{"id":22524,"date":"2022-10-28T07:18:00","date_gmt":"2022-10-28T05:18:00","guid":{"rendered":"https:\/\/christusnews.de\/site\/himmlische-schaukelei-bremer-starten-in-einer-leeren-kirche-experiment-mit-symbolcharakter\/"},"modified":"2022-11-01T10:17:23","modified_gmt":"2022-11-01T09:17:23","slug":"himmlische-schaukelei-bremer-starten-in-einer-leeren-kirche-experiment-mit-symbolcharakter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/himmlische-schaukelei-bremer-starten-in-einer-leeren-kirche-experiment-mit-symbolcharakter\/","title":{"rendered":"Himmlische Schaukelei &#8211; Bremer starten in einer leeren Kirche Experiment mit Symbolcharakter"},"content":{"rendered":"<p>Schwingen, Schaukeln und Staunen: Das k\u00f6nnen gerade Besucherinnen und Besucher der evangelischen Liebfrauenkirche in Bremen erleben. Unter dem Gew\u00f6lbe h\u00e4ngt an langen Ketten eine Partnerschaukel, die nur gemeinsam funktioniert. Zu zweit, im Dialog.<\/p>\n<p>\nBremen (epd). Langsam, fast in Zeitlupe schweben Anna und Jonathan \u00fcber dem Boden. Die beiden Kinder, neun und zehn Jahre alt, haben sichtlich Spa\u00df an der ungew\u00f6hnlichen Aktion, die nicht irgendwo passiert, sondern im leer ger\u00e4umten Schiff der historischen Liebfrauenkirche in der Bremer Innenstadt: Unter dem Gew\u00f6lbe der Backsteinbasilika hat der Osnabr\u00fccker Raumk\u00fcnstler Mario Haunhorst eine Partnerschaukel aufgeh\u00e4ngt, die die beiden Kinder gerade ausprobieren.<\/p>\n<p>\n\u00abHier geht alles nur zusammen, nichts alleine\u00bb, sagt der K\u00fcnstler, der auf Wunsch beim Aufsteigen und beim Schwungholen assistiert. \u00abSelig schaukeln, glauben, hoffen und lieben\u00bb haben Haunhorst und Gemeindepastor Stephan Kreutz die Aktion genannt. Mit dem kleinen Zusatz: \u00abAuf eigene Gefahr.\u00bb<\/p>\n<p>\nDas physikalische Prinzip ist das des gekoppelten Pendels: Die zwei vom Gew\u00f6lbe an 13 Meter langen Ketten h\u00e4ngenden Schaukelsitze sind im oberen Teil der Konstruktion miteinander verbunden. Erstmals umgesetzt hat das Prinzip der deutsche Philosoph, Tischler, K\u00fcnstler und P\u00e4dagoge Hugo K\u00fckelhaus (1900-1984), dem es in seiner Arbeit auf Erfahrungen mit allen Sinnen ankam.<\/p>\n<p>\nIn der Kirche funktioniert das so: Beginnt einer der beiden Schaukelnden mit seinen Bewegungen, \u00fcbertr\u00e4gt sich die Energie langsam, fast z\u00e4rtlich auf den anderen &#8211; und zwar ohne dass der irgendetwas tun muss. \u00abEs ist die Erfahrung: Kraft wird abgegeben, Kraft wird empfangen\u00bb, fasst Kreutz das Erlebnis derjenigen zusammen, die sich auf das Experiment einlassen. \u00abWenn das funktioniert, schwebt man frei in der Luft, ein wahrhaft himmlisches Vergn\u00fcgen.\u00bb<\/p>\n<p>\nImmer wieder kommen neue G\u00e4ste in die Kirche und schauen verbl\u00fcfft auf den leeren Raum und die ungew\u00f6hnliche Installation, die von den ber\u00fchmten Manessier-Fenstern in der Fassade zudem noch in ein magisches Licht getaucht wird. Etliche Besucherinnen und Besucher reagieren mit einem L\u00e4cheln, einige ziehen gleich die Jacke aus und wollen es selbst erleben. Einzige Voraussetzung: Die Partner auf den Schaukeln sollten in etwas das gleiche Gewicht haben, sonst funktioniert es nicht.<\/p>\n<p>\n\u00abEs ist ein Miteinander im Dialog, und das an einem besonderen Ort\u00bb, beschreibt es Raumk\u00fcnstler Haunhorst. \u00abMan muss sich einlassen, aufeinander einschwingen. Ohne Worte l\u00e4sst sich hier k\u00f6rperlich und mit allen Sinnen erleben, dass es auf das ankommt, was uns verbindet.\u00bb Und nat\u00fcrlich, so viel ist klar, sehen Haunhorst und Kreutz in dem Projekt auch ein Symbol f\u00fcr das, was die Gesellschaft derzeit so dringend n\u00f6tig hat: die Dinge gemeinsam anpacken.<\/p>\n<p>\nSpiegelfl\u00e4chen auf dem Boden sorgen au\u00dferdem daf\u00fcr, dass der Gew\u00f6lbehimmel der Kirche auch am Boden zu sehen ist. Der evangelische Theologe Stephan Kreutz dr\u00fcckt es bildhaft aus: \u00abHimmel und Erde ber\u00fchren sich, w\u00e4hrend man frei durch den Raum und die bunten Farben der Manessier-Fenster schwebt.\u00bb<\/p>\n<p>\nWer die himmlische Schaukelei ausprobieren m\u00f6chte, hat dazu bis zum 11. November in der Kirche Unser Lieben Frauen Gelegenheit. Besondere Abende werden beispielsweise f\u00fcr Liebende organisiert, dann mit Kerzenschein, Wein und Musik. Auch zu den Kl\u00e4ngen der Handpan, einem fast magisch klingenden Instrument aus zwei verbundenen Metall-Klangschalen, kann geschaukelt werden &#8211; und mit der Bremer Schriftstellerin Claudia Grabowski, die unter dem Titel \u00abFrauen, die schaukeln\u00bb eine passende Kulturgeschichte zum Thema geschrieben hat, mit Bildern vom Schwungholen und Freisein, von Leichtigkeit, Freude und Unbeschwertheit.<\/p>\n<p>\nDas ist es auch, was Anna und Jonathan erlebt haben. Es sei ein Gef\u00fchl von Leichtigkeit gewesen, beschreibt es das M\u00e4dchen. \u00abAls ob man schwebt.\u00bb Und Jonathan erg\u00e4nzt: \u00abMan denkt, der Schwung ist zu Ende. Aber dann fliegt man doch noch weiter.\u00bb<br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p>Kirche-Oldenburg<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.kirche-oldenburg.de\/\/aktuell\/news-niedersachsen\/artikel\/himmlische-schaukelei-bremer-starten-in-einer-leeren-kirche-experiment-mit-symbolcharakter\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Himmlische Schaukelei &#8211; Bremer starten in einer leeren Kirche Experiment mit Symbolcharakter<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schwingen, Schaukeln und Staunen: Das k\u00f6nnen gerade Besucherinnen und Besucher der evangelischen Liebfrauenkirche in Bremen erleben. Unter dem Gew\u00f6lbe h\u00e4ngt an langen Ketten eine Partnerschaukel, die nur gemeinsam funktioniert. Zu zweit, im Dialog. Bremen (epd). Langsam, fast in Zeitlupe schweben Anna und Jonathan \u00fcber dem Boden. 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