{"id":3060,"date":"2015-10-09T11:39:00","date_gmt":"2015-10-09T09:39:00","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/pfarrhaus-ist-ein-tisch-der-begegnung\/"},"modified":"2015-10-09T11:39:00","modified_gmt":"2015-10-09T09:39:00","slug":"pfarrhaus-ist-ein-tisch-der-begegnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/pfarrhaus-ist-ein-tisch-der-begegnung\/","title":{"rendered":"\u201ePfarrhaus ist ein Tisch der Begegnung\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Was bedeutet es eigentlich, das Leben im Pfarrhaus? Was macht es zu etwas Besonderem, und wie hat es sich \u00fcber die Jahrhunderte entwickelt? Davon erz\u00e4hlt die Ausstellung \u201eLeben nach Luther. Eine Kulturgeschichte des evangelischen Pfarrhauses\u201c, die bis zum 21. November in der Landesbibliothek Oldenburg zu sehen ist. Bevor die Besucherinnen und Besucher der Ausstellungser\u00f6ffnung sich selbst ein Bild davon machten, f\u00fchrten der oldenburgische Bischof Jan Janssen, die Pr\u00e4sidentin der Bremischen Evangelischen Kirche, Edda Bosse, und die Kulturwissenschaftlerin Dr. Andrea Hauser ins Thema ein.<\/p>\n<p>Es sei gut, dass heute nicht mehr nur die Pfarrfamilie im Pfarrhaus leben d\u00fcrfe, \u201esondern auch Singles oder zwei M\u00e4nner zusammen\u201c, machte Edda Bosse deutlich. Das pr\u00e4gende Element aus dem Hause Luthers sei der Esstisch gewesen, wo sich immer wieder Menschen versammelt h\u00e4tten. \u201eEinen solchen Tisch zur Begegnung w\u00fcnsche ich mir in jedem Pfarrhaus. Einen Tisch, der Verbindlichkeit, Vertrauen und den Genuss an Gottes guten Gaben bietet. Sie w\u00fcnsche sich einen Tisch wie den Luthers \u201ef\u00fcr unsere Pfarrh\u00e4user und unsere Herzen\u201c, so die Kirchenpr\u00e4sidentin.<\/p>\n<p>Er habe das Pfarrhaus als gastfreundliches, offenes Haus erlebt, als politisches und als musisch-kulturelles, erz\u00e4hlte Bischof Jan Janssen, selbst Pfarrerssohn. \u201eDaf\u00fcr bin ich dankbar \u2013 auch daf\u00fcr, hier und da Gegenentw\u00fcrfe zu gesellschaftlichen Entwicklungen erlebt zu haben.\u201c Das Pfarrhaus, so Janssen, sei immer nur Station. \u201eEs ist kein Privateigentum \u2013 die Menschen kommen eines Tages an und ziehen eines Tages weiter.&nbsp; Ob sich darum die Erfahrung von Heimat geradezu verlagert hat, etwa auf die hohe Kunst des Schreibens und vor allem Sammelns von Briefen, Predigten und B\u00fcchern \u2013 oder auch auf die bleibende Sehnsucht nach einem Garten?\u201c Auch ein Pfarrhaus sei eigentlich total normal. \u201eIm besten Fall gibt es dort f\u00fcrs Leben Freiheit und Freude zu lernen\u201c, schloss der Bischof.<\/p>\n<p>Das Pfarrhaus k\u00f6nne \u201eeine Insel der Fr\u00f6mmigkeit oder der Anfang des Zweifels\u201c sein, so die Kulturwissenschaftlerin Dr. Andrea Hauser in ihrem Impulsreferat \u201eSelbst- und Fremdbilder im Wandel\u201c. Noch immer werde das Bild des Pfarrhauses vom 18. Jahrhundert gepr\u00e4gt, die dargestellte Idylle, das Pfarrhaus als Sehnsuchtsort aber, \u201edas war schon damals Mythos\u201c, sagte sie. Erst durch die Reformation und die Aufhebung des Z\u00f6libats habe sich \u00fcberhaupt die Pfarrfamilie entwickeln k\u00f6nnen. Seither gilt das Leben im Hause Luthers mit Geselligkeit und Gespr\u00e4ch als pr\u00e4gend. \u201eDabei war Luther gar kein Pfarrer, und seine Frau Katharina von Bora auch keineswegs die typische Pfarrfrau\u201c, r\u00e4umte Hauser mit dieser Vorstellung auf. Im 19. Jahrhundert sei das Pfarrhaus zum Idealbild der b\u00fcrgerlichen Familie geworden, die Trennung von beruflichem und privatem Leben sei lange nicht m\u00f6glich gewesen. \u201eDas Pfarrhaus war ein gl\u00e4sernes Haus.\u201c Das empfinde mancher auch heute noch so. Ein vorbildlicher Lebenswandel, die Frau des Pfarrers, die sich sozial engagierte \u2013 diese Erwartungshaltung h\u00e4tten gerade im l\u00e4ndlichen Bereich viele Menschen an \u201eihren\u201c Pfarrer. Durch die Aufkl\u00e4rung und die damit verbundene Kritikf\u00e4higkeit wurden die Pfarrh\u00e4user auch politisch. \u201eDas zeigte sich unter anderem in der 68-er Bewegung\u201c, so Hauser. <\/p>\n<p>Mittlerweile wandeln sich das Pfarrhaus und sein \u201eInnenleben\u201c: Ganz selbstverst\u00e4ndlich lebt hier auch eine Pfarrerin, ein Pfarrer ohne Familie, eine Pfarrfrau, die einen eigenen Beruf hat. Den Wandel in der Geschichte und der Bedeutung des Pfarrhauses innerhalb der Gesellschaft zeichnet die Ausstellung mit detaillierten Texten, Bildern und regionalen Besonderheiten nach und regt damit zum Diskurs an. Die Landesbibliothek selbst, verriet Leiterin Corinne Roeder, habe noch ein eigenes Exponat in die Ausstellung \u201egeschmuggelt\u201c: eine Lutherbibel mit einer Widmung Luthers an den Eigent\u00fcmer. Pfarrh\u00e4user aus der heutigen Zeit haben ganz unterschiedliche Ausstellungsgegenst\u00e4nde beigesteuert: Da stehen kleine Engel neben Fu\u00dfballspielern, Buddelschiffe neben Lutherfiguren. Auch das zeigt, wie vielseitig es ist, das Leben im Pfarrhaus, und wie sehr es von den Menschen gepr\u00e4gt wird, die dort leben.<\/p>\n<p>Im Rahmen der Ausstellung wird am Sonntag, 8. November, ein Erz\u00e4hlcaf\u00e9 zum Leben im Pfarrhaus angeboten, verbunden mit dem Film \u201eDas wei\u00dfe Band\u201c (Cine k, 11.30 Uhr). Die Ausstellung ist montags bis freitags von 10 bis 19 Uhr ge\u00f6ffnet, samstags von 9 bis 12 Uhr. Weitere Veranstaltungen und Informationen finden Sie unter www.akademie-oldenburg.de und www.lb-oldenburg.de<br \/><span style=\"font-style: italic\">Anke Brockmeyer<\/span><br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was bedeutet es eigentlich, das Leben im Pfarrhaus? Was macht es zu etwas Besonderem, und wie hat es sich \u00fcber die Jahrhunderte entwickelt? Davon erz\u00e4hlt die Ausstellung \u201eLeben nach Luther. Eine Kulturgeschichte des evangelischen Pfarrhauses\u201c, die bis zum 21. November in der Landesbibliothek Oldenburg zu sehen ist. Bevor die Besucherinnen und Besucher der Ausstellungser\u00f6ffnung sich selbst ein Bild davon machten, f\u00fchrten der oldenburgische Bischof Jan Janssen, die Pr\u00e4sidentin der Bremischen Evangelischen Kirche, Edda Bosse, und die Kulturwissenschaftlerin Dr. Andrea Hauser ins Thema ein. Es sei gut, dass heute nicht mehr nur die Pfarrfamilie im Pfarrhaus leben d\u00fcrfe, \u201esondern auch Singles&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"false","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[43],"tags":[44],"class_list":["post-3060","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kirche-oldenburg","tag-kirche-oldenburg"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3060","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3060"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3060\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3060"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3060"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3060"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}