00dferdem an einem katholischen M\u00e4dchengymnasium und an Berufsbildenden Schulen in Vechta. Sie ist viel unterwegs, und die Sch\u00fcler*innen fordern sie auf vielf\u00e4ltige Art. In den letzten Monaten hat sie v\u00f6llig neue Berufserfahrungen gemacht:<\/p>\n<p><strong>Homeschooling und Aufsicht<\/strong><br \/> Der durch die Corona-Pandemie bedingte Lockdown hat den Schulalltag v\u00f6llig ver\u00e4ndert. In Windeseile hatte sich Doris Scheidemann-Willenberg f\u00fcr Homeschooling in digitale Medien und Methoden einzuarbeiten. Gleichzeitig ging es darum, alle Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen digital mitzunehmen \u2013 bei all den unterschiedlichen Voraussetzungen und M\u00f6glichkeiten zu Hause. So wird beispielsweise am Gymnasium systematisch auf iPads gearbeitet, w\u00e4hrend woanders ein Handy nur im Beisein der Eltern genutzt werden darf \u2013 ein Handy f\u00fcr acht Kinder. Die einen k\u00f6nnen selbstst\u00e4ndig mit digitalen Medien umgehen, den andern fehlen Internet-Zugang und Endger\u00e4te, oder sie brauchen umfangreiche Anleitung.<br \/> &nbsp; &nbsp; &nbsp;&nbsp;<br \/> Sp\u00e4ter wird Doris Scheidemann-Willenberg, weil sie den regul\u00e4ren Unterricht nicht halten darf, in zwei Schulen als Aufsicht eingeteilt \u2013 14 Stunden die Woche.<\/p>\n<p><strong>\u201eAuf wackeligen F\u00fc\u00dfen\u201c<\/strong><br \/> Doris Scheidemann-Willenberg steht pl\u00f6tzlich vor der Aufgabe, \u201edie unterschiedlichen Gegebenheiten jeder Schule zu verwirklichen\u201c.&nbsp;<br \/> &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;<br \/> In der Oberschule Cappeln ist sie gehalten, w\u00e4hrend des Home-Schoolings keine Aufgaben zu stellen, um die Sch\u00fcler*innen nicht zu \u00fcberfordern. Seit es wieder Pr\u00e4senzunterricht gibt, findet gar kein Religionsunterricht mehr statt. Am katholischen M\u00e4dchengymnasium ULF in Vechta d\u00fcrfen unterdessen medial Aufgaben gestellt werden. Als die Schule nach dem Lockdown wieder \u00f6ffnet, werden alle evangelischen Sch\u00fcler*innen im katholischen Unterricht aufgenommen. Die Inhalte werden zwischen der evangelischen und der katholischen Lehrkraft koordiniert \u2013 Themen wie \u201eTod und Sterben\u201c. Auch an den Berufsbildenden Schulen in Vechta gibt es in Zeiten der Schulschlie\u00dfung im Fach Religion kein Home-Schooling.<br \/> &nbsp; &nbsp; &nbsp;&nbsp;<br \/> Jeder Tag bringt Neues. Anstrengend ist nicht etwa der zus\u00e4tzliche Zeitaufwand, sagt Doris Scheidemann-Willenberg, sondern der \u201eWeg\u201c auf v\u00f6llig unbekanntem Terrain, \u201eauf wackeligen F\u00fc\u00dfen\u201c.<\/p>\n<p><strong>Klassen\u00fcbergreifender Unterricht verboten<\/strong><br \/> Evangelischer Religionsunterricht an katholischen Schulen wird da pl\u00f6tzlich zur Hygienefrage. Klassen\u00fcbergreifend darf, so der Erlass des Kultusministeriums, nicht unterrichtet werden \u2013 und evangelische Klassen sind nun mal aus einzelnen Sch\u00fcler*innen mehrerer Parallelklassen zusammengesetzt.<\/p>\n<p><strong>Miteinander L\u00f6sungen finden&nbsp;<\/strong><br \/> Doch irgendwie finden sich Wege. Hier durch gelingende Kooperation mit dem katholischen Kollegen. Dort mithilfe kompetenter Medienp\u00e4dagog*innen, die in \u201edigitalen Regalen\u201c praktische Tools und Techniken vorstellen. So profitiert Doris Scheidemann-Willenberg beispielsweise stark von den Angeboten der Medienstelle der Arbeitsgemeinschaft f\u00fcr Religionsp\u00e4dagogik in Oldenburg. Auch der Austausch in kleinen digitalen Gruppen empfindet die 59-J\u00e4hrige als wohltuend. \u201eVideokonferenzen, das ist das Zauberwort dieser Zeit\u201c, fasst sie zusammen.<br \/> &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;&nbsp;<br \/> So gewinnt der zeitweisen Desorientierung auch positive Seiten ab: \u201eDie Methodenvielfalt ist auf digitale F\u00fc\u00dfe gestellt worden\u201c, sagt sie, und: Viele k\u00f6nnen sich in ihrem Potenzial erfahren. Kompetenzen sind gefordert \u2013 und werden gest\u00e4rkt.<\/p>\n<p><strong>\u201eGute Gedanken\u201c und \u201eFenster nach au\u00dfen\u201c<\/strong><br \/> An den Berufsbildenden Schulen MarienHain gGmbH Vechta begleiten Doris Scheidemann-Willenberg und Kaplan Albert L\u00fcken im \u00f6kumenischen Miteinander Sch\u00fcler*innen, das Kollegium und Mitarbeitende mit Briefen und Gespr\u00e4chsangeboten \u2013 und bis Ende April mit einem t\u00e4glich auf die Schulplattform gestellten \u201eGuten Gedanken\u201c. Der wird auch per Facebook geteilt und erreicht viele Menschen au\u00dferhalb der Schule. Im Lehrerzimmer steht au\u00dferdem ein Karton f\u00fcr anonymisierte Anliegen bereit, die vor den Altar gebracht und anschlie\u00dfend verbrannt werden: das \u201eFenster nach au\u00dfen\u201c.<\/p>\n<p><strong>\u201eKreativer Wortgottesdienst\u201c mit Zeugnis\u00fcbergabe<\/strong><br \/> W\u00e4hrend anderswo die traditionellen \u00f6kumenischen Gottesdienste zum Abitur und Schuljahresende nicht erlaubt sind, haben Doris Scheidemann-Willenberg, Kaplan Albert L\u00fcken und die Schulleitung einen \u201ekreativen Wortgottesdienst\u201c mit integrierter Zeugnis\u00fcbergabe konzipiert, der in allen Schulformen in jeder Klasse gefeiert werden kann. In der Fachoberschule, in der Doris Scheidemann-Willenberg als einzige an der Schule t\u00e4tige evangelische Lehrkraft unterrichtet, findet er \u00f6kumenisch statt.<\/p>\n<p><strong>Existenziell menschliche Themen<\/strong><br \/> Im Religionsunterricht ging es zu Beginn der Corona-Krise nicht darum, den Lehrplan einzuhalten. Am Gymnasium, wo Religion als Leistungsfach gew\u00e4hlt werden kann, hat sich das mittlerweile ge\u00e4ndert. An den BBS geht es derzeit um aktuelle Themen, die den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern \u201eam Herzen liegen\u201c: Wie geht es weiter nach Corona? Wird die Schere noch weiter auseinander klaffen, oder entwickelt sich eine Wir-Welt? Und, nach den Ereignissen in den USA: Wo kommt der Rassismus her? Was steckt davon auch in mir? Wie damit umgehen? Religionsunterricht ist nah dran. Dicht am Menschen. Immer da, wo das Sein ber\u00fchrt wird.<\/p>\n<p><em>Ein Beitrag von Laelia Kaderas.<\/em><\/p>\n<p>Hier finden Sie ein <a href=\"https:\/\/www.kirche-oldenburg.de\/nc\/aktuell\/pressemitteilungen\/artikel\/religionsunterricht-in-zeiten-der-corona\/\">Interview mit Pfarrerin Kerstin Hochartz<\/a>, Leiterin der Arbeitsstelle f\u00fcr Religionsp\u00e4dagogik (arp) der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg. Die arp hat es sich zur Aufgabe gemacht, kirchliche Bildung in der Gesellschaft zu verankern. Sie schult, ber\u00e4t und unterst\u00fctzt u.a. Lehrende zwischen Weserufer und Ostfriesland, von Wangerooge bis zu den Dammer Bergen. Als Leiterin der Arbeitsstelle f\u00fcr Religionsp\u00e4dagogik erh\u00e4lt Pfarrerin Kerstin Hochartz in einem weiten Umfeld tiefe Einblicke in die Praxis. Im Interview: mit Laelia Kaderas macht sie deutlich, dass Religionsunterricht anders ist, als sich die, die ihrer eigenen Schulzeit entwachsen sind, ihn sich vorstellen. Anders als er einmal war. Anders als der Name suggeriert. Anders als in der Zeit vor Corona. &nbsp;<\/p>\n<p>Source: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Religionsunterricht geht es nicht um \u201eSingen, Beten und Mandalas ausmalen\u201c, betont Pfarrerin Kerstin Hochartz, Leiterin der Arbeitsstelle f\u00fcr Religionsp\u00e4dagogik der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg. Religionsunterricht sei alles andere als irrelevant \u2013 gerade in Zeiten von Corona. Auch wenn der Religionsunterricht in den vergangenen Wochen an manchen Schulen zeitweise gar nicht oder eingeschr\u00e4nkt erteilt wird, ist er aufs engste mit grundlegenden Fragen, Emotionen und Vorstellungen verbunden. Es geht \u2013 im wahrsten Sinne \u2013 um Leben und Tod. Dies best\u00e4tigt auch Doris Scheidemann-Willenberg. 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