{"id":19249,"date":"2021-11-05T12:18:01","date_gmt":"2021-11-05T11:18:01","guid":{"rendered":"https:\/\/christusnews.de\/site\/expertin-kirche-ist-noch-im-lernprozess-im-umgang-mit-missbrauch-staatsanwalt-wir-gehen-jedem-hinweis-nach\/"},"modified":"2021-11-06T10:17:25","modified_gmt":"2021-11-06T09:17:25","slug":"expertin-kirche-ist-noch-im-lernprozess-im-umgang-mit-missbrauch-staatsanwalt-wir-gehen-jedem-hinweis-nach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/expertin-kirche-ist-noch-im-lernprozess-im-umgang-mit-missbrauch-staatsanwalt-wir-gehen-jedem-hinweis-nach\/","title":{"rendered":"Expertin: Kirche ist noch im Lernprozess im Umgang mit Missbrauch &#8211;  Staatsanwalt: Wir gehen jedem Hinweis nach"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoPlainText\">Hannover (epd). Die Leiterin der Fachstelle Sexualisierte Gewalt in der hannoverschen Landeskirche, Karoline L\u00e4ger-Reinbold, sieht noch Verbesserungsbedarf im Umgang ihrer Kirche mit F\u00e4llen sexualisierter Gewalt: \u00abDas ist f\u00fcr uns ein Lernprozess, der noch lange nicht abgeschlossen ist\u00bb, sagte sie dem epd. Das betreffe in erster Linie den fr\u00fcheren Umgang mit den Betroffenen selbst. Anstatt ihnen empathisch zu begegnen, ihnen Glauben zu schenken und eine unterst\u00fctzende Haltung einzunehmen sei zum Teil versucht worden, ihnen eine Mitschuld f\u00fcr die Taten zu geben. \u00abDa sind in der Vergangenheit gro\u00dfe Fehler gemacht worden. Und auch wenn wir heute die Null-Toleranz-Linie klar vertreten und praktizieren, passieren auch heute leider noch Fehler in der Kommunikation, an denen wir arbeiten m\u00fcssen.\u00bb<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Die meisten Theologinnen und Theologen m\u00fcssten einen traumasensiblen Umgang mit den Betroffenen erst noch lernen, sagte die Pastorin. Die Expertise im Bereich Traumatisierung und Traumafolgest\u00f6rungen sei noch relativ neu. In der theologischen Ausbildung werde das erst seit einigen Jahren thematisiert.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Ein aktives Vertuschen habe es aus ihrer Sicht aber an den wenigsten Stellen gegeben, betonte L\u00e4ger-Reinbold. \u00abEs gibt bis heute stellenweise eine Unsicherheit, wie mit den Vorw\u00fcrfen umzugehen ist.\u00bb M\u00f6glicherweise gebe es bei Verantwortlichen auf der Ebene der Gemeinden und Kirchenkreise auch eine Ungl\u00e4ubigkeit mit Blick auf die T\u00e4ter und eine Blindheit f\u00fcr das, was an Taten m\u00f6glich sei. Manch einer habe sich von T\u00e4tern blenden lassen. \u00abDa m\u00fcssen wir sensibler und aufmerksamer werden auch f\u00fcr solche T\u00e4terstrategien.\u00bb<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Nat\u00fcrlich m\u00fcssten leitende Theologinnen und Theologen ihr Team auch vor falschen Vorw\u00fcrfen sch\u00fctzen. Dennoch sei es wichtig, Betroffenen und ihren Vorw\u00fcrfen zun\u00e4chst einmal Glauben zu schenken.&nbsp;Es d\u00fcrfe nicht dazu kommen, \u00abdass im Zweifelsfall ein T\u00e4ter gesch\u00fctzt wird\u00bb. Das erfordere \u00abeine bessere Sensibilit\u00e4t, als es sie bisher gegeben hat\u00bb.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">L\u00e4ger-Reinbold erinnerte an die Frau, die ihren Fall Anfang Oktober unter dem Pseudonym Lisa Meyer bekannt gemacht hatte. Sie war in den 1970er Jahren als Elfj\u00e4hrige von einem angehenden Diakon in der K\u00f6nig-Christus-Gemeinde in Oesede bei Osnabr\u00fcck schwer sexuell missbraucht worden. Als sie sich w\u00e4hrend einer Freizeit an eine Betreuerin gewandt hatte, hatte diese sie der L\u00fcge bezichtigt und ihr \u00c4rger angedroht, sollte sie die Vorw\u00fcrfe wiederholen. Aufgrund der gewachsenen Aufmerksamkeit in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sei solches Verhalten kirchlicher Mitarbeiterinnen heute kaum mehr vorstellbar.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Lisa Meyer hatte der Kirche auch im sp\u00e4teren Umgang mit ihrem Fall Vertuschung vorgeworfen. Sie beklagte, dass 2010, als sie sich das erste Mal an die Kirche gewandt habe, die Kirchengemeinde nicht unterrichtet worden sei, obwohl der T\u00e4ter noch gelebt habe. Der war&nbsp;2018 gestorben. Der Jusitziar der Landeskirche, Rainer Mainusch hatte das damit begr\u00fcndet, dass der damalige Diakon bereits aus dem kirchlichen Dienst entlassen und die Taten strafrechtlich verj\u00e4hrt gewesen seien. Auch der Staatsanwaltschaft war der Fall damals nicht gemeldet worden.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Der Osnabr\u00fccker Oberstaatsanwalt Alexander Rethemeyer sagte dem epd, seine Beh\u00f6rde bearbeite jeden Fall, den ihr die Kirchen auf den Tisch legten, unabh\u00e4ngig davon, wie lange er zur\u00fcckliege und ob er offenkundig verj\u00e4hrt sei. Wenn der T\u00e4ter noch lebe, k\u00f6nnten sich weitere Verdachtsmomente ergeben f\u00fcr Taten, die noch nicht verj\u00e4hrt seien. \u00abUnsere Spezialabteilung f\u00fcr sexuellen Missbrauch in Institutionen verfolgt alle F\u00e4lle mit gro\u00dfem Aufwand, selbst dann, wenn der T\u00e4ter nicht mehr lebt.\u00bb Es sei aber letztlich die Entscheidung der Kirchen, wie sie verfahren.<\/p>\n<p>Kirche-Oldenburg<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.kirche-oldenburg.de\/\/aktuell\/news-niedersachsen\/artikel\/expertin-kirche-ist-noch-im-lernprozess-im-umgang-mit-missbrauch-staatsanwalt-wir-gehen-jedem-hinweis-nach\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Expertin: Kirche ist noch im Lernprozess im Umgang mit Missbrauch &#8211;  Staatsanwalt: Wir gehen jedem Hinweis nach<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hannover (epd). 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