{"id":3311,"date":"2015-11-30T17:34:00","date_gmt":"2015-11-30T16:34:00","guid":{"rendered":"http:\/\/christusnews.de\/site\/bischof-janssen-predigte-von-frisch-renovierter-kanzel-in-blexen\/"},"modified":"2015-11-30T17:34:00","modified_gmt":"2015-11-30T16:34:00","slug":"bischof-janssen-predigte-von-frisch-renovierter-kanzel-in-blexen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christusnews.de\/site\/bischof-janssen-predigte-von-frisch-renovierter-kanzel-in-blexen\/","title":{"rendered":"Bischof Janssen predigte von frisch renovierter Kanzel in Blexen"},"content":{"rendered":"<p>Die Kanzel der St.-Hippolyt-Kirche in Blexen\/Nordenham im Kirchenkreis Wesermarsch erstrahlt nach ihrer rund sechsmonatigen Renovierung in neuem Glanz, der inhaltlich auf das Jahr 1852 zur\u00fcckgeht. In jenem Jahr erhielt der Predigtstuhl eine dem Zeitgeist des Klassizismus geschuldete \u00dcberarbeitung mit intensiverer Farbgebung und Imitationen wertvoller Materialien. <\/p>\n<p>Restaurator Uwe Pleninger aus Hannover hat sich im Sommer 2015 intensiv mit dem Werk aus der Werkstatt M\u00fcnstermanns auseinandergesetzt und mit unendlicher Geduld und einem guten Gesp\u00fcr f\u00fcr die Handschrift des Holzschnitzers den h\u00f6lzernen Predigtstuhl ges\u00e4ubert, ausgebessert, lackiert und ummontiert. Mit M\u00fcnstermann-Werken kennt sich der Kunsthandwerker bestens aus, denn auch in der St.-Matth\u00e4us-Kirche in Rodenkirchen\/Stadland hat er vor drei Jahren den dortigen M\u00fcnstermann-Altar fachlich hervorragend restauriert. <\/p>\n<p>Mit einem Festgottesdienst wurde am Sonntag, 29. November, das historisch wertvolle Kunstwerk in der St.-Hippolyt-Kirche quasi neu in Betrieb genommen. Als erster durfte Bischof Jan Janssen die frisch restaurierte Kanzel in Gebrauch nehmen. In seiner Predigt (zu Markus 1,1-8, Johannes der T\u00e4ufer geht in die W\u00fcste) stellte Bischof Janssen die Frage nach dem Anfang aller Predigten und aller Prediger, welcher Johannes der T\u00e4ufer war. Somit erz\u00e4hle die Kanzel etwas \u00fcber Johannes und die vier Evangelisten Markus, Lukas, Matth\u00e4us und Johannes, deren Worte in der Bibel niedergeschrieben sind. Von der Kanzel in Blexen werde seit nahezu 380 Jahren ebenfalls die Stimme des Predigers und der Predigerin vernommen, die nun zu einem gro\u00dfen Chor beitr\u00fcgen. \u201eDie Figurenreihe der Kanzel erz\u00e4hlt von Johannes. Und die Kunstgeschichte erz\u00e4hlt von Johann\u201c, so Janssen weiter. <\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich ging der Auftrag zum Bau der Kanzel im Jahr 1638 an den alten Schnitzmeister Ludwig M\u00fcnstermann aus Hamburg, der wohl noch vor seinem Tod im selben Jahr die Vorzeichnungen und die Konzeption erstellt hat. Das theologische Programm wurde von dem damaligen Pastor Gerhardus Hanneken erarbeitet und in Auftrag gegeben. Nach dem Tod seines Vaters f\u00fchrte Johann M\u00fcnstermann die Arbeiten weiter und hat sich konsequenterweise auch mit seinen Initialen und seinem Zunftzeichen in einer Engelsfigur mittig unter dem Kanzelkorb verewigt. \u201eWer wei\u00df, ob damit nicht der junge Meister M\u00fcnstermann gleich am Anfang seiner neuen Verantwortung auch seinen ganz pers\u00f6nlichen Bezug zum Glauben festgehalten hat?\u201c, so Bischof Janssen. <\/p>\n<p>Das \u00c4u\u00dfere von Johannes dem T\u00e4ufer, der mit Kamelhaargewand und ledernem G\u00fcrtel daherkam und Heuschrecken und wilden Honig a\u00df, w\u00fcrde man heute wohl guthei\u00dfen angesichts der Regionalit\u00e4t der Produkte, vermutete Janssen und entlockte den Zuh\u00f6renden im Kirchenschiff damit ein am\u00fcsiertes Schmunzeln. Doch seine Worte kl\u00e4ngen eindringlich \u00fcber Zeit und Raum hinweg nach, aus der W\u00fcste bis in die Wesermarsch hinein. Bischof Janssen richtete w\u00e4hrend der Predigt auch seinen Blick nach oben, wo im Kanzelkopf zentral eine wei\u00dfe Taube \u00fcber dem Kopf des Predigers schwebt. Die Verk\u00fcnderin der Friedenshoffnung flattere auch heute noch \u00fcber jedem Predigtversuch. <\/p>\n<p>Der Kirchengemeinde Blexen dankte Bischof Janssen f\u00fcr das Engagement und den unerm\u00fcdlichen Einsatz \u00fcber Jahre, um das Gro\u00dfprojekt Kanzelrenovierung endlich durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen. \u201eDas alles zeigt: Nicht nur M\u00fcnstermanns Figuren, auch das Helfen und Mitwirken in der Gemeinde hat Hand und Fu\u00df!\u201c Und weiter: \u201eNehmen wir sie wieder in den Dienst f\u00fcr das Wort Gottes, wie es ihre Umschrift hier aus Paulus erstem Brief an die Gemeinde in Thessaloniki sagt: Sondern wie es denn wahrhaftig ist nicht als Menschen, als Gotteswort!\u201c <\/p>\n<p>\u201eWer hat schon einen so sch\u00f6nen Arbeitsplatz\u201c, freute sich Pfarrer Dietmar Reumann-Cla\u00dfen von der Kirchengemeinde Blexen. Die gro\u00dfe Spendenbereitschaft habe gezeigt, dass hier viele Menschen lebten, die zu ihrer Kirche st\u00fcnden, so der Pastor. Er bewunderte auch die Arbeit von Restaurator Pleninger, der sich akribisch mit den kleinsten Details besch\u00e4ftigt und ihnen St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck zu neuem Glanz verholfen hatte. <\/p>\n<p>Um die hohen Kosten von insgesamt 42.000 Euro f\u00fcr die Restaurierung aufzubringen, waren mehrere Stiftungszuwendungen unumg\u00e4nglich. So kamen 15.000 Euro von der Johann-Emkes-Stiftung, die treuh\u00e4nderisch von der Deutschen Stiftung f\u00fcr Denkmalschutz betreut wird. Die Kirchbaustiftung der oldenburgischen Kirche steuerte 12.000 Euro bei, der Kirchbauverein der St.-Hippolyt-Kirche spendete 4.700 Euro und von Privatspendern aus der Gemeinde kamen insgesamt 8.000 Euro. Das Geld sammelte der Kirchbauverein bei Kirchenf\u00fchrungen und Kollekten ein. <\/p>\n<p>\u201e\u00dcber Jahre habe ich das Geld aus Kirchenf\u00fchrungen f\u00fcr das Projekt gesammelt\u201c, erkl\u00e4rte Herbert Dannemeyer, Schriftf\u00fchrer des Kirchbauvereines und ehrenamtlicher Kirchenf\u00fchrer. Der Vorsitzende des Kirchbauvereines Rechtsanwalt Wolfgang Schaarschmidt aus Bremen wies in seiner Ansprache bei der anschlie\u00dfenden Feierstunde darauf hin, dass sich der Verein vor 14 Jahren gegr\u00fcndet hatte, um endlich die dringend erforderliche Renovierung der Kanzel vornehmen zu k\u00f6nnen. Er ging auch auf die historische Entwicklung des Predigtstuhles hin. Da die Kanzel im Jahr 1965 an ihren heutigen Platz im Kirchenschiff versetzt wurde, war es teilweise zu Besch\u00e4digungen gekommen. Viele Diskussionen und Gespr\u00e4che waren n\u00f6tig, um das jetzige Ergebnis bestaunen zu k\u00f6nnen. Schaarschmidt lobte auch die umsichtige Arbeit des Restaurators Uwe Pleninger, der zudem stets bereit war, Besuchern Fragen zu beantworten. \u201eDie Sch\u00f6nheit, Bildsprache, Ausstrahlung und W\u00fcrde sind nun f\u00fcr alle sichtbar\u201c, so der Vorsitzende. <\/p>\n<p>Dipl.-Ing. Achim Kn\u00f6fel vom Oberkirchenrat in Oldenburg, der die Aufsicht \u00fcber die Restaurierungsarbeiten hatte, hob die Besonderheiten der Kanzel und der Kirche hervor. Das erste Werk M\u00fcnstermanns sei das Altarretabel von 1610 gewesen, dann wurde 1638 die Kanzel in Auftrag gegeben. Zum Gl\u00fcck seien im 19. Jahrhundert nicht \u2013 wie an anderen Orten vielfach praktiziert \u2013 die alten Kirchenelemente einfach entsorgt worden. \u201eHier ging man um einiges schonender mit den Werken M\u00fcnstermanns um\u201c, berichtete Kn\u00f6fel. Durch die neue Farbfassung aus dem Jahr 1852 im Stil des Klassizismus sei die Kanzel auf Augenh\u00f6he mit der Oldenburger Kunstszene gewesen. <\/p>\n<p>Bei der neuerlichen Restaurierung wurden in Blexen hoch pigmentierte lichtechte \u00d6lfarben aufgetragen, die 200 bis 300 Jahre halten sollen. Auch Gouachefarben kamen zum Einsatz. Im Stil des Klassizismus wurden mit den Farben Materialien wie Edelsteine, Marmor, Alabaster, Rosenholz und sogar Bronze auf dem Eichenholz nachgeahmt. \u201eEinmalig ist, dass alle Elemente der Kanzel erhalten geblieben sind\u201c, freute sich Pleninger. <\/p>\n<p>In der St.-Hippolyt-Kirche wartete noch eine besondere Aufgabenstellung auf Restaurator Pleninger, die sich aber erst w\u00e4hrend der Arbeiten herauskristallisierte. Einige Figuren und Reliefs waren n\u00e4mlich im Zuge der letzten Restaurierungsarbeiten vor 50 Jahren aufgrund von Unwissenheit oder beabsichtigt vertauscht worden. So wurde Johannes der T\u00e4ufer in die hintere rechte Ecke platziert, obwohl er aufgrund der Erz\u00e4hlreihenfolge in der linken Ecke den Anfang der Figuren h\u00e4tte machen m\u00fcssen. Diese alte Erz\u00e4hlreihenfolge hat Pleninger nun wieder hergestellt und musste dazu die Reliefs und die Figuren in die Nischen der Kanzel neu einarbeiten. <\/p>\n<p>Ein Engelskopf wurde ebenfalls versetzt, da sich hinter ihm ein unlesbares Erz\u00e4hlschild verbarg. Au\u00dferdem konnte Pleninger drei Putten, die jahrelang im Kirchturm verstaut waren, reaktivieren und sie an ihre urspr\u00fcnglichen Pl\u00e4tze \u00fcber dem Kanzelkopf montieren. <\/p>\n<p>Als Ortskuratorin der Deutschen Stiftung Denkmalschutz freute sich D\u00f6rte Lossin \u00fcber die hervorragende und gelungene Arbeit. Hier w\u00fcrden drei Zeiten miteinander verbunden. Die des Gro\u00dfvaters Johann Hayen-Emkes, des Enkels Dr. Harro L\u00fchrmann in der Gegenwart und die Zukunft, in der die Gemeinde sowie die Besucherinnen und Besucher in der Kirche Ruhe finden, die Meisterwerke betrachten und sich an Ludwig M\u00fcnstermann erinnern k\u00f6nnten. \u201eSeht, welch kostbares Erbe!\u201c, schloss sie ihre Ausf\u00fchrungen. <\/p>\n<p>Eigens aus Regensburg in seien alte Heimat im Norden angereist war das Stiftungsgr\u00fcnderpaar L\u00fchrmann. Sie wurden beide im nahen Hude gro\u00df und haben ihre Heimat nicht vergessen. Dr. Harro L\u00fchrmann konnte Pastor Dietmar Reumann-Cla\u00dfen ein Bronzeschild der Deutschen Stiftung Denkmalschutz \u00fcberreichen, in dem bescheinigt wird, dass die Blexer Kanzel zu den bedeutendsten kunsthistorischen Werken geh\u00f6rt. <\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\">Ein Beitrag von Beatrix Schulte.<br \/><\/span><br \/>\nSource: Kirche-Oldenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kanzel der St.-Hippolyt-Kirche in Blexen\/Nordenham im Kirchenkreis Wesermarsch erstrahlt nach ihrer rund sechsmonatigen Renovierung in neuem Glanz, der inhaltlich auf das Jahr 1852 zur\u00fcckgeht. In jenem Jahr erhielt der Predigtstuhl eine dem Zeitgeist des Klassizismus geschuldete \u00dcberarbeitung mit intensiverer Farbgebung und Imitationen wertvoller Materialien. Restaurator Uwe Pleninger aus Hannover hat sich im Sommer 2015 intensiv mit dem Werk aus der Werkstatt M\u00fcnstermanns auseinandergesetzt und mit unendlicher Geduld und einem guten Gesp\u00fcr f\u00fcr die Handschrift des Holzschnitzers den h\u00f6lzernen Predigtstuhl ges\u00e4ubert, ausgebessert, lackiert und ummontiert. Mit M\u00fcnstermann-Werken kennt sich der Kunsthandwerker bestens aus, denn auch in der St.-Matth\u00e4us-Kirche in Rodenkirchen\/Stadland&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"false","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[43],"tags":[44],"class_list":["post-3311","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kirche-oldenburg","tag-kirche-oldenburg"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3311","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3311"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3311\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3311"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3311"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/christusnews.de\/site\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3311"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}