{"id":14898,"date":"2020-07-15T08:00:00","date_gmt":"2020-07-15T06:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/christusnews.de\/site\/seelsorge-mit-pfarr-rad-und-strandkorb-pastorin-redet-mit-urlaubern-ueber-gott-und-die-welt-und-die-sorgen-des-alltags\/"},"modified":"2020-07-15T08:00:00","modified_gmt":"2020-07-15T06:00:00","slug":"seelsorge-mit-pfarr-rad-und-strandkorb-pastorin-redet-mit-urlaubern-ueber-gott-und-die-welt-und-die-sorgen-des-alltags","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/seelsorge-mit-pfarr-rad-und-strandkorb-pastorin-redet-mit-urlaubern-ueber-gott-und-die-welt-und-die-sorgen-des-alltags\/","title":{"rendered":"Seelsorge mit \u00abPFARR-RAD\u00bb und Strandkorb &#8211; Pastorin redet mit Urlaubern \u00fcber Gott und die Welt und die Sorgen des Alltags"},"content":{"rendered":"<p>Urlaub ist f\u00fcr viele Menschen die wichtigste Zeit im Jahr. Doch wenn Erwartungen nicht erf\u00fcllt werden und verdr\u00e4ngte Alltagssorgen aufkommen, ist es gut jemanden zum Reden zu haben. Pastorin Wehmeier wartet im Strandkorb &#8211; und sie hat Zeit zum Reden.<\/p>\n<p>Harlesiel\/Kr. Wittmund (epd). Gut gelaunt schiebt Karola Wehmeier ihr leuchtend rotes Fahrrad durch den wei\u00dfen Sand und lehnt es an den Strandkorb mit der Nummer 77. Rasch noch den Sand vom Sitz gefegt und die Kirchenfahne an dem daneben stehenden Mast aufgezogen. Dann setzt sie sich in den Strandkorb &#8211; F\u00fc\u00dfe ausgestreckt mit Blick \u00fcber die Nordsee auf die Insel Wangerooge. F\u00fcr die n\u00e4chsten Stunden ist dies der Arbeitsplatz der Pastorin: \u00abIch bin schon zu beneiden\u00bb, sagt sie mit einem Lachen und schl\u00e4gt die Beine \u00fcbereinander.<\/p>\n<p>Karola Wehmeier ist Urlauberseelsorgerin am Strand von Harlesiel und in der evangelischen Kirchengemeinde in Carolinensiel &#8211; zumindest vor\u00fcbergehend. Ihre eigentliche Gemeinde ist im Frankfurter Stadtteil Bergen-Enkheim. Doch seit neun Jahren folgt sie jeden Sommer einem Aufruf der Evangelischen Kirche in Deutschland f\u00fcr den Dienst in der Kurseelsorge. So wie die 53-J\u00e4hrige unterst\u00fctzen Hunderte Theologen zwischen der Nordseek\u00fcste und dem Allg\u00e4u in den Ferien die Ortspastorinnen und -pastoren an beliebten Urlaubszielen.<\/p>\n<p>\u00dcblicherweise nehmen sie dann die H\u00e4lfte der Zeit ihren privaten Erholungsurlaub, f\u00fcr die andere H\u00e4lfte werden sie von ihren normalen Diensten freigestellt. H\u00e4ufig gibt es in den Einsatzorten Ferienwohnungen, die f\u00fcr die Kurseelsorger reserviert sind.<\/p>\n<p>\u00abViele Menschen leben das ganze Jahr auf den Urlaub hin, der dann auch mit Erwartungen \u00fcberfrachtet wird\u00bb, sagt Wehmeier. Doch wenn sie dann zur Ruhe k\u00e4men, ploppten die Probleme auf, die im Alltag verdr\u00e4ngt werden. \u00abDann sprechen mich die Leute hier im Strandkorb oder nach einer Andacht in der Kirche an und fragen, ob ich etwas Zeit f\u00fcr sie habe.\u00bb<\/p>\n<p>Meist gehe es um Sorgen wegen der Kinder oder Probleme in der Partnerschaft. Um den Corona-Abstand einzuhalten, steht dem Kirchen-Strandkorb in diesem Jahr noch ein weiterer gegen\u00fcber. Ein wenig bedauert die Pastorin, dass die G\u00e4ste nicht neben ihr Platz nehmen k\u00f6nnen. \u00ab\u00dcblicherweise guckt man sich nicht die ganze Zeit an, sondern schaut meistens auf das Meer und die Inseln\u00bb, sagt sie. Dann lasse sich vieles leichter von der Seele reden, fast wie in einem Beichtstuhl.<\/p>\n<p>Oft gen\u00fcge es zuzuh\u00f6ren und vielleicht einen Impuls zum weiteren Nachdenken zu geben, sagt Wehmeier. \u00abWenn es um gr\u00f6\u00dfere Probleme geht, verabreden wir uns in der Kirche oder in meiner Ferienwohnung.\u00bb Dabei kenne sie klar ihre Grenzen. \u00abIch bin keine Therapeutin. Bei schwerwiegenden Problemen empfehle ich dringend den Weg zum Psychologen.\u00bb<\/p>\n<p>Auch die Ferieng\u00e4ste verhielten sich in diesem Jahr anders, hat Wehmeier beobachtet. \u00abDer Urlaub hat sich durch Corona ver\u00e4ndert.\u00bb Bei Kirchenf\u00fchrungen sei es stiller als sonst &#8211; \u00abda sabbelt sonst eigentlich immer jemand rum\u00bb. Die Restaurants seien deutlich weniger frequentiert, die Menschen st\u00fcnden einerseits geduldig und mit geb\u00fchrendem Abstand an. Zugleich seien sie leichter gereizt: \u00abEin Paar aus Bayern hat sich bei mir \u00fcber die laxe Einhaltung der Abstandsregeln beschwert und eine Familie aus Mainz \u00fcber die allgegenw\u00e4rtige Maskenpflicht.\u00bb<\/p>\n<p>Viele G\u00e4ste und Einheimische kennen Karola Wehmeier seit Jahren.&nbsp;\u00abWenn ich wieder im Norden bin, miete ich mir als erstes ein Fahrrad.\u00bb Daran befestigt sie dann ein Schild mit der Aufschrift \u00abPFARR-RAD\u00bb und ihrer Handynummer. Dazu der Hinweis: \u00abZeit f\u00fcr Dich &#8211; Reden \u00fcber Gott und die Welt oder das, was Dir am Herzen liegt.\u00bb Einen weiteren laminierten Zettel mit ihrer Nummer legt sie in den Kirchen-Strandkorb. \u00abViele Menschen nutzen das Angebot.\u00bb<\/p>\n<p>Demn\u00e4chst wird sie von einem Kollegen abgel\u00f6st, der dann die Seelsorge im Strandkorb 77 f\u00fcr die n\u00e4chsten zwei bis drei Wochen \u00fcbernimmt. Ob sie im n\u00e4chsten Jahr wiederkommt? \u00abBestimmt\u00bb, sagt sie und verr\u00e4t, dass sie eine geb\u00fcrtige Ostfriesin aus V\u00f6llenerk\u00f6nigsfehn&nbsp;ist: \u00abDas Heimweh zieht mich immer wieder zur\u00fcck ans Meer.\u00bb<\/p>\n<p>Source: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Urlaub ist f\u00fcr viele Menschen die wichtigste Zeit im Jahr. Doch wenn Erwartungen nicht erf\u00fcllt werden und verdr\u00e4ngte Alltagssorgen aufkommen, ist es gut jemanden zum Reden zu haben. Pastorin Wehmeier wartet im Strandkorb &#8211; und sie hat Zeit zum Reden. Harlesiel\/Kr. Wittmund (epd). Gut gelaunt schiebt Karola Wehmeier ihr leuchtend rotes Fahrrad durch den wei\u00dfen Sand und lehnt es an den Strandkorb mit der Nummer 77. Rasch noch den Sand vom Sitz gefegt und die Kirchenfahne an dem daneben stehenden Mast aufgezogen. 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