{"id":16372,"date":"2021-01-17T15:46:00","date_gmt":"2021-01-17T14:46:00","guid":{"rendered":"https:\/\/christusnews.de\/site\/protestanten-debattieren-weiter-ueber-suizidassistenz\/"},"modified":"2021-01-18T22:17:36","modified_gmt":"2021-01-18T21:17:36","slug":"protestanten-debattieren-weiter-ueber-suizidassistenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/protestanten-debattieren-weiter-ueber-suizidassistenz\/","title":{"rendered":"Protestanten debattieren weiter \u00fcber Suizidassistenz"},"content":{"rendered":"<p>Frankfurt a.M.\/Hannover (epd). Der Vorsto\u00df hochrangiger Theologen, Suizidassistenz in diakonischen Einrichtungen zu erm\u00f6glichen, sorgt weiter f\u00fcr heftige Diskussionen in der evangelischen Kirche. Der Theologieprofessor G\u00fcnter Thomas kritisierte, die vorgebrachte Idee lege \u00abdie Axt an die theologischen Grundlagen der Diakonie\u00bb. Auch der Suizid sei ein \u00abUrteil \u00fcber lebenswertes und nicht lebenswertes Leben\u00bb, zu dem aus christlicher Sicht kein Mensch das Recht und die Einsicht habe. Der Hamburger Diakonie-Chef Dirk Ahrens sagte hingegen, die Debatte werde gebraucht. Man d\u00fcrfe nicht versuchen, \u00abdie Diskussion unter dem Tisch zu halten\u00bb.<\/p>\n<p>Der Pr\u00e4sident des Diakonie-Bundesverbandes, Ulrich Lilie, hatte sich gemeinsam mit anderen Vertretern der Kirche f\u00fcr die M\u00f6glichkeit zur Suizidassistenz in diakonischen Einrichtungen ausgesprochen. Die offizielle Haltung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) schlie\u00dft organisierte Suizidassistenz bislang aus. Die Hilfe beim Suizid, bei dem in der Regel Sterbewilligen ein todbringendes Medikament \u00fcberlassen wird, ist zu unterscheiden von der aktiven Sterbehilfe, bei der ein Dritter das Mittel selbst verabreicht. Sie steht in Deutschland unter Strafe.<\/p>\n<p>Thomas erkl\u00e4rte am Sonntag, es trage geradezu \u00abZ\u00fcge des Irrwitzigen\u00bb, dass dieser Vorsto\u00df inmitten der Corona-Krise publiziert worden sei. W\u00e4hrend Mitarbeiter der Heime als Folge der Pandemie mit der Ersch\u00f6pfung r\u00e4ngen, fielen ihnen protestantische Theologen in den R\u00fccken, sagte der an der Ruhr-Universit\u00e4t in Bochum lehrende Professor und w\u00fcrttembergische evangelische Pfarrer.<\/p>\n<p>Thomas warnte vor einem Vertrauensverlust evangelischer Einrichtungen, sollten sie den Suizid unterst\u00fctzen. Menschen m\u00fcssten vertrauen k\u00f6nnen, dass sie auch dann, wenn sie sich in Not und Verzweiflung selbst nicht mehr trauen k\u00f6nnten, gut aufgehoben seien.&nbsp;Da kirchlich-diakonisches Handeln im Auftrag Gottes geschehe, m\u00fcsse es sich an seinen Geboten orientieren.<\/p>\n<p>Der Hamburger Diakonie-Chef Ahrens rief die Kirche dazu auf, die Debatte \u00fcber Suizidassistenz offensiv zu f\u00fchren. \u00abMomentan werden Positionen von leitenden Geistlichen hochgehalten, die vor dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts formuliert wurden. Das geht nicht mehr\u00bb, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd). Ahrens ist auch Vorsitzender des Ausschusses Diakonie im Evangelischen Werk f\u00fcr Diakonie und Entwicklung.<\/p>\n<p>Ahrens sagte, die Menschen vor Ort in den diakonischen Einrichtungen m\u00fcssten konkret mit dem Sterbehilfe-Urteil des Bundesverfassungsgerichts umgehen. \u00abAls Leitende m\u00fcssen wir ihnen dabei helfen.\u00bb Nicht zuletzt durch das Verfassungsgerichtsurteil s\u00e4hen sich Einrichtungen in der ambulanten Pflege, in den Pflegeheimen und Krankenh\u00e4usern immer wieder mit dem Wunsch konfrontiert, dass Menschen ihr Leben beenden wollen.<\/p>\n<p>Ausl\u00f6ser f\u00fcr die unter anderem vom hannoverschen Landesbischof Ralt Meister angesto\u00dfene Debatte ist das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Sterbehilfe im vergangenen Februar. Die Verfassungsrichter hatten den Klagen von Sterbehilfeorganisationen, \u00c4rzten und Einzelpersonen Recht gegeben, die sich gegen das 2015 verabschiedete Verbot organisierter &#8211; sogenannter gesch\u00e4ftsm\u00e4\u00dfiger &#8211; Hilfe bei der Selbstt\u00f6tung richteten. Die Karlsruher Richter erkl\u00e4rten das entsprechende Gesetz f\u00fcr nichtig und begr\u00fcndeten das mit dem Recht auf selbstbestimmtes Sterben, das auch Dritten die Assistenz beim Suizid erlaube.<\/p>\n<p>Wichtigstes Ergebnis der innerkirchlichen Diskussion m\u00fcssten Schutzkonzepte sein, betonte Ahrens. \u00abDarin liegt der Schl\u00fcssel, um Sorgen und Vorbehalte auszuschlie\u00dfen\u00bb, sagte der Diakoniechef: \u00abDer Tod darf weder zum Businessmodell noch eine leichte Variante werden, um anderen nicht mehr zur Last zu fallen.\u00bb Man brauche Verfahren und eine Vorstellung davon, wie Suizidassistenz in diakonischen Einrichtungen \u00fcberhaupt ablaufen k\u00f6nnte, \u00abbevor wir entscheiden k\u00f6nnen, ob assistierter Suizid in diakonischen Einrichtungen denkbar w\u00e4re\u00bb.<\/p>\n<p>Kirche-Oldenburg<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.kirche-oldenburg.de\/aktuell\/news-niedersachsen\/artikel\/protestanten-debattieren-weiter-ueber-suizidassistenz\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Protestanten debattieren weiter \u00fcber Suizidassistenz<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frankfurt a.M.\/Hannover (epd). 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