{"id":22270,"date":"2022-09-30T09:00:00","date_gmt":"2022-09-30T07:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/christusnews.de\/site\/von-ferkelkraut-und-feuerfalter\/"},"modified":"2022-09-30T11:17:40","modified_gmt":"2022-09-30T09:17:40","slug":"von-ferkelkraut-und-feuerfalter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/von-ferkelkraut-und-feuerfalter\/","title":{"rendered":"Von Ferkelkraut und Feuerfalter"},"content":{"rendered":"<p>Wer h\u00e4tte eine solche Vielfalt vermutet? Auf den Gr\u00fcnfl\u00e4chen der Kirchengemeinde Wardenburg herrscht im wahrsten Sinne ein buntes Treiben. Daf\u00fcr muss man aber manchmal etwas genauer hinschauen. Das war auch genau die Absicht der Umweltbeauftragten der oldenburgischen Kirche Andrea Feyen als sie das Seminar \u201eArtenvielfalt auf kirchlichen Fl\u00e4chen\u201c mit der Diplom-Biologin Elisabeth Woesner vorbereitet hat.&nbsp;<br \/>\n&nbsp; &nbsp;<br \/>\nUm dem Artenschwund zu begegnen werden vielerorts mit gro\u00dfem Aufwand Bl\u00fchwiesen angelegt, um Insekten und anderen Tieren Nahrung und Lebensraum zu bieten. \u201eDas kann auf artenarmen Standorten eine gute L\u00f6sung sein. Aber wer hat schon so ein geschultes Auge, um einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen, ob nicht doch bereits eine Vielfalt an Pflanzen und Tieren vor Ort ist?\u201c fragt Feyen. Um das herauszufinden haben sich Vertreterinnen und Vertreter aus verschiedenen Kirchengemeinden auf den Weg nach Wardenburg gemacht. Der Einstiegsvortrag Woesners \u00fcber eine Vielzahl heimischer Pflanzen, die jeweils im Jahresverlauf ein gutes Nahrungsangebot f\u00fcr Insekten bieten, stie\u00df gleich einen regen Austausch \u00fcber die Erfahrungen in den jeweiligen Kirchengemeinden an.&nbsp;<br \/>\n&nbsp; &nbsp;<br \/>\nBei der anschlie\u00dfenden Begehung einiger Fl\u00e4chen auf dem alten und neuen Friedhof, die auf den ersten Blick sehr schlicht und unscheinbar aussahen, gab es auf den zweiten Blick dann einige \u00dcberraschungen. Woesner, die als Expertin seit vielen Jahren f\u00fcr den Naturschutzbund (Nabu) t\u00e4tig ist, zeigte die sch\u00f6nen Blattrosetten von Ferkelkraut und kleinem Habichtskraut. \u201eWenn einige Fl\u00e4chen nur alle vier bis sechs Wochen gem\u00e4ht werden, bl\u00fchen diese Kr\u00e4uter im Sp\u00e4tsommer und Herbst und liefern damit auch noch sp\u00e4t im Jahr wertvolle Nahrung f\u00fcr Insekten\u201c, erl\u00e4uterte Woesner. Ein weiterer Blickfang war die bl\u00fchende Rundbl\u00e4ttrige Glockenblume, die bei uns auf mageren B\u00f6den heimisch ist. Aufgrund des trockenen Wetters war dort einige Zeit nicht gem\u00e4ht worden, so konnten sich die sch\u00f6nen blau-violetten Bl\u00fcten entfalten.&nbsp;<br \/>\n&nbsp; &nbsp;<br \/>\nAuf dem Neuen Friedhof hatte Woesner den Kleinen Feuerfalter gesichtet. Eine eher seltene Schmetterlingsart, deren Raupen am kleinen Sauerampfer fressen. Und tats\u00e4chlich wuchs in einem Bereich der Friedhofsfl\u00e4che diese Pflanze sehr \u00fcppig. An solchen Beispielen werden die umfassenden \u00f6kologischen Zusammenh\u00e4nge deutlich. \u201eWenn wir zugunsten eines \u201esch\u00f6nen\u201c Rasens andere Kr\u00e4uter vernichten, vernichten wir gleichzeitig Futterpflanzen und Lebensr\u00e4ume f\u00fcr Lebewesen wie den Feuerfalter\u201c, sagte Woesner Dass dies nicht sinnvoll und auch nicht n\u00f6tig ist, dar\u00fcber waren sich die Teilnehmer*innen einig und so diskutierten sie, wie Gr\u00fcnfl\u00e4chen mittels reduziertem M\u00e4haufwand artenreich erhalten werden k\u00f6nnen. Regelm\u00e4\u00dfig gem\u00e4hte Wegr\u00e4nder oder Gehbereiche k\u00f6nnen dabei sichtbar machen, dass der h\u00f6here Bewuchs dazwischen beabsichtigt ist. Eine Beschilderung kann zus\u00e4tzliche Informationen liefern, damit auf Friedh\u00f6fen die Akzeptanz gesteigert wird. Die Kirchengemeinde Reekenfeld hat zum Beispiel ein Konzept f\u00fcr eine naturnahe Friedhofgestaltung erarbeitet, dies ist eine gute Basis f\u00fcr die Entwicklung der Fl\u00e4chen (weitere Infos dazu unter <a href=\"https:\/\/www.kirche-reekenfeld.de\/friedhof\/\">https:\/\/www.kirche-reekenfeld.de\/friedhof\/<\/a>).<br \/>\n&nbsp; &nbsp;<br \/>\nGanz nebenbei erfuhren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch, dass der gr\u00f6\u00dfere Teil der Wildbienenarten seine Nester in der Erde baut. Deshalb sind W\u00e4lle oder Abbruchkanten von Erdhaufen sehr wichtige Lebensr\u00e4ume, wie sich auf dem Neuen Friedhof anhand von kleinen Erdl\u00f6chern best\u00e4tigen lie\u00df.<br \/>\n&nbsp; &nbsp;<br \/>\nZum Abschluss freuten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer noch \u00fcber eine \u00dcberraschungst\u00fcte mit einigen Staudenpflanzen und Krokuszwiebeln f\u00fcr ein Kleinbiotop am Gemeindehaus. Ihr Fazit lautete: Der Austausch ist \u00e4u\u00dferst wertvoll und sollte fortgesetzt werden, um f\u00fcr die eigene Kirchengemeinde interessante Impulse und erprobte Verfahren mitnehmen zu k\u00f6nnen. Die Gruppe will sich vernetzen, dazu sind weitere Interessierte willkommen (Kontakt \u00fcber <a href=\"mailto:umwelt@kirche-oldenburg.de\">umwelt@kirche-oldenburg.de<\/a>).<br \/>\n&nbsp; &nbsp;<br \/>\n<em>Ein Beitrag von Andrea Feyen<\/em><\/p>\n<p>Kirche-Oldenburg<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.kirche-oldenburg.de\/\/aktuell\/pressemitteilungen\/artikel\/von-ferkelkraut-und-feuerfalter\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Von Ferkelkraut und Feuerfalter<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer h\u00e4tte eine solche Vielfalt vermutet? Auf den Gr\u00fcnfl\u00e4chen der Kirchengemeinde Wardenburg herrscht im wahrsten Sinne ein buntes Treiben. Daf\u00fcr muss man aber manchmal etwas genauer hinschauen. 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