{"id":16896,"date":"2021-03-15T09:09:00","date_gmt":"2021-03-15T08:09:00","guid":{"rendered":"https:\/\/christusnews.de\/site\/adomeit-es-gibt-eine-neue-sehnsucht-nach-dem-analogen\/"},"modified":"2021-03-16T10:17:26","modified_gmt":"2021-03-16T09:17:26","slug":"adomeit-es-gibt-eine-neue-sehnsucht-nach-dem-analogen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/adomeit-es-gibt-eine-neue-sehnsucht-nach-dem-analogen\/","title":{"rendered":"Adomeit: Es gibt eine neue Sehnsucht nach dem Analogen"},"content":{"rendered":"<p>Hannover\/Oldenburg (epd). Bereits zum zweiten Mal wird Ostern unter den Vorzeichen der Corona-Pandemie stattfinden. Der Oldenburger Bischof Thomas Adomeit, Ratsvorsitzender der Konf\u00f6deration evangelischer Kirchen in Niedersachsen, ist zuversichtlich, dass die Kirchen bestens vorbereitet auf das h\u00f6chste christliche Fest zugehen&nbsp;&#8211; und in diesem Jahr sowohl mit neuen digitalen Formaten, als auch mit klassischen Gottesdiensten in coronagerechtem Rahmen punkten k\u00f6nnen. Mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) sprach Adomeit \u00fcber krisenerprobte Hygienekonzepte, wachsende Hoffnung auf bessere Zeiten sowie seine Vorliebe f\u00fcr analoge Ostergottesdienste mit Gesang und Kerzen.<\/p>\n<p>epd: Wir gehen auf ein weiteres Osterfest unter den Vorzeichen und Einschr\u00e4nkungen der Corona-Pandemie zu. Ist das jetzt ein D\u00e9j\u00e0-vu f\u00fcr Sie &#8211; oder erleben Sie eine ganz andere Situation als vor einem Jahr?<\/p>\n<p>Adomeit: Letzteres. Vor einem Jahr, mitten im ersten Lockdown, waren wir abrupt mit einer bislang ungekannten Situation konfrontiert. Eine Situation, f\u00fcr die niemand eine Blaupause hatte. Gottesdienste in Pr\u00e4senz waren nicht m\u00f6glich. Doch zugleich wurde \u00fcberall in unseren Kirchengemeinden unglaublich viel Energie und Kreativit\u00e4t f\u00fcr alternative Formate aufgewandt, um bei den Menschen zu sein. Um so gut es eben m\u00f6glich war, miteinander Ostern zu feiern.<\/p>\n<p>Darauf k\u00f6nnen wir in diesem Jahr aufbauen. Wir k\u00f6nnen die neuen digitalen Formate professionalisieren und haben zugleich die M\u00f6glichkeit, wenn auch in kleinerem Rahmen, in Pr\u00e4senz miteinander Gottesdienste zu feiern. Wir k\u00f6nnen gleicherma\u00dfen als digitale und analoge Kirche in Erscheinung treten. Die Pandemie hat auch gute Entwicklungen forciert, hat uns flexibler und zukunftsf\u00e4higer werden lassen.<\/p>\n<p>Und schlie\u00dflich ist Ostern auch in diesem Jahr ein Fest von Hoffnung und Zuversicht: Wir m\u00f6gen Corona noch nicht im Griff haben, aber wir sp\u00fcren doch, dass wir dank der anrollenden Impfkampagne langsam auf bessere Zeiten zugehen.<\/p>\n<p>epd: Die evangelischen Kirchen der Konf\u00f6deration haben sich bei den Handlungsempfehlungen eng abgestimmt. Derzeit wird den teils stark unterschiedlichen regionalen Inzidenzen besondere Bedeutung beigemessen. Ist in dieser heterogenen Situation ein gemeinsames Vorgehen der nieders\u00e4chsischen Kirchen \u00fcberhaupt m\u00f6glich?<\/p>\n<p>Adomeit: Es ist ganz klar mit dem Land Niedersachsen ein Rahmen festgelegt, um Pr\u00e4senzgottesdienste zu feiern und Angebote in den Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen m\u00f6glich zu machen, etwa im Bereich der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Entscheidend sind dabei Hygienekonzepte, die sich absolut bew\u00e4hrt haben. Die finale Entscheidung \u00fcber das, was in diesem Rahmen geht oder eben nicht geht, lag und liegt bei den Kirchengemeinden. Das ist gerade jetzt sinnvoll, da das Pandemie-Geschehen viel regionalisierter bewertet wird. Die Kirchenleitungen und die Konf\u00f6deration geben einen Handlungsrahmen vor, der Orientierung und Sicherheit bietet. Einen solchen eng zwischen allen Kirchen abgestimmten Rahmen wird es auch weiterhin geben.<\/p>\n<p>epd: Die n\u00e4chste Bund-L\u00e4nder-Runde k\u00f6nnte je nach Pandemielage weitere Lockerungen oder Versch\u00e4rfungen mit sich bringen. Rechnen Sie damit, dass die Kirchen von weiteren Ma\u00dfnahmen unber\u00fchrt bleiben &#8211; oder sind sie auch kurz vor Ostern f\u00fcr einen m\u00f6glichen Schwenk gewappnet, der zum Beispiel Gottesdienste erschwert?<\/p>\n<p>Adomeit: Dass es bei Gottesdiensten gr\u00f6\u00dfere Einschr\u00e4nkungen gibt, erwarte ich nicht. Vor Weihnachten stiegen die Inzidenzen rasant, und trotzdem haben wir eine tragf\u00e4hige Antwort gefunden &#8211; durch die enge Abstimmung der Krisenst\u00e4be der einzelnen Kirchen mit der Konf\u00f6deration, durch z\u00fcgige Justierungen unserer Handlungsempfehlungen und durch Gemeinden, die sehr verantwortungsbewusst und flexibel auf die Pandemie-Situation vor Ort reagiert haben &#8211; was eben auch zum Teil bedeutet hat, Gottesdienste abzusagen. Alle, in der Kirchenleitung und vor Ort, Haupt- und Ehrenamtliche, haben dazu beigetragen, dass wir in unseren f\u00fcnf Kirchen keinen Corona-Ausbruch hatten. Wenn es wirklich zu einer Zuspitzung der Situation kommen sollte, bin ich zuversichtlich, dass wir kurzfristig und umfassend reagieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>epd: Sie sagten, die Kirchen h\u00e4tten zu diesem Osterfest mehr denn je die Chance, die Menschen sowohl analog als auch digital zu erreichen. Muss die Kirche zuk\u00fcnftig kanal\u00fcbergreifender denken und handeln?<\/p>\n<p>Adomeit: Definitiv. Aber das ist ja eigentlich auch nichts Neues, sondern gut reformatorisch. Schon Martin Luther wusste, \u00fcber welche Kan\u00e4le, welche Medien er die Menschen erreicht. Damals war es der Buchdruck, heute sind es die sozialen Medien. Aber nicht nur: Denn auch klassische Gottesdienste &#8211; das gemeinsame Singen, Beten und Feiern in leiblicher Gemeinschaft &#8211; werden \u00fcberdauern. Nicht nur, weil es der Kern kirchlichen Lebens ist, sondern weil es immer Menschen geben wird, die genau danach Sehnsucht haben. \u00abPr\u00fcft aber alles und das Gute behaltet\u00bb &#8211; dieses Bibelwort muss f\u00fcr alles gelten, was wir tun, ob analog oder digital. Deshalb haben sich in unseren Kirchen erste Foren gebildet, in denen wir betrachten und auswerten, was von den vielen Formaten, die im vergangenen Jahr sehr kurzfristig entwickelt worden sind, bleibenden Wert hat.<\/p>\n<p>epd: Angenommen Sie h\u00e4tten die Wahl zwischen einem digitalen und einem analogen Ostergottesdienst: Wo w\u00e4ren Sie dabei?<\/p>\n<p>Adomeit: Also Ostern w\u00fcnsche ich mir f\u00fcr mich pers\u00f6nlich und jenseits der Pandemie analog und leibhaftig. Nach der vorangegangenen Passionszeit, in der wir Jesu Leidensweg nachvollziehen, ist es schon bewegend, aus dieser Dunkelheit gemeinsam ins Licht zu treten. Ostern ist f\u00fcr mich untrennbar verbunden mit festlichen Osternachts-Gottesdiensten in der Gemeinde, mit Tauffesten, mit gemeinsamem Singen, mit einem Kerzenmeer. Ich w\u00fcnsche mir, dass Ostern auch weiterhin in dieser Form erkennbar bleibt.<\/p>\n<p>Gerade jetzt, da wir andere Menschen seit zw\u00f6lf Monaten kaum noch real, sondern in Zoom-Kacheln auf unseren Bildschirmen erleben, da wir uns nicht herzlich umarmen, sondern allenfalls mit Ellenbogen und Fu\u00dfspitze begr\u00fc\u00dfen, entsteht eine neue Sehnsucht nach N\u00e4he, nach einem lebendigen Gegen\u00fcber, nach dem Analogen. Ostern ist das Fest der Auferstehung Christi und damit das Fest des Lebens und der Gemeinschaft schlechthin. Es macht uns genau auf diese Sehnsucht aufmerksam. Auch deshalb wird dieses Osterfest unter diesen Umst\u00e4nden ein ganz besonderes werden.<\/p>\n<p>Kirche-Oldenburg<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.kirche-oldenburg.de\/aktuell\/news-niedersachsen\/artikel\/adomeit-es-gibt-eine-neue-sehnsucht-nach-dem-analogen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Adomeit: Es gibt eine neue Sehnsucht nach dem Analogen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hannover\/Oldenburg (epd). Bereits zum zweiten Mal wird Ostern unter den Vorzeichen der Corona-Pandemie stattfinden. Der Oldenburger Bischof Thomas Adomeit, Ratsvorsitzender der Konf\u00f6deration evangelischer Kirchen in Niedersachsen, ist zuversichtlich, dass die Kirchen bestens vorbereitet auf das h\u00f6chste christliche Fest zugehen&nbsp;&#8211; und in diesem Jahr sowohl mit neuen digitalen Formaten, als auch mit klassischen Gottesdiensten in coronagerechtem Rahmen punkten k\u00f6nnen. 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