{"id":1935,"date":"2015-05-06T16:01:24","date_gmt":"2015-05-06T14:01:24","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/?p=1935"},"modified":"2015-05-06T16:03:22","modified_gmt":"2015-05-06T14:03:22","slug":"70-jahre-befreiung-von-wilhelmshaven","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/70-jahre-befreiung-von-wilhelmshaven\/","title":{"rendered":"70 Jahre Befreiung von Wilhelmshaven"},"content":{"rendered":"<p>Heute vor 70 Jahren wurde die Stadt Wilhelmshaven befreit. Polnischen und britischen Truppen wurde die Stadt \u00fcbergeben. B\u00fcrger und B\u00fcrgerinnen legten deswegen heute Rosen an den Gr\u00e4bern der deutschen Bombenopfer nieder. Oberb\u00fcrgermeister Andreas Wagner und Pastor Frank Morgenstern hielten die zwei Gedenkreden. Hier k\u00f6nnen Sie die Worte von Frank Morgenstern nachlesen:<\/p>\n<p><em><strong>Ansprache Morgenstern am 6. Mai 2015, 11.00 h, Friedhof Aldenburg<\/strong><\/em><br \/>\n<em><strong>70 Jahre Ende des Zweiten Weltkriegs in Wilhelmshaven<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Sehr geehrte ERINNERNDE,<br \/>\nZuerst einmal unsere tiefe Dankbarkeit an die polnischen und britischen Truppen, die am 6. Mai die Stadt bei Cafe Hillmers \u00fcbernahmen und denen sie \u00fcbergeben wurde. Auch wenn sie heute nicht da sind.<\/p>\n<p>Auch wenn es vielleicht keiner h\u00f6rt: danke f\u00fcr all die Opfer, die sie gebracht haben auf dem Weg. Danke f\u00fcr die Rettung Deutschlands. Ohne diese Truppen und all die anderen Armeen w\u00e4re Deutschland heute nicht das, was Deutschland ist.<\/p>\n<p>Sie haben uns davor bewahrt in einem Staat geboren zu werden, in dem es die Freiheit der Meinung, die Freiheit der Religion, die Freiheit der Orientierung nicht gegeben h\u00e4tte. F\u00fcr mich als Pastor ist das klar. Uns h\u00e4tte es nicht mehr gegeben. Wer einen Pastor wie Ludwig M\u00fcller als Vorg\u00e4nger hat, der darf das sagen. Denn dieser Ludwig M\u00fcller k\u00e4mpfte als Reichsbischof Hitlers daf\u00fcr, dass Arierparagraphen und nationalsozialistische Gedanken ihren Raum bekamen in der Kirche.<br \/>\nDie endg\u00fcltige Kapitulation der Deutschen Wehrmacht zum 8 Mai war dann die Rettung der Menschen in den Straflagern und in den KZs. Es war die gl\u00fcckliche F\u00fcgung des Schicksals, dass die Befreiten noch \u00fcberlebten und nicht wenige Tage vorher noch umgebracht wurden, wie so viele auf den Todesm\u00e4rschen.<br \/>\nUnd der 8. Mai war die Rettung der Menschen, die nachgeboren wurden.<br \/>\nOhne Wenn und Aber: das Ende des Krieges war die Befreiung vom Nazi Regime.<\/p>\n<p>Wir stehen hier an den Gr\u00e4bern von 500 M\u00e4nnern, Frauen und Kindern.<br \/>\n500 Menschen zu viel und die Familien die davon betroffen sind, tragen die Geschichte immer noch mit sich.<br \/>\nSo ist jeder Gedenktag immer ein Erinnern an den Einzelnen. Um den einen wird getrauert. Noch letzten Monat erz\u00e4hlte mir eine alte Frau, wen sie alles aus ihrer Familie bei dem einen gro\u00dfen Angriff verloren hatte und dass jetzt als alte Frau die Erinnerungen umso mehr hervork\u00e4men. Jeder gewaltsame Tod ist zu viel.<\/p>\n<p>500 Tote bei 100 Angriffen auf die Stadt, wie wenig ist das dann doch wieder, verglichen mit den Tausenden, die in Wielun, Rotterdam, Coventry, Hamburg oder Dresden im &#8220;Feuersturm&#8221; starben.<\/p>\n<p>Die immer noch existierenden endlosen Bunker in unserer Stadt boten Schutz, erz\u00e4hlen aber auch von der Gewalt alleine hier in der Stadt. Virchowstra\u00dfe, Rheinstra\u00dfe, Ebertstra\u00dfe, M\u00fchlenweg, Hamburger Stra\u00dfe, Banter See, die Bunker sind immer noch Legion. &#8230;&#8230;.. Sie erz\u00e4hlen davon, was und wie man vorgebeugt hatte, und was man alles erwartet hatte.<\/p>\n<p>Das Gedenken kann sich immer nur am Einzelnen festmachen, aber es ist wichtig, die unfassbaren Zahlen zu nennen, um sich zu vergegenw\u00e4rtig war, wie gro\u00df die Gesellschaft der Einzelnen und ihrer Nachgeborenen war und ist, die der Krieg ver\u00e4nderte und bis heute pr\u00e4gt.<br \/>\nIn dem Land, in unserem Land, von dem der Krieg ausging haben allein 1.1. Millionen Zivilisten diesen Tod erlitten wie die 500 hier. Zus\u00e4tzlich 5.1 Millionen Soldaten. Das sind unglaubliche Zahlen.<\/p>\n<p>Noch unglaublicher sind die Zahlen zum Beispiel auf anderen Seiten und das ist immer wieder vergessen worden: zum Beispiel die auf russischer Seite.<\/p>\n<p>In der Monatszeitung Chrismon sind in diesen Tagen Veteranen der sowjetischen Armee vorgestellt worden und der Redakteur schreibt im Teaser. EIN WUNDER, dass sie \u2013 die Veteranen &#8211; heute mit uns reden. \u201eDie Rote Armee hat die Hauptlast des Krieges gegen Nazi Deutschland getragen. Dieser Sieg, sagen Historiker, war eine welthistorische Leistung. Zu einem entsetzlichen Preis: Fast 27 Millionen B\u00fcrger und B\u00fcrgerinnen der Sowjetunion verloren w\u00e4hrend Krieg und Besatzungsterror ihr Leben \u2013 11,4 Millionen Soldaten und 15,2 Millionen Zivilisten.\u201c Einer der Veteranen wird zitiert: ich hatte so eine tierische Wut, als ich sah, was die Deutschen mit der friedlichen Landbev\u00f6lkerung gemacht hatten, dass ich alles zerst\u00f6ren wollte und vernichten wollten was mir in Deutschland vor die Augen gekommen war. Er hat es nicht bis Deutschland geschafft. Aber mit welcher Wut sind so viele hier angekommen und wie viel Gl\u00fcck und Gnade haben wir als deutsches Volk nach diesem schrecklichen Krieg gehabt und erlebt.<\/p>\n<p>Die, die Rache, die Wut getroffen hat nach dem Krieg werden dies nicht so sagen. Der Einzelne hat immer sich im Blick. Das einzelne Leid. Aber dennoch:<\/p>\n<p>Wir haben Gnade erlebt und sind gn\u00e4dig behandelt worden. Gnade sagen die Theologen ist etwas, das einem nicht zusteht, das man aber einfach so geschenkt bekommt. Wir haben Gnade erlebt und sind besch\u00fctzt worden \u00fcber 70 Jahre.<\/p>\n<p>Auf dem Ehrenfriedhof (gleich nebenan) liegen etwa 100 russische Kriegsgefangene, umgebracht durch Schl\u00e4ge, Hunger und Krankheit. Kein Stein erinnert sich an sie. Und eigentlich auch kein Mensch \u00fcber lange Zeit. Seit einiger Zeit sind die Namen bekannt, wahrscheinlich schon lange. Aber um sie ist es lange Jahrzehnte TOTENSTILL gewesen. Nun braucht es einen Stein.<br \/>\nEin guter Tag heute um daran zu erinnern.<br \/>\nDank an die Retter.<br \/>\nDank an die Befreier.<br \/>\nEin Stein als Erinnerung an die, die umgebracht wurden. Ein Stein vielleicht auf dem Friedhof, vielleicht bei uns in der Kirche, in der an so viele Menschen gedacht wird, die im Krieg starben. Warum nicht auch an diese?<\/p>\n<p>Danke, dass Sie mir zugeh\u00f6rt haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute vor 70 Jahren wurde die Stadt Wilhelmshaven befreit. Polnischen und britischen Truppen wurde die Stadt \u00fcbergeben. B\u00fcrger und B\u00fcrgerinnen legten deswegen heute Rosen an den Gr\u00e4bern der deutschen Bombenopfer nieder. Oberb\u00fcrgermeister Andreas Wagner und Pastor Frank Morgenstern hielten die zwei Gedenkreden. Hier k\u00f6nnen Sie die Worte von Frank Morgenstern nachlesen: Ansprache Morgenstern am 6. 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