{"id":1994,"date":"2015-05-13T13:39:00","date_gmt":"2015-05-13T11:39:00","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/konfirmationskarten-irgendwo-zwischen-kitsch-und-kunst\/"},"modified":"2015-05-13T13:39:00","modified_gmt":"2015-05-13T11:39:00","slug":"konfirmationskarten-irgendwo-zwischen-kitsch-und-kunst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/konfirmationskarten-irgendwo-zwischen-kitsch-und-kunst\/","title":{"rendered":"Konfirmationskarten &#8211; Irgendwo zwischen Kitsch und Kunst"},"content":{"rendered":"<p>Konfirmationskarten bewegen sich im Raum zwischen Kitsch und Kunst. Dem Oldenburger Volkskundler Kurt Dr\u00f6ge sind Gru\u00dfkarten zur Konfirmation zur Leidenschaft geworden. Mehr als 10.000 Karten hat er gesammelt, von der filigranen Aufziehkarte bis hin zur bunten Pop-Karte. Die \u00e4ltesten Karten stammen aus der Zeit um 1890, als die Karten erstmals industriell in Serien gedruckt wurden. Daraus wurde rasend schnell eine richtige Industrie. \u201eLuxuspapier\u201c wurden die Karten damals genannt. \u201eJede Druckerei in den evangelischen Gebieten hatte das damals in Angebot\u201c, sagt Dr\u00f6ge.<\/p>\n<p>Lange hat Dr\u00f6ge nach noch \u00e4lteren Karten gesucht. Schlie\u00dflich wurde der Brauch der Konfirmation erstmals bereits 1539 in der hessischen Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung formuliert. Doch vergeblich. Erst als die Post an Bedeutung gewann und die Kartenzustellung erschwinglich wurde, kamen die gedruckten Karten auf dem Markt.<\/p>\n<p>Der pensionierte Wissenschaftler vergleicht die alten mit den aktuellen Karten: Den Satz \u00abfr\u00fcher war alles anders\u00bb l\u00e4sst er nicht gelten. Der Zweck der Karten war der gleiche wie heute. \u201eUnd auch vor \u00fcber 100 Jahren waren die Gratulanten genauso schreibfaul wie heute\u201c. In den meisten Karten stehen nur die Namen der Absender. Meist machten sich nur die Gro\u00dfeltern und Paten die M\u00fche, die Karten mit pers\u00f6nlichem Gru\u00df oder einem Gedicht zu personalisieren.<\/p>\n<p>Die fr\u00fchen Karten waren eher bildlos und schlicht. Florale Pr\u00e4gungen und Engelszeichnungen lassen den Kenner wissen, diese Karte ist wertvoll. Ab den 1910er Jahren \u00e4nderte sich die Mode: Karten mit Fotografien und Grafiken verdr\u00e4ngten die alten Motive. Zu sehen sind Konfirmandinnen in z\u00fcchtig hochgeschlossenen Kleidern oder Konfirmanden im Anzug. Zusammen wurden Jungen und M\u00e4dchen auf den Karten aber nicht abgebildet. \u201eDas war noch bis 1968 undenkbar\u00bb, berichtet Dr\u00f6ge.<\/p>\n<p>Auch an scheinbar unterschiedlichen Karten lassen sich \u00c4hnlichkeiten finden. Dr\u00f6ge legt zwei Karten nebeneinander. Eine stammt aus dem Jahr 1910, die andere entstand 100 Jahre sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend auf dem historischen Bild in schwarz-wei\u00df die junge Frau z\u00fcchtig gekleidet ist und eine Bibel und einen Strau\u00df in der Hand h\u00e4lt, feiert auf dem farbigen Foto von 2010 die junge Frau mit Tanzbewegungen. \u201eAber der Grundgedanke ist auch hier gleich\u201c, erl\u00e4utert Dr\u00f6ge mit einem Schmunzeln: \u201eGezeigt werden attraktive junge Frauen.\u201c<\/p>\n<p>Zu allen Zeiten waren die Karten auch ein Spiegel der Zeiten.<br \/>\u201eWaren zu Beginn &#8211; aus heutiger Sicht &#8211; dem Kitsch keine Grenzen gesetzt, \u00e4nderte sich das mit dem Ersten Weltkrieg\u201c, sagt Dr\u00f6ge.<br \/>Danach werden die Karten deutlich schlichter. Ab den 1930er Jahren finden sich unter dem Einfluss des Nationalsozialismus immer mehr Karten mit Blumen. Auf religi\u00f6se Motive wurde verzichtet. In der Nachkriegszeit mussten die Menschen nehmen, was an Karten zu finden war. Danach blieb es lange Zeit schlicht. Erst in den 1970ern wurden die Karten wieder aufwendiger und bunter.<\/p>\n<p>\u201eWo der \u00dcbergang vom Kitsch zu Kunst ist, l\u00e4sst sich schwer entscheiden\u201c, sagt der passionierte Sammler. Highlight der Ausstellung ist eine Karte aus dem Jahre 1909. Vorsichtig l\u00e4sst sie sich zu einem dreidimensionalen Garten mit Zaun, Engel und entfalteter Blume aufziehen. Heutige Karten sind da schlichter. Der Trend geht wieder zur\u00fcck zur Grafik mit stilisierten Elementen, wie dem Kelch oder Kreuz.<\/p>\n<p>Zu den wertvollsten Karten in Dr\u00f6ges Sammlung geh\u00f6rt eine Gl\u00fcckwunschkarte in Form eines Papiertheaters. Sie ist vor 1905 entstanden, wie das \u201eC\u201c in Confirmation auf dieser Karte belegt. In diesem Jahr gab es eine Rechtschreibreform und das \u201eC\u201c musste bei der Konfirmation dem \u201eK\u201c weichen. Entdeckt hat Dr\u00f6ge sie im Internet, doch die meisten Karten findet er auf Flohm\u00e4rkten.<\/p>\n<p>Der Kreis der Sammler und J\u00e4ger von Konfirmationskarten ist \u00fcberschaubar. Kurt Dr\u00f6ge z\u00e4hlt zu den Experten. Doch wenn im Bekanntenkreis Konfirmationen anstehen, \u201edann muss meine Frau den Kartenkauf \u00fcbernehmen\u201c.<\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\">Ein Beitrag von Kerstin Kempermann (epd).<br \/><\/span><br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Konfirmationskarten bewegen sich im Raum zwischen Kitsch und Kunst. Dem Oldenburger Volkskundler Kurt Dr\u00f6ge sind Gru\u00dfkarten zur Konfirmation zur Leidenschaft geworden. Mehr als 10.000 Karten hat er gesammelt, von der filigranen Aufziehkarte bis hin zur bunten Pop-Karte. Die \u00e4ltesten Karten stammen aus der Zeit um 1890, als die Karten erstmals industriell in Serien gedruckt wurden. 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