{"id":2183,"date":"2015-05-28T11:46:00","date_gmt":"2015-05-28T09:46:00","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/weiss-deutschland-dass-ich-hier-bin\/"},"modified":"2015-05-28T11:46:00","modified_gmt":"2015-05-28T09:46:00","slug":"weiss-deutschland-dass-ich-hier-bin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/weiss-deutschland-dass-ich-hier-bin\/","title":{"rendered":"\u201eWei\u00df Deutschland, dass ich hier bin?\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Das Smartphone ist ein wichtiger Helfer f\u00fcr Sandra Baba. Wenn es klingelt, braucht ein Fl\u00fcchtling Hilfe. \u201eNormalerweise gehe ich nach 18 Uhr nicht mehr dran\u201c, sagt die Fl\u00fcchtlings-Sozialarbeiterin der Diakonie in Ganderkesee. Doch sie wei\u00df, dass es manche Anrufer nicht mehr aushalten. \u201eSie finden am Freitagnachmittag einen Brief in ihrer Post und k\u00f6nnen ihn nicht lesen. Sie k\u00f6nnen nur die Worte Asyl und Dublin entziffern und f\u00fcrchten die Abschiebung. Dann kann ich sie doch nicht bis Montag im Ungewissen lassen.\u201c<\/p>\n<p>Per Smartphone fotografieren die aufgel\u00f6sten Fl\u00fcchtlinge dann das be\u00e4ngstigende Schreiben und senden es an die Sozialarbeiterin. Baba kann dann schnell aufkl\u00e4ren, dass das Formular aus Kostengr\u00fcnden f\u00fcr beide F\u00e4lle vorbereitet ist, f\u00fcr die Asyl-Anerkennung ebenso wie f\u00fcr die Ablehnung nach dem Dublin-Abkommen. Meist sind dann die Sorgen im Nu verschwunden.<\/p>\n<p>Die geb\u00fcrtige Irakerin ist eine von drei Diakonie-Mitarbeiterinnen in Landkreis Delmenhorst, die f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge und Asylbewerber einen ersten Anker in ihrer erhofften neuen Heimat Deutschland darstellen. \u201eWir k\u00fcmmern uns um alles, was nach der Wohnungssuche und \u2013einrichtung kommt\u201c, erkl\u00e4rt Babas Kollegin Zohreh Roushanpour den Synodalen der oldenburgischen Kirche, die die Beratungsstelle in der Delmenhorster Louisenstra\u00dfe besuchen. In Kleingruppen informierte sich das Kirchenparlament an verschiedenen Stellen in Delmenhorst \u00fcber die vielf\u00e4ltigen Aufgaben bei der Fl\u00fcchtlingsbetreuung.<\/p>\n<p>Im Rahmen des Schwerpunktthemas \u201eKirche und Migration\u201c der 3. Tagung der 48.<br \/>\nSynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg, die vom 28. bis 30. Mai im Evangelischen Bildungshaus Rastede stattfindet, haben die Synodalen am Donnerstagnachmittag erstmals ihren traditionellen Sitzungsort in Rastede verlassen, um sich exemplarisch in Delmenhorst an 14 \u201eErfahrungsorten\u201c \u00fcber Arbeitsfelder im Bereich Migration und Fl\u00fcchtlinge zu informieren. Einer dieser \u201eErfahrungsorte\u201c ist die Fl\u00fcchtlingssozialarbeit und \u2013beratung des Diakonischen Werkes Delmenhorst\/Oldenburg Land in der Delmenhorster Louisenstra\u00dfe. <\/p>\n<p>Viele ihrer Hilfesuchenden, so berichten die Sozialarbeiterinnen den Synodalen, lebten noch im Ungewissen. \u201eIhre Asylverfahren sind noch nicht abgeschlossen.\u201c Dann stellten sie schon einmal Fragen wie: \u201eWei\u00df Deutschland, dass ich hier bin?\u201c Die Sorge, dass ihre Akte abhanden gekommen sein k\u00f6nnte, bleibe bis zu dem Tag, an dem der erl\u00f6sende Bescheid komme.<\/p>\n<p>Menschen aus B\u00fcrgerkriegsl\u00e4ndern wie Syrien, Irak oder Afghanistan m\u00fcssten meist l\u00e4nger warten, h\u00e4tten aber eine gro\u00dfe Gewissheit, dass ihr Antrag anerkannt werde. Schneller und seltener erfolgreich w\u00fcrden Antr\u00e4ge von Asylbewerbern aus Balkanstaaten wie Serbien, Albanien oder Mazedonien anerkannt. Diese f\u00e4nden daf\u00fcr oft schon Hilfe bei Landsleuten, die schon in Deutschland lebten. Fl\u00fcchtlinge aus vorderasiatischen L\u00e4ndern k\u00f6nnen sich daf\u00fcr auf die Sprachkenntnisse der Diakonie-Mitarbeiterinnen verlassen. Baba spricht Arabisch, Roushanpour als geb\u00fcrtige Iranerin die persischen Sprachen Farsi und Dari. Und es stehen zahlreiche Dolmetscher zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Dankbar sind die Diakonie-Mitarbeiterinnen, dass es auch noch etwa 30 Integrations-Lotsen gibt und weitere 16 ausgebildet werden. In insgesamt 40 Sprachen k\u00f6nnen Fl\u00fcchtlinge empfangen und begleitet werden, etwa bei Beh\u00f6rdeng\u00e4ngen oder Arztbesuchen. \u201eDas Ausf\u00fcllen von Antr\u00e4gen und Formularen kostet schon mal zwei Stunden\u201c, berichtet Roushanpour \u2013 zu viel Zeit f\u00fcr die Halbtagskraft. Gut, dass es die Integrations-Lotsen gibt.<\/p>\n<p>Besonders schnell anerkannt werden afghanische Fl\u00fcchtlinge, die in den vergangenen Jahren f\u00fcr die in ihrer Heimat stationierten Bundeswehr-Einheiten gearbeitet haben. Dennoch finden sie nicht so schnell Arbeit, wie es das Job-Center w\u00fcnscht. \u201eSie warten oft sechs bis neun Monate auf einen Sprachkursus\u201c, beklagt Roushanpour.<\/p>\n<p>Ohne Sprachkenntnisse f\u00e4llt die Integration der Fl\u00fcchtlinge besonders schwer. Sie zu erwerben f\u00e4llt leichter, wenn die Asylbewerber nicht in Gemeinschaftsunterk\u00fcnften, sondern zwischen Deutschen wohnen. \u201eAber k\u00f6nnen sie sich nicht besser helfen, wenn sie mit Landsleuten T\u00fcr an T\u00fcr wohnen\u201c, wollten sie Synodalen wissen. Die Diakonie-Mitarbeiterinnen sagten klar Nein. Sie r\u00e4umten aber ein, dass etwa in Hude ungew\u00f6hnlich viele Eritr\u00e4er lebten, die sich gut gegenseitig unterst\u00fctzten. Und auch die alt-christlichen Aram\u00e4er aus Syrien und der T\u00fcrkei suchten \u00e4hnlich wie Jeziden die N\u00e4he zueinander, vor allem aus Glaubensgr\u00fcnden.<\/p>\n<p>Der deutliche Anstieg von Asylbewerbern werde wohl aber in K\u00fcrze ohnehin gr\u00f6\u00dfere zentrale Wohneinheiten n\u00f6tig machen, ist Kirchenkreis-Sozialarbeiter Frank Eden \u00fcberzeugt. Das kann Roushanpour mit Zahlen belegen: \u201eIch habe im Mai 2014 meine Arbeit begonnen und bis Jahresende 130 der 200 Fl\u00fcchtlinge in Delmenhorst betreut. In diesem Jahr waren es bis Mai schon 150.\u201c Auch Eden geht von mindestens doppelt soviel Antragstellern in diesem Jahr aus. Freie Wohnungen gebe es aber nicht mehr.<\/p>\n<p>Die Fl\u00fcchtlings-Sozialarbeiterinnen, die l\u00e4ngst nicht mehr auf die Uhr schauen, wenn es um die Betreuung der Hilfe und Schutz Suchenden geht, hoffen jetzt auf eine Ausweitung ihrer Arbeitszeit. Mit Teilzeitbesch\u00e4ftigungen sei der wachsenden Zahl von Asylbewerben auch bei gr\u00f6\u00dftem pers\u00f6nlichen Engagement nicht mehr angemessen zu begegnen.<\/p>\n<p><i>Ein Beitrag von Michael Eberstein.<\/i><\/p>\n<p><b>Hier finden Sie weitere Informationen zur 3. Tagung der 48. Synode der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg sowie dem Schwerpunktthema \u201eKirche und Migration\u201c: <\/b><b>www.kirche-oldenburg.de\/kirche-gemeinden\/synode\/348-synode.html<\/b>&nbsp;<b> <\/b><br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Smartphone ist ein wichtiger Helfer f\u00fcr Sandra Baba. Wenn es klingelt, braucht ein Fl\u00fcchtling Hilfe. \u201eNormalerweise gehe ich nach 18 Uhr nicht mehr dran\u201c, sagt die Fl\u00fcchtlings-Sozialarbeiterin der Diakonie in Ganderkesee. Doch sie wei\u00df, dass es manche Anrufer nicht mehr aushalten. \u201eSie finden am Freitagnachmittag einen Brief in ihrer Post und k\u00f6nnen ihn nicht lesen. Sie k\u00f6nnen nur die Worte Asyl und Dublin entziffern und f\u00fcrchten die Abschiebung. Dann kann ich sie doch nicht bis Montag im Ungewissen lassen.\u201c Per Smartphone fotografieren die aufgel\u00f6sten Fl\u00fcchtlinge dann das be\u00e4ngstigende Schreiben und senden es an die Sozialarbeiterin. Baba kann dann schnell&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"false","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[43],"tags":[44],"class_list":["post-2183","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kirche-oldenburg","tag-kirche-oldenburg"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2183","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2183"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2183\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2183"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2183"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2183"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}