{"id":25604,"date":"2023-11-06T10:28:00","date_gmt":"2023-11-06T09:28:00","guid":{"rendered":"https:\/\/christusnews.de\/site\/gruselig-und-paradiesisch-warum-moore-seit-jahrhunderten-faszinieren-und-heute-so-wichtig-sind\/"},"modified":"2023-11-07T22:18:09","modified_gmt":"2023-11-07T21:18:09","slug":"gruselig-und-paradiesisch-warum-moore-seit-jahrhunderten-faszinieren-und-heute-so-wichtig-sind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/gruselig-und-paradiesisch-warum-moore-seit-jahrhunderten-faszinieren-und-heute-so-wichtig-sind\/","title":{"rendered":"Gruselig und paradiesisch &#8211; Warum Moore seit Jahrhunderten faszinieren und heute so wichtig sind"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoPlainText\">Papenburg\/Kr. Emsland (epd). \u00abO schaurig ist&#8217;s \u00fcbers Moor zu&nbsp;gehn&#8230;\u00bb: Das Gedicht \u00abDer Knabe im Moor\u00bb von Annette von Droste-H\u00fclshoff erinnert an Zeiten, als Moore noch furchteinfl\u00f6\u00dfende Landschaften waren. Wo die Dichterin vor mehr als 200 Jahren aufwuchs, l\u00e4sst heute nur noch eine Feuchtwiese im Naturschutzgebiet Ameshorst erahnen, dass die Gegend westlich von M\u00fcnster \u00e4hnlich vernebelt und unwirtlich war wie das englische Dartmoor, wo Sherlock Holmes den Hund von Baskerville zur Strecke brachte.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Moore galten \u00fcber viele Jahrhunderte vor allem als lebensfeindlich. Hier lockten Irrlichter Menschen in die unwegsame Wildnis, in der sie versanken und starben. Um Moorleichen wie den d\u00e4nischen Tollundmann (405 bis 380 v. Chr.) ranken sich Vermutungen \u00fcber archaische Kulte und grausame Hinrichtungen. Das Lied \u00abDie Moorsoldaten\u00bb, 1933 von KZ-H\u00e4ftlingen verfasst, erinnert an die m\u00f6rderische Ideologie der Nationalsozialisten und ihre Konzentrationslager in den Mooren des Emslands, wo Inhaftierte und Zwangsarbeiter unter menschenunw\u00fcrdigen Bedingungen Torf stechen mussten.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Um Heizmaterial zu gewinnen, stachen Bauern bereits im Mittelalter&nbsp;Torf: Denn Torf ist totes zusammengepresstes Pflanzenmaterial, das \u00fcber die Fotosynthese Sonnenenergie gespeichert hat. Als sich vor etwa 12.000 Jahren die Gletscher der j\u00fcngsten Eiszeit zur\u00fcckzogen und landschaftliche Senken sich mit Schmelzwasser f\u00fcllten, konnten absterbende Pflanzen ohne Sauerstoff nicht mehr verrotten. Sie wurden zu Torf und wuchsen Schicht um Schicht.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Moore, die so hoch gewachsen sind, dass sie den Kontakt zum Grundwasser verloren haben und sich von Regenwasser speisen, werden \u00abHochmoore\u00bb genannt. Man findet sie vor allem im deutschen Nordwesten. Deshalb gilt Niedersachsen nach einer Formulierung von Agrarministerin Miriam Staudte (Gr\u00fcne) als Deutschlands \u00abMoorland Nummer eins\u00bb. Grundwasser- oder \u00abNiedermoore\u00bb gibt es eher im Nordosten. Hochmoore gelten als sauer und artenarm, Niedermoore, gespeist vom n\u00e4hrstoffreichen Grundwasser, haben einen h\u00f6heren ph-Wert (3,5 bis 7) und beherbergen seltene Tiere und Pflanzen.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Als im 18. Jahrhundert die W\u00e4lder in vielen Teilen Deutschlands weitgehend abgeholzt waren, wurde der brennbare Torf noch wichtiger. Zur gleichen Zeit, 1765, erlie\u00df K\u00f6nig Friedrich II. von Preu\u00dfen sein \u00abUrbarmachungsedikt\u00bb, das die Moore zum Eigentum seines Staates erkl\u00e4rte und jedem Land versprach, der sich im Moor niederlie\u00df und dort binnen eines Jahres ein Haus baute. Daf\u00fcr musste beispielsweise im Oderbruch das Moor \u00fcber Kan\u00e4le entw\u00e4ssert und der Fluss begradigt werden.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Heute wei\u00df man: Wenn Moore trockengelegt werden, entweicht Kohlenstoff. Intakte Moore speichern Kohlenstoff. Deshalb sind sie solevant f\u00fcr den Klimaschutz: Sie speichern mehr Kohlenstoff als alle W\u00e4lder des Planeten zusammen. Franziska Tanneberger, Leiterin des Moorzentrums Greifswald, rechnet in ihrem Buch \u00fcber \u00abDas Moor\u00bb vor: \u00abEtwa ein Drittel des Kohlenstoffs, der weltweit in den B\u00f6den steckt, ist im Moor &#8211; obwohl Moore nur vier Prozent der Landfl\u00e4che bedecken.\u00bb<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Das weltweit gr\u00f6\u00dfte Moor ist das westsibirische Wasjugan-Moor zwischen den Fl\u00fcssen Irtysch und Ob. In Deutschland nehmen Moore, darunter trockengelegte mit nur noch einer Torfschicht, 1,8 Millionen Hektar ein &#8211; eine Fl\u00e4che vergleichbar mit dem Bundesland Sachsen. Nur zwei Prozent (30.000 Hektar) davon, sagt Tanneberger, seien noch in ihrem naturnahen Zustand, vier Prozent (70.000 Hektar) wiedervern\u00e4sst.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">\u00abBis zu 40 Millionen Tonnen CO2 lassen sich j\u00e4hrlich einsparen, wenn wir es schaffen, alle unsere Moore wiederzuvern\u00e4ssen\u00bb, erl\u00e4utert die Moor-\u00d6kologin. Und die Landwirte, die die entw\u00e4sserten Fl\u00e4chen nutzen? \u00abNur sieben Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfl\u00e4che sind entw\u00e4sserte Moore. Auf ihnen k\u00f6nnten fast 40 Prozent der Gesamtemissionen aus der Landwirtschaft eingespart werden.\u00bb<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Auch auf nassen B\u00f6den l\u00e4sst sich Landwirtschaft betreiben. Diese sogenannte Paludi-Kultur, nach dem lateinischen Wort \u00abpalus\u00bb f\u00fcr Sumpf, versteht sich als \u00abtorferhaltende Landwirtschaft auf nassem Boden\u00bb. Hier l\u00e4sst sich zwar kein Weizen ernten, wohl aber Reet f\u00fcr D\u00e4cher sowie Heidel- und Preiselbeeren. In der Tierhaltung werden Wasserb\u00fcffel immer beliebter.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Aus Hessen kommt derweil eine Erfolgsmeldung: Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) ist ausgezeichnet worden f\u00fcr sein Niedermoor-Projekt als offizielles Projekt der UN-Dekade (2021 bis 2030) zur Wiederherstellung von \u00d6kosystemen. \u00abDank der gro\u00dfartigen Zusammenarbeit von Beh\u00f6rden, Ehrenamtlichen und Privatpersonen konnten wir 74 der 168 Niedermoorstandorte Hessens langfristig unter Schutz stellen\u00bb, meldet Projektleiterin Anne Michaeli von der Nabu-Stiftung Hessisches Naturerbe. Damit sei das Ziel bereits \u00fcberschritten.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p>Kirche-Oldenburg<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.kirche-oldenburg.de\/\/aktuell\/news-niedersachsen\/artikel\/gruselig-und-paradiesisch-warum-moore-seit-jahrhunderten-faszinieren-und-heute-so-wichtig-sind\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gruselig und paradiesisch &#8211; Warum Moore seit Jahrhunderten faszinieren und heute so wichtig sind<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Papenburg\/Kr. Emsland (epd). \u00abO schaurig ist&#8217;s \u00fcbers Moor zu&nbsp;gehn&#8230;\u00bb: Das Gedicht \u00abDer Knabe im Moor\u00bb von Annette von Droste-H\u00fclshoff erinnert an Zeiten, als Moore noch furchteinfl\u00f6\u00dfende Landschaften waren. 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