{"id":26110,"date":"2024-01-02T07:06:00","date_gmt":"2024-01-02T06:06:00","guid":{"rendered":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wir-nehmen-die-menschen-hier-wie-sie-sind-im-zahnmobil-der-diakonie-werden-wohnungslose-kostenlos-behandelt\/"},"modified":"2024-01-03T10:17:31","modified_gmt":"2024-01-03T09:17:31","slug":"wir-nehmen-die-menschen-hier-wie-sie-sind-im-zahnmobil-der-diakonie-werden-wohnungslose-kostenlos-behandelt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wir-nehmen-die-menschen-hier-wie-sie-sind-im-zahnmobil-der-diakonie-werden-wohnungslose-kostenlos-behandelt\/","title":{"rendered":"\u00abWir nehmen die Menschen hier, wie sie sind\u00bb &#8211; Im Zahnmobil der Diakonie werden Wohnungslose kostenlos behandelt"},"content":{"rendered":"<p>Seit zw\u00f6lf Jahren versorgt das Zahnmobil in Hannover Menschen ohne Krankenversicherung. Vor kurzem hat das Team ein neues Fahrzeug in Betrieb genommen. Das Angebot ist nicht nur f\u00fcr Obdachlose oft die letzte Rettung.<\/p>\n<p>\nHannover (epd). Zahnarzthelferin Angela McLeod (60) wischt mit Desinfektionst\u00fcchern \u00fcber den Behandlungsstuhl und legt frische Instrumente auf das Tablett. Auf den ersten Blick unterscheidet sich ihr Arbeitsplatz in nichts von einem Behandlungsraum in einer gew\u00f6hnlichen Zahnarztpraxis. Doch dieser Raum befindet sich heute mitten auf dem Raschplatz hinter Hannovers Hauptbahnhof, genauer: in einem Kleintransporter, der jede Woche mehrere Orte in der nieders\u00e4chsischen Landeshauptstadt anf\u00e4hrt, um kostenlose zahnmedizinische Behandlungen anzubieten.<\/p>\n<p>\nDas Angebot der Diakonie richtet sich in erster Linie an Menschen, die auf der Stra\u00dfe leben und nicht krankenversichert sind. Doch auch mit Krankenkasse-Karte sto\u00dfen Wohnungslose in Zahnarztpraxen oft auf Ablehnung. McLeod und ihre Mitarbeiter gehen deshalb auf die Menschen zu, indem sie sich selbst auf die Stra\u00dfe begeben. \u00abDamit ist eine Schwelle weg, die sonst in einer Praxis immer vorhanden ist\u00bb, sagt McLeod. Schon seit zw\u00f6lf Jahren &#8211; so lange, wie es das Angebot gibt &#8211; arbeitet sie in der rollenden Minipraxis. Zwei ehrenamtliche Kr\u00e4fte, ein Fahrer und ein Zahnarzt, begleiten sie bei jedem Einsatz.<\/p>\n<p>\nDas Zahnmobil, das auf die private Initiative der heute 91-j\u00e4hrigen Zahn\u00e4rztin Ingeburg Mannherz und ihres Ehemanns Werner Mannherz zur\u00fcckgeht, war bei seiner Gr\u00fcndung bundesweit eines der ersten zahnmedizinischen Angebote dieser Art. Seitdem wurden darin mehr als 5.000 Menschen behandelt. Die j\u00e4hrlichen Kosten von rund 80.000 Euro werden durch Spenden und Zusch\u00fcsse der Diakonie finanziert, wie Carsten Kr\u00fcger vom F\u00f6rderverein erl\u00e4utert. Um das zuletzt sehr wartungsbed\u00fcrftige alte Fahrzeug zu ersetzen, wurde im Sommer f\u00fcr 180.000 Euro ein neues Auto gekauft und eingerichtet.<\/p>\n<p>\nAngela McLeod ist nicht nur die Seele des Mobils, als gute Seele empfinden sie auch viele der Patientinnen und Patienten. Denn sie fragt nach und h\u00f6rt zu, wenn die Menschen aus ihrem meist harten Leben auf der Stra\u00dfe erz\u00e4hlen. \u00abWir nehmen die Menschen hier, wie sie sind\u00bb, erz\u00e4hlt sie. \u00abIch streichle auch die Wange und nehme die Leute in den Arm.\u00bb<\/p>\n<p>\nMehr als 20 Zahn\u00e4rztinnen und Zahn\u00e4rzte arbeiten derzeit regelm\u00e4\u00dfig f\u00fcr das Mobil, einige nach Feierabend, aber auch viele Ruhest\u00e4ndler. Einer von ihnen ist Mainolf Krillke (70) aus Werl bei Soest, der f\u00fcr die Eins\u00e4tze regelm\u00e4\u00dfig nach Hannover pendelt. Im Zahnmobil gehe es vor allem darum, akute Schmerzen zu behandeln, also etwa Z\u00e4hne zu ziehen und L\u00f6cher zu f\u00fcllen, erl\u00e4utert er.<\/p>\n<p>\nNur in Ausnahmef\u00e4llen bieten Krillke und seine Kollegen auch Behandlungen jenseits der Basisversorgung an, wie etwa Wurzelbehandlungen oder Prothesen. Nachwuchsprobleme gebe es derzeit nicht, sagt er. Trotzdem hofft er, dass mehr junge Kolleginnen und Kollegen seinem Beispiel folgen und im Zahlmobil arbeiten. \u00abDas tut einem sehr gut.\u00bb<\/p>\n<p>\nDoch nicht nur Obdachlose nutzen das Angebot, sondern auch B\u00fcrger, die aufgrund ungl\u00fccklicher Umst\u00e4nde jeden Versicherungsschutz verloren haben. Als Beispiel nennt Krillke etwa Architekten oder Malermeister, die als Selbstst\u00e4ndige privat versichert waren und wegen Krankheit in die Insolvenz gegangen sind. Nach dem 55. Lebensjahr nehme sie die gesetzliche Krankenkasse oft nicht mehr auf. \u00abDas \u00e4rgert mich. Da muss das Gesetz irgendwann mal ge\u00e4ndert werden.\u00bb<\/p>\n<p>\nAu\u00dferdem f\u00e4hrt die rollende Praxis seit 2022 immer wieder die Notunterkunft f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge auf dem Messegel\u00e4nde an. Die dort untergebrachten Gefl\u00fcchteten, vor allem Ukrainer, haben zwar Anspruch auf Versorgung im regul\u00e4ren Gesundheitssystem. Eine ordentliche Anamnese scheitere aber oft an der Sprache, erl\u00e4utert Carsten Kr\u00fcger vom F\u00f6rderverein. Viele Kollegen \u00fcberfordere das.<\/p>\n<p>\nDie Mitarbeiter des Zahnmobils hingegen haben \u00fcber die Jahre gelernt, die Sprachbarriere zu \u00fcberwinden, etwa indem sie digitale \u00dcbersetzungshilfen nutzen oder die Patienten bitten, einen Dolmetscher mitzubringen. Bis heute seien in dem Mobil Menschen aus hundert Nationen behandelt worden, sagt Kr\u00fcger.<\/p>\n<p>\nAngela McLeod hat im Zahnmobil insgesamt deutlich mehr Verantwortung, als sie als Zahnarzthelferin in einer regul\u00e4ren Praxis h\u00e4tte, wie sie sagt. Dennoch kann sie sich derzeit keine sch\u00f6nere T\u00e4tigkeit vorstellen. \u00abDas ist auch ein Herzensding.\u00bb Viele Patienten kenne sie schon seit vielen Jahren. Auch von denen, die es geschafft haben, von der Stra\u00dfe wegzukommen, sehe sie einige wieder. \u00abDie kommen trotzdem hierher und sagen: Es war toll, dass ihr da wart. Zum Beispiel, wenn wir eine Frontzahnf\u00fcllung gemacht haben, die f\u00fcr die Person superwichtig war.\u00bb<\/p>\n<p>Kirche-Oldenburg<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.kirche-oldenburg.de\/\/aktuell\/news-niedersachsen\/artikel\/wir-nehmen-die-menschen-hier-wie-sie-sind-im-zahnmobil-der-diakonie-werden-wohnungslose-kostenlos-behandelt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00abWir nehmen die Menschen hier, wie sie sind\u00bb &#8211; Im Zahnmobil der Diakonie werden Wohnungslose kostenlos behandelt<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit zw\u00f6lf Jahren versorgt das Zahnmobil in Hannover Menschen ohne Krankenversicherung. Vor kurzem hat das Team ein neues Fahrzeug in Betrieb genommen. Das Angebot ist nicht nur f\u00fcr Obdachlose oft die letzte Rettung. Hannover (epd). Zahnarzthelferin Angela McLeod (60) wischt mit Desinfektionst\u00fcchern \u00fcber den Behandlungsstuhl und legt frische Instrumente auf das Tablett. 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