{"id":16292,"date":"2021-01-05T00:01:00","date_gmt":"2021-01-04T23:01:00","guid":{"rendered":"https:\/\/christusnews.de\/site\/alles-fliesst\/"},"modified":"2021-01-06T10:17:23","modified_gmt":"2021-01-06T09:17:23","slug":"alles-fliesst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/alles-fliesst\/","title":{"rendered":"Alles flie\u00dft"},"content":{"rendered":"<p>Das neue Jahr 2021 ist erst wenige Tage alt. Ich pers\u00f6nlich empfinde stark die Z\u00e4sur eines Jahresanfangs, und ich sch\u00e4tze sie. F\u00fcr mich ist es nicht einfach ein Freitag, der auf einen gew\u00f6hnlichen Donnerstag folgt. F\u00fcr mich geht etwas zu Ende und etwas Neues kann beginnen. Neues Spiel \u2013 neues Gl\u00fcck!<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Ungef\u00fcllte 365 Tage liegen vor mir. Alles ist m\u00f6glich: Stringenz oder Wandel. Nat\u00fcrlich gilt das an jedem anderen Tag eines Jahres ganz genauso. Aber an jedem anderen Tag habe ich unz\u00e4hlige Gr\u00fcnde, Ausreden, nicht innezuhalten, nicht zur\u00fcck und nach vorne zu blicken, nicht wirklich jede meiner Entscheidungen zu reflektieren. Im Alltag flie\u00dft alles vorw\u00e4rts und ich schwimme h\u00e4ufig nur mit, ohne mich einmal ans Ufer zu setzen und von dort den Fluss zu betrachten, ein paar St\u00f6ckchen oder Steine im Flussbett aufzut\u00fcrmen, um zu sehen, wie das Wasser mit diesem Hindernis umgeht. Staud\u00e4mme, Flussbegradigungen, Seitenarme: All das w\u00e4re ja denkbar. Aber eben nicht im flie\u00dfenden Alltag in der Mitte des Stroms.<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Als Schulpfarrerin habe ich zum Thema Buddhismus erfahren, dass Siddhartha Gautama, der als Buddha den Dharma, die Regeln und Grundlagen des sp\u00e4teren Buddhismus, lehrte eben beim Betrachten eines Flusses die Kernerkenntnis seines Lebens hatte: Alles ist im Fluss. Sehe die Dinge kommen, nehme sie wahr und lass sie vor\u00fcberziehen. Nimm jede Erfahrung an als das, was sie ist. Nichts begehren, nichts verachten. Der mittlere Weg der Achtsamkeit ohne Askese oder Luxus, die Mitte des Flusses. Gro\u00dfartig. Wirklich! Aber irgendwie nicht so ganz meins. Ich glaube an die stetige M\u00f6glichkeit der Ver\u00e4nderung von au\u00dfen, durch mich selbst, durch Gott.<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Alles ist im Fluss, schrieb der griechische Philosoph Heraklit im f\u00fcnften Jahrhundert vor Christus. Alles unterliegt dem Wandel. Das ist kaum auszuhalten, wenn es um Einfl\u00fcsse auf mein Leben von au\u00dfen geht, um weltumspannende Einbr\u00fcche wie eine Pandemie, um private Ver\u00e4nderungen durch menschliche Entscheidungen in meinem direkten Umfeld, die ich selbst nicht beeinflussen kann. Ich habe gern Bedingungen, die feststehen, die G\u00fcltigkeit haben, die ich greifen und benennen kann. Aber ich erlebe, dass das nur scheinbare Fixpunkte in meinem Leben sind.<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Und weil alles im Fluss ist, das Leben, mein Leben, einem stetigen Wandel unterliegt, habe ich den Wunsch, diesen Wandel immer wieder selbst zu beeinflussen. Deshalb sch\u00e4tze ich das bewusste Innehalten zu Jahresbeginn. Ich reflektiere das, was im vergangenen Jahr war, Gelungenes und Misslungenes. Und ich stelle bewusst Weichen neu, mal sehr kleine, mal gro\u00dfe. Damit wird nicht alles besser, aber anders. Und dieses Andere gibt meinem Leben einen neuen Ansto\u00df, eine etwas andere oder g\u00e4nzlich andere Richtung.<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Wenn das Leben in stetigem Fluss, im Wandel ist, dann m\u00f6chte ich diesen Wandel nicht nur wahr- und annehmen. Dann m\u00f6chte ich ihn zumindest f\u00fcr meine \u00fcberschaubare Welt auch selbst gestalten, m\u00f6chte Neues ausprobieren und Altes ablegen. Diesen Mut und auch diese Freiheit habe ich aus meinem Glauben heraus, dem Glauben an Gott, der letztlich die Welt und mich in seinen H\u00e4nden h\u00e4lt: Weil Gott mein Leben gestaltet, kann ich gestalten. Weil er mich h\u00e4lt, kann ich halten. Weil er mich liebt, kann ich lieben. Das ist meins! Deshalb bin ich<br \/> Christin und nicht Buddhistin.<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Andere Menschen sind, f\u00fchlen und denken da anders. F\u00fcr sie mag die Jahreslosung aus dem Lukasevangelium unerheblich sein. F\u00fcr mich ist sie meine Lebensbotschaft: \u201eJesus Christus spricht: Seid barmherzig wie auch euer Vater barmherzig ist!\u201c<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Die bildende K\u00fcnstlerin Andrea Sautter beschreibt ihre Gedanken zur Jahreslosung:<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> <em>Von Gottes H\u00e4nden gehalten<br \/> getragen getr\u00f6stet besch\u00fctzt<br \/> Du beschenkst uns gro\u00dfz\u00fcgig, \u00fcberflie\u00dfend mit<br \/> Gnade und Barmherzigkeit die jede Schranke<br \/> alle Begrenzungen dieser Welt und die meines Herzens<br \/> mit Liebe durchbricht<br \/> Du<br \/> gebrauchst uns<br \/> Deine Barmherzigkeit in die Welt<br \/> zu tragen<br \/> Deine Liebe und Erbarmen weiterzugeben<br \/> Deine Barmherzigkeit zu leben<br \/> hier<br \/> heute jetzt<\/em><br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> Und ich erg\u00e4nze: Besonders zu Beginn dieses neuen Jahres. Amen<br \/> &nbsp; &nbsp;<br \/> <em>Pfarrerin Kerstin Hochartz<\/em><\/p>\n<p>Kirche-Oldenburg<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.kirche-oldenburg.de\/nc\/aktuell\/pressemitteilungen\/artikel\/alles-fliesst\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Alles flie\u00dft<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das neue Jahr 2021 ist erst wenige Tage alt. Ich pers\u00f6nlich empfinde stark die Z\u00e4sur eines Jahresanfangs, und ich sch\u00e4tze sie. F\u00fcr mich ist es nicht einfach ein Freitag, der auf einen gew\u00f6hnlichen Donnerstag folgt. F\u00fcr mich geht etwas zu Ende und etwas Neues kann beginnen. Neues Spiel \u2013 neues Gl\u00fcck! &nbsp; &nbsp; Ungef\u00fcllte 365 Tage liegen vor mir. Alles ist m\u00f6glich: Stringenz oder Wandel. Nat\u00fcrlich gilt das an jedem anderen Tag eines Jahres ganz genauso. 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