{"id":1741,"date":"2015-04-03T09:23:00","date_gmt":"2015-04-03T07:23:00","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/das-heilige-grab-in-ostfriesland\/"},"modified":"2015-04-03T09:23:00","modified_gmt":"2015-04-03T07:23:00","slug":"das-heilige-grab-in-ostfriesland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/das-heilige-grab-in-ostfriesland\/","title":{"rendered":"Das Heilige Grab in Ostfriesland"},"content":{"rendered":"<p>Rysum\/Kr. Aurich (epd). Der Brauch klingt skurril und doch hat er den Menschen im Mittelalter Mut gegeben. In der alten Rysumer Kirche haben die Gl\u00e4ubigen am Karfreitag nach Sonnenuntergang ihren lebensgro\u00dfen geschnitzten Jesus vom Kreuz genommen, seine dank Scharnieren beweglichen Arme an den K\u00f6rper geklappt und ihn in einer Nische in der S\u00fcdwand der Kirche zur symbolischen Beerdigung abgelegt. \u00abAm Ostermorgen haben sie ihn wieder an das Kreuz geh\u00e4ngt\u00bb, sagt der evangelisch-reformierte Pastor Holger Balder.<\/p>\n<p>   Das Ganze habe vermutlich unter gro\u00dfer Anteilnahe der Dorfbev\u00f6lkerung stattgefunden, sagt Balder: \u00abDas muss man sich so \u00e4hnlich vorstellen wie die heutigen Krippenspiele.\u00bb F\u00fcr die Menschen im Mittelalter sei die Zeremonie ein Zeichen der Hoffnung gewesen. \u00abMit Jesu Tod am Karfreitag war f\u00fcr sie die Welt von Gott verlassen\u00bb, erkl\u00e4rt der Pastor. \u00abErst als sie ihn Ostern am Kreuz wieder sehen konnten, konnten sie die Auferstehung als Triumph \u00fcber den Tod feiern.\u00bb<\/p>\n<p>   Heute m\u00fcssen die Besucher der schlichten Kirche in dem knapp 700-Seelen-Dorf schon genau hinsehen, um das \u00abHeilige Grab\u00bb zu finden. Versteckt zwischen Kirchenb\u00e4nken und dem Kanzelaufgang wirkt es wie eine schlichte Ablagefl\u00e4che.<\/p>\n<p>   Rysum liegt auf einer erh\u00f6hten Warft direkt am Dollart, wo die Ems in die Nordsee flie\u00dft. Die Kirche steht auf dem h\u00f6chsten Punkt im Zentrum des Runddorfes. \u00abNach dem Deichbau im 13. Jahrhundert wurden die Bauern hier reich und investierten viel Geld in die Kirche\u00bb, sagt Balder. 1457 leisteten sie sich sogar eine Orgel, die bis heute in der Kirche steht. Sie z\u00e4hlt zu den \u00e4ltesten bespielbaren Orgeln der Welt.<\/p>\n<p>   Seit 1521 wurde in Rysum nachweislich evangelisch gepredigt. Die Reformation war dort von Beginn an von den Vorstellungen der Reformatoren Calvin und Zwingli gepr\u00e4gt, erl\u00e4utert der Theologe: \u00abDaher wurde alles aus der Kirche entfernt, was von der Predigt ablenken k\u00f6nnte.\u00bb In der evangelisch-reformierten Kirche werde das Bilderverbot aus den Zehn Geboten sehr streng ausgelegt. Gem\u00e4lde, Alt\u00e4re und sogar Kreuze suche man daher in reformierten Kirchen vergebens. So verschwand auch in Rysum irgendwann das Kreuz mit dem abnehmbaren Jesus. \u00dcber seinen Verbleib ist nichts mehr bekannt.<\/p>\n<p>   Das \u00abHeilige Grab\u00bb wurde erst bei umfangreichen Restaurierungsarbeiten im Jahr 2008 entdeckt. Bis dahin war es in Vergessenheit geraten. Den Arbeitern sei damals aufgefallen, dass sich hinter der d\u00fcnnen Putzschicht moderne F\u00fcllsteine befanden, die sonst in der Kirche nicht verbaut wurden, berichtet Balder. Sinn und Zweck der daraufhin freigelegten Nische, die zudem an einem Kopfende noch eine schmale Vertiefung in der Wand hatte, blieben zun\u00e4chst ein R\u00e4tsel.<\/p>\n<p>   Erst der Osnabr\u00fccker Arch\u00e4ologe Andreas Ahlers identifizierte die Nische als ein \u00abHeiliges Grab\u00bb aus dem fr\u00fchen 16. Jahrhundert. Auch eine passende Baugeschichte sei inzwischen gefunden. Pastor Balder zufolge lasse sich belegen, wie der Rysumer Ritter Victor Frese 1489 und 1491 zwei Pilgerreisen mit ostfriesischen Grafen in das Heilige Land unternommen und dabei in Jerusalem auch die Grabeskirche besucht habe. Sie steht \u00fcber einer H\u00f6hle, in der Jesus nach seiner Kreuzigung bis zu seiner Auferstehung an Ostern in einer Nische gelegen haben soll.<\/p>\n<p>   \u00abVermutlich hat Frese die Idee mitgebracht und Handwerker beauftragt, das &#8216;Heilige Grab&#8217; nach dem Jerusalemer Vorbild anzufertigen\u00bb, spekuliert Balder. Es ist bis heute das einzige in Ostfriesland belegte \u00abHeilige Grab\u00bb \u00fcberhaupt. F\u00fcr die kleine Vertiefung am Kopfende lieferte wiederum der Osnabr\u00fccker Arch\u00e4ologe Ahlers eine Erkl\u00e4rung: M\u00f6glicherweise hatten sich die damaligen Handwerker vermessen, so dass noch etwas Platz geschaffen werden musste f\u00fcr den Heiligenschein.<br \/><em>J\u00f6rg Nielsen\/epd<\/em><br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rysum\/Kr. Aurich (epd). Der Brauch klingt skurril und doch hat er den Menschen im Mittelalter Mut gegeben. In der alten Rysumer Kirche haben die Gl\u00e4ubigen am Karfreitag nach Sonnenuntergang ihren lebensgro\u00dfen geschnitzten Jesus vom Kreuz genommen, seine dank Scharnieren beweglichen Arme an den K\u00f6rper geklappt und ihn in einer Nische in der S\u00fcdwand der Kirche zur symbolischen Beerdigung abgelegt. \u00abAm Ostermorgen haben sie ihn wieder an das Kreuz geh\u00e4ngt\u00bb, sagt der evangelisch-reformierte Pastor Holger Balder. 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