{"id":19319,"date":"2021-11-15T09:43:00","date_gmt":"2021-11-15T08:43:00","guid":{"rendered":"https:\/\/christusnews.de\/site\/es-ist-beruehrend-was-einem-die-menschen-erzaehlen-die-bahnhofsmission-ist-fuer-viele-menschen-ein-anker\/"},"modified":"2021-11-16T10:17:42","modified_gmt":"2021-11-16T09:17:42","slug":"es-ist-beruehrend-was-einem-die-menschen-erzaehlen-die-bahnhofsmission-ist-fuer-viele-menschen-ein-anker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/es-ist-beruehrend-was-einem-die-menschen-erzaehlen-die-bahnhofsmission-ist-fuer-viele-menschen-ein-anker\/","title":{"rendered":"\u00abEs ist ber\u00fchrend, was einem die Menschen erz\u00e4hlen\u00bb &#8211; Die Bahnhofsmission ist f\u00fcr viele Menschen ein Anker"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoPlainText\">Hannover (epd). Sie kennt das schon: Martina Nesteroks Zug kommt diesmal auf Gleis 10 statt auf Gleis 11 an. \u00abIm Moment f\u00e4hrt mein Zug jeden Tag woanders. Wenn ich die Bahnhofsmission nicht h\u00e4tte, w\u00fcrde ich den nie erreichen.\u00bb Die 61-J\u00e4hrige ist blind. Sie pendelt aus Bielefeld zu ihrem Arbeitsplatz nach Hannover. An Gleis 10 wartet schon Kirsten Heinrich. Sie arbeitet seit elf Jahren ehrenamtlich bei der Bahnhofsmission. Als sie die \u00abStammkundin\u00bb erblickt, geht sie schnellen Schrittes auf sie zu, hakt sie unter und geleitet sie sicher \u00fcber den Bahnsteig.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Martina Nesterok ist dankbar f\u00fcr diese Unterst\u00fctzung im&nbsp;Bahnhofs-Gewusel: \u00abManchmal laufen dir Leute \u00fcber den Blindenstock, weil sie aufs Handy gucken.\u00bb 2,2 Millionen Menschen nehmen die Hilfe der Bahnhofsmission bundesweit j\u00e4hrlich in Anspruch. Darunter sind viele \u00e4ltere Menschen, die sich an gro\u00dfen Bahnh\u00f6fen nicht zurechtfinden oder f\u00fcrchten, ihren Anschlusszug nicht zu erreichen.&nbsp;\u00abIn Notf\u00e4llen d\u00fcrfen wir sogar die Versorgungswege der Bahn benutzen\u00bb, sagt Kirsten Heinrich. Dann m\u00fcsse man sich nicht durch den halben Bahnhof und die Menschenmengen k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Wer Unterst\u00fctzung ben\u00f6tigt, kann sich vorher telefonisch oder per E-Mail melden. Die Mitarbeiter k\u00f6nnen am Computer aktuelle Versp\u00e4tungen und Gleis\u00e4nderungen einsehen. Dabei arbeiten sie eng mit der Bahn zusammen, die Reisenden ebenfalls behilflich ist. \u00abDie Bahn ist zum Beispiel f\u00fcr Rollstuhlfahrer zust\u00e4ndig\u00bb, erl\u00e4utert Kirsten Heinrich. Die Mitarbeiter h\u00e4tten f\u00fcr solche Zwecke eine Rampe und w\u00fcssten, wie man Menschen mit Rollstuhl in den Zug schiebt. \u00abDaf\u00fcr begleitet die Bahn keine Reisenden bei Umsteigezeiten unter 15 Minuten. Darum k\u00fcmmern wir uns dann.\u00bb<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">In den R\u00e4umen der \u00d6kumenischen Bahnhofsmission unterhalb von Gleis&nbsp;14 am Nordwest-Ausgang ist zurzeit wenig Betrieb &#8211; wegen Corona.&nbsp;\u00abSonst w\u00e4re die Bude bei dem nasskalten Wetter voll\u00bb, sagt Heinrich.&nbsp;Aktuell h\u00e4lt sie mit ihrer Kollegin Erika Schulze und einem hauptamtlichen Mitarbeiter allein die Stellung. Vor Corona konnten sich hier Menschen, die den Zug verpasst hatten, oder auch Obdachlose bei einem Tee oder Kaffee aufw\u00e4rmen. \u00abNiemand musste uns seinen Namen sagen oder sich ausweisen\u00bb, sagt Erika Schulze. \u00abEs sollte bewusst niedrigschwellig sein.\u00bb<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">In Zeiten der Pandemie, wo \u00fcberall die Personendaten erhoben werden m\u00fcssen, sei das so nicht mehr m\u00f6glich, was beide bedauern. \u00abF\u00fcr manche Menschen sind wir ein Anker, wir konnten die Uhr danach stellen, wann sie kommen.\u00bb Mit Sorge schauen die Mitarbeiterinnen deshalb auf den bevorstehenden Winter. Warme Kleidung oder M\u00fctzen f\u00fcr Bed\u00fcrftige m\u00fcssen sie jetzt vor der T\u00fcr ausgeben. Die Stadt Hannover will f\u00fcr Entlastung sorgen und Wohnungslosen erm\u00f6glichen, sich bei Minusgraden auch tags\u00fcber in den Notschlafstellen aufzuhalten.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">W\u00e4hrend des Lockdowns war die Bahnhofsmission nur mit hauptamtlichen Kr\u00e4ften besetzt, die 30 Ehrenamtlichen wurden nicht zu den \u00fcblichen Schichten eingeteilt. Kirsten Heinrich wollte in dieser Zeit nicht tatenlos bleiben und engagierte sich zus\u00e4tzlich bei den Johannitern, die mit ihren K\u00e4ltebussen an mehreren Punkten in Hannovers Innenstadt Station machen und Obdachlose mit Essen, warmem Tee, trockener Kleidung und Decken versorgen. Im \u00abnormalen\u00bb Leben arbeitet Heinrich als freiberufliche Gesundheitstrainerin.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Was hat sie zur Bahnhofsmission verschlagen? Jedenfalls nicht der Begriff \u00abMission\u00bb, da ist sie sich mit Erika Schulze einig. Gleich zweimal hatte Kirsten Heinrich in ihrer Kindheit und Jugend schlechte Erfahrungen mit evangelischen Pastoren gemacht, erst im Konfirmandenunterricht, sp\u00e4ter in der Berufsschule. \u00abDer eine hielt sich f\u00fcr g\u00f6ttlicher als Gott\u00bb, sagt die 69-J\u00e4hrige, die auf einem Bauernhof in Schleswig-Holstein aufwuchs. Sie trat aus der Kirche aus. \u00abIch bin praktisch evangelisch und lebe den christlichen Glauben. Aber ich habe bis heute keine Veranlassung gesehen, wieder einzutreten.\u00bb Ihre Kirchensteuer arbeite sie quasi ab, sagt sie.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Die ebenfalls 69-j\u00e4hrige Erika Schulze ist katholisch und arbeitet seit 15 Jahren ehrenamtlich bei der Bahnhofsmission. \u00abIch war viele Jahre kirchenfern, weil mir das alles zu altmodisch war.\u00bb Dass sie im Ruhestand wieder \u00abwas mit Kirche\u00bb macht, war ihr dennoch wichtig. \u00abNach fast 42 Jahren als Lehrerin wollte ich nicht von 110 Prozent auf Null gehen\u00bb, sagt die Hannoveranerin.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Beide Frauen k\u00fcmmern sich daher gern um Reisende, Hilf- und Obdachlose und klappern kurz vor Feierabend mit einem Kofferkuli die B\u00e4ckereien im Hauptbahnhof ab, um nicht verkaufte Br\u00f6tchen und andere Lebensmittelspenden einzusammeln, die dann \u00fcber diakonische Einrichtungen wie den Kontaktladen \u00abMecki\u00bb verteilt werden. Nach wie vor mag Kirsten Heinrich den Abwechslungsreichtum an der Arbeit, gerade am Bahnsteig: \u00abEs ist erstaunlich, was die Menschen einem alles in ein paar Minuten erz\u00e4hlen. Das ist manchmal sehr ber\u00fchrend.\u00bb<\/p>\n<p>Kirche-Oldenburg<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.kirche-oldenburg.de\/\/aktuell\/news-niedersachsen\/artikel\/es-ist-beruehrend-was-einem-die-menschen-erzaehlen-die-bahnhofsmission-ist-fuer-viele-menschen-ein-anker\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00abEs ist ber\u00fchrend, was einem die Menschen erz\u00e4hlen\u00bb &#8211; Die Bahnhofsmission ist f\u00fcr viele Menschen ein Anker<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hannover (epd). Sie kennt das schon: Martina Nesteroks Zug kommt diesmal auf Gleis 10 statt auf Gleis 11 an. \u00abIm Moment f\u00e4hrt mein Zug jeden Tag woanders. Wenn ich die Bahnhofsmission nicht h\u00e4tte, w\u00fcrde ich den nie erreichen.\u00bb Die 61-J\u00e4hrige ist blind. 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