{"id":1891,"date":"2015-04-27T10:56:00","date_gmt":"2015-04-27T08:56:00","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/geht-nicht-gilt-nicht-mit-dem-bremer-wilhelm-haase-bruns-geht-ein-pionier-der-integrativen-kita-erziehung-in-deutschland-in-den-ruhestand\/"},"modified":"2015-04-27T10:56:00","modified_gmt":"2015-04-27T08:56:00","slug":"geht-nicht-gilt-nicht-mit-dem-bremer-wilhelm-haase-bruns-geht-ein-pionier-der-integrativen-kita-erziehung-in-deutschland-in-den-ruhestand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/geht-nicht-gilt-nicht-mit-dem-bremer-wilhelm-haase-bruns-geht-ein-pionier-der-integrativen-kita-erziehung-in-deutschland-in-den-ruhestand\/","title":{"rendered":"\u00abGeht nicht gilt nicht\u00bb &#8211; Mit dem Bremer Wilhelm Haase-Bruns geht ein Pionier der integrativen Kita-Erziehung in Deutschland in den Ruhestand"},"content":{"rendered":"<p>Im Nachkriegsdeutschland konnte sich kaum jemand mehr vorstellen als eine satt-und-sauber-Versorgung f\u00fcr behinderte Kinder. Inklusions-Experten wie der Bremer Wilhelm Haase-Bruns wollten das nicht hinnehmen und starteten eine Revolution.<\/p>\n<p>Bremen (epd). Melek hat sie alle herausgefordert. Als das schwerst-mehrfachbehinderte dreij\u00e4hrige M\u00e4dchen Ende der 1980er in eine Bremer Kindertagesst\u00e4tte kommen sollte, fragten sich die P\u00e4dagogen: Wie soll das gehen? \u00abWir sa\u00dfen im Team zun\u00e4chst ratlos zusammen\u00bb, erinnert sich Wilhelm-Haase-Bruns, heute Referent f\u00fcr Inklusion der evangelischen Kindertageseinrichtungen in der Hansestadt. \u00abAber wir waren \u00fcberzeugt: Geht nicht gilt nicht\u00bb, erinnert sich der Mann, der dazu beitrug, dass Bremen als erstes Bundesland Sondereinrichtungen f\u00fcr behinderte Vorschulkinder schloss.<br \/>Nun geht er in den Ruhestand.<\/p>\n<p>1982 betrat die Bremische Evangelische Kirche mit dieser Arbeit bundesweit Neuland. \u00abWir wollten Kindertagesst\u00e4tten f\u00fcr alle\u00bb, erinnert sich der Erziehungswissenschaftler Georg Feuser, der das Projekt \u00fcber Jahre wissenschaftlich begleitet hat. \u00abSchlie\u00dflich sind alle Menschen empfindungsf\u00e4hige, verletzbare Individuen.\u00bb Behinderte Kinder sollten dort gef\u00f6rdert werden, wo sie wohnten. Eine Revolution &#8211; und bis heute Vorbild f\u00fcr L\u00e4nder, die ihre Kindertagesst\u00e4tten reformieren wollen. So sind P\u00e4dagogen beispielsweise aus China und Finnland nach Bremen gepilgert, um von Haase-Bruns und seinem Team zu lernen.<\/p>\n<p>Zugegeben, die Herausforderung war gro\u00df. \u00abWir lasen Meleks Krankengeschichte, und was dort beschrieben wurde, wirkte ziemlich be\u00e4ngstigend\u00bb, denkt Haase-Bruns zur\u00fcck, der sich nun 62-j\u00e4hrig in die passive Phase seiner Altersteilzeit verabschiedet.<br \/>Sauerstoffmangel unter der Geburt hatte das Hirn gesch\u00e4digt. Melek<br \/>(t\u00fcrkisch: \u00abEngel\u00bb) war querschnittsgel\u00e4hmt, sprach nicht, war wahrscheinlich blind und m\u00f6glicherweise taub. Ihr Stammhirn war beeintr\u00e4chtigt, was bedeutete, dass die Steuerung der K\u00f6rpertemperatur nicht richtig funktionierte. Die \u00c4rzte waren \u00fcberzeugt, dass sie bald sterben w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Sie galt als \u00abreiner Pflegefall\u00bb, nicht einmal die elementarsten Dinge k\u00f6nne sie selber tun, hie\u00df es. Wie w\u00fcrden andere Kinder auf sie reagieren, wie k\u00f6nnte es dennoch gelingen, Melek in der Kita gut zu f\u00f6rdern? Das waren die Fragen, die dem damaligen St\u00fctzp\u00e4dagogen Haase-Bruns durch den Kopf gingen. \u00abUnd dennoch waren wir \u00fcberzeugt, dass Melek Entwicklungspotenziale mitbrachte\u00bb, sagt er. \u00abEs lag an uns, Wege auszuloten und Melek auf ihrem Entwicklungsweg zu unterst\u00fctzen.\u00bb<\/p>\n<p>Wer, wenn nicht wir &#8211; mit dieser Einstellung machte sich das Team an die Aufgabe und bekam schnell heraus, dass sie gar nicht so hilflos waren, wie zun\u00e4chst bef\u00fcrchtet. Die St\u00fctzp\u00e4dagogen und auch die anderen Kinder entdeckten, dass man sich \u00fcber Ber\u00fchrungen mit Melek \u00abunterhalten\u00bb konnte. Einfache Situationen wurden mit festen Signalen verkn\u00fcpft. Melek begann, sich auf Ereignisse zu freuen, die durch bestimmte Signale angek\u00fcndigt wurden.<\/p>\n<p>\u00abDamals erkannten wir: Gemeinsamkeit macht stark, Unterschiedlichkeit macht schlau\u00bb, betont Haase-Bruns. Vielleicht war es auch seine mitrei\u00dfende Art, die manches Mal \u00fcber eine vermeintlich schwer zu l\u00f6sende Situation hinweghalf. Einen weiteren Schl\u00fcssel zum Erfolg inklusiver Arbeit sieht der passionierte Imker und engagierte Lokalpolitiker im Zusammenspiel unterschiedlicher Fachleute: \u00abEs geht kein Weg daran vorbei, entwicklungspsychologisches, heilp\u00e4dagogisches und therapeutisches Fachwissen vor Ort im Kita-Team zu integrieren.\u00bb<\/p>\n<p>Im Haushaltsnotlageland Bremen mussten Deutschlands Begr\u00fcnder der Kita-Integration auch massive K\u00fcrzungen hinnehmen. So wurde beispielsweise die w\u00f6chentliche F\u00f6rderzeit pro Kind reduziert. Ein R\u00fcckschritt f\u00fcr die P\u00e4dagogen. Doch der Ansatz, nach dem jedes behinderte Kind ohne Aussonderung in seinem Stadtteil gem\u00e4\u00df seiner individuellen Voraussetzungen gef\u00f6rdert werden soll, dieser Ansatz gilt noch immer.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr hat Haase-Bruns \u00fcber Jahrzehnte gek\u00e4mpft. Und damals wie heute ist er \u00fcberzeugt: \u00abEs gibt keine zweite Garnitur Gottes &#8211; Inklusion erweitert den Blick auf alle Menschen einer Gesellschaft.\u00bb Der Weg, den Melek genommen hat, best\u00e4tigt ihn und seine Mitstreiter. Das gilt auch mit Blick auf die dramatischen Prognosen der \u00c4rzte Ende der1980er Jahre. Denn: Melek lebt!<br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Nachkriegsdeutschland konnte sich kaum jemand mehr vorstellen als eine satt-und-sauber-Versorgung f\u00fcr behinderte Kinder. Inklusions-Experten wie der Bremer Wilhelm Haase-Bruns wollten das nicht hinnehmen und starteten eine Revolution. Bremen (epd). Melek hat sie alle herausgefordert. 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