{"id":22616,"date":"2022-11-10T09:25:00","date_gmt":"2022-11-10T08:25:00","guid":{"rendered":"https:\/\/christusnews.de\/site\/ich-bin-mir-sicher-dass-ich-das-hier-kann-als-ehrenamtliche-bei-der-telefonseelsorge\/"},"modified":"2022-11-11T10:17:26","modified_gmt":"2022-11-11T09:17:26","slug":"ich-bin-mir-sicher-dass-ich-das-hier-kann-als-ehrenamtliche-bei-der-telefonseelsorge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/ich-bin-mir-sicher-dass-ich-das-hier-kann-als-ehrenamtliche-bei-der-telefonseelsorge\/","title":{"rendered":"\u00abIch bin mir sicher, dass ich das hier kann\u00bb &#8211; Als Ehrenamtliche bei der Telefonseelsorge"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoPlainText\">Hannover (epd). Sie hat sich vorgenommen, es nicht zu erz\u00e4hlen. Doch beim Kennenlerngespr\u00e4ch f\u00fcr die Mitarbeit in der Telefonseelsorge platzt es aus Heike Koop (Name ge\u00e4ndert) heraus: \u00abMein Sohn hat sich das Leben genommen. Aber ich bin mir ganz sicher, dass ich das hier kann.\u00bb Die Mittf\u00fcnfzigerin beh\u00e4lt Recht. Nun, knapp zwei Jahre sp\u00e4ter, spricht sie regelm\u00e4\u00dfig mit Menschen, die suizidale Gedanken oder Absichten haben. Koop engagiert sich bei der Telefonseelsorge. Das Thema Suizidpr\u00e4vention geh\u00f6rt bei diesem Ehrenamt zum Alltag.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Heike Koop ist Mutter von zwei S\u00f6hnen, der eine ist Ende 20, der andere war 23, als er Suizid beging. Lucas (Name ge\u00e4ndert) sei ein fr\u00f6hliches Kind gewesen, \u00abein kleiner Charmeur\u00bb, sagt Koop. Doch mit der Pubert\u00e4t h\u00e4tten seine depressiven Phasen begonnen, die Antriebslosigkeit. Bis nach dem Abitur wohnte Lucas im Elternhaus mit dem gro\u00dfen Garten in einer Kleinstadt in Niedersachsen. Zum Studieren zog er in eine andere Stadt. Wenn es gar nicht ging, habe er manchmal seine Mutter angerufen: \u00abMama, ich komme nicht aus dem Bett. Ich schaffe das einfach nicht.\u00bb<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">W\u00e4hrend der Pandemie zog der Student zur\u00fcck zu seiner Mutter und ihrem Partner. Koop half ihm beim Organisieren von Arztterminen, wandte sich an die Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Immer wieder sprach sie mit ihrem Sohn \u00fcber seine psychische Erkrankung, redete ihm gut zu, so erz\u00e4hlt es Heike Koop im R\u00fcckblick. \u00abWahrscheinlich war er schon viel weiter von mir weg, als ich dachte\u00bb, sagt sie heute. Nach seinem Suizid habe sie sich gef\u00fchlt, wie in Watte gepackt. Sie sei unendlich traurig gewesen, habe Schuldgef\u00fchle gehabt.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Psychotherapeut Benedikt Waldherr sagt, Hinterbliebene h\u00e4tten h\u00e4ufig Schuldgef\u00fchle, wenn ein naher Angeh\u00f6riger Suizid begeht. \u00abDie Menschen denken dar\u00fcber nach, was sie h\u00e4tten anders machen k\u00f6nnen. Sich schuldig zu f\u00fchlen, scheint f\u00fcr viele einfacher zu sein, als die eigene Hilflosigkeit auszuhalten\u00bb, erkl\u00e4rt der Vorsitzende des Bundesverbands der Vertragspsychotherapeuten.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Waldherr h\u00e4lt es f\u00fcr eine gute Idee, ins Handeln zu kommen und sich zum Beispiel ehrenamtlich zu engagieren &#8211; sobald man psychisch stabil genug daf\u00fcr ist. \u00abWer anderen Menschen helfen m\u00f6chte, sollte auch prim\u00e4r dieses im Auge haben. Die eigene Bed\u00fcrftigkeit sollte nicht an erster Stelle stehen\u00bb, sagt der Experte.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Koop macht eine Therapie. Kurze Zeit nach Lucas&#8217; Suizid erinnert sie sich daran, dass sie sich schon vor 15 Jahren gern bei der Telefonseelsorge engagiert h\u00e4tte. Doch wegen Job und Kindern verwarf sie die Idee damals wieder. \u00abKann ich das in meiner Situation mental schaffen?\u00bb, fragt sie ihre Therapeutin und ihren Hausarzt. Beide best\u00e4rken sie.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Also beginnt sie die Ausbildung zur ehrenamtlichen Telefonseelsorgerin. Sie lernt, sich selbst zur\u00fcckzunehmen und nicht \u00fcber andere zu urteilen. Genau hinzuh\u00f6ren und pr\u00e4zise nachzufragen. \u00abEs ist wichtig, die Perspektive des Gegen\u00fcbers einnehmen zu k\u00f6nnen\u00bb, sagt Koop. Denn die Person am anderen Ende der Leitung kann einen ganz anderen Blick auf das Leben haben als sie selbst.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Schlie\u00dflich ist es so weit: Koop nimmt das erste Mal den H\u00f6rer ab. \u00abDass jemand anruft, der mich an meinen Sohn erinnert, das war am Anfang meine gr\u00f6\u00dfte Angst\u00bb, erinnert sie sich. Gleich beim ersten Dienst redet sie mit einer Person, die suizidale Gedanken hat. Und sie merkt: \u00abWas die Anrufenden sagen, beziehe ich gar nicht auf meine Situation. Ich bin dann komplett bei dem anderen Menschen.\u00bb<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Vor dem Thema Suizidalit\u00e4t haben viele Ehrenamtliche am Anfang Angst, sagt Kerstin H\u00e4usler, Leiterin der Telefonseelsorge Hannover. Denn hier stelle sich ganz besonders die Frage nach der Verantwortung gegen\u00fcber den Anrufenden. \u00abDie k\u00f6nnen unsere Mitarbeitenden nicht \u00fcbernehmen. Aber sie k\u00f6nnen einen Raum f\u00fcr ein Gespr\u00e4ch \u00f6ffnen, und das kann wahnsinnig entlastend sein.\u00bb Was sie beim Telefonieren erleben, besprechen die Ehrenamtlichen regelm\u00e4\u00dfig w\u00e4hrend Supervisionen mit Fachkr\u00e4ften.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">In der Ausbildung besch\u00e4ftigen sich die angehenden Seelsorgerinnen und Seelsorger theoretisch mit Suizidalit\u00e4t und \u00fcben den Umgang mit dem Thema in Rollenspielen. Au\u00dferdem besprechen sie ihre pers\u00f6nlichen Ber\u00fchrungspunkte mit Suiziden. Erst, wenn diese Seminare absolviert sind, f\u00fchren die Ehrenamtlichen erste Gespr\u00e4che unter Aufsicht. \u00abEs ist wichtig, dass sie sich mit dem Thema sicher f\u00fchlen und keine Ber\u00fchrungs\u00e4ngste haben\u00bb, sagt H\u00e4usler. Suizidgedanken sollten die Mitarbeitenden auch dann erkennen k\u00f6nnen, wenn sie als Metapher oder diffus ge\u00e4u\u00dfert werden.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Manche Anrufende redeten erst von einer Trennung oder \u00fcber Stress auf der Arbeit, erz\u00e4hlt Seelsorgerin Koop. Fragt sie nach, ob es nicht noch ein anderes Thema gibt, sprechen einige dann doch \u00fcber ihre suizidalen Gedanken. Neulich hatte Koop so eine Person am Telefon, die sich \u00f6ffnete, wie sie erz\u00e4hlt. Am Ende des Gespr\u00e4chs habe sich die Person gefasst genug gef\u00fchlt, um die eigene Mutter anzurufen. \u00abDas war ein sch\u00f6nes Erlebnis f\u00fcr mich. Genau auf solch einen Ausgang arbeiten wir hin. Wir versuchen den Menschen einen Weg zu zeigen, wie sie das Leben als lebenswert wahrnehmen k\u00f6nnen.\u00bb<\/p>\n<p>Kirche-Oldenburg<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.kirche-oldenburg.de\/\/aktuell\/news-niedersachsen\/artikel\/ich-bin-mir-sicher-dass-ich-das-hier-kann-als-ehrenamtliche-bei-der-telefonseelsorge\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00abIch bin mir sicher, dass ich das hier kann\u00bb &#8211; Als Ehrenamtliche bei der Telefonseelsorge<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hannover (epd). Sie hat sich vorgenommen, es nicht zu erz\u00e4hlen. Doch beim Kennenlerngespr\u00e4ch f\u00fcr die Mitarbeit in der Telefonseelsorge platzt es aus Heike Koop (Name ge\u00e4ndert) heraus: \u00abMein Sohn hat sich das Leben genommen. Aber ich bin mir ganz sicher, dass ich das hier kann.\u00bb Die Mittf\u00fcnfzigerin beh\u00e4lt Recht. Nun, knapp zwei Jahre sp\u00e4ter, spricht sie regelm\u00e4\u00dfig mit Menschen, die suizidale Gedanken oder Absichten haben. 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