{"id":23108,"date":"2023-01-12T06:56:00","date_gmt":"2023-01-12T05:56:00","guid":{"rendered":"https:\/\/christusnews.de\/site\/eine-sprache-fuer-die-welt-esperanto-oeffnet-viele-tueren\/"},"modified":"2023-01-13T10:17:29","modified_gmt":"2023-01-13T09:17:29","slug":"eine-sprache-fuer-die-welt-esperanto-oeffnet-viele-tueren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/eine-sprache-fuer-die-welt-esperanto-oeffnet-viele-tueren\/","title":{"rendered":"Eine Sprache f\u00fcr die Welt &#8211; Esperanto \u00f6ffnet viele T\u00fcren"},"content":{"rendered":"<p>Nur 16 Grammatikregeln ohne Ausnahmen und keine unregelm\u00e4\u00dfigen Verben: Auch wem Englisch schwerf\u00e4llt, k\u00f6nnte an Esperanto seine Freude finden. Die Sprache wurde vor rund 135 Jahren erfunden. In Familie Weemeyers Leben hat sie sich durchgesetzt.<\/p>\n<p>\nHannover\/Wiesbaden (epd). Die beiden Kinder von Familie Weemeyer aus Hannover sind zweisprachig aufgewachsen. Das ist zwar nichts Ungew\u00f6hnliches, doch ein Detail hat es in sich: Denn der zehnj\u00e4hrige Anton und seine zwei Jahre j\u00fcngere Schwester Helena sprechen zu Hause mit ihren Eltern nicht nur Deutsch, sondern auch Esperanto &#8211; die vor rund 135 Jahren erfundene Plansprache, die Menschen weltweit eine einfache Verst\u00e4ndigung erm\u00f6glichen soll. Damit haben die beiden beste Voraussetzungen, um Anfang Januar in der Wiesbadener Jugendherberge \u00fcberall mitreden zu k\u00f6nnen: Zu einem Esperanto-Treffen f\u00fcr Familien sind mehr als 170 Teilnehmer aus ganz Europa nach Hessen gekommen.<\/p>\n<p>\n\u00abWenn man mit Au\u00dfenstehenden \u00fcber Esperanto spricht, hei\u00dft es immer als erstes: Es hat sich ja nicht durchgesetzt\u00bb, seufzt Carolin Weemeyer, die Mutter der beiden. \u00abAlso, in meinem Leben hat es sich ziemlich durchgesetzt.\u00bb Die Grundschullehrerin hat ihren Mann Robert einst bei einem Treffen von Esperanto-Freunden kennengelernt. Bei Reisen um die Welt, die sie schon bis nach Vietnam f\u00fchrten, kommen die Grundschullehrerin und der Landtagsstenograf h\u00e4ufig bei anderen Esperanto-Sprechern unter.<\/p>\n<p>\nDaraus wuchs die Erkenntnis, dass auch die Kinder Esperanto beherrschen sollten. In Wiesbaden ist die Sprache beim Familientreffen \u00fcberall zu h\u00f6ren: beim Smalltalk in den Fluren, in der Spiele-Ecke bei den Puzzles oder bei Vortr\u00e4gen, die die angereisten \u00abEsperantisten\u00bb vorbereitet haben.<\/p>\n<p>\nDer junge Augenarzt und Hobby-Linguist Ludwik L. Zamenhof (1859-1917) hatte im Sommer 1887 in Warschau unter dem Pseudonym \u00abDr. Esperanto\u00bb (\u00abDoktor Hoffender\u00bb) seinen Entwurf f\u00fcr eine \u00abInternationale Sprache\u00bb ver\u00f6ffentlicht. Zamenhof wurde als Sohn j\u00fcdischer Eltern in Bialystok in Ost-Polen geboren, das damals zum Russischen Kaiserreich geh\u00f6rte. In seiner Jugend erlebte er auf den Stra\u00dfen seiner Heimatstadt ein Sprachenwirrwarr: Neben Jiddisch waren dort auch Russisch, Polnisch, Wei\u00dfrussisch und Deutsch zu h\u00f6ren, wobei jede Volksgruppe mit Argwohn auf die anderen blickte.<\/p>\n<p>\nZamenhofs Idee einer einfach zu erlernenden Sprache f\u00fcr die Menschheit fand schnell auch in anderen L\u00e4ndern Anh\u00e4nger. Noch vor dem Ersten Weltkrieg gab es die ersten internationalen Esperanto-Kongresse, auf denen nicht nur die neue Sprache, sondern auch Gedanken von Frieden und V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung propagiert wurden.<\/p>\n<p>\nAls einzige einer Reihe weiterer Plansprachen hat Esperanto bis heute eine gewisse Relevanz behalten, auch wenn Ideen, sie zur Arbeitssprache der Vereinten Nationen oder der EU zu machen, keine Chance auf Erfolg hatten. Nach Sch\u00e4tzungen der internationalen Sprachen-Datenbank \u00abEthnologue\u00bb gibt es weltweit bis zu zwei Millionen Menschen, die irgendwann einmal Esperanto gelernt haben.<\/p>\n<p>\nDie Vorstellung, dass es eine einfache Sprache gebe, die nicht mit einer konkreten Nation verbunden sei, habe ihm von Anfang an eingeleuchtet, sagt Louis von Wunsch-Rolshoven. Er ist Sprecher des Deutschen Esperanto-Bundes und Organisator des Wiesbadener Treffens. Zwar habe Englisch faktisch die Rolle der weltweiten Verkehrssprache \u00fcbernommen, r\u00e4umt der Berliner ein. Doch damit habe sich Esperanto noch lange nicht erledigt.<\/p>\n<p>\n\u00abEin gro\u00dfer Teil der Menschen ist von der Kommunikation auf Englisch ausgeschlossen\u00bb, sagt er &#8211; insbesondere auch deshalb, weil die Sprache mit ihren komplexen Verbformen und der schwierigen Rechtschreibung letztlich viele \u00fcberfordere. Esperanto lasse sich hingegen vier- bis f\u00fcnfmal schneller erlernen: \u00abIch konnte mich nach 25 Zeitstunden einigerma\u00dfen verst\u00e4ndigen.\u00bb<\/p>\n<p>\nTats\u00e4chlich fehlt Zamenhofs Plansprache alles, was Generationen von Sch\u00fclern und Sch\u00fclerinnen den Fremdsprachenunterricht vergraulte: Die 16 Esperanto-Regeln passen auf einen Bierdeckel. Es gibt nur regelm\u00e4\u00dfige Verben, keine grammatischen Geschlechter und mit Nominativ und Akkusativ nur zwei F\u00e4lle. Die rund 3.000 Wortst\u00e4mme, aus denen alle anderen Esperanto-Worte abgeleitet werden, stammen \u00fcberwiegend aus romanischen, germanischen und slawischen Sprachen. Mit \u00abBonan tagon\u00bb w\u00fcnscht man sich einen guten Tag, abends hei\u00dft es \u00abbonan vesperon\u00bb.<\/p>\n<p>\nMittlerweile gibt es \u00fcber 300.000 Wikipedia-Eintr\u00e4ge in Esperanto, mehr als in D\u00e4nisch oder Bulgarisch. Es existieren Online-Lernportale und Musikvideos mit Esperanto-Pop. Dazu erscheinen j\u00e4hrlich neue Romane und Sachb\u00fccher in der Sprache.<\/p>\n<p>\nFamilie Weemeyer sch\u00e4tzt an der Esperanto-Welt den Austausch mit anderen, an Sprachen und Kulturen interessierten Menschen. Vor 20 Jahren hatte er die Sprache aus Neugierde gelernt, \u00abweil ich die Idee ganz nett fand\u00bb, sagt Vater Robert. \u00abDabeigeblieben bin ich wegen der Leute, die ich kennengelernt habe.\u00bb<br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p>Kirche-Oldenburg<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.kirche-oldenburg.de\/\/aktuell\/news-niedersachsen\/artikel\/eine-sprache-fuer-die-welt-esperanto-oeffnet-viele-tueren\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Eine Sprache f\u00fcr die Welt &#8211; Esperanto \u00f6ffnet viele T\u00fcren<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nur 16 Grammatikregeln ohne Ausnahmen und keine unregelm\u00e4\u00dfigen Verben: Auch wem Englisch schwerf\u00e4llt, k\u00f6nnte an Esperanto seine Freude finden. Die Sprache wurde vor rund 135 Jahren erfunden. 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