{"id":17388,"date":"2021-05-04T00:01:00","date_gmt":"2021-05-03T22:01:00","guid":{"rendered":"https:\/\/christusnews.de\/site\/gottes-neue-kleider\/"},"modified":"2021-05-04T23:18:05","modified_gmt":"2021-05-04T21:18:05","slug":"gottes-neue-kleider","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/gottes-neue-kleider\/","title":{"rendered":"Gottes neue Kleider"},"content":{"rendered":"<p>Ich betrachte die Bilder in meiner Tageszeitung. Junge Menschen, M\u00e4dchen und Jungen stehen dort vor ihrer Kirche. Konfirmierte im Jahr 2021. Sie stehen dort mit Abstand, immer nur einige Wenige. Wie sch\u00f6n, denke ich. Sie wollten nicht l\u00e4nger auf Gottes Segen warten. Es wird in den Familien keine gro\u00dfe Feier gegeben haben, aber der Gottesdienst wurde gefeiert, sehr pers\u00f6nlich nur f\u00fcr sie.<br \/>\n&nbsp; &nbsp;<br \/>\nIch betrachte die Fotos. Die jungen Leute sind festlich gekleidet, so wie immer bei der Konfirmation. Viele Jungen im Anzug mit Hemd und Krawatte, viele M\u00e4dchen im Kleid. Ein St\u00fcck Normalit\u00e4t in Pandemie-Zeiten. Ein besonderes Kleidungsst\u00fcck muss es sein f\u00fcr diesen besonderen Moment.<br \/>\n&nbsp; &nbsp;<br \/>\nEin besonderes Kleidungsst\u00fcck h\u00e4lt Gott uns in diesen Tag auch hin. In der Epistel zum Sonntag Kantate im Kolosser-Brief (3,12) hei\u00dft es:&nbsp;<br \/>\n<em>\u201eSo zieht nun an als die Auserw\u00e4hlten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld.\u201c<\/em><br \/>\n&nbsp; &nbsp;<br \/>\n\u201eAls die Auserw\u00e4hlten\u201c &#8211; mit der Taufe w\u00e4hlt Gott uns aus. Und mit der Konfirmation stimmen wir der Auswahl zu. Wir werden sichtbar als seine Kinder, S\u00f6hne und T\u00f6chter Gottes.&nbsp;<br \/>\n&nbsp; &nbsp;<br \/>\nUnd als solche Auserw\u00e4hlten sollen wir herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld anziehen \u2013 eben wie ein Kleid. Ihr seid erw\u00e4hlt und das soll man an euch sehen.<br \/>\n&nbsp; &nbsp;<br \/>\nDer Apostel Paulus macht uns Mut, eine \u2013 bildlich gesprochen &#8211; neue Kleidung anzuziehen, keine Kost\u00fcmierung f\u00fcr eine gewisse Zeit, kein Gewand, das unser Lebensgef\u00fchl f\u00fcr einen Moment ver\u00e4ndert.<br \/>\n&nbsp; &nbsp;<br \/>\nEr meint Kleider, die von Dauer sind, die unsere zweite Haut werden sollen, weil wir sie nicht mehr ablegen k\u00f6nnen wie eine verschmutzte Jacke.<br \/>\n&nbsp; &nbsp;<br \/>\nDer Apostel beschreibt sehr konkret, was ein wesentlicher Bestandteil unseres Lebens sein soll:<br \/>\n1. \u2013 &nbsp;<em>Herzliches Erbarmen<\/em> \u2013 das ist das Gegenteil von Gleichg\u00fcltigkeit, Distanziertheit und K\u00e4lte. Erbarmen &#8211; das ist Zuwendung, das ist F\u00fcrsorge, das ist t\u00e4tige Hilfe und zwar von Herzen. Herzliches Erbarmen bleibt ein wesentlicher Auftrag f\u00fcr unser t\u00e4gliches Christsein.<br \/>\n&nbsp; &nbsp;<br \/>\n2. \u2013 &nbsp;<em>Die Freundlichkeit<\/em> \u2013 Ein Griesgram kann \u00e4tzend sein, ein launischer Mensch kann einem den Tag verderben. Freundliche Menschen haben etwas Liebenswertes an sich.&nbsp;Sie bringen Licht ins Grau. Sie sind vielleicht weniger streitbar, aber deshalb noch lange keine Weichlinge. Ohne Freundlichkeit geht es nicht in der Familie, im Freundeskreis, in der Nachbarschaft. Freundlichkeit ist nicht berechnend, eher ansteckend. Freundlichkeit kann unser ganzes Umfeld verwandeln.<br \/>\n&nbsp; &nbsp;<br \/>\n3. \u2013 <em>Die Demut<\/em> \u2013 sie spielt sich nicht in den Vordergrund, sie ist nicht in sich selbst verliebt. Sie ist aber auch nicht unterw\u00fcrfig. Im Gegenteil: Die Demut erkennt, dass Gott der Sch\u00f6pfer ist und wir seine Gesch\u00f6pfe sind, und das macht uns stark gegen die Widrigkeiten dieser Welt. Als Christinnen und Christen glauben wir: Egal was geschieht &#8211; wir sind und bleiben Kinder Gottes.&nbsp;<br \/>\n&nbsp; &nbsp;<br \/>\n4. \u2013 <em>Die Sanftmut<\/em> \u2013sie braust nicht auf und verliert nicht die Selbstkontrolle. Die Sanftmut will gelernt sein. Sie ist keinem angeboren. Aber sie ist im Umgang miteinander notwendig, wenn es nicht st\u00e4ndig Streit und Krach geben soll. Die Sanftmut hat ein gro\u00dfes Vorbild \u2013 Jesus Christus, der von sich selbst sagt: \u201eIch bin sanftm\u00fctig.\u201c Sanftmut bleibt eine lebenslange \u00dcbung.&nbsp;<br \/>\n&nbsp; &nbsp;<br \/>\n5. Schlie\u00dflich \u2013 <em>die Geduld<\/em> \u2013 \u201eNur Geduld\u201c, sagen wir, wenn sich Hektik und Unruhe ausbreiten. Geduld wird uns oft abverlangt, gerade in dieser Pandemie-Zeit.<br \/>\n&nbsp; &nbsp;<br \/>\nVon Gott lesen wir in der Bibel, dass er seine Ungeduld und seinen Zorn gegen\u00fcber uns Menschen zur\u00fcckh\u00e4lt. \u201eBarmherzig und gn\u00e4dig ist der Herr, geduldig und von gro\u00dfer G\u00fcte,\u201c ruft uns der Psalmist zu. K\u00f6nnte das nicht f\u00fcr uns eine Quelle der Kraft sein, wenn unsere eigene Geduld am Ende ist, wenn der Erfolg ausbleibt oder die Zeit lang wird. Es ist nicht leicht, gegen die eigene Last geduldig zu sein.<br \/>\n&nbsp; &nbsp;<br \/>\nHerzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut und Geduld \u2013 diese Tugenden sind Kennzeichen eines christlichen Lebens. Aber wir k\u00f6nnen sie auf Dauer nur leben und verwirklichen, wenn wir dem Aufruf des Apostels folgen: \u201eZieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit.\u201c&nbsp;<br \/>\n&nbsp; &nbsp;<br \/>\nDie Liebe ist die Macht, die unser ganzes Leben zusammenh\u00e4lt. Die Liebe ist in unsere Welt gekommen, weil Gott seinen Sohn Jesus Christus aus Liebe zu uns in die Welt gesandt hat. Aus Liebe zu uns hat sich Jesus Christus f\u00fcr uns in den Tod gegeben, um uns von b\u00f6sen M\u00e4chten zu befreien, zu erl\u00f6sen und zu heilen.<br \/>\n&nbsp; &nbsp;<br \/>\nIch betrachte noch einmal die Fotos der konfirmierten jungen Menschen. Sie tragen besondere Kleider f\u00fcr einen besonderen Lebensmoment. Die Kleider, die Gott mir seit meiner Taufe hingeh\u00e4ngt hat, sind nicht f\u00fcr einen besonderen Moment gedacht. Sie sind alltagstauglich. Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld, Liebe brauchen Menschen t\u00e4glich. Seit Jahrtausenden hat sich daran nichts ge\u00e4ndert. &nbsp;Wir werden aufgefordert, diese Kleider anzuziehen, damit andere an uns sehen, wie es ist, als Kind Gottes zu leben und zu lieben.<br \/>\n&nbsp; &nbsp;<br \/>\nNicht immer wird uns dies gelingen. Manchmal werden uns die Kleider zu gro\u00df oder zu eng erscheinen und wir m\u00f6chten sie am Liebsten absch\u00fctteln. Aber Gott ist fehlerfreundlich und verzeiht. Und er ist geduldig. Er wird uns die Kleider wieder hinhalten und sagen:<br \/>\n\u201eProbier\u2018s noch einmal. Es passt dir.\u201c<br \/>\n&nbsp; &nbsp;<br \/>\nAmen.<br \/>\n&nbsp; &nbsp;<br \/>\n<em>Sabine Spieker-Lauh\u00f6fer, Pfarrerin im Oberkirchenrat<\/em><\/p>\n<p>Kirche-Oldenburg<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.kirche-oldenburg.de\/\/aktuell\/pressemitteilungen\/artikel\/gottes-neue-kleider\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gottes neue Kleider<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich betrachte die Bilder in meiner Tageszeitung. Junge Menschen, M\u00e4dchen und Jungen stehen dort vor ihrer Kirche. Konfirmierte im Jahr 2021. Sie stehen dort mit Abstand, immer nur einige Wenige. Wie sch\u00f6n, denke ich. Sie wollten nicht l\u00e4nger auf Gottes Segen warten. Es wird in den Familien keine gro\u00dfe Feier gegeben haben, aber der Gottesdienst wurde gefeiert, sehr pers\u00f6nlich nur f\u00fcr sie. &nbsp; &nbsp; Ich betrachte die Fotos. Die jungen Leute sind festlich gekleidet, so wie immer bei der Konfirmation. Viele Jungen im Anzug mit Hemd und Krawatte, viele M\u00e4dchen im Kleid. Ein St\u00fcck Normalit\u00e4t in Pandemie-Zeiten. 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