{"id":2891,"date":"2015-09-04T09:44:00","date_gmt":"2015-09-04T07:44:00","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/wem-gehoert-das-sterben\/"},"modified":"2015-09-04T09:44:00","modified_gmt":"2015-09-04T07:44:00","slug":"wem-gehoert-das-sterben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wem-gehoert-das-sterben\/","title":{"rendered":"Wem geh\u00f6rt das Sterben?"},"content":{"rendered":"<p>Was ist eigentlich Leben und Sterben in W\u00fcrde? Diese Frage war zentral in der Diskussion zum Thema \u201eDein Wille geschehe \u2013 Optionen in der aktuellen Debatte um Sterbehilfe\u201c, die am Donnerstag, 3. September von der Ev. Akademie veranstaltet wurde. Auf dem Podium diskutierten die Expertin f\u00fcr Medizinethik Prof. Dr. Bettina Sch\u00f6ne-Seifert von der Universit\u00e4t M\u00fcnster, der Oldenburger Arzt Prof. Dr. Michael Schwarz-Eywill, der Theologische Referent am Zentrum f\u00fcr Gesundheitsethik Hannover, Dr. Michael Coors, und der Vizepr\u00e4sident des Humanistischen Verbands Deutschlands, Niedersachsen, Eckhard K\u00fchl.<br \/>\n<br \/>\u201eBesteht die W\u00fcrde des Menschen darin, sein Ende selbst w\u00e4hlen zu k\u00f6nnen? Mindert es die W\u00fcrde, auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein? Oder zeigt sich gerade in der Angewiesenheit, was die W\u00fcrde des Menschen kennzeichnet \u2013 n\u00e4mlich, sein Leben in Beziehungen zu f\u00fchren?\u201c Mit Fragen wie diesen er\u00f6ffnete Olaf Grobleben, Beauftragter f\u00fcr Ethik und Weltanschauungsfragen der oldenburgischen Kirche, die Diskussion. Es wurde schnell deutlich, dass die Debatte um die Sterbehilfe und Sterbegegleitung \u2013 bei aller Professionalit\u00e4t der Teilnehmenden \u2013 eine sehr pers\u00f6nliche ist. \u201eWeil die W\u00fcrde eines Menschen aus evangelischer Sicht auf der Mitmenschlichkeit beruht, habe ich die Pflicht, zu helfen. Doch diese F\u00fcrsorgepflicht hei\u00dft nicht, dass jeder Mensch leben muss\u201c, betonte Michael Coors. \u201eWem geh\u00f6rt denn mein Sterben, mein Ende? Wann macht mein Leben noch einen Sinn macht? Das muss ich selbst entscheiden k\u00f6nnen\u201c, so Eckhard K\u00fchl. \u201e\u00dcber ein selbstbestimmtes Ende m\u00f6chte ich mit dem Arzt meines Vertrauens sprechen \u2013 und das ist eben nicht unbedingt der Facharzt im Krankenhaus, den ich kaum kenne.\u201c Autonomie hei\u00dfe, Verantwortung zu \u00fcbernehmen. F\u00fcr ihn ist keiner der aktuell debattierten Gesetzentw\u00fcrfe akzeptabel.<br \/>\n<br \/><b>\u201eOft eine gro\u00dfe Hilflosigkeit\u201c<\/b><br \/>Er erlebe im Ernstfall oft eine gro\u00dfe Hilflosigkeit, so Michael Schwarz-Eywill. \u201eTrotz Patientenverf\u00fcgung und obwohl die Angeh\u00f6rigen eigentlich wissen, wof\u00fcr der Patient sich ausgesprochen hat.\u201c Denn nicht nur der Patient selbst, auch Angeh\u00f6rige und Freunde m\u00fcssten letztendlich mit der Entscheidung zum assistierten Suizid klarkommen. \u201eDas d\u00fcrfen wir nicht aus den Augen verlieren\u201c, mahnte er. Es gehe nicht darum, den Menschen etwas auszureden, sondern ihnen Angebote zu machen, meinte er und bezog sich damit auf Palliativmedizin und Hospizarbeit. \u201eMeine Erfahrung ist: In den meisten F\u00e4llen f\u00fchrt die Hilfestellung, die wir den Familien geben, zu einem Konsens.\u201c<br \/>\n<br \/>Sie f\u00fchle sich durch die \u00c4rztefunktion\u00e4rssicht \u00fcberhaupt nicht vertreten und empfinde sie als Skandal, machte Bettina Sch\u00f6ne-Seifert deutlich und bezog sich damit auf die Haltung der Bundes\u00e4rztekammer, den \u00e4rztlich begleiteten Suizid komplett abzulehnen. \u201eSterbehilfe durch Therapieverzicht passiert in deutschen Krankenh\u00e4usern l\u00e4ngst zu Tausenden. Indirekte Sterbehilfe etwa durch Nebenwirkungen von Medikamenten ist ebenfalls Realit\u00e4t\u201c, sagte sie. Den \u00c4rzten aber m\u00fcsse mehr Rechtssicherheit gegeben werden. \u201eFaktisch haben viele \u00c4rzte ein Problem damit \u2013 und es gibt nicht wenige Patienten, die niemanden finden, der sie beim Suizid begleitet, auch wenn es nicht verboten ist.\u201c Das best\u00e4tigte Schwarz-Eywill. \u201eViele Kollegen sind unsicher, was sie d\u00fcrfen.\u201c Gleichzeitig aber seien \u00c4rzte auch dazu da, am Lebensende beratend t\u00e4tig zu sein: \u201eGerade die jungen Kollegen m\u00fcssen etwa \u00fcber die M\u00f6glichkeiten der Palliativmedizin mehr wissen. Selbst wenn es gen\u00fcgend Palliativmediziner g\u00e4be, l\u00f6ste das allein das Problem nicht, hielt Sch\u00f6ne-Seifert dem entgegen. \u201eEs ist nicht in Ordnung zu sagen, Sterben ohne Schmerz w\u00e4re W\u00fcrde genug.\u201c Gleichzeitig prangerte sie mit deutlichen Worten die Doppelmoral an, \u201edass es in Ordnung ist, Schl\u00e4uche zu ziehen. Aber Patienten, die nicht an Schl\u00e4uchen h\u00e4ngen, aber aufgrund ihres unertr\u00e4glichen Leidens nicht mehr leben wollen, verweigert man die Hilfe zum Suizid.\u201c<br \/>\n<br \/>Sterben aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden?<br \/>Auch das Publikum mischte sich engagiert ein. Kontrovers diskutiert wurde die Frage, ob der wirtschaftlichen Aspekt in der Debatte eine Rolle spiele: Sterbehilfe, weil die Langzeitpflege eines alten Menschen das Erbe schm\u00e4lert? \u201eDiese Gefahr sehe ich nicht\u201c, betonte Schwarz-Eywill. \u201eWir machen es uns da nicht einfach. Es ist der richtige Ansatz, dass wir die Frage der Sterbehilfe so intensiv diskutieren.\u201c Michael Coors dagegen sah die Gefahr durchaus: \u201eGerade wenn auch das Eigenkapital f\u00fcr die Pflege draufgeht, spielt diese Frage eine gro\u00dfe Rolle. Wenn die Menschen dann selbst sagen, sie m\u00f6chten nicht l\u00e4nger gepflegt werden, muss man das erstmal ernst nehmen.\u201c Wer sich aus der Sterbehilfe mit dem Berufsethos herausrede, m\u00fcsse auch klar Stellung beziehen zu Themen wie Pr\u00e4nataldiagnostik oder \u00e4sthetischen Eingriffen, gab ein Teilnehmer zu bedenken. Die \u00c4rzte im Intensivmedizinischen Bereich seien sich im Hinblick auf indirekte Sterbehilfe nicht einig, bem\u00e4ngelte ein Zuh\u00f6rer. \u201eEs ist ein ungutes Gef\u00fchl, auf Gl\u00fcck oder Pech angewiesen zu sein, je nachdem, an welchen Arzt man ger\u00e4t.\u201c In diesem Fall appellierte Schwarz-Eywill an die Pflegekr\u00e4fte in den Krankenh\u00e4usern: \u201eSie haben oft eine bessere Einsicht in den Patientenwillen als die \u00c4rzte, weil sie n\u00e4her dran sind.\u201c Aber auch die \u00c4rzte seien zum Gl\u00fcck \u201ekeine Halbg\u00f6tter in Wei\u00df\u201c, sondern tr\u00e4fen ihre Entscheidungen im Team.<br \/><i>Anke Brockmeyer<\/i><br \/>\n<i><\/i><br \/>\n<b>Weitere Impulse<\/b> zum Thema finden Sie in der aktuellen Ausgabe von&nbsp; \u201ehorizont E\u201c.&nbsp;<i><br \/><\/i><br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ist eigentlich Leben und Sterben in W\u00fcrde? 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