{"id":17788,"date":"2021-06-17T08:12:00","date_gmt":"2021-06-17T06:12:00","guid":{"rendered":"https:\/\/christusnews.de\/site\/sozialexperten-klagen-ueber-spaltung-der-gesellschaft-in-arm-und-reich\/"},"modified":"2021-06-18T11:18:17","modified_gmt":"2021-06-18T09:18:17","slug":"sozialexperten-klagen-ueber-spaltung-der-gesellschaft-in-arm-und-reich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/sozialexperten-klagen-ueber-spaltung-der-gesellschaft-in-arm-und-reich\/","title":{"rendered":"Sozialexperten klagen \u00fcber Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich"},"content":{"rendered":"<p>Die soziale Spaltung schreitet in Deutschland nach Ansicht von Experten voran. Sie fordern ein Umdenken: Es k\u00f6nne nicht richtig sein, dass in einer Krise reiche Menschen reicher, arme Menschen aber \u00e4rmer werden.<\/p>\n<p>\nHannover (epd). Namhafte Sozialexperten haben die zunehmende Spaltung der Gesellschaft zwischen Armen und Reichen beklagt. Der Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen, Hans-Joachim Lenke, sagte am Donnerstag in Hannover bei einem Online-Kongress: \u00abWir sehen eine Verfestigung von Armut.\u00bb Niedersachsens Ministerpr\u00e4sident Stephan Weil (SPD) beklagte zum Kongressauftakt eine \u00ab\u00dcber\u00f6konomisierung\u00bb in der Altenpflege. Corona habe gezeigt, dass das System \u00abauf Kante gen\u00e4ht\u00bb sei und schon unter normalen Bedingungen am Rande seiner M\u00f6glichkeiten operiere: \u00abIn Pandemie-Zeiten ist es \u00fcberfordert.\u00bb Der Kongress stand unter der \u00dcberschrift \u00abDer Sozialstaat von morgen. Das Soziale neu denken\u00bb.<\/p>\n<p>\nLenke zufolge haben sich die Verm\u00f6gen in den vergangenen Jahren sehr unterschiedlich entwickelt. Es sei \u00abunanst\u00e4ndig\u00bb, wenn die reichsten Menschen der Welt in Krisenzeiten innerhalb eines Jahres ihr Milliardenverm\u00f6gen verdoppelten. \u00abDer Markt an sich ist nicht ethisch\u00bb, mahnte Lenke. \u00abDie Maske ist ein Pfennig-Artikel. Als wir keine FFP2-Masken mehr hatten, kosteten sie pl\u00f6tzlich zehn Euro.\u00bb Das sei dann zwar marktgerecht, aber unethisch.<\/p>\n<p>\nDie nieders\u00e4chsische Sozialministerin Daniela Behrens (SPD) forderte ein strukturelles Umdenken. Fast jedes f\u00fcnfte Kind in Niedersachsen sei von Armut betroffen, obwohl das Land viel Geld in Hilfen investiere. \u00abDie Kinderarmut steigt. Die Hilfe kommt nicht da an, wo sie gebraucht wird\u00bb, r\u00e4umte die Ministerin ein. Sie sprach sich f\u00fcr eine Kindergrundsicherung aus, um die Entwicklung und F\u00f6rderung von Kindern finanziell abzusichern. Au\u00dferdem d\u00fcrfe nicht nur auf die individuellen Bed\u00fcrfnisse geschaut werden. Wichtig sei der Blick auf die Strukturen, die Kinder f\u00f6rdern k\u00f6nnten. Dazu z\u00e4hlten vor allem die Schulen und Lehrkr\u00e4fte. \u00abNur mehr Geld hilft nicht. Wir m\u00fcssen die bestehenden Strukturen hinterfragen.\u00bb<\/p>\n<p>\nAuch aus Sicht des K\u00f6lner Armutsforschers Christoph Butterwegge hat sich die Schere zwischen Arm und Reich w\u00e4hrend der Pandemie weiter ge\u00f6ffnet. \u00abDie Ungleichheit ist gewachsen. Die ganz Reichen sind noch reicher geworden.\u00bb Viele Gering- und Normalverdiener seien dagegen durch das Kurzarbeitergeld unter die Armutsgef\u00e4hrdungsgrenze gerutscht. \u00abWir brauchen eine Umverteilung von oben nach unten\u00bb, sagte Butterwegge. Er pl\u00e4dierte f\u00fcr eine solidarische B\u00fcrgerversicherung, in die alle einzahlen &#8211; auch Beamte, Abgeordnete oder auch Freiberufler.<\/p>\n<p>\nDie evangelische Regionalbisch\u00f6fin des Sprengels Hannovers, Petra Bahr, betonte die Bedeutung fairer Bildungschancen im Kampf gegen soziale Ungleichheit. Sie forderte eine neue schul- und bildungspolitische Debatte. Durch Lockdown und Homeschooling h\u00e4tten viele Kinder und Jugendliche den Anschluss verloren. Die Bildungsungerechtigkeit sei das Ergebnis eines \u00abschulpolitischen Desasters\u00bb und berge gro\u00dfen gesellschaftlichen Sprengstoff, sagte die Theologin, die auch dem Deutschen Ethikrat angeh\u00f6rt. N\u00f6tig sei ein Bildungssystem, in dem sich alle Kinder angenommen und gewollt f\u00fchlten, unabh\u00e4ngig von der Muttersprache oder vom Einkommen der Eltern.<\/p>\n<p>\nZu dem digitalen Sozialkongress mit rund 300 Teilnehmenden und mehr als 50 Referenten aus Gesellschaft, Wissenschaft und Politik hatten die Friedrich-Ebert-Stiftung und die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege in Niedersachsen eingeladen. Auf dem Programm standen Diskussionen zu den Themen Wohnen, Arbeit, Gesundheit, und Geschlechtergerechtigkeit, zu Armut und zum europ\u00e4ischen Vergleich der Sozialstaaten.<\/p>\n<p>Kirche-Oldenburg<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.kirche-oldenburg.de\/\/aktuell\/news-niedersachsen\/artikel\/sozialexperten-klagen-ueber-spaltung-der-gesellschaft-in-arm-und-reich\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sozialexperten klagen \u00fcber Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die soziale Spaltung schreitet in Deutschland nach Ansicht von Experten voran. Sie fordern ein Umdenken: Es k\u00f6nne nicht richtig sein, dass in einer Krise reiche Menschen reicher, arme Menschen aber \u00e4rmer werden. Hannover (epd). Namhafte Sozialexperten haben die zunehmende Spaltung der Gesellschaft zwischen Armen und Reichen beklagt. 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