{"id":17658,"date":"2021-06-01T00:02:00","date_gmt":"2021-05-31T22:02:00","guid":{"rendered":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wenn-du-deine-hand-auftust\/"},"modified":"2021-06-01T11:17:23","modified_gmt":"2021-06-01T09:17:23","slug":"wenn-du-deine-hand-auftust","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wenn-du-deine-hand-auftust\/","title":{"rendered":"Wenn du deine Hand auftust, &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Heute, am ersten Juni ist der Weltbauerntag. Er wurde im Jahr 2000 in enger Verbindung mit der Weltausstellung EXPO 2000 in Hannover erstmals ausgerichtet und dann ab 2002 von der UNO bzw. der UNESCO weltweit ausgerufen.&nbsp;<br \/>\n&nbsp; &nbsp;<br \/>\nHauptaufgabe der B\u00e4uer*innen ist seit eh und je die Erzeugung von Agrarprodukten, wie Nahrungsmitteln pflanzlicher und tierischer Herkunft, daneben heute h\u00e4ufig auch Erzeugung von nachwachsenden Rohstoffen und Lieferung von Energie (z. B. Raps\u00f6l, Biogas). Dazu geh\u00f6rt mittlerweile auch Management und F\u00fchrung eines landwirtschaftlichen Betriebes und der schonende Umgang mit den nat\u00fcrlichen Ressourcen wie Boden, Wasser, Luft sowie die Beachtung der \u00f6kologischen Zusammenh\u00e4nge und des Tierschutzes. Ein anspruchsvoller Beruf mit hoher Verantwortung f\u00fcr das Leben, f\u00fcr die Sch\u00f6pfung Gottes!<br \/>\n&nbsp; &nbsp;<br \/>\nAls Pfarrerin denke ich an die B\u00e4uer*innen bzw. Landwirt*innen eher in der Zeit rund um Erntedank oder wenn es um Bewahrung der Sch\u00f6pfung und das Anlegen von Bl\u00fchstreifen geht oder wenn sie mir mit Treckerdemonstrationen den Weg vom B\u00fcro nach Hause versperren oder in der Erinnerung, als es in meiner ersten Pfarrstelle in der Wesermarsch um die Milchquote auf den verpachteten L\u00e4ndereien der Kirchengemeinde ging.<br \/>\n&nbsp; &nbsp;<br \/>\nIch habe selbst als Kind auf dem Land gelebt und habe viel Zeit auf Stoppelfeldern oder R\u00fcben\u00e4ckern verbracht, w\u00e4hrend meine Eltern beim Unkraut hacken oder Stroh einfahren geholfen haben. Ich habe mit den anderen Kindern Verstecken zwischen Strohballen gespielt und versucht, heimlich den Schweinestall zu durchqueren, ohne dass die Schweine aufgeschreckt einen ohrenbet\u00e4ubenden L\u00e4rm veranstalteten.<br \/>\nMein Bild von der Landwirtschaft ist also gepr\u00e4gt worden in der Zeit als Kind der 1960\/70er Jahre und als Pfarrerin in einer Landgemeinde noch einmal \u00fcberarbeitet worden in den 1990er Jahren. Ansonsten leben wir, die B\u00e4uer*innen und ich, zwar in derselben Welt, aber doch in ganz unterschiedlichen Hemisph\u00e4ren. Wobei ich ohne sie gar nicht leben k\u00f6nnte, sie ohne mich im Grunde aber schon. Ich denke nicht h\u00e4ufig an sie und wenn, meist unreflektiert kritisch, was sie zu Recht veranlasst, mir mit dem Trecker den Weg zu verstellen, um auf ihre Belange aufmerksam zu machen. Aber seit einiger Zeit spuken die B\u00e4uer*innen mir ganz ohne ihr Zutun immer h\u00e4ufiger im Kopf herum.<br \/>\n&nbsp; &nbsp;<br \/>\nDas liegt an Yuval Noah Harari und seiner kurzen Geschichte der Menschheit, die ich mit zahlreichen Unterbrechungen seit sieben Stunden h\u00f6re und noch weitere zehn Stunden beim Essenkochen, Unkraut j\u00e4ten oder auf langen Autofahrten als H\u00f6rbuch h\u00f6ren werde. Zum Inhalt des Buches in aller K\u00fcrze: Harari, Professor f\u00fcr Milit\u00e4r- und Weltgeschichte, beginnt Eine kurze Geschichte der Menschheit damit, wie der Homo sapiens sich gegen seine menschliche Konkurrenz behauptete und den Planeten eroberte. Und er schlie\u00dft mit der Perspektive darauf, wohin unsere Reise in Zeiten der Gentechnik f\u00fchren wird. Harari unterteilt die Geschichte der Menschheit dabei ein in vier Revolutionen. Die zweite Revolution ist die landwirtschaftliche Revolution, in der der Homo sapiens sesshaft wurde. In diesem Zusammenhang erl\u00e4utert Harari sehr anschaulich und unterhaltsam seine Theorie, dass letztlich nicht der Mensch den Weizen domestiziert hat, sondern dass der Mensch vom anspruchsvollen, empfindlichen, fordernden Weizen domestiziert wurde und unterdr\u00fcckt wird.<br \/>\n&nbsp; &nbsp;<br \/>\nDie modernen B\u00e4uer*innen als Sklav*innen ihres Produktes! Da ist sicher viel Wahres dran. Ich w\u00fcrde gern dar\u00fcber mit B\u00e4uer*innen ins Gespr\u00e4ch kommen, nicht zuletzt auf dem Hintergrund des Wortes aus dem 104. &nbsp; &nbsp;<br \/>\nPsalm:&nbsp;<br \/>\nEs wartet alles auf dich,&nbsp;<br \/>\ndass du ihnen Speise gebest zu deiner Zeit.<br \/>\nWenn du ihnen gibst, so sammeln sie;<br \/>\nWenn du deine Hand auftust,<br \/>\nso werden sie mit Gutem ges\u00e4ttigt.<br \/>\n&nbsp; &nbsp;<br \/>\nHier wird deutlich: Ein gutes Leben braucht eine Balance zwischen Selbstt\u00e4tigwerden und Geschehenlassen aus Gottvertrauen heraus. Eine gesunde Lebensgrundeinstellung nicht nur f\u00fcr die B\u00e4uer*innen, sondern f\u00fcr uns alle. Bleibt nur noch die Rolle des herrschs\u00fcchtigen Weizens zu kl\u00e4ren und wie man sich vom Joch seiner Unterdr\u00fcckung befreien kann im Sinne von: Wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem ges\u00e4ttigt.<br \/>\n&nbsp; &nbsp;<br \/>\n<em>Pfarrerin Kerstin Hochartz, Leiterin der Arbeitsstelle f\u00fcr Religionsp\u00e4dagogik<\/em><\/p>\n<p>Kirche-Oldenburg<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.kirche-oldenburg.de\/\/aktuell\/pressemitteilungen\/artikel\/wenn-du-deine-hand-auftust\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wenn du deine Hand auftust, &#8230;<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute, am ersten Juni ist der Weltbauerntag. 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