{"id":16538,"date":"2021-02-08T09:58:00","date_gmt":"2021-02-08T08:58:00","guid":{"rendered":"https:\/\/christusnews.de\/site\/adomeit-nicht-politisch-zu-sein-ist-fuer-mich-keine-option-der-neue-ratsvorsitzende-der-konfoederation-evangelischer-kirchen-zum-corona-krisenmanagement-und-zu-protestantischer-vielfal\/"},"modified":"2021-02-09T22:17:21","modified_gmt":"2021-02-09T21:17:21","slug":"adomeit-nicht-politisch-zu-sein-ist-fuer-mich-keine-option-der-neue-ratsvorsitzende-der-konfoederation-evangelischer-kirchen-zum-corona-krisenmanagement-und-zu-protestantischer-vielfal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/adomeit-nicht-politisch-zu-sein-ist-fuer-mich-keine-option-der-neue-ratsvorsitzende-der-konfoederation-evangelischer-kirchen-zum-corona-krisenmanagement-und-zu-protestantischer-vielfal\/","title":{"rendered":"Adomeit: \u00abNicht politisch zu sein, ist f\u00fcr mich keine Option\u00bb &#8211; Der neue Ratsvorsitzende der Konf\u00f6deration evangelischer Kirchen zum Corona-Krisenmanagement und zu protestantischer Vielfalt"},"content":{"rendered":"<p>Hannover\/Oldenburg (epd). Im 50. Jahr ihres Bestehens hat die Konf\u00f6deration evangelischer Kirchen in Niedersachsen mit dem Oldenburger Bischof Thomas Adomeit einen neuen Ratsvorsitzenden. Im Gespr\u00e4ch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) erl\u00e4utert der Theologe, wie man einen guten Draht zur Landesregierung pflegt, warum die Kirche sich in gesellschaftliche Debatten einbringen muss und was er von einer immer mal wieder diskutierten Fusion der evangelischen Kirchen in Niedersachsen h\u00e4lt.<\/p>\n<p>epd: Herr Adomeit, Sie haben den Ratsvorsitz der Konf\u00f6deration in au\u00dfergew\u00f6hnlichen Zeiten \u00fcbernommen. Welche Rolle hat die Konf\u00f6deration bislang beim Management der Coronakrise gespielt?<\/p>\n<p>Adomeit: Eine ganz zentrale Rolle, nach innen und nach au\u00dfen. F\u00fcr die evangelischen Kirchen in Niedersachsen bietet sie die Chance, angesichts gro\u00dfer gemeinsamer Herausforderungen noch enger zusammenzur\u00fccken. F\u00fcr das Land Niedersachsen wiederum ist sie ein verl\u00e4ssliches Gegen\u00fcber, eine Gespr\u00e4chspartnerin, die klar und konstruktiv mit einer Stimme spricht. Deshalb sind unsere Anliegen geh\u00f6rt worden. Deshalb gelingt es uns, in der Krise bei den Menschen zu sein &#8211; auf gewohnten Wegen, aber auch an vielen Stellen mit neuen Ideen und Initiativen.<\/p>\n<p>epd: Wesentliche Aufgabe der Konf\u00f6deration ist die gemeinsame Interessenvertretung der Kirchen gegen\u00fcber der Landesregierung. Wie gestaltet sich die in dieser schwierigen Zeit?<\/p>\n<p>Adomeit: Das Vorgehen in Niedersachsen war sowohl seitens der Kirchen als auch der Landesregierung von Anfang an gepr\u00e4gt von gro\u00dfer Vor- und Umsicht. Die guten Zug\u00e4nge der&nbsp;Konf\u00f6derations-Bevollm\u00e4chtigten etwa in den Corona-Krisenstab, in die Staatskanzlei und in das Sozial- und Gesundheitsministerium haben dazu beigetragen, dass wir stets zielorientiert und ger\u00e4uschlos zu tragf\u00e4higen Absprachen gekommen sind. Dabei stand unsere Verantwortung vor dem Gemeinwesen immer an erster Stelle. Vielleicht waren wir in Niedersachsen deshalb mitunter schneller als andernorts. Als die Bund-L\u00e4nder-Runde die Abstands- und Maskenpflicht in Gottesdiensten beschloss, konnten wir hier in Niedersachsen nur sagen: Das machen wir doch schon l\u00e4ngst so!<\/p>\n<p>epd: Beschr\u00e4nkt sich die Rolle der Konf\u00f6deration auf das Gegen\u00fcber zur Landespolitik?<\/p>\n<p>Adomeit: Sie hat sich weit dar\u00fcber hinaus entwickelt. Heute, 50 Jahre nach ihrer Gr\u00fcndung, zeigt sich, dass wir das innerprotestantische Gespr\u00e4ch auf eine ungemein offene und vertrauensvolle Ebene gebracht haben. Ich w\u00fcrde behaupten, dass die Konf\u00f6deration beispielgebend daf\u00fcr ist, wie man eng verbunden und doch eigenst\u00e4ndig protestantische Vielfalt leben und dabei gemeinsam vorankommen kann. Heute bearbeiten wir viele Themen \u00fcbergreifend. Ich denke dabei etwa an den konfessionell-kooperativen Religionsunterricht und den Bereich Kirche und Schule insgesamt, an die Erwachsenenbildung, an die Kirche in Polizei und Zoll &#8211; um nur einige Felder zu nennen. Aus der engeren Zusammenarbeit ist zugleich tieferes Vertrauen und mehr Offenheit im Umgang miteinander gewachsen.<\/p>\n<p>epd: Wenn die Kirchen der Konf\u00f6deration ohnehin immer enger zusammenwachsen: Stellt sich dann nicht erneut die schon vor Jahren er\u00f6rterte Frage nach einer Fusion zu einer \u00abEvangelischen Kirche in Niedersachsen\u00bb?<\/p>\n<p>Adomeit: Diese Frage stellt sich immer mal wieder &#8211; ohne dass sie derzeit akut w\u00e4re. Und sie wird sich sicher auch zuk\u00fcnftig stellen. Ich w\u00fcrde es mal aus dieser Perspektive betrachten: Alles, was unserem wichtigsten Ziel hilft, als Kirche nahe bei den Menschen zu sein, darf und muss diskutiert werden.<\/p>\n<p>Derzeit nehme ich allerdings wahr, dass in unserer evangelischen Buntheit, in der strukturellen Vielfalt und den unterschiedlichen Gr\u00f6\u00dfen unserer Kirchen eine gro\u00dfe St\u00e4rke liegt. Wenn verschieden gro\u00dfe Kirchen daf\u00fcr arbeiten, das Evangelium zu den Menschen zu bringen, ist es aus meiner Sicht v\u00f6llig in Ordnung, dass sie daf\u00fcr mitunter unterschiedliche Herangehensweisen verfolgen. Die Perspektive und die guten Ideen der jeweils anderen Kirchen k\u00f6nnen dann sogar bereichernd sein. Zudem erlebe ich, dass eine Kirche, die in der Region und ihrer gewachsenen Kultur und Landschaft verwurzelt ist, besondere Identifikation bieten kann. Das sehe ich auch bei uns im Oldenburger Land: Viele Menschen hier betrachten sich zuallererst mal als Oldenburgerinnen und Oldenburger. Ihr Bezugspunkt ist zuerst die Evangelisch-Lutherische Kirche in Oldenburg.<\/p>\n<p>epd: Einige Regionen Niedersachsens &#8211; etwa Osnabr\u00fcck, Hildesheim und Vechta &#8211; sind durch starke \u00d6kumene gepr\u00e4gt. Ihrem Vorg\u00e4nger im Konf\u00f6derationsvorsitz, Ralf Meister, ist das enge Miteinander von Katholiken und Protestanten ein besonderes Anliegen. Wie sehen Sie das?<\/p>\n<p>Adomeit: Das bleibt ein Feld, das wir intensiv beackern m\u00fcssen.&nbsp;Ohne Schwei\u00df wird das aber nicht m\u00f6glich sein. Ich erlebe sehr fruchtbare Gespr\u00e4che mit den katholischen Glaubensgeschwistern, aber ebenso Grenzziehungen, allein schon, weil die katholische Kirche als Weltkirche in dem von Rom vorgegebenen Rahmen agieren muss. Ich sehe dennoch gro\u00dfen Entwicklungsspielraum f\u00fcr die \u00f6kumenische Zusammenarbeit. So w\u00e4re es beispielsweise lohnend auszuloten, inwieweit die evangelische und die katholische Kirche einander in Diaspora-Situationen gut vertreten k\u00f6nnen: mit gemeinsamem Religionsunterricht, konfessions\u00fcbergreifender Seelsorge und \u00f6kumenischen Gottesdiensten. Auch die Frage, ob wir zwei Weltanschauungsbeauftragte brauchen oder ob uns am Ende soviel verbindet, dass wir zu weltanschaulichen Fragen eine gemeinsame christliche Position beziehen k\u00f6nnen, w\u00e4re ein Nachdenken wert.<\/p>\n<p>epd: Inwieweit werden Sie Stellung zu Themen beziehen, die nicht unmittelbar kirchlich sind, aber auf christliche Werte einzahlen?<\/p>\n<p>Adomeit: Ich sehe das absolut als Aufgabe der Konf\u00f6deration an. Ob wir schweigen oder sprechen &#8211; beides wird als Statement wahrgenommen. Deshalb sollten wir auch in Zukunft klar und vernehmbar Stellung beziehen, wenn es um die gro\u00dfen gesellschaftlichen Fragen, um die Lebensthemen der Menschen geht: etwa um Heimat, Flucht und Integration, um Leben und Sterben, um die Bedrohungen durch den Klimawandel, um gerechte Lebensverh\u00e4ltnisse, um Frieden und Gewalt, um Extremismus und Rassismus. Verstecken z\u00e4hlt nicht. Nicht politisch zu sein, ist f\u00fcr mich keine Option!<\/p>\n<p>Kirche-Oldenburg<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.kirche-oldenburg.de\/aktuell\/news-niedersachsen\/artikel\/adomeit-nicht-politisch-zu-sein-ist-fuer-mich-keine-option-der-neue-ratsvorsitzende-der-konfoede\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Adomeit: \u00abNicht politisch zu sein, ist f\u00fcr mich keine Option\u00bb &#8211; Der neue Ratsvorsitzende der Konf\u00f6deration evangelischer Kirchen zum Corona-Krisenmanagement und zu protestantischer Vielfalt<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hannover\/Oldenburg (epd). Im 50. Jahr ihres Bestehens hat die Konf\u00f6deration evangelischer Kirchen in Niedersachsen mit dem Oldenburger Bischof Thomas Adomeit einen neuen Ratsvorsitzenden. 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