{"id":23433,"date":"2023-02-22T04:32:00","date_gmt":"2023-02-22T03:32:00","guid":{"rendered":"https:\/\/christusnews.de\/site\/kirchen-ringen-um-moegliche-wege-zum-frieden\/"},"modified":"2023-02-27T10:17:24","modified_gmt":"2023-02-27T09:17:24","slug":"kirchen-ringen-um-moegliche-wege-zum-frieden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/kirchen-ringen-um-moegliche-wege-zum-frieden\/","title":{"rendered":"Kirchen ringen um m\u00f6gliche Wege zum Frieden"},"content":{"rendered":"<p>Zum Jahrestag des russischen Angriffs auf die Ukraine streiten Spitzenvertreter der Kirchen in Deutschland, was ethisch geboten ist. Gegen Margot K\u00e4\u00dfmanns Aufruf zu Verhandlungen gibt es teils scharfen Widerspruch.<\/p>\n<p>Hannover\/Berlin (epd). Die Kirchen in Deutschland ringen um eine Position, wie ein Ende des Krieges in der Ukraine zu erreichen ist. Die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot K\u00e4\u00dfmann, sprach sich f\u00fcr Verhandlungen aus. Die ehemaligen EKD-Pr\u00e4sides Katrin G\u00f6ring-Eckardt (Gr\u00fcne) und Irmgard Schwaetzer (FDP) sowie die hannoversche Regionalbisch\u00f6fin Petra Bahr hingegen kritisierten, wer f\u00fcr Verhandlungen argumentiere, bef\u00f6rdere die Unterwerfung der Ukraine unter einen brutalen Aggressor.<\/p>\n<p>Keinen Widerspruch zwischen Waffenlieferungen und Gespr\u00e4chen sehen die EKD-Ratsvorsitzende Annette Kurschus und der Vorsitzende der Deutschen Kommission \u00abJustitia et Pax\u00bb, der katholische Bischof Heiner Wilmer aus Hildesheim.<\/p>\n<p>K\u00e4\u00dfmann sagte in einem Streitgespr\u00e4ch mit Bahr in der Wochenzeitung \u00abDie Zeit\u00bb, es verst\u00f6re den Angreifer, wenn der Angegriffene die andere Wange hinhalte, weil er das nicht erwarte. So zwinge man den Aggressor, aus der Logik des Kriegs herauszutreten. Nur so werde die Gewaltspirale unterbrochen.<\/p>\n<p>Bahr, die Mitglied des Deutschen Ethikrats ist, entgegnete, sie f\u00e4nde zwar Pazifismus beeindruckend &#8211; als Haltung gegen\u00fcber selbst erlebter Gewalt. Man k\u00f6nne sie aber nicht anderen auferlegen. Das \u00abManifest f\u00fcr den Frieden\u00bb, das die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht und die Publizistin Alice Schwarzer mit Blick auf den Jahrestag des russischen Angriffs am 24. Februar initiiert hatten und zu deren Erstunterzeichnerinnen K\u00e4\u00dfmann geh\u00f6rt, nannte Bahr ein \u00abManifest der Unterwerfung\u00bb. Es gehe darin nur um deutsche Befindlichkeiten: \u00abDer Aggressor wird gar nicht adressiert, Kriegsverbrechen und der \u00dcberlebenskampf der Ukrainer werden hintangestellt.\u00bb<\/p>\n<p>Die Politikerinnen G\u00f6ring-Eckardt und Schwaetzer warnten, Pazifismus funktioniere bei Putin nicht. In einem Gastbeitrag in der \u00abWelt\u00bb (Mittwoch) schrieben die beiden Frauen, die in der Vergangenheit jeweils an der Spitze der EKD-Synode standen: \u00abWer Putin nicht Einhalt gebietet, ermuntert ihn, seine v\u00f6lkerrechtswidrigen imperialistischen Fantasien weiterzutreiben.\u00bb Waffenunterst\u00fctzung schaffe in diesem Falle Freiheit und begrenze das furchtbare Leiden: \u00abDas christliche Gebot der Sorge und Mitverantwortung f\u00fcr die N\u00e4chsten, f\u00fcr den unter die R\u00e4uber Gefallenen, erlaubt, ja, verpflichtet uns, der Ukraine zu helfen, wenn Menschen von Russland ermordet, gefoltert, erniedrigt, vertrieben werden.\u00bb<\/p>\n<p>Auch die EKD-Ratsvorsitzende Kurschus kritisierte einen bedingungslosen Pazifismus. Rechtserhaltende Gewalt sei gem\u00e4\u00df der Friedensethik unter bestimmten Bedingungen legitim, sagte die westf\u00e4lische Pr\u00e4ses der \u00abBerliner Zeitung\u00bb (Mittwoch): \u00abWir k\u00f6nnen die Angegriffenen ja nicht schutzlos lassen, wenn sie mit Raketen beschossen, ihres Landes beraubt, vergewaltigt und verschleppt werden.\u00bb Kurschus betonte, Waffen und Verhandlungen schl\u00f6ssen einander nicht aus. Waffeneinsatz m\u00fcsse aber \u00abzum Ziel haben, die Waffen zum Schweigen zu bringen\u00bb.<\/p>\n<p>Der Mainzer Bischof und Pr\u00e4sident der Deutschen Sektion der katholischen Friedensbewegung \u00abPax Christi\u00bb, Peter Kohlgraf, nannte es einen wichtigen Aspekt f\u00fcr die Friedensethik, inwiefern man sich schuldig mache, wenn man nichts unternehme. \u00abDas macht den Krieg auch so schrecklich\u00bb, sagte Kohlgraf dem Evangelischen Pressedienst (epd): \u00abEgal wo wir Waffen einsetzen, machen wir uns schuldig, weil Waffen t\u00f6ten. Wenn nichts getan wird, macht man sich auch schuldig.\u00bb<\/p>\n<p>Bischof Wilmer rief dazu auf, in den diplomatischen Bem\u00fchungen nicht nachzulassen: \u00abWann immer sinnvolle Gespr\u00e4che mit der Russischen F\u00f6deration m\u00f6glich sind, sollten diese gef\u00fchrt werden.\u00bb Zugleich forderte er, Verantwortliche f\u00fcr diesen Angriffskrieg vor einem internationalen Gericht zur Rechenschaft zu ziehen. Die Solidarit\u00e4t mit der Ukraine erstrecke sich auch auf weitreichende milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung, sagte Wilmer weiter: \u00abAber wir machen uns diese Zustimmung nicht leicht. Wir sehen das moralische Dilemma zwischen dem legitimen Recht auf Selbstverteidigung und einer m\u00f6glichen Spirale von Gewalt.\u00bb<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kirche-Oldenburg<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.kirche-oldenburg.de\/\/aktuell\/news-niedersachsen\/artikel\/kirchen-ringen-um-moegliche-wege-zum-frieden\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kirchen ringen um m\u00f6gliche Wege zum Frieden<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Jahrestag des russischen Angriffs auf die Ukraine streiten Spitzenvertreter der Kirchen in Deutschland, was ethisch geboten ist. Gegen Margot K\u00e4\u00dfmanns Aufruf zu Verhandlungen gibt es teils scharfen Widerspruch. Hannover\/Berlin (epd). Die Kirchen in Deutschland ringen um eine Position, wie ein Ende des Krieges in der Ukraine zu erreichen ist. Die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot K\u00e4\u00dfmann, sprach sich f\u00fcr Verhandlungen aus. 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