{"id":17245,"date":"2021-04-13T00:01:00","date_gmt":"2021-04-12T22:01:00","guid":{"rendered":"https:\/\/christusnews.de\/site\/eine-starke-herde\/"},"modified":"2021-04-13T11:17:21","modified_gmt":"2021-04-13T09:17:21","slug":"eine-starke-herde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/eine-starke-herde\/","title":{"rendered":"Eine starke Herde"},"content":{"rendered":"<p>Und wieder sollte es eine Demo in Stuttgart geben. Eine entsprechende Anmeldung der Veranstaltung lag der Stadt bereits vor. Geplant war sie f\u00fcr den 17. April. Dabei habe ich noch genau die Bilder der Landeshauptstadt an Karsamstag vor Augen. Rund 15.000 Menschen gingen vor zwei Wochen gr\u00f6\u00dftenteils ohne Masken und Mindestabstand im Namen der Initiative \u201eEs reicht uns\u201c auf die Stra\u00dfe. 1.000 Polizisten waren im Einsatz. Und 14 Tage sp\u00e4ter sollte es sich wiederholen? Wenn ich diese Bilder in den Nachrichten sehe, merke ich, wie die Wut in mir steigt.&nbsp;<br \/>\n&nbsp; &nbsp;<br \/>\nWut \u00fcber so viel Ignoranz und Unverst\u00e4ndnis. Wut dar\u00fcber, dass dieses Verhalten alle bisherigen Ma\u00dfnahmen von so vielen B\u00fcrger:innen torpediert. Warum hat sich beinahe jede:r von uns in den letzten Monaten zur\u00fcckgenommen? Sollen diese Bem\u00fchungen nun umsonst sein? Droht nun wieder ein \u201eharter\u201c Lockdown? Was geht in diesen Menschen vor, die zu Tausenden auf die Stra\u00dfe gehen?<br \/>\n&nbsp; &nbsp;<br \/>\nLuther stand vor genau 500 Jahren, am 18. April 1521, auf dem Wormser Reichstag vor dem Kaiser und vielen wichtigen Kirchenvertreter:innen. Er sollte seine revolution\u00e4ren Gedanken widerrufen. Aber wie wir alle wissen tat Luther es nicht.<br \/>\n&nbsp; &nbsp;<br \/>\nDas war ein historischer Moment, der die Kirche und die Gesellschaft ver\u00e4nderte. Und ich frage mich, gibt es heute noch diese Momente? Glauben die 15.000 Menschen auf den Stuttgarter Stra\u00dfen, dass ihre Gedanken und Parolen die Gesellschaft ver\u00e4ndern und historisch wichtig sind?&nbsp;<br \/>\n&nbsp; &nbsp;<br \/>\nUnd doch wei\u00df ich, dass es nicht richtig w\u00e4re, all diese Demonstrant:innen \u00fcber einen Kamm zu scheren. Es sind nicht unbedingt alles Rechtsradikale, Querdenker:innen oder Demokratieverweigerer:innen, es sind vor allem auch viele verzweifelte B\u00fcrger:innen, die in ihrer Existenz bedroht und die k\u00f6rperlich und geistig durch die letzten Pandemiemonate im Homeoffice und Homescooling an ihre Grenzen gesto\u00dfen sind.<br \/>\n&nbsp; &nbsp;<br \/>\nVielleicht wollen einige Demonstranten:innen nicht ihre Wut und ihr Unverst\u00e4ndnis \u00fcber Regierungsentscheidungen zum Ausdruck bringen, sondern ihre verzweifelte Suche nach Orientierung?&nbsp;<br \/>\n&nbsp; &nbsp;<br \/>\nUnd so nehmen wir diesen Gedanken der Orientierung mit und legen ihn \u00fcber den Wochenspruch bei Johannes 10, 27-28. Dort steht: Christus spricht <em>\u201eMeine Schafe h\u00f6ren auf meine Stimme. Ich kenne sie, und sie folgen mir. Ich gebe ihnen das ewige Leben.\u201c<\/em><br \/>\n&nbsp; &nbsp;<br \/>\nIm Zentrum dieses zweiten Sonntags nach Ostern steht Jesus als der \u201egute Hirte\u201c. Dieses Urbild des Sch\u00e4fers spricht mich immer wieder an. Und nicht umsonst ist der Wochenpsalm, Psalm 23, einer der Bekanntesten.<br \/>\n&nbsp; &nbsp;<br \/>\nJesus, als der gute Hirte gibt die Verlorenen nicht auf, denn jede:r Einzelne z\u00e4hlt. F\u00fcr jede:n Einzelne:n lie\u00df er sein Leben. Gleichzeitig warnt die Bibel aber auch vor schlechten Hirten. Die vor allem auf ihr eigenes Wohl bedacht sind, Schwache nicht st\u00e4rken und bei Gefahr eher die Flucht suchen.<br \/>\n&nbsp; &nbsp;<br \/>\nEs liegt daher an uns, sich an das Gute zu halten und nach dem Beispiel Jesus selbst auf die Schwachen und Orientierungslosen in unserer Gesellschaft zu achten. Diese Pandemie kann nur \u00fcberwunden werden, wenn wir sie gesellschaftlich und global gemeinsam angehen. Gemeinsam zu handeln bedeutet in diesem Falle nicht, wie zu Anfang beschrieben mit Tausenden von Menschen ohne Abstand und Maske auf die Stra\u00dfe zu gehen.&nbsp;<br \/>\n&nbsp; &nbsp;<br \/>\nDie n\u00e4chste Demo in Stuttgart wurde mittlerweile auch auf Dr\u00e4ngen des Landessozialministeriums verboten. Und so hoffe ich und bete ich, dass solche Protestaktionen bei uns nicht mehr so h\u00e4ufig stattfinden. Sie schaden uns allen. Wir brauchen jedoch ein starkes Miteinander. Nicht umsonst sprechen Virologen und Politiker:innen von dem Ziel der Herdenimmunit\u00e4t. So lasst uns im Geiste Christi eine starke Herde sein, die aufeinander achtgibt und keinen zur\u00fcckl\u00e4sst.<\/p>\n<p>Amen.<br \/>\n&nbsp; &nbsp;<br \/>\n<em>Farina Hubl,<\/em><\/p>\n<p><em>kommissarische Leiterin des Landesjugendpfarramtes der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg<\/em><\/p>\n<p>Kirche-Oldenburg<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.kirche-oldenburg.de\/\/aktuell\/pressemitteilungen\/artikel\/eine-starke-herde\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Eine starke Herde<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und wieder sollte es eine Demo in Stuttgart geben. Eine entsprechende Anmeldung der Veranstaltung lag der Stadt bereits vor. Geplant war sie f\u00fcr den 17. April. Dabei habe ich noch genau die Bilder der Landeshauptstadt an Karsamstag vor Augen. Rund 15.000 Menschen gingen vor zwei Wochen gr\u00f6\u00dftenteils ohne Masken und Mindestabstand im Namen der Initiative \u201eEs reicht uns\u201c auf die Stra\u00dfe. 1.000 Polizisten waren im Einsatz. Und 14 Tage sp\u00e4ter sollte es sich wiederholen? Wenn ich diese Bilder in den Nachrichten sehe, merke ich, wie die Wut in mir steigt.&nbsp; &nbsp; &nbsp; Wut \u00fcber so viel Ignoranz und Unverst\u00e4ndnis. 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