{"id":1962,"date":"2015-05-08T18:51:00","date_gmt":"2015-05-08T16:51:00","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/lutheraner-in-russland-eine-neue-alte-kirche\/"},"modified":"2015-05-08T18:51:00","modified_gmt":"2015-05-08T16:51:00","slug":"lutheraner-in-russland-eine-neue-alte-kirche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/lutheraner-in-russland-eine-neue-alte-kirche\/","title":{"rendered":"\u201eLutheraner in Russland \u2013 eine neue alte Kirche\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Die Hauptgruppe Oldenburg des Gustav-Adolf-Werks e.V. (GAW), dem Diasporawerk der Evangelischen Kirche in Deutschland, wird am 10. Mai 171 Jahre alt. Das Hilfswerk hat es sich zum Ziel gesetzt, kleine evangelische Gemeinden, die \u00fcberwiegend als religi\u00f6se Minderheiten in ihrem regionalen Kontext leben, zu unterst\u00fctzen. So werden j\u00e4hrlich Projekte in einem bestimmten Land mit Kollekten und Spenden gef\u00f6rdert \u2013 in diesem Jahr ist es Russland. <\/p>\n<p>Zum Jahresfest der Hauptgruppe Oldenburg des GAW am Sonntag, 10. Mai, in der Friedenskirche der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Garrel ist Dr. Elena Bondarenko zu Gast, Pr\u00f6pstin der zentralen Propstei Moskau und Frauenbeauftragte der Evangelisch-Lutherischen Kirche Russlands. Sie h\u00e4lt die Festpredigt im Gottesdienst und danach einen Vortrag zum Thema \u201eLutheraner in Russland \u2013 eine neue alte Kirche\u201c.<\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\"><span style=\"font-weight: bold\">Antje Wilken hat sich mit Pr\u00f6pstin Dr. Elena Bondarenko getroffen und mit ihr \u00fcber die Situation lutherischer Christinnen und Christen in Russland gesprochen:<br \/><\/span><\/span><br \/><span style=\"font-style: italic\">Frau Bondarenko, wie stellt sich zurzeit die Situation der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland dar?<br \/><\/span><br \/>Mit dem neuen Erzbischof Dietrich Brauer ist vieles anders geworden. Er ist der j\u00fcngste und auch erste einheimische Bischof einer lutherischen Kirche in Russland. Er sagt, dass unsere Kirche offen sein und ihren eigenen Platz in der russischen Gesellschaft einnehmen soll. Zum ersten Mal haben wir nun Kontakte zur orthodoxen Kirche gekn\u00fcpft, gute, stabile Kontakte. Auch gesellschaftlich ist die Situation nicht so schwierig, wie sie schon gewesen ist. Ein gro\u00dfes Problem ist es allerdings, unseren Besitz zur\u00fcckzubekommen \u2013 aller Besitz der Kirchen wurde 1917 nationalisiert. Doch jetzt, nach der sogenannten Wiedergeburt der Kirchen Anfang der 1990er Jahre, hat sich vielfach noch nichts getan. Aber wo sollen sich die Gemeinden versammeln, und wo sollen wir unsere Projekte entwickeln? Im Wolga-Gebiet hat es geklappt, dort haben die Gemeinden ihre Kirchen als Besitz zur\u00fcckbekommen. Deshalb sind die Gemeinden dort auch sehr stabil. Zudem gibt es gute Beziehungen zur Ortsverwaltung. <\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\">Wie kommen solche Beziehungen zustande?<br \/><\/span><br \/>Der Gouverneur einer dortigen Region kommt zum Beispiel zu den lutherischen Gottesdiensten, das ist sehr ungew\u00f6hnlich. Er ist orthodoxen Glaubens, aber er findet, es sei seine Pflicht, alle seine B\u00fcrger zu besuchen. Die Pr\u00f6pstin Olga Temirbulatowa aus Samara hat viel f\u00fcr die Verst\u00e4ndigung getan und arbeitet bei zwei diakonischen Projekten mit der orthodoxen Kirche zusammen, bei denen uns auch das GAW unterst\u00fctzt. Einmal geht es dabei um Seelsorge f\u00fcr HIV-Patienten in Krankenh\u00e4usern, zum zweiten um warme Mittagessen f\u00fcr Obdachlose. <\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\">War es schwer, Beziehungen zur russisch-orthodoxen Kirche aufzunehmen?<br \/><\/span><br \/>Zuerst hat uns die russisch-orthodoxe Kirche einfach nicht gekannt. Zu einer Konferenz, organisiert von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vor zwei Jahren in Rostov am Don, wurde auch ein Vertreter der orthodoxen Kirche eingeladen, der Metropolit Hilarion, Leiter des Au\u00dfenamtes des Moskauer Patriarchats. Er hat dort unseren Bischof kennengelernt und zum ersten Mal einen Lutheraner aus Russland getroffen, einen lutherischen Bischof, der in Russland geboren ist und in Russland ins Amt eingef\u00fchrt wurde. Das hatte er nicht erwartet und vorher auch nicht wahrgenommen. Der Metropolit ist ein gro\u00dfer Musikliebhaber und mag besonders Johann Sebastian Bach. Wir haben ihn dann am Karfreitag 2013 zu einer Auff\u00fchrung von Bachs Matth\u00e4us-Passion eingeladen. Er ist gekommen und hat sogar eine Rede von unserer Kanzel gehalten und gesagt, dass die evangelisch-lutherische Kirche in Russland ein wichtiger Partner der orthodoxen Kirche sei. Seit dieser Zeit werden wir auch in alle \u00f6kumenischen Konferenzen eingeladen, was fr\u00fcher nicht der Fall war. Das ist eine interessante neue Entwicklung in der orthodoxen Kirche, in ihrer Au\u00dfenpolitik, die jetzt andere Akzente setzen will. <\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\">Wie hat sich die Situation der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland \u00fcber die Zeit entwickelt?<br \/><\/span><br \/>Ich erw\u00e4hne in meinem Vortrag \u201eLutheraner in Russland \u2013 eine neue alte Kirche\u201c eine Statistik: Um 1920 gab es demnach noch ungef\u00e4hr 80 evangelisch-lutherische Pastoren, 1937 gab es keine mehr. Sie wurden umgebracht. Nur wenige versuchten, auszureisen. Die meisten wurden vor ihren Kirchen erschossen. Jetzt werden wieder russische evangelisch-lutherische Theologen in Russland ausgebildet nach einer Zeit, in der sie lange immer aus Deutschland kamen. Zurzeit gibt es in ganz Russland ungef\u00e4hr 150 Pastoren, die meisten russischst\u00e4mmig, davon sind 15 Frauen. Wir haben jetzt nur noch in St. Petersburg einen deutschen Propst von der EKD sowie in Wladiwostok im russischen Fernen Osten. Die Anzahl der Pastoren ist allerdings ein Problem. Die deutschen Pastoren gehen vermehrt in Rente oder sind schon in Rente und wieder nach Deutschland zur\u00fcckgekehrt. Die russischen Pastoren wurden am theologischen Seminar in St. Petersburg ausgebildet, aber vor wenigen Jahren hat man das Vollzeitprogramm dort gestoppt, und es gibt nur noch Fernstudenten. Es entstehen jedoch \u00fcberall freie Stellen, und wir brauche mobile junge Leute, die in diese Gemeinden ziehen und dort wohnen und arbeiten. <\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\">Das hei\u00dft, es fehlen Pastoren?<\/span><br \/>\n<span style=\"font-style: italic\"><br \/><\/span>Zurzeit haben wir wirklich einen akuten Mangel, besonders im europ\u00e4ischen Russland. Wir haben viele Gemeinden ohne Pastoren. Im Moment ist es fast leichter, eine Stelle zu finanzieren, als einen Pastor zu finden. Es gibt allerdings eine Migration innerhalb Russlands von Osten nach Westen. Von den Lutheranern, die fr\u00fcher nach Osten deportiert wurden, sind viele schon ausgereist, auch nach Deutschland, aber jetzt kommen die restlichen dieser Lutheraner zu uns. Es ist au\u00dferdem eine gro\u00dfe Freude f\u00fcr uns, dass wir in diesem Jahr viele Konfirmanden in Moskau haben: Sechzehn Erwachsene und neun Kinder \u2013 zum ersten Mal nach der Sowjetzeit haben wir eine Gruppe Kinderkonfirmanden. Sie werden zu einem Austausch nach Dresden fahren, um dort das Kirchenleben kennenzulernen und im Herbst kommt eine Gruppe aus Dresden nach Moskau. Ohne Unterst\u00fctzung der EKD und des GAW w\u00e4ren solche Projekte und die Entwicklung der Kirche allerdings unm\u00f6glich gewesen.<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\">Jahresfest der Hauptgruppe Oldenburg des GAW in der Friedenskirche in Garrel<\/span><br \/>Am Sonntag, 10. Mai 2015, findet das Jahresfest der Hauptgruppe Oldenburg des Gustav-Adolf-Werks e.V. auf Einladung der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Garrel in der Friedenskirche in Garrel statt. Die Festpredigt im Gottesdienst h\u00e4lt Dr. Elena Bondarenko, Pr\u00f6pstin der zentralen Propstei Moskau und Frauenbeauftragte der Evangelisch-Lutherischen Kirche Russlands. <\/p>\n<p>Elena Bondarenko (39) stammt aus Samara im Wolga-Gebiet im europ\u00e4ischen Teil Russlands. Sie studierte Englisch und Deutsch und promovierte in Anglistik. Nach dem Abschluss studierte sie als Fernstudentin am theologischen Seminar in St. Petersburg und absolvierte ihr Vikariat in St. Petersburg. 2011 wurde sie zur Pr\u00f6pstin und Referentin f\u00fcr Au\u00dfenkontakte der Evangelisch-Lutherischen Kirche Russlands in Moskau ernannt. Sie ist zudem Frauenbeauftragte der Evangelisch-Lutherischen Kirche Russlands.<\/p>\n<p>Das Gustav-Adolf-Werk ist das Diasporawerk der Evangelischen Kirche in Deutschland. Es wurde im Jahre 1832 in Leipzig gegr\u00fcndet, in Gedenken an den Tod von K\u00f6nig Gustav Adolf II. von Schweden. Dieser war 200 Jahre zuvor im Kampf f\u00fcr die evangelische Sache im 30-j\u00e4hrigen Krieg in L\u00fctzen bei Leipzig gefallen und wurde darum Namenspatron des Werkes. <\/p>\n<p>Zw\u00f6lf Jahre sp\u00e4ter, 1844, wurde auch in Oldenburg ein Zweigverein gegr\u00fcndet. Das Gustav-Adolf-Werk unterst\u00fctzt die kleinen evangelischen Kirchen und Gemeinden in Europa und Lateinamerika, die in einer \u00fcberwiegend in Minderheitensituationen \u2013 in andersgl\u00e4ubiger Umgebung \u2013 leben. <\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold\"><span style=\"font-style: italic\">Weitere Informationen finden Sie unter: www.gaw-oldenburg.de sowie www.gustav-adolf-werk.de&nbsp; <br \/><\/span><\/span><br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Hauptgruppe Oldenburg des Gustav-Adolf-Werks e.V. 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