{"id":21820,"date":"2022-08-07T09:01:00","date_gmt":"2022-08-07T07:01:00","guid":{"rendered":"https:\/\/christusnews.de\/site\/progressiver-theologe-mit-konservativer-grundstruktur\/"},"modified":"2022-08-09T11:18:04","modified_gmt":"2022-08-09T09:18:04","slug":"progressiver-theologe-mit-konservativer-grundstruktur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/progressiver-theologe-mit-konservativer-grundstruktur\/","title":{"rendered":"Progressiver Theologe mit konservativer Grundstruktur"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoPlainText\">Berlin\/Hannover (epd). Eigentlich sei es verwunderlich, dass er sich nicht schon fr\u00fcher eingehender mit der Digitalisierung befasst habe, sagt der evangelische Theologe und Ethiker Wolfgang Huber. Der ehemalige Berliner Bischof, der am 12. August 80 Jahre alt wird, hat nun seiner langen Publikationsliste zu ethischen Fragen ein Buch \u00fcber die Ethik der Digitalisierung hinzugef\u00fcgt. Es zeigt, dass Huber noch immer eine \u00abintellektuelle und moralische Instanz\u00bb ist, wie sein Biograf Philipp Gessler ihn einmal genannt hat.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;Die Besch\u00e4ftigung mit ethischen Fragen aus theologischer Perspektive verbindet den in Stra\u00dfburg geborenen und im Schwarzwald aufgewachsenen Huber mit dem NS-Widerstandsk\u00e4mpfer und evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer, der 1945 im Konzentrationslager ermordet wurde. Dessen Einfluss bezeichnet Huber nicht nur f\u00fcr seine Theologie, sondern auch in der Lebenshaltung als pr\u00e4gend. Mit Bonhoeffers Schriften kommt Huber schon als christlicher Pfadfinder in Kontakt. Nach dem Theologie-Studium und Vikariat kehrt er zur\u00fcck in die akademische Theologie und arbeitet an einer Neuedition von Bonhoeffers Werk.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Sein Interesse f\u00fcr den NS-Widerstand entspringt auch der Vergangenheit von Vater Ernst-Rudolf Huber, einem NS-Verfassungsrechtler. Zu ihm hatte er trotz dessen Unterst\u00fctzung des NS-Staates eine enge, liebevolle Bindung, wie er erz\u00e4hlt. Der Vater, der nach dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur Lehrverbot erh\u00e4lt, k\u00fcmmert sich um die f\u00fcnf S\u00f6hne, w\u00e4hrend seine Frau, Hubers Mutter Tula, als Anw\u00e4ltin das Familieneinkommen erwirtschaftet.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">1980 wird Huber Professor f\u00fcr Sozialethik in Marburg, 1984 wechselt er an die Universit\u00e4t Heidelberg. Es sei sein Verdienst, dass sich das Fach als theologische Teildisziplin etabliert, sagt der Huber-Biograf Gessler. Heute sei die Kirche bei ethischen Themen am ehesten gefragt. Das sei es, was von der Kirche erwartet werde.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Von 1983 bis 1985 &#8211; w\u00e4hrend der Nato-Nachr\u00fcstungsdebatte &#8211; ist Huber Pr\u00e4sident des Deutschen Evangelischen Kirchentages, der gr\u00f6\u00dften christlichen Laienbewegung in Deutschland. 1994 kehrt er der Hochschule den R\u00fccken und wird Bischof der Landeskirche Berlin-Brandenburg. F\u00fcr das Amt sagt er eine SPD-Bundestagskandidatur ab, wozu ihm seine Frau, die Lehrerin Kara Huber-Kaldrack, r\u00e4t, erz\u00e4hlt er. Mit ihr hat er zwei S\u00f6hne und eine Tochter.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">In seine erste Amtszeit als Bischof f\u00e4llt ein strikter Spar- und Reformplan. 1997 beschlie\u00dft das evangelische Kirchenparlament, 56 Millionen im Haushalt binnen eines Jahres zu sparen, unter anderem durch die Entlassung von rund 1.000 Mitarbeitenden und die Verringerung der Zahl der Gemeinden von 1.700 auf 1.400.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Seine Ideen f\u00fcr eine zukunftsf\u00e4hige Kirche &#8211; trotz Mitgliederschwund und schrumpfender Einnahmen &#8211; bringt Huber ab 1997 auch im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ein, dessen Vorsitzender er 2003 wird. Die Medien erkennen in ihm nach seiner Wahl zum obersten Repr\u00e4sentanten der EKD mit Sitz in Hannover einen ehemals friedensbewegten Linksprotestanten mit \u00abkonservativer Grundstruktur\u00bb. So schreibt es die \u00abS\u00fcddeutsche Zeitung\u00bb im November 2003.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">2006 stellt er den EKD-weiten Reformprozess \u00abKirche der Freiheit\u00bb vor, der unter anderem vorsieht, die Zahl der Landeskirchen von damals 22 auf 8 bis 12 zu reduzieren. Das Impulspapier sei \u00abein mutiger Schritt\u00bb gewesen, sagt Gessler, mit dem Huber sich jedoch auch Feinde gemacht habe. Die Ideen seien zu neoliberal, sagten Kritiker. Es zeuge von Integrit\u00e4t, sich davon nicht beirren zu lassen, so Gessler.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Doch nicht nur als Reformer, sondern auch als streitbarer Theologe tritt Huber in Erscheinung. \u00abDie Kirche mischt sich um Gottes Willen politisch ein\u00bb, sagte er in seiner Antrittsrede als Ratsvorsitzender.&nbsp;Entt\u00e4uscht zeigt er sich vom Vatikan, der die Kirchen der Reformation nicht als \u00abKirchen\u00bb ansieht. Dennoch f\u00e4llt in seine Amtszeit der erste \u00f6kumenische Kirchentag 2003 in Berlin. Er lehnt den EU-T\u00fcrkei-Beitritt ab und verweist auf die Lage der Christen in dem Land. In der Finanzkrise 2008\/9 legt er sich mit dem damaligen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann an und kritisiert exorbitante Manager-Boni.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">In der Friedensethik bleibt der rhetorisch versierte Huber fest in seiner Position, dass Krieg nur als \u00abultima ratio\u00bb legitim ist. So lehnt er 2003 den Irak-Krieg mit demselben Argument ab, mit dem er&nbsp;2022 Waffenlieferungen f\u00fcr die Ukraine bef\u00fcrwortet. Zweimal ist er ernsthaft als Kandidat f\u00fcr das Amt des Bundespr\u00e4sidenten im Gespr\u00e4ch&nbsp;&#8211; 2010 und 2012.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Nach dem altersbedingten Ende seiner Amtszeit als Bischof und Ratsvorsitzender kehrt Huber in die universit\u00e4re Lehre zur\u00fcck, ist theologischer Schriftsteller und arbeitet ehrenamtlich in unterschiedlichen Funktionen. \u00abIch bin solidarisch mit meiner Kirche und engagiere mich gerne weiter ehrenamtlich\u00bb, sagt Huber.<\/p>\n<p>Kirche-Oldenburg<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.kirche-oldenburg.de\/\/aktuell\/news-niedersachsen\/artikel\/progressiver-theologe-mit-konservativer-grundstruktur\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Progressiver Theologe mit konservativer Grundstruktur<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin\/Hannover (epd). 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