{"id":17307,"date":"2021-04-19T08:24:00","date_gmt":"2021-04-19T06:24:00","guid":{"rendered":"https:\/\/christusnews.de\/site\/kirche-ohne-maenner-75-jahre-nach-der-gruendung-der-evangelischen-maennerarbeit-ist-deren-zukunft-ungewiss\/"},"modified":"2021-04-20T11:17:24","modified_gmt":"2021-04-20T09:17:24","slug":"kirche-ohne-maenner-75-jahre-nach-der-gruendung-der-evangelischen-maennerarbeit-ist-deren-zukunft-ungewiss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/kirche-ohne-maenner-75-jahre-nach-der-gruendung-der-evangelischen-maennerarbeit-ist-deren-zukunft-ungewiss\/","title":{"rendered":"Kirche ohne M\u00e4nner? &#8211; 75 Jahre nach der Gr\u00fcndung der evangelischen M\u00e4nnerarbeit ist deren Zukunft ungewiss"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoPlainText\">Frankfurt a.M.\/Hannover (epd). \u00abDie Corona-Pandemie ist die ideale Zeit f\u00fcr neue Ideen\u00bb, diese Erfahrung macht der M\u00e4nnerreferent der Evangelischen Kirche der Pfalz, Gerd Humbert. Viele M\u00e4nner machten sich Sorgen um die Existenz, stellten Zukunfts- und Sinnfragen. Humbert hat derzeit neun M\u00e4nnergruppen \u00fcber Zoom organisiert und kann sich vor Zulauf kaum retten. Ob meditieren oder gemeinsames&nbsp;V\u00e4ter-Coachen: \u00abIch k\u00f6nnte jeden Monat eine neue Gruppe gr\u00fcnden.\u00bb Die Bed\u00fcrfnisse von M\u00e4nnern prallen aber oft an Kirchenmauern ab. Und mittelfristig ist die Zukunft des kirchlichen Zentrums f\u00fcr Frauen und M\u00e4nner in Hannover ungewiss.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">\u00abEin Gottesdienst, der nur Monolog ist, ist nicht m\u00e4nnergerecht\u00bb, begr\u00fcndet Humbert. M\u00e4nner wollten nicht einfach etwas vorgesetzt bekommen. \u00abM\u00e4nner wollen einen Dialog \u00fcber Existenzfragen, und sie wollen selbst organisieren.\u00bb<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Das taten evangelische M\u00e4nner vor 75 Jahren: Nach Diktatur, Krieg und staatlichem Zusammenbruch trafen sich vom 2. bis 4. Mai 1946 Vertreter aus vielen Landeskirchen in Hessen im ehemaligen Internat Dr. Lucius bei Echzell (Wetteraukreis). Mitglieder des fr\u00fcheren NS-nahen Deutschen Evangelischen M\u00e4nnerwerks und des M\u00e4nnerdienstes der oppositionellen Bekennenden Kirche taten sich zusammen und gr\u00fcndeten die M\u00e4nnerarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Ihr Ziel: \u00abVerloren gegangene Lebensgrundlagen in der Kirche aufbauen und sie als moralisches Grundger\u00fcst einer neuen Gesellschaft installieren.\u00bb Inzwischen hat sich die M\u00e4nnerarbeit aber gewandelt. \u00abSie ist dort am erfolgreichsten, wo sie der Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung Raum gibt und sich zu gesellschaftspolitischen Fragen \u00e4u\u00dfert\u00bb, hei\u00dft es in einer Positionsbestimmung von 2016. Dies aber in einem \u00abgeh\u00f6rigen Abstand zu kirchlichen Organisationsformen\u00bb, denn: \u00abEs fehlt an Teilhabem\u00f6glichkeiten von M\u00e4nnern am kirchengemeindlichen Leben.\u00bb<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">\u00abEs ist widerspr\u00fcchlich\u00bb, gibt der Vorstandsvorsitzende der EKD-M\u00e4nnerarbeit, Gerd Kiefer, zu: \u00abM\u00e4nner stehen nicht im Fokus der kirchlichen Arbeit, obwohl sie an vielen Stellen die Schalter in der Hand haben.\u00bb Tats\u00e4chlich ernte er bei einem Bericht \u00fcber seine Arbeit vor kirchlichen Gremien \u00aboft ein gewisses L\u00e4cheln oder Grinsen\u00bb. \u00abDa gibt es Vorstellungen von Stammtischrunden von vorgestern.\u00bb Die tats\u00e4chlichen Angebote sehen anders aus &#8211; und sto\u00dfen auf gro\u00dfen Zuspruch.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Zu Oasentagen, Mountainbiken mit geistlichen Impulsen oder Bibliodrama k\u00e4men viele Teilnehmer, berichtet der bayerische Referent f\u00fcr M\u00e4nnerarbeit, Pfarrer G\u00fcnter Kusch. M\u00e4nner wollten raus in die Natur, an eigene Grenzen gehen, selbst etwas herstellen. Ein Renner ist Kuschs Sargbaukurs an einem Wochenende, Gespr\u00e4che \u00fcber existenzielle Fragen und Verlusterfahrungen erg\u00e4ben sich dabei von alleine. Als die M\u00e4nner in einem Gemeindegottesdienst ihre Arbeit vorstellten, \u00abh\u00f6rte man eine Stecknadel fallen\u00bb, berichtet Kusch.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Ralf Schlenker, M\u00e4nnerpastor f\u00fcr Mecklenburg und Pommern, best\u00e4tigt das Bed\u00fcrfnis von M\u00e4nnern nach Spiritualit\u00e4t in der Natur: Ob ein Sensen-Seminar auf einem \u00d6kobauernhof, Kanutouren mit einem biblischen Thema, ein Wochenende mit einem J\u00e4ger auf Pirsch &#8211; der Zulauf sei gro\u00df, abgesehen von der Unterbrechung in der Corona-Pandemie. Dabei k\u00f6nne es zu ber\u00fchrenden Erfahrungen kommen. So habe nach der Vorf\u00fchrung des Films \u00abDie H\u00fctte\u00bb ein Freizeitteilnehmer vom Sterben seines Sohnes erz\u00e4hlt &#8211; \u00abund die anderen haben ihn getragen\u00bb, berichtet Schlenker. \u00abDass sich einer vor 20 anderen offenbart, ist nicht selbstverst\u00e4ndlich.\u00bb<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Die evangelische M\u00e4nnerarbeit stehe nicht in Konkurrenz zur Frauenarbeit, sondern habe dieser viel zu verdanken, erkl\u00e4rt Vorstandsvorsitzender Kiefer. Frauen h\u00e4tten die Anst\u00f6\u00dfe gegeben, \u00fcber Geschlechterrollen nachzudenken. Inzwischen sind die M\u00e4nner- und die Frauenarbeit in der EKD unter steigendem Spardruck zusammenger\u00fcckt: Sie gr\u00fcndeten 2016 das \u00abEvangelische Zentrum Frauen und M\u00e4nner\u00bb in Hannover. Jedoch s\u00e4hen die EKD-Sparpl\u00e4ne eine Schlie\u00dfung des Zentrums bis 2030 vor, sagt Kiefer.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Frauen zollen der Entwicklung der evangelischen M\u00e4nnerarbeit Respekt. Sie habe \u00abdas Toxische\u00bb am traditionellen M\u00e4nnlichkeitsbild erkannt, sagt die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin des hannoverschen Zentrums, Eske Wollrad. Das alte M\u00e4nnerbild verbinde Privilegien mit selbstauferlegtem Druck und krank machenden Zw\u00e4ngen. Die M\u00e4nnerarbeit hingegen habe neue Formen der M\u00e4nnlichkeit entwickelt, etwa mit Vater-Kind-Freizeiten, und M\u00e4nner auch als Opfer von Gewalt thematisiert. \u00abDie M\u00e4nner- und die Frauenarbeit haben ein gemeinsames Interesse.\u00bb<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">\u00abDie Kirche hat nur eine Zukunft, wenn sie auch M\u00e4nnern eine Zukunft bietet\u00bb, ist Pfarrer Kusch \u00fcberzeugt. M\u00e4nnerthemen wie Beruf, Sport, Familie, Gesundheit, Umwelt, Kultur bereicherten auch die Kirche. Einige Aktive der evangelischen M\u00e4nnerarbeit \u00fcberlegen schon, f\u00fcr die Fortf\u00fchrung der Arbeit jenseits der Kirche einen Verein zu gr\u00fcnden, wie Referent Humbert berichtet. \u00abMit kreativen Formen sieht die Zukunft der M\u00e4nnerarbeit rosig aus\u00bb, ist er zuversichtlich.<\/p>\n<p>Kirche-Oldenburg<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.kirche-oldenburg.de\/\/aktuell\/news-niedersachsen\/artikel\/kirche-ohne-maenner-75-jahre-nach-der-gruendung-der-evangelischen-maennerarbeit-ist-deren-zukunft-ungewiss\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kirche ohne M\u00e4nner? &#8211; 75 Jahre nach der Gr\u00fcndung der evangelischen M\u00e4nnerarbeit ist deren Zukunft ungewiss<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frankfurt a.M.\/Hannover (epd). \u00abDie Corona-Pandemie ist die ideale Zeit f\u00fcr neue Ideen\u00bb, diese Erfahrung macht der M\u00e4nnerreferent der Evangelischen Kirche der Pfalz, Gerd Humbert. 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