{"id":19754,"date":"2021-12-29T01:33:00","date_gmt":"2021-12-29T00:33:00","guid":{"rendered":"https:\/\/christusnews.de\/site\/hier-stirbt-niemand-allein-wie-hospize-trotz-corona-raum-fuer-naehe-und-abschied-bewahren\/"},"modified":"2021-12-30T10:17:58","modified_gmt":"2021-12-30T09:17:58","slug":"hier-stirbt-niemand-allein-wie-hospize-trotz-corona-raum-fuer-naehe-und-abschied-bewahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/hier-stirbt-niemand-allein-wie-hospize-trotz-corona-raum-fuer-naehe-und-abschied-bewahren\/","title":{"rendered":"\u00abHier stirbt niemand allein\u00bb &#8211; Wie Hospize trotz Corona Raum f\u00fcr N\u00e4he und Abschied bewahren"},"content":{"rendered":"<p><em>Ein Beitrag von J\u00f6rg Nielsen (epd).<\/em><\/p>\n<p>In Corona-Zeiten ist das Abschiednehmen von sterbenden Menschen schwer geworden. Was in den Hospizen noch geht, ist andernorts kaum noch m\u00f6glich. Experten warnen schon vor einem Verlust der Trauerkultur.<\/p>\n<p>Falkenburg\/Kr. Oldenburg (epd). In der gro\u00dfen und hellen Wohnk\u00fcche duftet es nach frischem Kaffee. Einige Gedecke auf dem weihnachtlich geschm\u00fcckten Tisch sind an diesem Morgen noch unber\u00fchrt. Zwei Hunde schnuppern hier und da und genie\u00dfen es, von allen Anwesenden zumindest kurz gestreichelt zu werden. Unter den Anwesenden herrscht beste Stimmung. \u00abSo sieht es morgens aus in unserem Hospiz. Hier wird gelacht &#8211; aber auch geweint und Abschied genommen\u00bb, sagt Gisela Albers. Sie ist Chefin im evangelischen Laurentius-Hospiz in Falkenburg bei Bremen. Es geh\u00f6rt zur \u00abMission Lebenshaus\u00bb, eine gemeinn\u00fctzige Tochtergesellschaft des Bremer Vereins f\u00fcr Innere Mission.<\/p>\n<p>Wie \u00fcberall ist Corona auch im Hospiz ein Thema. Dennoch gibt es kaum Beschr\u00e4nkungen f\u00fcr die Besucher. \u00abKein Mensch soll sich hier einsam f\u00fchlen\u00bb, betont Albers. Die Bewohnerinnen und Bewohner werden hier \u00abG\u00e4ste\u00bb genannt. Selbst w\u00e4hrend der ersten Welle konnten sie Angeh\u00f6rige und Freunde empfangen. \u00abHier stirbt niemand allein\u00bb, sagt Albers mit Nachdruck.<\/p>\n<p>Anders als in Pflegeheimen und Krankenh\u00e4usern konnten Angeh\u00f6rige auch w\u00e4hrend des Lockdowns ihre Verwandten und Freunde in den station\u00e4ren Hospizen besuchen, best\u00e4tigt die stellvertretende Vorsitzende des Hospiz- und Palliativverbandes Niedersachsen, Verena Gerdes. \u00abDie Politik hat bei allen Corona-Ma\u00dfnahmen die Sterbebegleitung im Blick gehabt.\u00bb In den 28 station\u00e4ren Hospizen und den 126 ambulanten Hospizdiensten in Niedersachsen habe es kaum Kontaktbeschr\u00e4nkungen gegeben.<\/p>\n<p>In Krankenh\u00e4usern und anderen Pflegeeinrichtungen h\u00e4tten die weitaus strengeren Corona-Auflagen das Abschiednehmen und Trauern hingegen massiv erschwert, erl\u00e4utert Gerdes und konstatiert: \u00abWir erleben eine Art R\u00fcckschritt in der Trauerkultur\u00bb. Viele Freunde, Bekannte und Nachbarn h\u00e4tten keinen Abschied nehmen k\u00f6nnen, weil die Heime und Kliniken die Besuche f\u00fcr Sterbende restriktiv regeln mussten. \u00abDas Sterben ohne Abschied hat durch die Pandemie massiv zugenommen und stellt, wenn man so will, eine zugef\u00fcgte Trauer dar.\u00bb Selbst das rituelle Kaffeetrinken nach der Beerdigung werde kaum noch zelebriert. Dort tauschten Menschen \u00fcblicherweise Erinnerungen aus, sie weinten und lachten gemeinsam. \u00abWenn ein gemeinschaftliches Erleben von Trauer nicht m\u00f6glich ist, bleibe ich mit meinen Gef\u00fchlen allein\u00bb, betont Gerdes.<\/p>\n<p>Im Fokus der Medien st\u00fcnden derzeit die t\u00e4glichen Corona-Zahlen und der Blick auf die Intensivmedizin. Dabei gehe das gesellschaftliche Bewusstsein verloren, dass das Sterben in die Mitte der Gesellschaft geh\u00f6ren. \u00abDer Tod l\u00e4sst sich nicht outsourcen und hinter Masken verstecken, sondern ist als Dauerthema pr\u00e4sent\u00bb, mahnt Gerdes.<\/p>\n<p>Im Falkenburger Laurentius-Hospiz ist der Umgang mit Abschied und Tod gelebter Alltag. Alle acht G\u00e4stezimmern sind belegt. Keiner der G\u00e4ste leidet unter Covid-19. Doch auch hier ist das gemeinschaftliche Abschiednehmen reduziert. \u00abVor Corona kamen ganze Kaffeekr\u00e4nzchen zu Besuch und feierten ihr w\u00f6chentliches Ritual in unserer Wohnk\u00fcche.<br \/>\nDas geht nun nicht mehr\u00bb, bedauert Gisela Albers. Die Besucher m\u00fcssen sich in den Zimmern der Hospizbewohner aufhalten. \u00abWas fehlt, ist die N\u00e4he. Wir k\u00f6nnen uns zum Tr\u00f6sten nicht umarmen, nicht die Hand halten.\u00bb Oft seien solche Gesten wichtiger als Worte.<\/p>\n<p>Elfi Kl\u00fcver ist trotzdem dankbar, dass ihr Mann hier im Laurentius-Hospiz als Gast leben darf. Der 69-J\u00e4hrige wurde Anfang November aufgenommen, \u00aban unserem 49. Hochzeitstag\u00bb. Corona mach ihre keine Sorgen. \u00abIch bin mit meinen Gedanken bei meinem Mann.\u00bb Sie ist begeistert, wie viel Zeit sich die Haupt- und Ehrenamtlichen f\u00fcr ihren Mann nehmen k\u00f6nnen: \u00abEs ist einfach toll, dass es so etwas gibt.\u00bb Au\u00dferdem d\u00fcrfe auch sie im Hospiz \u00fcbernachten. \u00abDas ist viel besser, als Zuhause auf den einen Anruf zu warten.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Info<\/strong><br \/>\nDas Laurentius-Hospiz geh\u00f6rt zur \u00abmission:lebenshaus\u00bb. Die gemeinn\u00fctzige Tochtergesellschaft des Bremer Vereins f\u00fcr Innere Mission unterh\u00e4lt in Jever, Bremen, Varel und Wilhelmshaven station\u00e4re Hospize. Ein weiteres \u00abHaven-Hospiz\u00bb soll in k\u00fcrze in Bremerhaven er\u00f6ffnet werden.<\/p>\n<p><strong>Internet<\/strong><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.hospizfalkenburg.de\">www.hospizfalkenburg.de<\/a>&nbsp;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.hospiz-nds.de\">www.hospiz-nds.de<\/a>&nbsp;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.mission-lebenshaus.de\">www.mission-lebenshaus.de<\/a>&nbsp;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.inneremission-bremen.de\">www.inneremission-bremen.de<\/a>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Orte<\/strong><br \/>\nLaurentius Hospiz, Hauptstra\u00dfe 32, 27777 Ganderkesee-Falkenburg<br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p>Kirche-Oldenburg<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.kirche-oldenburg.de\/\/aktuell\/news-niedersachsen\/artikel\/hier-stirbt-niemand-allein-wie-hospize-trotz-corona-raum-fuer-naehe-und-abschied-bewahren\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00abHier stirbt niemand allein\u00bb &#8211; Wie Hospize trotz Corona Raum f\u00fcr N\u00e4he und Abschied bewahren<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag von J\u00f6rg Nielsen (epd). 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