{"id":15547,"date":"2020-10-15T08:18:00","date_gmt":"2020-10-15T06:18:00","guid":{"rendered":"https:\/\/christusnews.de\/site\/faszination-einer-einzigartigen-vogelwelt-die-12-zugvogeltage-im-nationalpark-wattenmeer-ziehen-trotz-corona-zahlreiche-besucher-an\/"},"modified":"2020-10-15T08:18:00","modified_gmt":"2020-10-15T06:18:00","slug":"faszination-einer-einzigartigen-vogelwelt-die-12-zugvogeltage-im-nationalpark-wattenmeer-ziehen-trotz-corona-zahlreiche-besucher-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/faszination-einer-einzigartigen-vogelwelt-die-12-zugvogeltage-im-nationalpark-wattenmeer-ziehen-trotz-corona-zahlreiche-besucher-an\/","title":{"rendered":"Faszination einer einzigartigen Vogelwelt\u00a0 &#8211; Die 12. Zugvogeltage im Nationalpark Wattenmeer ziehen trotz Corona zahlreiche Besucher an\u00a0"},"content":{"rendered":"<p>Varel\/Kr. Friesland (epd). Das Wasser hat sich zur\u00fcckgezogen. Doch das blo\u00dfe Auge erkennt in der Ferne zun\u00e4chst nur schemenhaft einige helle, gefleckte Punkte im Watt. Ein Blick durch das leistungsstarke Fernrohr schafft Gewissheit: Im Wattenmeer an der K\u00fcste von Varel am Jadebusen rasten und ruhen gerade Tausende von Zugv\u00f6geln in Schlick und Schlamm. \u00abIm Moment sehen Sie vor allem S\u00e4belschn\u00e4bler und Brandg\u00e4nse\u00bb, erl\u00e4utert Gregor Scheiffarth, Vogelexperte beim Nationalpark Nieders\u00e4chsisches Wattenmeer. Der Ornithologe betreut die Besucherinnen und Besucher auf dem Aussichtsturm am Hafen von Varel, der extra f\u00fcr den Zeitraum der Zugvogeltage errichtet wurde.&nbsp;Aus luftiger H\u00f6he lassen sich von dort die V\u00f6gel bei ihrer Rast und beim Starten und Landen beobachten, besonders gut mit Ferngl\u00e4sern und Spektiven oder &#8211; zum Fotografieren &#8211; mit leistungsstarken Teleobjektiven.<\/p>\n<p>Der Aussichtsturm ist einer der Programmpunkte bei den 12.&nbsp;Zugvogeltagen an der Nordseek\u00fcste vom Dollart bis an die Elbe und auf den Ostfriesischen Inseln von Borkum bis Wangerooge, die Naturliebhaber noch bis Sonntag (18. Oktober) erleben k\u00f6nnen. Wegen der aktuellen Corona-Pandemie gibt es Einschr\u00e4nkungen, aber die Vielfalt bleibt erhalten: Es gibt Exkursionen zu Fu\u00df, mit dem Schiff oder Fahrrad, Vortr\u00e4ge, Lesungen, Ausstellungen und auch kulinarische Erlebnisse.<\/p>\n<p>Trotz Corona und der Reisebeschr\u00e4nkungen nutzen viele Touristen die Gelegenheit, das Naturschauspiel vom Aussichtsturm aus zu&nbsp;beobachten: Mit Anorak und festem Schuhwerk wetterfest gekleidet, blicken auch Gunter Moritz und seine Frau Katharina aus K\u00f6ln von dort durch ihre Ferngl\u00e4ser &#8211; und entdecken einen Falken, der in der Luft fast stehend nach Beute Ausschau h\u00e4lt. \u00abWir sind auf Urlaub hier und interessieren uns f\u00fcr Vogelkunde\u00bb, erl\u00e4utert Gunter Moritz. Die Zugvogeltage seien daher eine sehr sch\u00f6ne M\u00f6glichkeit, verschiedene Vogelarten zu beobachten.<\/p>\n<p>Denn das Weltnaturerbe Wattenmeer ist die Drehscheibe des Ostatlantischen Vogelzuges: Nach der Brut im Sommer befinden sich jetzt wieder Millionen von Zugv\u00f6geln auf dem Weg in die warmen Gebiete zum \u00dcberwintern. Einige Arten legen dabei von der Arktis bis nach Afrika bis zu 10.000 Kilometer zur\u00fcck: \u00abDas sind bis zu vier Tagen Nonstop-Flug\u00bb, erl\u00e4utert Scheiffarth. F\u00fcr solche \u00abLangstreckenzieher\u00bb wie die Pfuhlschnepfe und den Knutt sei das Wattenmeer das einzige Rastgebiet auf dem Zugweg. F\u00fcr das \u00dcberleben der V\u00f6gel sei es entscheidend, dort ihre aufgebrauchten Energiereserven wieder aufzuf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Aber auch in ihren Brutgebieten brauchen sie Nahrung. Und das wird einigen Arten durch den Klimawandel erschwert, wie Scheiffarth erl\u00e4utert. \u00abWenn der Knutt im Fr\u00fchjahr in seinem arktischen Brutgebiet ankommt, ist es dort heute oft w\u00e4rmer als fr\u00fcher\u00bb, so der Ornithologe. Insekten vermehren sich schon fr\u00fcher im Jahr, und wenn die Knutt-K\u00fcken schl\u00fcpfen, nimmt ihre Zahl bereits ab. Jungv\u00f6gel bekommen nicht genug Nahrung. Studien zeigen, dass sie dadurch nicht ausreichend an K\u00f6rpergewicht zunehmen und k\u00fcrzere Schn\u00e4bel haben, was ihnen die Nahrungssuche im Winterquartier in Afrika erschwert.&nbsp;Erwachsene Knutts ern\u00e4hren sich haupts\u00e4chlich von Muscheln, an die sie mit zu kurzem Schnabel nicht herankommen: \u00abViele der gehandicapten V\u00f6gel \u00fcberleben so den ersten Winter nicht\u00bb, warnt Scheiffarth.<\/p>\n<p>Im Wattenmeer ist die Nahrungssuche dagegen noch kein Problem f\u00fcr die Zugv\u00f6gel. Im unscheinbaren Schlick und Schlamm finden sie f\u00fcr V\u00f6gel kulinarische K\u00f6stlichkeiten. Welche das sind, erl\u00e4utert Lars Klein vom Nationalpark-Haus bei einer Wattwanderung in Dangast. Bei strahlendem Sonnenschein folgen ihm zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer in das schl\u00fcpfrige Watt &#8211; wetterfest mit Jacken und Gummistiefeln gekleidet.<\/p>\n<p>Mit einer Grabegabel gr\u00e4bt er einen gro\u00dfen Brocken Schlick aus dem&nbsp;Watt: \u00abAllein 700 Seeringelw\u00fcrmer, 40.000 Schlickkrebse oder 100.000 Wattschnecken k\u00f6nnen hier oder weiter drau\u00dfen einen Quadratmeter besiedeln\u00bb, erl\u00e4utert der Natursch\u00fctzer. Genug Nahrung, damit die V\u00f6gel ihre Fett- und Energiereserven f\u00fcr den Weiterflug auff\u00fcllen k\u00f6nnen. Das Wattenmeer wird deshalb auch gerne als weltweit wichtigste Tankstelle f\u00fcr Zugv\u00f6gel bezeichnet.<\/p>\n<p>Source: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Varel\/Kr. 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